
Zusammenfassung Der Beitrag verbindet Queerness, Utopie und Science Fiction und entwickelt dabei den Begriff queer*utopisch als ein Angebot, um über Utopie nachzudenken: nämlich als eine Bewegung weg von unlebbar gemachten Gegenwarten und hin zu lebbaren Zukünften. Queerness selbst kann bereits als eine Form der Science Fiction verstanden werden, die immer über das Hier und Jetzt hinaus spekuliert auf eine mögliche Zukunft mit anderen Lebensweisen. Queer*SF (queer*feministische Science Fiction) verkörpert dieses queere Anliegen, indem sie sich Welten vorstellt, in denen alle Leben, auch queeres Leben, lebenswert sind. Queer*SF ist damit immer auch utopisch – queer*utopisch. Queer*utopisch als Konzept umfasst sowohl den Widerstand gegen den Ist-Zustand als auch das Begehren nach Verwirklichung anderer Welten (Körper, Beziehungen, Gesellschaften …).
Zusammenfassung Die vorliegende Studie untersucht erstmals systematisch, inwiefern Kleine Anfragen im Deutschen Bundestag genutzt werden, um zivilgesellschaftliche Organisationen (ZGO) zu delegitimieren. Grundlage ist eine Analyse von 560 Kleinen Anfragen zwischen 2017 und 2025, in denen der Begriff „Nichtregierungsorganisation“ vorkommt. 114 dieser Anfragen rahmen ZGO delegitimierend; ihr Anteil steigt über die Legislaturperioden hinweg deutlich an. Inhaltlich lassen sich fünf wiederkehrende Frames identifizieren, die ZGO etwa als fremdgesteuert, polarisierend oder als Akteure gegen nationale Interessen framen. Der überwiegende Teil dieser Anfragen stammt aus der AfD-Fraktion. Die Ergebnisse zeigen, dass delegitimierende Narrative gegenüber ZGO auch im parlamentarischen Raum zunehmen und somit zur Konstruktion eines Generalverdachts gegenüber zivilgesellschaftlichem Engagement beitragen.
Zusammenfassung Die im Globalen Norden vorherrschende imperiale und europatriarchalische Lebensweise ist sowohl künftigen wie auch gegenwärtig lebenden Generationen gegenüber ungerecht. Tiefgreifende gesellschaftliche Transformation scheint jedoch immer schwerer vorstellbar. Wie lässt sich die Fantasie individuell wie kollektiv entfesseln, damit die grundsätzliche Veränderbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse denkbar, fühlbar und wünschbar wird? Wie lässt sich die praktische Arbeit mit Utopien, Science Fiction und Spekulativer Fiktion (SF) als Methode einsetzen, damit gesellschaftliche Visionen entwickelt, Handlungsoptionen erkannt und Möglichkeitssinne für sozial-ökologischen Wandel erweitert werden? Dies erkundet das Kollektiv „Unleashing Fantasy for Transformation“ in Workshop-Formaten mit SF-Erzählungen von Ursula K. Le Guin und anderen im Kontext von Degrowth, Care und Commons, von Subsistenz, konvivialer Technik und Selbstorganisation, von Queerfeminismus, Dekolonisierung und artenübergreifender Verwandtschaft.
Zusammenfassung Richard Saage ist als Politikwissenschaftler ein anerkannter Utopieforscher. Er stellt in seinem Beitrag einen Klassiker der modernen Utopien vor: Thomas Morus. Morus integriert eine sozio-politische und eine literarisch-narrative Konstruktionslinie, die analytisch zu trennen sind. Das Erkenntnisinteresse des Autors gilt der sozio-politischen Dimension. Seine Analysen fokussieren sich auf die gesellschaftlichen Inhalte des utopischen Phänomens und auf die ihnen zugrundeliegenden Formprinzipien in ihren epochenspezifischen Veränderungen. Der geschichtsphilosophische Fortschrittsglaube, von dem die Zeitutopie einst lebte, ist aufgrund der totalitären Erfahrungen des 20. Jahrhunderts historisch diskreditiert. Fällt aber das absolut gesetzte Ziel der gesellschaftlichen Entwicklung als Endpunkt der Geschichte weg, kann von Utopien nur im Plural die Rede sein. Um die Akzeptanz utopischer Ziele muss dann diskutierend in einer demokratischen Öffentlichkeit gerungen werden. Der Geltungsanspruch der Utopie kann heute nur noch wie bei Morus der eines regulativen Prinzips sein, dem man sich lediglich annähern, aber den man nicht verwirklichen kann und soll. Nur wenn die kritische Differenz zwischen dem utopischen Orientierungswissen und der sozio-politischen Realität bestehen bleibt, vermag die Utopie ihre kritische Funktion auszuüben. Durch den Filter der klassischen Dystopien hindurchgegangen, müssen utopische Texte heute – dem Vorbild der Utopia des Thomas Morus folgend – hochgradig selbstreflexiv sein. D. h., sie müssen ihre Selbstkritik gleich mitliefern und sich stets bewusst sein, dass das positiv Intendierte ins negativ gewendete Gegenteil umschlagen kann.
Zusammenfassung Die Klimabewegung in Deutschland befindet sich im Wandel. Nach Jahren der Massenmobilisierung und breiten gesellschaftlichen Sichtbarkeit ist sie derzeit mit zunehmenden Repressionen, medialer Delegitimierung und einem generellen Rückgang von Ressourcen konfrontiert. Der Beitrag analysiert aktuelle Dynamiken, Handlungsspielräume und Repertoires der Bewegung im Spannungsfeld von Krise und Neuausrichtung. Dabei wird insbesondere die strategische Ausweitung des Repertoires um juristische Mittel wie Klimaklagen in den Blick genommen. Diese Klagen wirken unter anderem durch ihre längere Zeitlichkeit als antizyklischer, robuster Bestandteil des klimapolitischen Engagements, der auch in Zeiten rückläufiger Straßenproteste langfristige Wirkungen entfalten kann. Auf Grundlage des Hamburger Plausibilitätsansatzes und des Klimawende Ausblicks 2025 bewertet der Beitrag, inwieweit Klimabewegung und Klimaklagen aktuell als gesellschaftliche Treiber der deutschen Klimawende plausibel (zusammen)wirken können. Der Aufsatz versteht sich dabei als Beitrag zur bewegungsbezogenen Transformationsforschung.
Zusammenfassung „Ich hoffe, dass mein Buch als Warnung gelesen wird. Sowohl von der Politik als auch von den Aktivist*innen und der sogenannten schweigenden Mehrheit. Wenn die Gewalt so eskaliert wie in meinem Buch, verlieren am Ende alle. Wir kommen dem Klimaschutz nicht näher und der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht. Deshalb hoffe ich, dass Gesellschaft und Politik einlenken.“ (Theresa Hannig im Nachwort zu Parts Per Million – Gewalt ist eine Option)
Zusammenfassung Das Literaturgenre Science Fiction mit seinen vielfältigen Verzweigungen in der bildenden Kunst, in Film, Fernsehen, Musik, Theater, Hörspiel, Games u. v. m. ist ein zentrales Phänomen der aktuellen populären Weltkultur. Der folgende Essay will Werden, Wesen und Wirken der Science Fiction mit ihren Wechselwirkungen auf unsere reale Lebenswelt darstellen. Wurzeln und Entwicklungen der SF sollen aufgezeigt und die Bedeutung der SF für das Denken und Fühlen der Moderne soll offengelegt werden. Der erste Teil der Reihe beschreibt Grundsätze, der zweite Teil politische Dimensionen der SF vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, der dritte befasst sich mit realen und fiktiven Geschichten, die belegen, wie nachhaltig die SF unsere Lebenswirklichkeit beeinflusst.
Zusammenfassung Historische und aktuelle Entwicklungen zeigen, dass klassische utopische Erzählungen von perfekten Gesellschaften derzeit schwer zu vermitteln sind. Dystopien hingegen – auch wenn sie als Weckruf dienen können – gelten als Ausdruck von Hoffnungslosigkeit und Pessimismus. Doch Anti-Dystopien, als neue Erzählform aus Science-Fiction-Genres wie Climate Fiction, Solarpunk oder Queer SF, eröffnen neue Perspektiven darauf, wie sich Menschen für Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und solidarische Gemeinschaften engagieren. Anstelle idealisierter Endzustände entwerfen diese Geschichten konkrete soziale Innovationen, die innerhalb bestehender Strukturen neue Möglichkeitsräume eröffnen und zum kritischen Nachdenken über gesellschaftliche Veränderungen anregen. Im Folgenden möchte ich die Idee der Anti-Dystopie für ein neues Wohlstandsnarrativ einsetzen.
Zusammenfassung Als „marxistisches Bilderverbot“ bezeichnet man die Abneigung der Theoretiker der Kommunismus, die Zukunft dieser neues Gesellschaftsordnung anschaulich zu beschreiben. Vage werden eine Gemeinschaft ohne Ausbeutung, gemeinschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln und gleiche Teilhabe an den erarbeiteten Gütern als Kriterium genannt. Die Menschen sollen sich frei und allseitig entwickeln, ihren Neigungen, Interessen und Talenten nachgehen können. Auch wird vom „neuen Menschen“ gesprochen. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ lautet die Zauberformel. Detalliertere literarische Beschreibungen einer kommunistischen Gesellschaft werden als „Guckkastenbilder in eine bessere Zukunft“ oder „prophezeiende Unterhaltungsromane“ abgetan.
Zusammenfassung Dystopien, Apokalypsen, Utopien verkaufen sich gut in den verschiedenen Medien, denn für manche vermitteln sie den Schrecken des zumindest scheinbar Unabwendbaren oder auch die Lust an etwas vielleicht nie Erreichbaren. Manches mag an Horror- und Endzeitfantasien erinnern, sodass es plausibel erscheint, mit einem Buch über dieses Subgenre der Literatur- und Filmgeschichte zu beginnen. Aber es gibt auch konkrete Utopien, die tatsächlich erreichbar sein könnten. Von diesen schreibt Isabella Hermann in ihrem Buch „Zukunft ohne Angst“, durchaus im Anklang an Kim Stanley Robinson. Noch konkreter wird der Think Tank Reinventing Society mit seinen Zukunftsbildern für das Jahr 2045. Alle von diesem Think Tank erarbeiteten Bilder zeugen von einer Art Allianz von Wissenschaft, Regierungen und Zivilgesellschaft, die eine nachhaltige Zukunft auf bereits vorhandenen Erfahrungen aufbauen könnte. Vielleicht hätten Utopien eine noch bessere Chance auf Verwirklichung, wenn Politiker:innen zugleich kluge Ingenieur:innen, mutige Hazardeur:innen oder gar erfolgreiche Geisterjäger:innen würden. Dann wären Dystopien nicht mehr nur bloßer Abwehrzauber.