
As air pollution increases, the problem is widely discussed in science, politics, and the media. Media coverage both reflects and influences political agenda-setting on air pollution. Yet little is known about how air pollution is represented in the media of highly vulnerable countries. To address this gap, this study examines how air pollution is portrayed in the Mongolian mass media, one of the world’s most polluted contexts. Drawing on a systematic analysis of 170 newspaper articles, the study identifies dominant causal and solution-responsibility frames. The findings show that Mongolian newspapers emphasize individual responsibility for adapting to air pollution, while international coverage in The Guardian highlights collective solutions and political responsibility. Overall, the analysis indicates that politicians—who dominate Mongolian media coverage—tend to marginalize scientific expertise and prioritize short-term, individual-level responses.
Trotz einer kontinuierlichen Ausweitung der rechtlichen Möglichkeiten ist die Inanspruchnahme von Väterkarenz in Österreich nach wie vor niedrig und zuletzt sogar rückläufig. Dieser Beitrag untersucht die Motivlagen von Vätern für die (Nicht-)Inanspruchnahme von Karenz basierend auf 37 Leitfadeninterviews. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Motivlagen für bzw. gegen eine Väterkarenz sowohl zwischen Vätern, die keine, kurze oder längere Karenzansprüche geltend gemacht haben, unterscheiden, sowie zum Teil innerhalb der jeweiligen Typen. Bei Vätern, die keine oder lediglich den exklusiv für sie reservierten Teil der Karenz in Anspruch genommen haben, basiert die Entscheidung oft auf einer Kombination aus mehreren hinderlichen Faktoren. Väter, die länger als zwei Monate in Karenz waren, haben sich entweder aus pragmatischen Gründen oder aufgrund ihrer persönlichen Überzeugung für diese Karenz-Variante entschieden. Traditionelle Rollenbilder prägen nach wie vor die Einstellungen und im Weiteren das Verhalten der allermeisten Väter.
Der Diskurs zur Wirkungsforschung im öffentlich geförderten Kunst- und Kulturbereich oszilliert zwischen Legitimierung und Instrumentalisierungskritik. Versteht man Wirkungsanalysen als integralen Bestandteil eines Ökosystems kultureller Produktion, so verdeutlicht sich ein Interdependenzverhältnis, das die Zusammenarbeit von Fördernehmer:innen und Fördergeber:innen erfordert. Wirkungsanalysen entfalten vor allem in kollaborativen Prozessen Potenziale für organisationale und kulturpolitische Governance. Am Beispiel einer von den Autor:innen durchgeführten Wirkungsanalyse mit einem österreichischen Filmfestival wird der Stellenwert kollaborativer Governance und transdisziplinärer Methodik für konsensuale Dynamiken reflektiert. Der Aufsatz liefert einen methodischen Impuls zur Wirkungsanalyse und plädiert für ein stärkeres Bewusstsein der transformativen Kraft von Wirkungsforschung im österreichischen Kunst- und Kulturbereich.
Soziale Selektivität prägt den Erwerb von Bildungsabschlüssen im Schweizer Bildungssystem. So haben sich die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Schichten nicht angeglichen. Der Bildungserfolg wird zudem von weiteren Ungleichheits- und Differenzkategorien, wie beispielsweise soziale und geografische Herkunft, Migrationsbiografie und Geschlecht, beeinflusst. Der Beitrag präsentiert erste Ergebnisse des Forschungsprojekts «Migrationsgesellschaftliche Verhältnisse im Kontext beruflicher und gymnasialer Bildung». Mit Bezug auf postkoloniale Theorieansätze wird der Frage nachgegangen, wie Jugendliche in den untersuchten Ausbildungsgängen und Schwerpunktfächern der beruflichen und gymnasialen Bildung aufgrund von Migration und Geschlecht über Othering und Grenzziehungsprozesse als «Andere» hervorgebracht und inwiefern bestehende asymmetrische Verhältnisse reproduziert oder verschoben werden können.
Der industrielle Wandel zur Treibhausgasneutralität ist ein komplexer Prozess, der mit erheblichen Veränderungen für die Gesellschaft einhergeht. Dieser Beitrag adressiert Akzeptanzprobleme auf lokaler Ebene und präsentiert eine systematische Vorgehensweise, die darauf abzielt, Konfliktpotentiale sowie lokale Partizipations- und Empowerment-Bedarfe im Rahmen der industriellen Transformation zur Klimaneutralität frühzeitig zu identifizieren und die Merkmale einer gelungenen Beteiligung herauszuarbeiten. Die Vorgehensweise beschreibt einen iterativen Prozess, dessen Kernstück Interviews mit der organisierten Zivilgesellschaft in der räumlichen oder fachlichen Sphäre der Transformationsvorhaben bilden. Das Vorgehen wurde beispielhaft an der geplanten CO₂-Pipeline (North Sea CO₂ Corridor) von Open Grid Europe durch das Rheinische Revier erprobt und validiert. Neben der Vorstellung des Vorgehens stellt dieser Beitrag ebenfalls die Ergebnisse des Validierungsdurchlaufes und die identifizierten Merkmale einer gelungenen Beteiligung vor.
Der Artikel basiert auf ethnographischer Forschung und Interviews mit Arbeiter:innen in manuellen Jobs im Onlineversandhandel. Zunächst wird der Arbeitsprozess in einem Verteilzentrum beschrieben und die Managementpraktiken analysiert. Die Arbeit setzt sich aus einer Reihe von Kleinstaufgaben zusammen. Einige Arbeitende in der Paketlogistik üben einfach strukturierte Tätigkeiten bspw. am Fließband aus, während andere durch digitale Geräte angeleitet werden, wodurch die Arbeitsleistung überwacht wird. Diese Koexistenz diverser Anleitungssysteme differenziert die Ergebnisse bisheriger Forschung in diesem Bereich. Mit der aufgezeichneten Leistung drängt das Management insbesondere Arbeitende zu schnellerer Arbeit, indem Kündigungen angedroht bzw. die Übernahme in Festanstellung in Aussicht gestellt werden. Arbeitende in der Branche sind überwiegend migriert und von multipler Prekarität betroffen. Diese Prekarität wird, im Kontext fragmentierter Beschäftigung, instrumentalisiert, um Arbeiter:innen zu schnellerer Arbeit zu drängen. Die Ergebnisse zeigen, dass die prekären Arbeitsverhältnisse in der Branche die multiple Prekarität migrantischer Arbeiter:innen verstärken.
Der Beitrag setzt sich aus rassismuskritischer Perspektive mit der Frage auseinander, wie über sprachbezogene Exklusionspraktiken gesellschaftliche Ungleichheiten (re)produziert werden. Anhand von Ergebnissen aus drei empirischen Forschungsprojekten zeigen wir auf, wie linguistische und rassistische Diskriminierung beim Zugang zu wohlfahrtsstaatlichen Leistungen und am Arbeitsmarkt ineinandergreifen. In unseren Daten zeigt sich, dass in beiden Feldern Ausschlüsse durch sprachbezogene Praktiken stattfinden. Trotz der empirisch engen Verschränkung von Linguizismus und Rassismus plädieren wir zugleich dafür, auf Unterschiede zwischen diesen beiden Arten der Diskriminierung zu achten, um einerseits linguistische Diskriminierung jenseits von Rassismus nicht aus dem Blick zu verlieren und andererseits die Verschleierung von Rassismus durch sprachliche Diskriminierung zu erkennen.
Der Artikel befasst sich mit der Lohnungleichheit am Beispiel von Teilen der sog. Care Economy in Deutschland. Dazu gehören unter anderen die Bereiche der helfenden Berufe. Die Berufsbezeichnungen sind an die Bezeichnungen aus dem quantitativen Material angelehnt. Diese bestehen traditionell aus einem hohen Anteil an Frauen. Männer und Nicht-Deutsche sind unterrepräsentiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Sozialen Arbeit, die anderen Berufe sind aus kontrastierend-ergänzender Sicht gewählt und bewegen sich im Spektrum der helfenden Berufe als (nicht-)akademische Berufe. Als zentrale Forschungsfrage wird untersucht, inwieweit sich hier eine geschlechtsspezifische Entgeltungleichheit abzeichnet und wie diese mit der Nationalität zusammenhängt. Die Daten stammen aus einem Methodenmix. Kategorien der sozialen Schichtung wie Geschlecht, Klasse und Ethnizität werden nicht singulär oder additiv verwendet, sondern in ihrer Verflechtung analysiert. Dazu wird das Material qualitativ ergänzt, da das quantitative Material leider keine Differenzierung nach Ethnizität oder Klasse zulässt. Es kann festgehalten werden, dass Intersektionalität hier aufgrund des zur Verfügung stehenden Materials als Konnex zwischen Geschlecht und Nationalität diskutiert wird.
Die Polytechnische Schule (PTS) wurde in Österreich 1962 im Zusammenhang mit der Ausweitung der allgemeinen Schulpflicht auf neun Jahre im Bildungssystem gesetzlich verankert und im Schuljahr 1966/67 begonnen. Als berufsvorbereitender Pflichtschultyp ist sie primär für jene Schüler:innen gedacht, die danach eine Lehre anstreben, allerdings ist auch ein weiterführender Schulbesuch möglich. Der PTS kommt somit eine wichtige berufliche und schulische Orientierungsfunktion zu. Es stellt sich daher die Frage, inwiefern stereotype Bilder reproduziert oder aufgebrochen werden. Da die PTS vor allem im städtischen Bereich von hoher kultureller Diversität bezüglich des Migrationshintergrundes geprägt ist, stellt sich aktuell die Frage, ob und wie diese berücksichtigt wird. Ein empirisches Indiz dafür ist die Darstellung von Jugendlichen, ihren Interessen und Berufswünschen in Schulbüchern. Als Resümee lässt sich festhalten, dass die Genderdebatte gut aufgegriffen ist, während hinsichtlich der Diversität noch ein gewisser Nachholbedarf besteht.
In den Jahren vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020 war sowohl in Österreich als auch international ein kontinuierlicher Rückgang der Unternehmensinsolvenzen über unterschiedliche Konjunkturphasen hinweg zu beobachten. Diese empirische Entwicklung scheint den bisherigen Annahmen einer antizyklischen Reaktion des Insolvenzgeschehens auf konjunkturelle Impulse zu widersprechen. Dies wirft die Frage auf, ob sich die Insolvenzentwicklung bereits vor Ausbruch der Pandemie von der wirtschaftlichen Wachstumsdynamik abgekoppelt hat und ob alternative Faktoren wie die Niedrigzinspolitik oder das Auftreten von "Zombie-Unternehmen" einen maßgeblichen Einfluss ausüben. Mit zeitreihenanalytischen Methoden finden wir für Österreich bis zum Ausbruch der Pandemie keine empirische Evidenz für eine Entkoppelung von Insolvenz- und Insolvenz-Entgeltsicherungsfällen. Die Insolvenzentgeltsicherungsfälle und -auszahlungen reagieren nach wie vor antizyklisch, d.h. in konjunkturellen Hochphasen tendenziell rückläufig und in konjunkturellen Abschwungphasen tendenziell ansteigend.
Im Rahmen des Projekts „Global ideas against racism“ haben wir die Methode der Zukunftswerkstatt in das Feld der Antirassismusarbeit übertragen. Die Methode umfasst einen dreistufigen Prozess der Problemanalyse, Utopie-Entwicklung und der Konkretisierung eines Umsetzungsplans. Zu den drei Innovationen dieses Projekts gehören die Anwendung dieser Methoden in einem neuen Arbeitsbereich, die globale Ausrichtung und der Ansatz einer egalitären, reflexiven Wissensproduktion. In dieser Forschung reflektieren wir kritisch die Machtverhältnisse in der akademischen Wissensproduktion über Rassismus und geben als Konsequenz die Deutungsmacht an die Teilnehmer*innen ab. Dabei geht es um die Zusammenstellung verschiedener Problemfelder innerhalb des Phänomens Rassismus, die nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern parallel zueinanderstehen. Dies kann als eine kollektive Strategie des Verständnisses der verschiedenen Formen von Rassismen interpretiert werden. Zusammenfassend erwies sich die Anwendung der Methode als besonders fruchtbar, vor allem in der hybriden Anwendung, die auch Workshops vor Ort einschließt.
Die Strategien vieler radikaler sozial-ökologischer Bewegungen der Gegenwart zeugen von einer noch zu unvollständigen Analyse und Kritik des fossilen Kapitalismus. Daher argumentieren wir in einem ersten Teil unseres Artikels für ein komplexeres Verständnis der fossilen, kapitalistischen Hegemonie, welches die Materialität und den Alltagsverstand im Kapitalismus berücksichtigt. Dabei beziehen wir uns auf Nancy Frasers Theorie des kannibalistischen Kapitalismus sowie Ulrich Brand und Markus Wissens Konzept der imperialen Lebensweise. In einem zweiten Schritt zeigen wir vor diesem Hintergrund die verkürzte Analyse und ihre Reflektion in der Strategie zweier heuristischer Akteursgruppen – der links-liberalen und antikapitalistisch-revolutionären Akteursgruppe. Abschließend ziehen wir erste Schlussfolgerungen für eine umfassendere radikale, klimapolitische Strategie.
Die im Dezember 2017 in Österreich angelobte ÖVP/FPÖ-Koalition formulierte in ihrem Regierungsprogramm weitreichende Reformvorhaben im Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Während die Umsetzung vieler dieser Vorhaben am vorzeitigen Ende der Regierung im Mai 2019 scheiterte, erfuhren andere eine Realisierung. Im Rahmen des Artikels setzen wir uns mit zwei dieser Reformen in der Arbeitszeitpolitik sowie Sozialhilfepolitik auseinander. Konkret fragen wir in politikfeldvergleichender Perspektive, welche diskursiven Frames bzw. Deutungsrahmen in medialen Diskussionen um die angesprochenen Reformen eine Rolle spielten. Die medialen Diskussionen untersuchen wir anhand dreier österreichischer Tageszeitungen und mithilfe eines spezifischen diskursanalytischen Ansatzes. Dabei zeigt sich, dass die diskursive Rahmung in den zwei Politikfeldern weitreichende Differenzen aufwies. Diese interpretieren wir vor dem Hintergrund der politikwissenschaftlichen Debatte um sogenannte Populist Radical Right-Parteien und ihr sozial- und arbeitsmarktpolitisches Profil beim Eintritt in eine Koalitionsregierung mit bürgerlich-wirtschaftsliberalen Parteien.
Mit dem Europäischen Grünen Deal (2019) wird die grüne Transformation – und somit ‚wettbewerbsfähige Nachhaltigkeit‘ – der Fokus der politisch-ökonomischen Strategie der Europäischen Union. Im Zuge dessen werden bisher gefestigte Glaubenssätze über den Zusammenhang von Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand sowie bestehende europäische und globale ökonomische Strukturen infrage gestellt. Zugleich fokussieren sich Machtkämpfe zwischen den Mitgliedstaaten, Kapitalfraktionen und der europäischen Ebene auf den Transformationsprozess, um Partikularinteressen durchzusetzen. Der vorliegende Artikel macht es sich zur Aufgabe, im Kontext der grünen Transformation diskursive und institutionelle Verschiebungen in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit bzw. den Weltmarkt und Verschiebungen der Machtverhältnisse in der EU zu analysieren. Die Analyse kommt zu zwei zentralen Schlüssen: Erstens bestehen auf Ebene der Ideen über Wettbewerbsfähigkeit und den Institutionen Kontinuitäten zu vorherigen europäischen politisch-ökonomischen Strategien. Zweitens wird der Transformationsprozess von einem komplexen Zusammenspiel von Ideen über wettbewerbsfähige Nachhaltigkeit und Interessenslagen geformt, die für eine selektive Umsetzung der Ideen in die politisch-ökonomische Strategie der EU sorgen.
Globale Warenketten (GWK) sind ein zentrales Merkmal der Epoche der Hyperglobalisierung. Leitunternehmen aus den ökonomischen Zentren organisieren globale Produktionsnetzwerke und Lieferanten aus dem Globalen Süden produzieren gemäß deren Vorgaben. Die Vorteile daraus sind sehr ungleich verteilt. Ein wichtiger Grund hierfür ist die Verteilung von Monopolmacht entlang der Lieferkette. Der Artikel diskutiert die Frage, welche Maßnahmen zum Abbau dieser Machtasymmetrien beitragen könnten. Auf Basis von Markups, Profit- und Konzentrationsraten wird gezeigt, wie Leitunternehmen aus dem Globalen Norden ihre Marktmacht auf Absatz- und Beschaffungsmärkten auf Kosten der Zulieferunternehmen im Globalen Süden ausweiten konnten. Es wird untersucht, wie institutionelle und technologische Markteintrittsbarrieren, etwa durch den zunehmenden Einsatz von immateriellen Vermögensgütern, die dominante Position der Leitunternehmen schützen. Der Aufbau einer Gegenmacht (countervailing power) im Globalen Süden durch die Bildung von Genossenschaften oder Kartellen sowie eine regionale Integration und Wettbewerbspolitik werden als mögliche Lösungsansätze kritisch diskutiert. Konflikte mit Leitunternehmen und deren Regierungen im Globalen Norden sind eine mögliche Folge solcher Strategien.
In der Coronapandemie haben der Staat und seine Institutionen eine enorme Handlungsfähigkeit bewiesen. Binnen weniger Tage und unter Verkürzung üblicher Konsultations- und Abstimmungsverfahren wurden die Folgen der Krise für die Gesundheit der Bürger:innen und des Lockdowns für Betriebe, Beschäftigte und Regionen aufgefangen, zum Teil unter Anwendung drastischer Maßnahmen. Neben dem Gesundheitswesen war insbesondere der Arbeitsmarkt durch Verwerfungen aufgrund temporärer Betriebsschließungen gekennzeichnet, worauf mit dem massenhaften Einsatz der Kurzarbeit reagiert wurde. Die deutsche Arbeitsverwaltung erwies sich als agile Akteurin der Krise, indem sie die sprichwörtliche Explosion der Kurzarbeitergeldanträge in nie dagewesenen Höhen bewältigte und so zum sozialen Frieden beitrug. Vor diesem Hintergrund fragt der Artikel, welche Lehren für einen (planbaren) sozial-ökologischen Umbau daraus gezogen werden können. Dies wird mit den heterogenen und teils verhaltenden Perspektiven zu nachhaltiger Arbeit in europäischen Ländern verknüpft und zum Vorschlag eines modifizierten Transferkurzarbeitergeldes als Instrument einer Just Transition entwickelt. Dieser Vorschlag ist einzubetten in weitere sozialpolitische Reformen zur Absicherung bspw. von Alleinselbstständigen; auch diese Notwendigkeit hat die Pandemie offenbart.
Dieser Beitrag zeigt, wie die gegenwärtige industriepolitische Wende in Deutschland vor dem Hintergrund sich entfaltender Elitenkonflikte verstanden werden kann. Derartige Konflikte entstehen durch die Dynamisierung der politischen Ökonomie im digitalen Kapitalismus, dessen proprietäre Logik in weitere Teile der Wirtschaft diffundiert. In diesem Kontext bilden sich zwischen den etablierten Unternehmen industriepolitische Allianzen, die staatlich flankiert werden. Solche Kooperationsbemühungen werden im vorliegenden Beitrag nicht als rein defensive Maßnahmen ansonsten hilfloser deutscher Industrieunternehmen verstanden, sondern auf ihre Durchdringung von Machtinteressen hinterfragt. In Projekten wie der ‚Industrie 4.0‘ werden eingespielte Muster der korporatistischen Zusammenarbeit abgerufen, um Legitimität für die industriepolitische Unterstützung zu schaffen. Dabei zeigt sich jedoch ein Spannungsverhältnis zur Orientierung der Strategien deutscher Unternehmen auf globalisierte Märkte, die bis vor wenigen Jahren noch überwiegend mit der Forderung nach neoliberaler Deregulierung einherging.
In der deutschsprachigen Debatte um sozial-ökologische Transformation ist die Theorie der gesellschaftlichen Naturverhältnisse zu einer zentralen Problemdiagnose multipler sozial-ökologischer Krisen im Anthropozän avanciert – und zwar nicht nur unter Wissenschaftler*innen, sondern auch bei Aktivist*innen. Die daran anschließende brennende Frage nach praktischen Alternativen mündete unter anderem in die Forderung nach einer Demokratisierung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse. Was genau dies jedoch für die Organisation einer Transformation bedeutet, ist bislang noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Als Reaktion darauf sucht dieser Beitrag einen interkulturellen Dialog mit daoistischer Philosophie und diskutiert, inwiefern herrschaftsfreie beziehungsweise an-archische Naturverhältnisse eine Antwort auf die Frage nach der Praxis sozial-ökologischer Transformation darstellen. Der Beitrag schlussfolgert, dass Transformationen mit Handeln-durch-nicht-Handeln (wu-wei) organisiert werden könnten, und erkundet, was das in Theorie und Praxis bedeutet.
Die schulische Bildung sozialisiert uns schon als Kinder mit bestimmten Normen und prägt unsere Vorstellungen von der Welt. Der vorliegende Aufsatz nutzt die dualistische Konzeption verschiedener Lebensweisen nach Ulrich Brand und Markus Wissen als Grundlage für die exemplarische Analyse vorliegender Lehrpläne des Fachs Politik/Wirtschaft des Bundeslandes Hessen. Dafür beschreibe ich die aktuelle imperiale Lebensweise nach Brand und Wissen als Definition der Folgen unserer heutigen Externalisierungsgesellschaft sowie die solidarische Lebensweise als die für eine Transformation notwendige Gegenkonzeption. Vor diesem Hintergrund untersuche ich exemplarisch Abschnitte von Curricula für das Fach Politik/Wirtschaft. Dabei stelle ich fest, dass vor allem in der formalen Bildung eher eine imperiale Lebensweise reproduziert und gefestigt wird. Der Vergleich des Lehrplans von 2002 mit dem Kerncurriculum von 2016 zeigt aber auch, dass mittlerweile vermehrt Aspekte einer solidarischen Lebensweise thematisiert werden. Um dies noch weiter forcieren zu können, erläutere ich im Fazit mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung kurz eine Möglichkeit für die Stärkung dieses Trends.
Der Beitrag argumentiert, dass die pandemiebedingte Gesundheits- und Wirtschaftskrise bestehende soziale Ungleichheit verschärft und es aufgrund dessen in den dominierten Klassenlagen zu einer erheblichen Deprivation kommt, Ansprüche an ein gutes Leben im Allgemeinen und gute Arbeit im Speziellen zu realisieren. Basierend auf einer Sekundäranalyse aktuell verfügbarer Forschungsergebnisse zur Covid-19-Pandemie in Österreich werden die Auswirkungen im Hinblick auf soziale Integration, Anerkennung sowie Arbeit und Leben diskutiert. Die überproportionale Betroffenheit der dominierten Klassen durch die negativen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Krise verschärfen bereits länger anhaltende Dynamiken erhöhter Vulnerabilität. Die multiplen Deprivationserfahrungen dieser Klassenlagen können jedoch in einer Gesellschaft der „Klassenvergessenheit“ nicht mehr angemessen adressiert werden.