Zusammenfassung Die diabetische Nierenerkrankung und Nierenersatztherapie sind Langzeitkomplikationen des Diabetes mellitus und tragen erheblich zur Krankheitslast bei. Ziel der vorliegenden Analyse war es, im Rahmen der Diabetes-Surveillance Falldefinitionen für diese nierenspezifischen Komplikationen in Routinedaten zu entwickeln und diese intern zu validieren. Basierend auf einer nach Alter und Geschlecht stratifizierten Stichprobe von Personen der Barmer Krankenkasse wurden Personen mit dokumentiertem Diabetes (E10–E14) eingeschlossen und nach Typ-1-(T1D) und Typ-2-Diabetes (T2D) differenziert. Falldefinitionen wurden entwickelt für Personen mit diabetischer Nephropathie (DNP; ICD: N08.3, E1x.2), chronischer Niereninsuffizienz (CNI; ICD: N18) und Nierenersatztherapie (NET) mit Langzeitdialyse (EBM: 40815–40819, 40823–40828 / OPS: 8–853, 8–854, 8–855, 8–857) oder Nierentransplantation (OPS: 5–555; EBM: 04561, 13601; ICD Z94.0). Die Persistenz der DNP und CNI wurde unter Berücksichtigung verschiedener Beobachtungszeiträume sowie die interne Validität anhand von zusätzlichen Informationen aus dem Datensatz für DNP, CNI und NET geprüft. Im Jahr 2018 wurde bei 15,4% der Personen mit Diabetes eine DNP dokumentiert (T1D: 18,3%; T2D: 15,2%), eine CNI bei 21,8% (T1D: 14,4%, T2D: 22,2%). Unter Berücksichtigung eines Beobachtungszeitraums von fünf Jahren (2014–2018) stiegen die Prävalenzschätzungen um 22 bzw. 23% an. Eine NET wurde bei 7,5 von 1000 Personen mit Diabetes dokumentiert. Die interne Validitätsprüfung ergab, dass 96,6% der DNP-Fälle, 93,5% der CNI-Fälle und alle NET-Fälle mindestens ein Validierungskriterium erfüllen. Die Falldefinition der CNI ist für die Verwendung in einer Surveillance sinnvoll, da die interne Validität als hoch einzuschätzen ist und die Prävalenzschätzung über die Altersgruppen hinweg konsistent war. Allerdings ist davon auszugehen, dass bei einer 1-Jahres-Prävalenz die Prävalenz unterschätzt wird. Für die Abbildung der NET (Nierentransplantation oder Langzeitdialyse) in Routinedaten muss auf die Dokumentation von Leistungen zurückgegriffen werden.
In Hamburg ist die gesundheitliche Versorgungssituation von Stadtteil zu Stadtteil sehr verschieden sowie entlang des sozioökonomischen Gradienten. Sprachbarrieren, mentale Belastung, prekäre Beschäftigung, beengte Wohnverhältnisse sorgen für komplexe Versorgungsprobleme. Mit einer Förderlinie für Lokale Gesundheitszentren (LGZ) wirkt Hamburg dem entgegen. Ärztliche Tätigkeit soll entlastet, ein Sozial- und Case Management soll ermöglicht werden. Dieser Beitrag stellt das LGZ im Bezirk Altona vor.
Zusammenfassung: Fragestellung: Ehemalig fremdplatzierte junge Erwachsene (Care Leaver) waren in ihrer Kindheit einer Vielzahl psychosozialer Belastungsfaktoren ausgesetzt. Im deutschsprachigen Raum ist bisher wenig darüber bekannt, wie hoch die Prävalenz psychischer Störungen in dieser Population ist. Das Hauptziel dieses Beitrages ist es, die Prävalenzen psychischer Störungen bei Care Leavern zu beschreiben und Implikationen für Versorgungssysteme zu diskutieren. Methodik: Die psychischen Störungen, inklusive Persönlichkeitsstörungen, wurden anhand des Strukturierten Klinischen Interviews bei 175 Schweizer Care Leavern (Durchschnittsalter = 26.53 Jahre, 32.00 % Frauen) erfasst. Deskriptive Informationen wurden in absoluten und relativen Häufigkeiten präsentiert und Zusammenhänge wurden anhand t-Tests und χ 2 -Tests berechnet. Ergebnisse: 58.29 % der Teilnehmenden erfüllten die Diagnosekriterien für mindestens eine psychische Störung, wobei die Substanzkonsumstörungen (37.71 %), Persönlichkeitsstörungen (35.43 %) und die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (19.43 %) die häufigsten Diagnosen waren. Frauen zeigten häufiger Angststörungen sowie Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen, während Männer häufiger eine Alkoholkonsumstörung aufwiesen. Schlussfolgerungen: Ungefähr die Hälfte der Schweizer Care Leaver erfüllt die Diagnosekriterien für mindestens eine psychische Störung. Das junge Erwachsenenalter stellt für Care Leaver – ähnlich wie für die Gleichaltrigen aus der Allgemeinbevölkerung – eine sensible Phase für psychische Störungen dar. Dies stellt sozialpädagogische und psychiatrische Versorgungssysteme vor die Herausforderung, das Angebot für psychisch belastete junge Menschen entlang der Transition ins Erwachsenenalter weiter präventiv zu gestalten.
Zusammenfassung: Hintergrund: Zum 1. Mai 2023 hat das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG – www.dzpg.org ) die Arbeit aufgenommen. Übergreifendes Ziel des DZPG ist die Optimierung von Forschungsbedingungen und die Schaffung von Infrastrukturen, um häufige psychische Störungen sowie psychisches Wohlbefinden besser zu verstehen, Interventionen und Prävention zu verbessern und versorgungsrelevante Ergebnisse schneller in die Praxis zu bringen. Die Youth-Mental-Health-Infrastruktur (YMH-INF), als eine von zwölf Infrastrukturen im DZPG, fokussiert Kinder, Jugendliche, ihre Familien und relevante Bezugspersonen in ihren Lebenswelten. Methode: Die partizipative Beteiligung aller relevanten Zielgruppen bei der Entwicklung der YMH-INF schlägt die Brücke zwischen Lebenswelt und Forschung (Translation-Rücktranslation). Es werden die Partizipationsniveaus „Interaktive Beratung“ und „Co-Entwicklung“ nach Sellars et al. (2021 ) umgesetzt und Möglichkeiten für eine volle „Partizipative Leitung“ geschaffen. Ergebnisse: Die Arbeit mit den partizipativen Räten und die konsequente Umsetzung der Partizipation tragen dazu bei, dass erzielte Ergebnisse gemeinsam getragen und disseminiert werden. Der Gewinn liegt in der dadurch erzielten hohen Akzeptanz. Diskussion und Schlussfolgerung: Der partizipative Ansatz erweist sich bislang als erfolgversprechende Basis, um darauf aufbauend mehr Evidenz in Schulen und Kindergärten/Kitas zu implementieren. Das Ziel der YMH-INF ist es, die Translation wissenschaftlicher Erkenntnisse schneller und nachhaltig in den Alltag von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu bringen, um in den relevanten Lebenswelten ihre psychische Gesundheit zu verbessern. Kernfragen sind: Was schützt uns, macht und hält uns gesund? Was kann uns krank machen?
Zielsetzung: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zu den häufigsten kinder- und jugendpsychischen Störungen. Bevölkerungsbezogene ADHS-Diagnosedaten für Kinder und Jugendliche in Deutschland sind einerseits Abrechnungsdaten gesetzlicher Krankenkassen, andererseits aus Elternbefragungen in der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts. Während administrative Diagnoseprävalenzen in der ersten Dekade des Jahrtausends stark anstiegen, blieben die in der KiGGS-Studie ermittelten Diagnosehäufigkeiten stabil oder waren rückläufig. Ob die Diagnosen leitliniengerecht gestellt wurden, ist für keine der Datenquellen bekannt. Im Rahmen des Data-Linkage-Projekts INTEGRATE-ADHD wurden administrative und epidemiologisch ermittelte ADHS-Diagnosedaten auf Personenebene miteinander verknüpft und mittels einer leitliniengerechten Diagnostik klinisch überprüft. Ziel war es, die verschiedenen Datenquellen zu integrieren, zu einer valideren Prävalenzschätzung der ADHS beizutragen sowie Erkenntnisse zur Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit ADHS zu erhalten.