
Purpose:Accurate prediction models of individual psychosomatic rehabilitation success based on patient characteristics might help to identify potential non-responders and to optimize the fit between patients and treatment. The aim of the present study was to investigate the potential of machine learning in this context. Methods:Random forest models were trained to predict treatment success in terms of the dimensions of symptom severity, health-related quality of life, interpersonal relationship building, and self-efficacy. In addition, relevant predictors were analyzed. Since random forest allows using both scale values and individual items as independent predictors, the present study utilized 555 potential predictors from 16 self-assessment instruments and 11 personal characteristics. This is a secondary data analysis of a dataset collected in a naturalistic single-group pre-post design. The random forest models were implemented using nested cross-validation. In the outer cross-validation, the final model was validated, and the included predictors were analyzed for their respective permutation importance. Results:Depending on the dimension, between 30.02% and 38.94% of the variance in individual treatment success could be explained. In external cross-validation, between 29.33% and 37.83% of the variance was explained. Across all dimensions, a total of 45 predictors - 17 scale scores and 28 single items - were included. Only two predictors were relevant for all dimensions. Conclusion:Using random forest models, large proportions of variance in individual treatment success could be explained for all investigated dimensions. In cross-validation, the large effect sizes and generalizability regarding new observations could be confirmed for all investigated dimensions. The analysis of relevant predictors provides additional evidence for predictors already associated with treatment success, while emphasizing the need of a nuanced consideration of psychosomatic rehabilitation success. A practical implementation of personalized treatments in the sense of personalized medicine does not seem feasible in the near future due to numerous limitations.
Rehabilitationskliniken sind mit vielfältigen Transformationserfordernissen konfrontiert, die nur durch erfolgreiche interprofessionelle Zusammenarbeit und einen entsprechenden Führungsstil zu meistern sind. Führungskräfte sollten diese Veränderungen proaktiv erkennen und gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden gestalten. Hierfür bedarf es Führungsmodelle, die der Komplexität, Dynamik und Interprofessionalität der rehabilitativen Versorgung gerecht werden.
Purpose:Chronic illnesses can significantly impair social participation and lead to disintegration, poverty and isolation. The aim is to trace the exclusion risks of people whose ability to work is at risk or already reduced due to illness. Methods:The study is based on problem-centered interviews with 50 people insured by the German Pension Insurance (GPI) Bund or Nord who, according to GPI routine data, have a high risk of premature retirement due to illness. Recruitment and sampling were conducted using a letter and a questionnaire, which wer sent to a total of 4,000 insured persons. The analysis followed a mix of sequential-narrative and category-based approach, supplemented by a systematic-contrastive case comparison. Results:People with reduced earning capacity are at risk of falling into a spiral of exclusion that can be accelerated or slowed down by various factors. Periods of incapacity to work, reductions in working hours and potential job loss and unemployment lead to financial losses, which can result in further restrictions on participation in the areas such as leisure, housing and consumption. Social participation can also suffer as a result. All of this, can further impair health and accelerate the spiral of exclusion. Conclusion:In order to counteract disease-related social exclusions, comprehensive strategies are required that focus in particular on care and work-related exclusion factors without losing sight of "classic" categories of inequality.
Zusammenfassung Übergänge von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen (MmpB) aus Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in den allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen bislang nur selten. Ziel der vorliegenden Studie war es, Faktoren zu identifizieren, die diese Übergänge fördern oder hemmen, um bestehende Forschungslücken sichtbar zu machen und Impulse für zukünftige Untersuchungen zu geben. Das Scoping Review orientierte sich an einem etablierten methodischen Rahmen und den PRISMA-Leitlinien. Die Literaturrecherche umfasste den Zeitraum von Januar 2001 bis Oktober 2025. Nach Screening und Volltextprüfung wurden elf Quellen in die finale Analyse einbezogen. Die Datenauswertung basierte auf einer thematischen Analyse zur Identifikation zentraler Einflussfaktoren im Übergangsprozess. Die Ergebnisse zeigen, dass Übergänge durch ein komplexes Zusammenspiel personenbezogener, rehabilitationsbezogener und umweltbezogener Faktoren beeinflusst werden. Förderlich wirken individuelle Kompetenzen, Motivation, Eigeninitiative, arbeitsmarktorientierte Förderangebote, Praktika sowie qualifizierte Fachkräfte. Hemmend hingegen sind geringe Selbstkompetenzen, strukturelle Barrieren innerhalb der WfbM, mangelnde Systemtransparenz und eine eingeschränkte Inklusionsbereitschaft des allgemeinen Arbeitsmarktes. Zugleich zeigt sich eine deutliche Dominanz konzeptueller Beiträge und eine geringe empirische Fundierung der bisherigen Forschung. Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarf an empirisch fundierten Studien, die die Wirksamkeit bestehender Übergangsinstrumente systematisch überprüfen. Künftige Forschung sollte stärker fall- und beobachtungsorientierte Designs einsetzen, um Wechselwirkungen zwischen individuellen, institutionellen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren zu verstehen. Zudem erscheint eine engere Zusammenarbeit innerhalb eines multiprofessionellen Rehabilitationssettings und eine Untersuchung der Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte in WfbM zentral, um Übergänge nachhaltiger zu gestalten und die berufliche Teilhabe von MmpB zu stärken.
Zusammenfassung In diesem Beitrag werden verschiedene Aspekte von Netzwerken und Kooperationen im Bereich der beruflichen Rehabilitation als Qualitätsmerkmale untersucht. Die leitende These ist, dass innerhalb des Rehabilitationssystems das Potential einer guten Vernetzung und Kooperation zur Qualitätssteigerung noch nicht vollkommen ausgeschöpft ist. Zur Untersuchung werden vier unterschiedliche Forschungsprojekte herangezogen. Aus dem qualitativen Material dreier Studien werden Aussagen zum Erleben der Zusammenarbeit von Rehabilitand*innen, Reha-Fachkräften und Reha-Fachberater*innen generiert. Diese werden durch eine quantitative Auswertung zu Kontakthäufigkeiten von in der Sozialen Arbeit Tätigen bei Erbringern von LTA ergänzt. Es zeigen sich hinderliche und förderliche Faktoren auf drei Ebenen, aus denen konkrete Verbesserungsvorschläge zur Qualitätssteigerung abgeleitet werden. Die drei Ebenen umfassen die Beratungsdyade, die Team- und Stakeholder-Ebene sowie die erweiterte organisationale Ebene. Die untersuchten Institutionen zeigen gut ausgebaute Netzwerke und Kooperationen in einer intraorganisationalen Perspektive. Weiterentwicklungsbedarfe werden in der interorganisationalen Zusammenarbeit zwischen Leistungsträgern und -erbringern sowie zum Gesundheits- und Sozialsystem deutlich.
Zusammenfassung Für berufliche Reha-Einrichtungen wurde im Jahr 2017 als Teil der Qualitätssicherung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) die sogenannte Leistungsklassifikation in der beruflichen Rehabilitation (LBR) verpflichtend eingeführt. Ziel der gemeinsamen Studie zweier Projekte des Forschungsschwerpunkts der Deutschen Rentenversicherung zur Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation ist die Ermittlung der Datenqualität der LBR durch eine Analyse von Routinedaten zur Konformität, Vollständigkeit und Plausibilität am Beispiel der beruflichen Bildungsleistungen in Berufsförderungswerken. Grundlage der Auswertung sind das Scientific Use File „Abgeschlossene Rehabilitation im Versicherungsverlauf 2015 bis 2022” sowie Daten zur LBR und die Zuordnung zu den Reha-Einrichtungen. Nach der Auswahl der beruflichen Bildungsleistungen, das heißt der Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen in Berufsförderungswerken, konnten 35.878 Leistungen der Abschlussjahrgänge 2018 bis 2022 ausgewertet werden. Die dokumentierten LBR-Codes wurden deskriptiv sowie mithilfe von logistischen und linearen Regressionsmodellen ausgewertet. Hinsichtlich der Konformität der LBR zeigten sich die strukturellen und inhaltlichen Vorgaben erfüllt. Die Überprüfung der Vollständigkeit der LBR-Dokumentation zeigte, dass zwar über die Jahre die Dokumentation zunahm, aber aktuell (2022) jede vierte Leistung unabhängig von der Maßnahmeart nicht dokumentiert wird. Die Entscheidung zur Kodierung hängt maßgeblich von der Einrichtung ab. Analysen zur Plausibilität ergaben, dass die dokumentierten Umfänge deutlich zwischen den Einrichtungen streuten. Zudem zeigten sich die Erwartungen hinsichtlich des Zusammenhangs von Merkmalen der Personen (z. B. Geschlecht, Alter) oder Leistung (z. B. Maßnahmeabbruch, Umfang rehabilitative Hilfen) mit der dokumentierten Dauer der LBR im exemplarisch ausgewählten Kapitel „Gesundheitskompetenz und fachtherapeutische Leistungen“ nur zum Teil. Die Ergebnisse der Analysen lassen hinsichtlich der Konformität und der Vollständigkeit einen positiven Schluss auf die Datenqualität der LBR zu. Hinsichtlich der Plausibilität fielen die Ergebnisse uneinheitlich aus. Bisher konnten keine externen Bewertungsmaßstäbe berücksichtigt werden. Diese sollten in einem nächsten Schritt entwickelt werden.
Zusammenfassung Der vorliegende Beitrag soll auftretende Diskontinuitäten bei Maßnahmen im Rahmen von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) herausarbeiten und darstellen, wie diese von Rehabilitand*innen erlebt und bearbeitet werden und wie Leistungserbringer – exemplarisch Berufsförderungswerke (BFW) und Berufliche Trainingszentren (BTZ) – mit derartigen Brüchen umgehen. Dazu werden deren individuelle und organisationsbezogene Deutungsmuster und Bearbeitungsformen herausgearbeitet sowie Impulse für eine biografieorientierte Rehabilitationspraxis entwickelt. Die Datengrundlage dieses Beitrags bilden die Ergebnisse zweier Forschungsprojekte, die sich dem Thema Diskontinuitäten in der beruflichen Rehabilitation aus verschiedenen methodischen Perspektiven unter Nutzung von Mixed-Methods Designs widmeten. Die Erhebungsmethoden umfassten dabei qualitative Interviews mit Rehabilitand*innen, Experteninterviews, Fokusgruppen sowie standardisierte Fragebogenerhebungen und ein Routinemonitoring. Die Auswertungen erfolgten mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz, Mayring), Grounded Theory (Glaser & Strauss) sowie deskriptiv-statistischer Verfahren. Diskontinuitäten im Rehabilitationsverlauf traten häufig und vielfältig auf und umfassten in die Maßnahme mitgebrachte Diskontinuitätserfahrungen wie Krankheitsschübe, psychische Krisen, Maßnahmenabbrüche oder Praktikumswechsel. Während BFW aufgabenbedingt stärker auf kontinuierliche, standardisierte Abläufe setzen mussten, reagierten BTZ mit größerer Flexibilität. Rehabilitand*innen nahmen Diskontinuitäten ambivalent wahr – einerseits als Hindernisse, andererseits aber auch als Chancen zur Neuorientierung. Diskontinuitäten stehen für heterogene Formen der individuellen Lebens- und Krankheitsbewältigung vor, im und nach dem Maßnahmeverlauf. Sie sollten dort nicht als Abweichung von erwarteten Normalverläufen, sondern als Herausforderung für einen konstruktiven, biografieorientierten Umgang mit Brüchen, Rückschritten und Umwegen betrachtet werden. Dadurch kann ein Raum für individuelle Entwicklungsverläufe geschaffen werden, der das Gelingen der beruflichen Rehabilitation begünstigt.
Zusammenfassung Das Vorliegen psychischer Komorbiditäten bei Krebserkrankungen ist häufig und mit einer zusätzlichen Beeinträchtigung der beruflichen Teilhabe assoziiert. Die Längsschnittanalyse untersucht, welchen Einfluss eine psychische Komorbidität auf die berufliche Teilhabe von Frauen mit Brustkrebs nach einer medizinischen Rehabilitation hat. Datengrundlage war der Scientific Use File „SUFRSDLV20B“ der Deutschen Rentenversicherung. Eingeschlossen wurden Frauen mit Brustkrebs, die 2017 erstmals eine stationäre Anschlussrehabilitation abgeschlossen hatten. Merkmale von Patientinnen mit und ohne psychische Diagnose bei Rehabilitation sowie ihre Erwerbsverläufe nach zwei Jahren wurden deskriptiv dargestellt. Multiple logistische Regressionen prüften den Zusammenhang zwischen psychischer Komorbidität und stabiler Beschäftigung sowie dem Bezug einer Erwerbsminderungsrente (EMR). Daten wurden von 2.310 Patientinnen analysiert, davon 478 (21%) mit psychischer Komorbidität. Frauen mit psychischer Diagnose waren vor der Rehabilitation häufiger nicht erwerbstätig (11 vs. 8%) und erhielten nach Rehabilitation deutlich häufiger Kranken- und Arbeitslosengeld. Eine psychische Komorbidität war mit einer geringeren Chance auf stabile Beschäftigung (OR=0,7; 95%-KI 0,5 bis 0,9; p=0,010) und höheren Chance des EMR-Bezugs (OR=1,9; 95%-KI 1,2 bis 3,1; p=0,008) zwei Jahre nach der Rehabilitation assoziiert. Der stärkste Zusammenhang wurde für die Depression beobachtet. Frauen mit Brustkrebs und psychischer Komorbidität zeigen eine eingeschränkte berufliche Teilhabe zwei Jahre nach der Rehabilitation. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit der frühzeitigen Erkennung psychischer Komorbiditäten sowie psychoonkologischer und berufsorientierter Maßnahmen.
Purpose:The aim of this study was to examine exercise therapy in medical rehabilitation provided by the German Pension Insurance (DRV) in 2022 and assess possible impacts of the COVID-19 pandemic. Methods:We analyzed routine data from 2022 and 2023, collected within DRV's rehabilitation quality assurance and coded the data using the Classification of Therapeutic Services (KTL). Scope, distribution, and formats of exercise therapy (sports and exercise therapy, physiotherapy, recreation therapy) were evaluated across eleven indications. Data from 2007 and 2014 served as historical comparators. Results:In 2022, exercise therapy accounted for an average of 40.2% of total rehabilitation treatment time. The highest share was observed in orthopedics (49.5%), the lowest in rehabilitation for substance use disorders (13%). The average weekly duration was 8.8 hours, markedly lower than in 2014. Oncology and neurology showed the most pronounced declines, alongside reductions in group therapy time. In 2023, the share of exercise therapy increased again to an average of 45.3%. Conclusions:Exercise therapy remains a cornerstone of rehabilitation within the DRV but varies considerably across indications. The COVID-19 pandemic led to substantial reductions, particularly in group and physiotherapy services. First post-pandemic data indicate a partial recovery; further research is needed to clarify long-term effects.
Die Evaluation einer appbasierten Nachsorge für Personen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). COPD-Rehabilitand:innen absolvierten eine dreiwöchige stationäre pneumologische Rehabilitation mit anschließender zwölfwöchiger appbasierter Nachsorge, entwickelt auf Basis des Modells der Bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz. Hauptkomponenten der Nachsorge waren (1) individuelle Pläne für Kraft- und Ausdauertraining, (2) Fitnesstracker zum Selbstmonitoring, (3) Online-Lernmodule, sowie (4) 1:1-Betreuung durch Sport- bzw. Physiotherapeut:innen der Rehabilitationsklinik. Per Fragebogen wurden unter anderem folgende Outcomes erhoben: COPD-Assessmenttest, Lebensqualität, Depressivität, Angst, Fatigue, COPD-Leitsymptome, Schmerz, Sport- und Freizeitaktivität, Bewegungsbezogene Gesundheitskompetenz, Erfahrungen der Rehabilitand:innen mit der Nachsorge. Messzeitpunkte waren Beginn und Ende der Rehabilitation sowie Ende der Nachsorge. Veränderungen der Outcomes während der Rehabilitation und Nachsorge wurden explorativ untersucht (Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test, α<0,05). Die Erfahrungen mit der Nachsorge wurden deskriptiv analysiert. Von 42 Personen mit COPD lagen zu allen Messzeitpunkten Daten vor (Alter: M=57,5; SD=5,6; BMI: M=29,1; SD=6,5; GOLD-Stadium 1/2/3/4: 2,4%/50,0%/38,1%/9,5%). Alle Outcomes außer Freizeitaktivität und Angst bezüglich Partnerschaft verbesserten sich im Verlauf der Rehabilitation signifikant und verblieben fast alle auch am Ende der Nachsorge auf dem Level des Reha-Ende. Belastungsatemnot (d=−0,45) sowie die Subkompetenzen der Bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz (Bewegungskompetenz: d=−0,69; Steuerungskompetenz: d=−0,68; Selbstregulationskompetenz: d=−0,80) verbesserten sich zusätzlich während der Nachsorge. Sportliche Aktivität (d=−1,28) und Sputummenge (d=−0,64) verbesserten sich während der Reha, waren jedoch während der Nachsorge wieder rückläufig (sportliche Aktivität: d=−0,52; Sputummenge: d=−0,55). Absolut liegt die sportliche Aktivität nach der Nachsorge jedoch noch deutlich über der zu Reha-Beginn (d=−0,65). Die Benutzerfreundlichkeit der App und die Atmosphäre während der Nachsorge waren hoch. Die Reha-Effekte konnten während der App-basierten Reha-Nachsorge bei den meisten Outcomes gehalten oder gesteigert werden. Die durchgeführte Studie liefert somit erste Hinweise für die Effektivität der entwickelten appbasierten Reha-Nachsorge.
Für Personen mit psychischen Beeinträchtigungen und arbeitsplatzbezogenen Belastungen wurde im Modellprojekt SEMpsych das Beratungsangebot Blaufeuer angeboten. In der vorliegenden Arbeit wurde zum einen untersucht, ob die erkennbar hohe Variabilität in den arbeitsbezogenen Problembereichen durch statistisch-quantitativ bestimmbare Profiltypen erklärt werden kann. Zum anderen wurde untersucht, ob typische Muster von individuellen Problemkonstellationen im Lebensverlauf und habituellen Prägungen (latenten Grundüberzeugungen) der Teilnehmenden der Blaufeuer-Beratung, die mit psychischen Belastungen assoziiert sind, in ihrem Zusammenwirken rekonstruiert werden können. Es wurde ein konvergent-paralleler Mixed-Methods Ansatz angewendet. Statistisch-quantitativ erfolgte eine Latente Profilanalyse (LPA) mit 457 Teilnehmenden der Maßnahme Blaufeuer. Qualitativ wurden 16 leitfadengestützte Einzelinterviews anhand einer Kombination aus Grounded Theory und Narrationsanalyse analysiert. Die LPA ergab sieben Profile charakteristischer Arbeits- und Berufsprobleme. Die qualitative Analyse identifizierte sechs latente Grundüberzeugungen sowie individuelle Problemkonstellationen, die zur Beschreibung von Vulnerabilitätsrisiken beitragen können. Beide Typisierungen bieten eine Orientierungshilfe für die hohe Variabilität der arbeitsbezogenen Stressoren. Insbesondere zeigen die qualitativen Ergebnisse die Notwendigkeit, neben den Typen arbeitsbezogener Stressoren auch latente Grundüberzeugungen sowie individuelle Lebensereignisse und Alltagsbelastungen für die Beratung zu berücksichtigen.
Lungenarterienembolien (LAE) sind die weltweit dritthäufigste kardiovaskuläre Todesursache – mit einer hohen Dunkelziffer. Neben dem akuten thromboembolischen Ereignis kann eine LAE weitreichende gesundheitliche und private Langzeitkonsequenzen für den Patienten haben. Dieser Beitrag stellt den aktuellen Forschungsstand zum Thema Rehabilitation nach LAE dar und zeigt die spezifischen Charakteristiken der Rehabilitation auf.
Es wurde die Akzeptanz, Machbarkeit und Nachhaltigkeit eines individualisierten Familien-Coachings zur Förderung der Verhaltensmodifikation bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas sowie deren Begleitpersonen in der stationären Rehabilitation untersucht. Ziel war es, die Änderungsmotivation bei Patient*innen und Begleitpersonen zu fördern und durch eine erhöhte Einbindung der Begleitpersonen die Nachhaltigkeit der Reha-Erfolge zu verbessern. Die qualitative Studie wurde im Rahmen eines Ein-Gruppen-Prä-Post-Follow-up-Designs durchgeführt. Eingeschlossen wurden 31 Patient*innen (10–13 Jahre, 61% weiblich, BMI-Perzentile≥97) und ihre Begleitpersonen. Die Intervention umfasste drei Familien-Coachings à 60 Minuten, orientiert an der Motivierenden Gesprächsführung. Insgesamt 13 Fokusgruppeninterviews mit Expert*innen, Begleitpersonen und Patient*innen nach der Intervention sowie die Coachingprotokolle wurden anhand der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Das Coaching wurde von allen positiv bewertet. Aus Sicht der Expert*innen kann ein ergänzendes Familien-Coaching Widerstand innerhalb der Familie besser auflösen und zu mehr Eigenverantwortung führen als die alleinige Gruppenschulung. Die Begleitpersonen berichteten über eine verbesserte Kommunikation mit ihren Kindern und eine klarere Zielformulierung. Patient*innen empfanden als hilfreich, dass schwierige Themen, wie z. B. das adipogene Verhalten, und auch belastende Themen, wie z. B. Konflikte innerhalb der Familie, bearbeitet werden konnten. Im Coachingverlauf zeigten sich bei den Begleitpersonen Hinweise für einen kontinuierlichen Anstieg von änderungsbezogenen Äußerungen und aktiver Beteiligung. Bei den Patient*innen deutete sich im Verlauf eine gesteigerte Bereitschaft zur Verhaltensänderung an. Die qualitativen Ergebnisse untermauern die Akzeptanz und Machbarkeit des Familien-Coachings in der stationären Rehabilitation. Eine Implementierung eines standardisierten Coaching-Ansatzes könnte den Reha-Erfolg bei kindlicher Adipositas verstetigen. Die nachhaltige Implementierung erfordert jedoch strukturelle Anpassungen, um eine reibungslose Integration in die Reha-Abläufe zu gewährleisten. Kontrollierte Studien sollten zukünftig kurz- und langfristige Reha-Erfolge des Familien-Coachings untersuchen.
Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen haben häufig einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt, was mit einem erhöhten Risiko für Langzeitarbeitslosigkeit, sozialer Exklusion und gesundheitlicher Verschlechterung verbunden ist. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen eines Modellprojekts der Deutschen Rentenversicherung die Einstiegsprämie (ESP) in zwei Regionen erprobt. Die ESP ist eine nicht zweckgebundene finanzielle Unterstützung für Versicherte, die in die Erwerbstätigkeit zurückkehren. Ziel der begleitenden Fragebogenerhebung war es, die Bewertung dieser neuen Leistung aus Sicht der Versicherten zu erfassen und die Analyse von Wiedereingliederungsquoten um eine versichertenzentrierte Perspektive zu ergänzen. Im Interventionszeitraum von Januar 2020 bis März 2023 erhielten 485 Personen die ESP. Von diesen liegen Fragebogendaten von 310 Personen vor (Rücklaufquote: 63,9%). In die Analyse flossen 279 Fragebögen zum Zeitpunkt t1 (1.–3. Monat des ESP-Bezugs) und 205 zum Zeitpunkt t2 (9.–13. Monat) ein. Die Stichprobe war im Mittel 48,2 Jahre alt (t1); etwa ein Drittel der Teilnehmenden war weiblich. Somatische Diagnosen wurden von 93,4% der Teilnehmenden genannt, psychische Diagnosen von 36,9%. Der Work Ability Index (WAI) zeigte, dass 77,2% der Teilnehmenden eine nur mäßige bis kritische Arbeitsfähigkeit aufwiesen. Die ESP wurde von 95% der Frauen und 84% der Männer als hilfreich für die Arbeitsaufnahme bewertet. Diese Einschätzungen unterschieden sich nicht signifikant nach Geschlecht, Region, Altersklasse oder Diagnoseart. Hinsichtlich des Verbleibs in Beschäftigung bewerteten Frauen die Unterstützung durch die ESP signifikant positiver als Männer (Mann-Whitney-U-Test: U=3844,5; p=0,026; r=0,15). Im Verlauf des ersten Beschäftigungsjahres zeigten sich in der Gesamtstichprobe keine signifikanten Veränderungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. In einzelnen Subgruppen wurden jedoch signifikante Verschlechterungen einzelner Domänen festgestellt. Die Einstiegsprämie wird von Versicherten mit gesundheitlichen Einschränkungen mehrheitlich als wirksame Unterstützung für die (Re)Integration in Arbeit wahrgenommen. Die Ergebnisse unterstreichen die potenzielle Relevanz von Prämienzahlungen in der beruflichen Wiedereingliederung. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten die Vulnerabilität der Zielgruppe in Bezug auf gesundheitliche Stabilität und Arbeitsfähigkeit.