
Kinder mit psychischen Störungen und nach traumatischen Erlebnissen können mit Akupunktur auch ohne Exposition erfolgreich behandelt werden. Wenn eine Psychotherapie notwendig ist, ist diese aufgrund der altersbedingt noch eingeschränkten Sprachkompetenz nur eingeschränkt möglich. Hier bietet die EX.TRACT-Methode (Exposure-based Trauma Acupuncture Therapy) eine gute Möglichkeit, auch Kinder mit wenigen Interventionen nachhaltig zu behandeln. Hierzu werden in 5 Behandlungsschritten Akupunktur mit Traumaexposition und Psychotherapie kombiniert. In einem Vorgespräch mit dem Kind bzw. mit den Eltern wird die zentrale traumatisierende Situation herausgearbeitet, die im Anschluss in der Akupunkturtherapie als Bild bzw. Imagination verwendet wird. Zudem werden die körperlichen Beschwerden erörtert. In der Akupunktursitzung werden zunächst die Gesamtkonstitution und die körperlichen Beschwerden behandelt – in diesem Fallbericht mit einer kombinierten Behandlung aus Akupunktur, Osteopathie und manueller Therapie. Daraufhin lässt man den Patienten die belastende oder traumatische Situation mehrfach sich vorstellen. Die dabei entstehenden körperlichen Missempfindungen und aversiven Gefühle wie Angst, Wut und Ärger, Trauer, Ekel und Erschöpfung werden umgehend mit passenden Akupunkturpunkten weitgehend beseitigt. Therapieziel ist, die mit dem Trauma assoziierten negativen Gefühle und Erinnerungen an die Situationen zu reduzieren, dass dadurch eine positive Grundstimmung zurückkehrt. In diesem Fallbeispiel wird ein 10-jähriger Junge vorgestellt, der nach dem Verlust seines Großvaters, seiner wichtigsten männlichen Bezugsperson, verschiedene Verhaltensauffälligkeiten und körperliche Beschwerden entwickelte. Es wird gezeigt, wie in einer komplexen Kombination von Akupunktur mit der EX.TRACT-Methode nach nur 3 Behandlungen sich das Befinden und Verhalten des Jungen deutlich und nachhaltig normalisierten.
Die Traditionelle Japanische Medizin (TJM) beschreibt die Entwicklung des Menschen als ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Körper, Geist und Ki (chin. Qi). Dieser Beitrag zeigt, wie sich energetische Reifung anhand des Meridiansystems vom Neugeborenen bis zur aufrechten Eigenständigkeit des Menschen vollzieht. Ausgangspunkt sind die 3 Meridianfamilien, die in der frühen Kindheit entstehen und die Grundlage für Ich-Entwicklung, Bindung und emotionale Stabilität bilden. Auf sie folgt die Keiraku-Ebene: Der Mensch richtet sich auf, steht zwischen Himmel und Erde, wird sichtbar – und beginnt, sich im sozialen Feld zu bewegen. Die letzte Entwicklungsebene bildet die Entfaltung der 5 Wandlungsphasen, in der Integration, Differenzierung und Selbstverantwortung spürbar werden. Das vorgestellte Entwicklungsmodell schafft eine Brücke zwischen energetischem Verständnis und praktischer Anwendung in Therapie, Beratung und Körperarbeit – vom Baby bis zum Erwachsenen. Es erlaubt eine differenzierte energetische Diagnostik, hilft dabei, aktuelle Entwicklungsschritte zu erkennen und gezielte Interventionen abzuleiten. So wird das Meridiansystem zu einem lebendigen Spiegel innerer Prozesse – und zu einem wertvollen Instrument, um Entwicklung zu begleiten, zu verstehen und therapeutisch zu fördern.
Background Traditional Chinese medicine (TCM) is part of evidence-based multimodal treatment strategies for weight problems and psycho-social metabolic syndrome in Asia. Objective The aim of this study was to determine the extent to which libido problems in (pre-)obese individuals influence the acceptance of TCM therapies. Materials and methods In this retrospective subgroup analysis of the prospective BARBQTCM cross-sectional study, 498 (pre-)obese individuals from a Swiss obesity center completed an anonymous questionnaire. Interest in various TCM treatment strategies for symptoms of the metabolic syndrome and willingness to visit a TCM outpatient clinic and spend money on TCM were evaluated. Results In the BARBQTCM cohort, three-quarters were female (77.3%), with a median BMI of 30.1 kg/m(2) and a median age of 49 years. A weight regain of > 10 kg after bariatric surgery was confirmed by 150 patients (30.1%). Eight out of 10 respondents were interested in TCM therapies (top three: acupressure, acupuncture, and TCM dietary counseling). A quarter of patients (26.9%) reported libido problems. Overall, the cohort with libido problems had significantly higher TCM acceptance than the comparison group (p < 0.001), would visit a TCM outpatient clinic more frequently, and would spend significantly more money on TCM. Experience with complementary medicine (RR: 1.12; p < 0.001) was the only influencing factor for increased TCM acceptance. Conclusion Libido problems should not be ignored in the multimodal treatment of the psycho-social metabolic syndrome. TCM can provide support here, as the acceptance of those affected to use complementary medical therapies as a cornerstone of evidence-based medicine was confirmed by the Swiss BARBQTCM cohort.
Als Reaktion auf die vorangegangenen unsicheren und leidvollen Zeiten der Großen Proletarischen Kulturrevolution entstand in der VR China 1978 eine spontane, lautstarke Protestbewegung – mit demokratischen Inhalten, durchaus auch gegen die Führungsrolle der Kommunistischen Partei (KP) Chinas, „Pekinger Frühling“ genannt. Als all diese Bemühungen Ende 1979 über Nacht untersagt wurden, verschwand der Protest Anfang der 1980er-Jahre in Formen innerer Sammlung – vorwiegend des stillen Qigongs. Doch plötzlich veränderte – ebenfalls schnell als Massenbewegung – eine laute, bewegte, ja, kathartische Form des Qigongs die gültigen soziokulturellen Normen von „Gelassenheit, Stille und Natürlichkeit“. Der vorliegende Bericht analysiert das Verhältnis von Leiderfahrung und leiblichem, emotionellem Ausdruck. Er schließt mit der Überlegung, inwieweit die Übernahme dieser Erfahrungen eine Handlungsanweisung für unsere ärztliche Tätigkeit sein könnten.
Mit Leib können wir alle Lebensäußerungen bezeichnen, die wir in der Gegend unseres Körpers, ohne klare Begrenzungen, spüren, fühlen und wahrnehmen. Mit Körper bezeichnen wir das scheinbar getrennte, allgemein vergleichbare, von außen sichtbare und tastbare Objekt, das wir aber mit klaren Strukturen und Begrenzungen sehen und betasten können. Beide Existenzweisen sind für die Gesundheit und Medizin von wichtiger Bedeutung. Unabhängig von der jeweils praktizierten medizinischen Tradition (TCM, naturwissenschaftlich basierte Medizin etc.) spielen komplexe Dynamiken der Arzt-Patienten-Begegnung/Beziehung eine entscheidende Rolle in der Diagnostik, Behandlung und Heilung. Es geht dabei darum, einen angemessenen Zugang zur Welt anderer Menschen zu finden. In diesen Begegnungen werden weitgehend permanent, unbewusst, rasch und subtil Zeichen und Informationen zwischen beiden Partnern kommuniziert. Neben erlerntem ärztlichen Wissen, kognitiven Fähigkeiten und statistischen Kenntnissen beeinflussen Intuitionen und eine ärztliche „Findekunst“ (Heuristik) wesentlich die ärztlichen Entscheidungen. Im folgenden Beitrag werden unterschiedliche Elemente der zwischenleiblichen Kommunikation und Körpersprache beleuchtet. Als beispielhafte Region des leiblichen Gewahrseins wird kulturvergleichend auf Wahrnehmungen in der „Herz“-Gegend verwiesen. Zudem werden Faktoren des Placeboeffekts erläutert. Das Erkunden und Erleben der „3 korrespondierenden Zentren“ (Dantian/Herz/Drittes Auge) werden als praktische Übung vorgestellt.
Akupunktur und verwandte Verfahren der traditionellen ostasiatischen Medizin arbeiten seit jeher mit leiblichen Empfindungen wie Wärme, Kälte, Strömen oder Druck. Diese Phänomene spielen in der klinischen Praxis eine zentrale Rolle, wurden bislang jedoch kaum systematisch wissenschaftlich untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, wie im sinosomatics systematisch mit leiblichen Empfindungen gearbeitet wird, und anhand klinischer Beispiele sowie experimenteller Daten zu zeigen, wie solche Prozesse wissenschaftlich untersucht werden können. Nach einer konzeptuellen Einführung in sinosomatics wird eine klinische Fallvignette vorgestellt, in der leibliche Empfindungen mittels Leibzeichnungen dokumentiert wurden. Ergänzend werden Ergebnisse der EmoGRASP-Studie berichtet, in der leibliche Veränderungen bei der Technik In-die-Hände-Legen unter kontrollierten Bedingungen an 30 Proband:innen untersucht wurden. Sowohl in der Fallvignette als auch im Experiment zeigten sich klar unterscheidbare Muster leiblicher Empfindungen. Negative Erinnerungen gingen häufig mit Kälte‑, Schwere- und Entfremdungsempfindungen des Arms einher, während positive Erinnerungen eher Wärme und Leichtigkeit hervorriefen. Darüber hinaus traten bei der Bearbeitung emotionaler Inhalte wiederholt ausgedehnte Strömungs- und Fließempfindungen auf, die sich deutlich von lokal begrenzten Empfindungen unterschieden. Der gespürte Leib bildet im sinosomatics eine eigenständige, therapeutisch wirksame Ebene. Die dort zu beobachtenden Phänomene sind auch unter kontrollierten Bedingungen reproduzierbar.
Die Mind-Body-Medizin (MBM) nutzt die Verbindung von Geist, Körper und Verhalten, um Heilungsprozesse zu unterstützen. Ziel der MBM-Interventionen ist die Reaktivierung der körperlichen, vegetativ emotionalen und funktionellen Selbstregulation zur nachhaltigen Reduktion beschwerdebedingter Funktionsstörungen. Die Patienten werden durch MBM-Interventionen unterstützt, gesundheitsförderliche Lebensstilparameter zu stabilisieren. Sie lernen Strategien zur naturheilkundlichen Selbsthilfe. Das an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin etablierte MICOM-Konzept (Mind Body Medicine in Integrative and Complementary Medicine) verbindet naturheilkundliche Behandlungen und körperbezogene Therapien mit Reflexionen und Übungen zu Gedanken, Vorstellungen und Gefühlen. Es regt zur nachhaltigen Selbstverantwortung und -fürsorge an und unterstützt Patienten einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu entwickeln.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist in Asien Teil der evidenzbasierten multimodalen Behandlungsstrategien bei Gewichtsproblemen und dem psychosozialen metabolischen Syndrom (PSALMS). Ziel der Studie ist es festzustellen, inwieweit Libidoprobleme bei (prä-)adipösen Personen die Akzeptanz für TCM-Therapien beeinflussen. In dieser retrospektiven Subgruppenanalyse der prospektiven BARBQTCM-Querschnittsstudie beantworteten 498 (prä-)adipöse Personen eines Schweizer Adipositaszentrums einen anonymen Fragebogen. Das Interesse an diversen TCM-Behandlungsstrategien bei PSALMS-Beschwerden und die Bereitschaft, eine TCM-Ambulanz zu besuchen sowie Geld für TCM aufzuwenden, wurden evaluiert. In der BARBQTCM-Kohorte waren 3 Viertel weiblich (77,3
Die Polyneuropathie (PNP) ist die häufigste Erkrankung des peripheren Nervensystems und manifestiert sich typischerweise als distal-symmetrische Neuropathie mit Taubheitsgefühlen, Parästhesien, neuropathischen Schmerzen und funktionellen Einschränkungen. Die diabetische Polyneuropathie (DPN) und Alkoholabusus stellen die häufigsten Formen dar, essenzielle Chemotherapeutika verursachen eine chemotherapieinduzierte Polyneuropathie (CIPN) in über 90
Polyneuropathy is a debilitating condition characterized by widespread damage to the peripheral nerves, leading to sensory, motor, and autonomic symptoms. It arises from various causes, including metabolic disorders, toxic medications, infections, genetic predisposition, autoimmune diseases, tumors, trauma, or idiopathic conditions. It has a prevalence of 6-7% in the general population and a higher prevalence in individuals with diabetes mellitus. This condition frequently causes chronic pain and disability, significantly impairs quality of life, and necessitates intensive clinical research. Regarding the scientific investigation of treatment methods such as acupuncture, while existing instruments improve reporting and bias assessment, they fall short in evaluating content validity, methodological appropriateness, or correctness of conclusions.This article discusses these data collection tools and proposes an initial two-stage roadmap for a new methodology for content and context validation. Step 1 involves a systematic literature search to identify relevant randomized controlled trials (RCTs). Step 2 includes an expert consensus process to develop a checklist for evaluating diagnosis, study design, results, and discussion.This proposed roadmap for a content- and context-based assessment tool closes gaps in current frameworks and promotes standardized, transparent assessments to strengthen polyneuropathy research and the clinical application of acupuncture.