
Zusammenfassung Entgegen dem demokratietheoretischen Ideal einer legitimen Politik durch Ausgleich unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessen ist die tatsächliche Interessenrepräsentation strukturell zugunsten starker, d. h. erwerbs- und produktionsbezogener Interessen verzerrt. Ein Prototyp schwacher Interessen stellen demgegenüber Erwerbslose dar, die über eine nur geringe Organisations- und Konfliktfähigkeit verfügen. Unter Rückgriff auf die Interessengruppenforschung zu schwachen Interessen und auf Basis leitfadengestützter Interviews mit unabhängigen Erwerbsloseninitiativen, gewerkschaftlichen Erwerbslosenorganisationen und Wohlfahrtsverbänden untersuchen wir, inwiefern die organisierten Interessen der Erwerbslosen von den ihnen (neu oder leichter zugänglich) zur Verfügung stehenden „Weapons of the Weak“ – Mobilisierung der Öffentlichkeit, justizielle Praktiken und Koalitionsbildung mit anderen Organisationen – Gebrauch machen (können). Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Erwerbsloseninitiativen hierbei vor Ressourcenproblemen und strategischen Dilemmata stehen. Während die Abhängigkeit von öffentlicher Finanzierung eine Konzentration auf die Sozialrechtsberatung zulasten der politischen Interessenvertretung bewirkt, erweisen sich organisationsübergreifende Bündnisse als voraussetzungsvoll und brüchig. Einerseits zeigen sich substanzielle Interessendivergenzen zwischen Erwerbsloseninitiativen und Advokaten wie Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden, andererseits gehen Koalitionsbildungen aus Sicht der Erwerbsloseninitiativen mit einer Marginalisierung genuiner Erwerbsloseninteressen einher. Zugleich eröffnen die in der Beratung erworbene SGB-II-Expertise und die Mobilisierung über soziale Medien Erwerbslosenorganisationen Möglichkeiten, die eigene Position zu verbessern.
Zusammenfassung Schnittstellenprobleme erschweren den Zugang zu Sozialleistungen. Deshalb sehen mehrere Sozialgesetze ein Fallmanagement vor, um individuelle, passgenaue Lösungen zu finden. Dieser Beitrag untersucht, ob dieses Ziel erreichbar ist, indem Schnittstellenprobleme als Erwartungsprobleme betrachtet werden. Die Analyse erfolgt für das Fallmanagement der Sozialen Entschädigung, der Grundsicherung für Arbeitssuchende, der Eingliederungshilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Es wird gezeigt, dass Fallmanagement nicht alle Arten von Schnittstellenproblemen lösen kann.
Zusammenfassung Die explorative Studie untersucht Kund*innenbeiräte in der Arbeitsverwaltung als neuartige Beteiligungsformate zwischen Demokratisierungsanspruch, aktivierender Sozialpolitik und administrativer Steuerung. Auf Basis von sechs qualitativen Interviews an drei Standorten sowie ergänzenden Dokumenten werden Struktur, Interaktionsdynamiken und wahrgenommene Wirkungen des Gremiums analysiert. Das Beteiligungsformat erweist sich als konsensorientierter Resonanzraum, der strukturelle Machtasymmetrien eher stabilisiert als herausfordert. Es ermöglicht individuelle Anerkennungs- und Selbstwirksamkeitserfahrungen, bleibt jedoch eine verwaltungsgesteuerte, rechtlich ungesicherte und sozialpolitisch begrenzte Form administrativer Inklusion. Potenziale entfalten sich erst, wenn eigenständige Interessenbildung, Ressourcen, Vernetzung und tatsächliche Einflussmöglichkeiten institutionell und rechtlich abgesichert sind.
Zusammenfassung Die Rahmenbedingungen und die Legitimationsbedürftigkeit sozialstaatlichen Handelns verändern sich derzeit auf dramatische Weise. Die Grundlagen des Sozialstaates werden nicht nur durch die ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen infolge multipler globaler Krisen sowie infolge von Veränderungen in der demografischen Zusammensetzung der Bevölkerung beeinflusst. Ebenso gibt es Angriffe auf die Demokratie, die das wertegebundene, solidarische und menschenrechtsorientierte Fundament infrage stellen. Jenseits der dringenden und bedeutenden Frage, wie darauf politisch und zivilgesellschaftlich angemessen reagiert werden kann, stellt sich auch eine relevante fachliche Herausforderung für die kommunale Planung und Steuerung. In diesem Beitrag werden kommunale Steuerungs- und Planungsansätze als zentrale Bestandteile der Ausgestaltung und Weiterentwicklung sozialstaatlicher Angebote thematisiert. Die Orientierung an den tatsächlichen, sich wandelnden Bedarfen der Menschen in den Kommunen bildet den zentralen Ausgangspunkt für gelingendes und anerkanntes sozialstaatliches Handeln. Ausgehend von dieser These werden im Beitrag Ideen aufgezeigt, wie die Zugänglichkeit zu Angeboten fortentwickelt und angepasst werden kann. Aufbauend auf der Analyse einer Bedarfsorientierung im Wandel werden zwei fachliche Ableitungen für planerisches Handeln erörtert: erstens eine stärkere fachlich-diskursive Rolle und zweitens eine vernetzende Nutzung gesellschaftlicher Ressourcen. Beide Perspektiven eint das Ziel, sozialpolitisches Handeln auf kommunaler Ebene durch veränderte Zugänge in der Bedarfsorientierung näher an den Bedürfnissen der Menschen und den sich daraus entwickelnden Bedarfen auszurichten.