ZusammenfassungDie volle Reanimation eines Neugeborenen mit Beatmungen, Thoraxkompressionen und der Gabe von Medikamenten ist ein äußerst seltenes Ereignis, das selbst neonatologische Teams immer wieder vor Herausforderungen stellt. Gerade in diesen seltenen und häufig dramatischen Situationen ist schnelles und umsichtiges Handeln im Team gefragt. Dabei ist die effektivste und meist einzig notwendige Maßnahme für die erfolgreiche Versorgung eines nicht spontan atmenden Neugeborenen eine suffiziente Maskenbeatmung. Wird diese effektiv durchgeführt, sind beim Neugeborenen in den seltensten Fällen tatsächlich Thoraxkompressionen notwendig. Im März 2021 wurde vom European Resuscitation Council (ERC) die neue Leitlinie zur Reanimation von Neugeborenen publiziert. Auf Basis dieser Leitlinie beschreibt der vorliegende Beitrag detailliert den im Algorithmus der Versorgung und Reanimation von reifen Neugeborenen dargestellten Handlungsablauf. Er richtet sich damit einerseits insbesondere an NichtneonatologInnen, die für die Versorgung v. a. von reifen Neugeborenen nach der Geburt verantwortlich sind. Andererseits soll er auch jenen zur Unterstützung dienen, die medizinisches Personal in der Versorgung von lebensbedrohten Neugeborenen trainieren und den Algorithmus der Neugeborenenreanimation als didaktisches Konzept vermitteln.
Elterliches Erziehungsverhalten ist ein wesentlicher Sozialisations- und Vulnerabilitätsfaktor. Basierend auf zwei Repräsentativerhebungen wird untersucht, wie sich das Erinnerte Elterliche Erziehungsverhalten von Vätern und Müttern in Deutschland im Vergleich der Jahre 1994 und 2020, in den östlichen und westlichen Bundesländern aus Sicht von Frauen und Männern unterscheidet. Der Fragebogen zum Erinnerten Elterlichen Erziehungsverhalten (FEE) wurde mit Hilfe von ANOVAs bei Teilnehmenden der Repräsentativerhebungen der Jahre 1994 (N=2948) und 2020 (N=2503) im Alter zwischen 14 und 92 Jahren hinsichtlich Erhebungszeitpunkt, Ost-West Unterschieden, Geschlecht und Lebensalter verglichen. Entsprechend den Hypothesen wurde väterliches und mütterliches Erziehungsverhalten 2020 in Deutschland als weniger strafend und wärmer erinnert als 1994. Das Erziehungsverhalten von Vätern und Müttern wurde im Osten durchgängig weniger strafend und wärmer eingeschätzt als im Westen. Väterliche Überprotektion wurde 1994 im Westen stärker erinnert als im Osten; hier kam es wie bei der erinnerten Wärme 2020 zur Angleichung der beiden Regionen. Wie in vorangegangenen Untersuchungen erinnerten Söhne ihre Väter in Ost und West als strafender und weniger warm als Töchter; Töchter erinnerten ihre Mütter nur marginal wärmer als Söhne. Ältere Teilnehmer:innen erinnerten elterliches Erziehungsverhalten durchweg negativer als jüngere. In der 2. Erhebung waren Einschätzungen der älteren Kohorten durchweg positiver als in der früheren Erhebung mit vergleichbaren Alterskohorten. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf den Einfluss von soziokulturellen Merkmalen auf Erinnertes Elterliches Erziehungsverhalten unter Kohorten- und Altersaspekten (z. B. Konvergenz der soziokulturellen Unterschiede in Ost und West, Geschlechtsrollen, veränderte Erinnerungen) diskutiert. Vor dem Hintergrund der robusten Assoziationen mit psychischen Erkrankungen sind positive Erinnerungen an elterliches Erziehungsverhalten als positive innerpsychische Ressource zu betrachten, die auch vielfältige soziokulturelle Einflüsse und Veränderungen widerspiegelt.