Digitale Tools besitzen hohes Potenzial zur individuellen Unterstützung des Leseverständnisprozesses in diversen Lerngruppen. Der Erfolg hängt dabei von Regelmäßigkeit, fachdidaktischer Einbettung und kognitiver Aktivierung ab. Die vorliegende österreichweite Fragebogenstudie (N = 252) liefert erstmals ein differenziertes Bild zum Einsatz digitaler Tools in der Lesedidaktik der Primarstufe. Etwa die Hälfte der Lehrpersonen nutzt digitale Tools regelmäßig im Leseunterricht, vorrangig zur Motivationssteigerung. Hauptsächlich kommen kostenfreie Anwendungen zum Einsatz, während insbesondere assistive Tools, die Lehrpersonen sowohl in der Planung als auch in der Durchführung des Leseunterrichts effektiv entlasten könnten, weitgehend unbekannt sind. Häufige und seltene Nutzer*innen unterscheiden sich vor allem in professionellen Dimensionen. Auf professioneller Ebene geben häufige Nutzer*innen zwar ein geringeres lesebezogenes Wissen an, berichten jedoch von einer höheren Teilnahme an Fortbildungen und setzen digitale Tools deutlich gezielter zur Förderung in der Lesedidaktik ein. Bei seltenen Nutzer*innen dienen digitale Medien häufiger der Belohnung, anstatt didaktisch-strukturiert im inklusiven Leseunterricht integriert zu werden. Es zeigen sich weder auf individueller noch auf struktureller Ebene signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Der Beitrag präsentiert die Fragebogenergebnisse zum aktuellen Einsatz digitaler Tools im Leseunterricht der Primarstufe in Österreich und diskutiert daraus resultierende Anforderungen für Fortbildungskonzepte und inklusive Unterrichtsentwicklung im Bereich des Lesens mittels digitaler Tools. Abstract Digital tools possess high potential for individually supporting reading comprehension processes in diverse learning groups. Success depends on regularity, subject-didactic integration, and cognitive activation. This Austria-wide survey study (N = 252) provides the first detailed examination of digital tool implementation in primary school reading instruction. Approximately half of the teachers regularly use digital tools in reading lessons, primarily to enhance motivation. Mainly free applications are employed, while knowledge about available support options is generally limited. Frequent and infrequent users differ primarily in professional dimensions. At the individual level, no robust differences emerge regarding age or the attribution of opportunities to digital media. At the professional level, frequent users report lower reading-related knowledge but indicate higher participation in professional development and employ digital tools more strategically for reading instruction support. Digital media are used by infrequent users rather as rewards than systematically integrated into subject didactics. Structural characteristics such as school technical equipment or classroom diversity do not differ significantly between groups. No meaningful differences are observed regarding risk attribution to digital media either. The article presents survey findings on current digital tool implementation in Austrian primary school reading instruction and discusses resulting requirements for professional development concepts and inclusive instructional development through digital tools.
Zusammenfassung: Studentisches Engagement (SE) rückt im Hochschulkontext im anglo-amerikanischen Bildungsraum seit den 1990ern verstärkt in den Fokus der Forschung. SE wird als multidimensionales Konstrukt operationalisiert, das emotionale, kognitive und behaviorale Komponenten umfasst. Derzeit präsentiert sich das Forschungsfeld als unübersichtlich und hinsichtlich der Forschungsperspektiven fragmentiert. Systematische Überblicksarbeiten im deutschen Sprachraum fehlen. Das vorliegende Scoping Review analysiert, systematisiert und strukturiert internationale Publikationen. Mit den Keywords „Student Engagement“ und „Higher Education“ wurde eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken EBSCO, Fachportal Pädagogik, ERIC und PSYNDEX durchgeführt, wobei der Zeitraum auf die Jahre ab 2010 bis 2023 eingegrenzt wurde. In das PRISMA-Ablaufschema wurden Fachartikel mit Peer-Review einbezogen, die im Volltext verfügbar sind. 64 Artikel erfüllten die Einschlusskriterien. Die Anzahl der Publikationen je Forschungsperspektive, die methodologischen Zugänge und die regionale Verortung der Publikationen wurden quantitativ ausgewertet. Für die inhaltliche Analyse wurde eine thematische Concept Map von Zepke (2021) als Kodierraster verwendet mit einer Differenzierung in psychologische, psychosoziale, soziokulturelle, sozioökologische und gesellschaftspolitische Perspektiven. In einem weiteren Schritt wurden die Artikel je Kategorie zusammenfassend inhaltsanalytisch ausgewertet. Der Großteil der Forschungsarbeiten (29 Artikel) bezieht sich auf die psychologische Perspektive. 11 Artikel beforschen SE aus einer psychosozialen Perspektive, die institutionelle Strukturen in den Fokus nimmt. Seltener gibt es Bezugnahmen zu einer sozioökologischen und gesellschaftspolitischen Perspektive (jeweils sechs Artikel). Der soziokulturellen Perspektive wurden drei Artikel zugeordnet. Induktiv ergänzt wurde die Kategorie Metaperspektive & Reviews (neun Artikel). Im Beitrag werden diese unterschiedlichen Forschungsperspektiven eingehend diskutiert und kritisch reflektiert. Es zeigt sich, dass die Forschungslandschaft heterogen ist und dass keine einheitliche Konzeptualisierung des Konstrukts SE verwendet wird. Die Forschungsergebnisse werden im Hinblick auf Implikationen für Forschung, Hochschulmanagement und Lehre diskutiert.
Rechtlich zulässige, aber normativ problematische Social-Media-Inhalte entziehen sich klassischen Präventions- und Regulierungslogiken, weil sie weder eindeutig strafbar noch als extremistisch erkennbar sind. Sie stellen somit eine besondere Herausforderung für den Schutz und die Bildung Jugendlicher dar. Der Beitrag untersucht, über welche ästhetischen, affektiven und sozialen Mechanismen solche Inhalte, in der Forschung als awful but lawful bezeichnet, radikalisierende Wirkungen entfalten können. Auf der Grundlage einer theoriegeleiteten Synthese empirischer Studien zu digitalen Grauzonen, Kommentarspalten und algorithmischer Personalisierung werden jene Wirkmechanismen rekonstruiert, die Zugehörigkeitskonstruktionen, Polarisierung und die schrittweise Normalisierung problematischer Deutungsmuster begünstigen. Als kulturtheoretischer Bezugsrahmen dient Stuart Halls Modell der Kodierung und Dekodierung, das sichtbar macht, wie visuelle Codes, Ironisierung und kommentargestützte Verstärkung ideologische Bedeutungen auf der konnotativen Ebene verankern. Die Analyse zeigt, dass der medienpädagogische Problemfokus verschoben werden muss: Nicht die Identifikation eindeutig extremistischer Inhalte steht im Zentrum, sondern das Verständnis jener Kommunikationszusammenhänge, in denen bestimmte Deutungen im digitalen Alltag Normalität gewinnen. Daraus werden Implikationen für Schule und Jugendarbeit abgeleitet, die klassische Medienkompetenzansätze um eine kritisch-konstruktive Perspektive erweitern und vorbereitende Interventionen wie Self-Affirmation als Voraussetzung dialogischer Auseinandersetzung ernst nehmen.
Introduction & Purpose Participation in sport events can support social inclusion and belonging, yet may be limited by accessibility, organisational, informational and social barriers (Kiuppis, 2018; Elipe-Lorenzo et al., 2025). Besides taking part as an athlete, the possibility as volunteering in events is a chance to enhance the inclusion of people with disabilities in the field of sports (Jobst & Kreinbucher-Bekerle, 2025). This ÖSG supported participatory project investigates perceivedbarriers and facilitating conditions for people with and without disabilities attending, participating in or working at sport events (with a focus on racket sports and track & field). It aims to identify relevant dimensions of inclusive event design and explore potential differences between groups. Methods A mixed-methods study is being conducted in cooperation with the ’Forschungsbüro’ of the social service provider LebensGroß Graz. Across five participatory meetings between November 2025 and April 2026, people with multiple disabilities contributed to developing and refining an accessible questionnaire (broad survey at events) and a semi-structured interview guide (detailed information). The questionnaire uses simple language and addresses three domains: 1) individual-related aspects, including support needs, belonging, accessibility and costs; 2) the event venue, including physical accessibility and orientation; and 3) organiser-related aspects, including information, contact persons and intentions to revisit or recommend the event. The questionnaire is applicable for athletes, spectators and event staff. Results In a piloting regional Unified Racketlon event, sixteen participants completed the questionnaire at the first event; eleven (68.75%) reported a disability and five (31.25%) reported no disability. Nine (56.25%) identified as athletes, eight (50%) as staff and one (6.25%) as a spectator, with multiple roles possible. All respondents positively evaluated feeling comfortable at the event and the event’s accessibility (“yes” or “rather yes”); all would recommend the event, and 14 (87.5%) would attend again. Five (31.25%) respondents reported needing support to participate; all were from the group reporting a disability. Open-ended responses identified accessible spaces and supportive organisation as strengths, while suggested improvements included ramps or improved stair access. Discussion The first application suggests that an inclusively organised event can be positively experienced by people with and without disabilities. At the same time, individual support needs and specific physical accessibility improvementsremain relevant. Due to the small, event-specific initial sample, these results are descriptive and cannot yet demonstrate differences between groups. Conclusion The participatorily developed instruments appear suitable for capturing barriers and facilitating conditions acrossdifferent roles at sport events. Additional questionnaire and interview data will broaden the evidence base and support practice-oriented recommendations for designing inclusive sport events. References Elipe-Lorenzo, P., Diez-Fernández, P., Ruibal-Lista, B., & López-García, S. (2025). Barriers faced by people withdisabilities in mainstream sports: a systematic review. Frontiers in Sports and Active Living, 7:1520962. https://doi.org/10.3389/fspor.2025.1520962 Jobst, M., & Kreinbucher-Bekerle, C. (2025). The perspectives of volunteers with disabilities and sport event organizers on educating and employing volunteers with disabilities. Frontiers in Sports and Active Living, 7:1543502. https://doi.org/10.3389/fspor.2025.15435024 Kiuppis, F. (Ed.). (2018). Sport and Disability: From Integration Continuum to Inclusion Spectrum (1st ed.). Routledge. https://doi.org/10.4324/9780429505317
Der Artikel analysiert die sprachlichen Anforderungen des österreichischen Physik-Lehrplans der 6. Schulstufe und deren Umsetzung in den vier am häufigsten verwendeten Schulbüchern an Mittelschulen des Schuljahres 2023/24. Untersucht werden sprachliche Operatoren im Lehrplan sowie Textkomplexität und Aufgabenstellungen in Leseaufgaben der Schulbücher. Die häufigsten geforderten Handlungen sind ‚Beschreiben‘ und ‚Erklären‘, viele Operatoren werden jedoch nur einmal genannt. Es zeigen sich Unterschiede in der Eignung der Lehrwerke, insbesondere hinsichtlich der Anpassung an die Lesekompetenz der Schüler*innen. Sprachliche Reproduktion wird kaum berücksichtigt und bleibt weitgehend Aufgabe der Lehrkräfte.