This paper analyses the socio-demographic attributes and political attitudes of protesters in Germany. In doing so, the paper studies participation at demonstrations, one of the key forms of non-electoral political participation in Germany and a central political arena in which to negotiate political and cultural conflicts. Methodologically, we draw on original data from nine protest surveys collected between 2003 and 2020. The demonstrations under scrutiny address a wide variety of issues such as peace, climate change, global justice, immigration, international trade and social policy. Analysing protesters' profiles, we focus on differences both within and across demonstrations. We show that demonstrators' socio-demographic and attitudinal characteristics diverge considerably across the surveyed demonstrations. In particular, we identify two clusters of demonstrations, differing most prominently regarding participants' political trust, satisfaction with democracy, and perceptions of self-efficacy - the 'disenchanted critics' and the 'confident critics'. Based on a regression analysis across all nine demonstrations, we further show that the distinction of these two demonstration clusters is not the result of the presence or absence of certain groups of demonstrators.
Visual analysis is the development of concepts and methods to study visual elements of the mobilization, framing, diffusion, and resonance of protest and social movements. In the early 1990s, the “visual turn” in the humanities and cultural studies inspired a theoretical debate about the “power of images” in political conflict. This debate also resonated among social movement scholars who have studied visual aspects of the performance of social movements, their use of visual media such as posters and photos, and the representation of protests in linear mass media. Visual analyses typically rely on multidisciplinary approaches ranging from in‐depth studies of individual images that use methods from art history to quantitative content analysis leaning on communication studies.
Simon Teune untersucht in diesem Kapitel Kritik an der Umsetzung der Energiewende. Trotz einer klaren mehrheitlichen Zustimmung zu dem Transformationsprojekt gibt es auch breiter gestreute Zweifel an den ergriffenen Maßnahmen und deren politische und technische Umsetzung. Auf der Basis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung aus dem Jahr 2021 stellt der Beitrag unterschiedliche Typen der Kritik an der Energiewende vor. Dabei werden verschiedene Argumentationsstränge in der Kritik sichtbar, aber auch stabilere Einstellungsmuster, die sich nicht nur auf die Energiewende, sondern auch auf andere Politikfelder und auf die Haltung zur Demokratie und ihren Institutionen beziehen. Diese ideologische Überformung der Ablehnung von erneuerbaren Energien wird sich nur sehr bedingt mit Maßnahmen überwinden lassen, die bei der Regulierung von neuen Anlagen ansetzen.
While the framing approach in the field of social movements has relied on analysing texts to the neglect of images, recent attention to visual framing in the field of media and communication studies largely overlooks the visual communication of social movements. This article addresses this gap by adapting methods derived from art history to unpack the nuances of meaning in movement-constructed images. It analyses the visual framing in posters of two German social movements, the movement for gay liberation and the movement against nuclear energy. Highlighting the need for information about a given movement’s history to socially contextualise how its images are likely to be read in context-specific times and places, we carve out the diagnostic, prognostic and motivational dimensions of visual framing. The analysis shows how images speak to viewers, arguing for visual analysis as an advisable supplement to studying textual framing in social movements.
Zusammenfassung Dieser Beitrag präsentiert erste Einblicke in eine Organisationsbefragung zur Auswirkung der COVID-19 Pandemie auf Vereine und Initiativen in Deutschland. Die Studie unterstreicht, dass die Zivilgesellschaft mit großer Wucht getroffen wurde und weitreichende, negative Auswirkungen der Pandemie zu verzeichnen sind. Dennoch zeigen die Ergebnisse ebenfalls, dass sich Teile der Zivilgesellschaft der pandemischen Entwicklung anpassen und ihre Handlungsfähigkeit aufrechterhalten konnten. Besonderes Augenmerk wird in dem Beitrag auf Muster der (De-)Aktivierung sowie die Digitalisierung zivilgesellschaftlicher Akteure in der Krise gelegt.
Zusammenfassung Symbole sind visuelle Verdichtungen von Kernbotschaften sozialer Bewegungen. Durch ihre Verbreitung steigt die Sichtbarkeit der Bewegungen und ihr Potenzial für gesellschaftliche Wirkung. Insofern liegt die Popularisierung, die allgemeine Bekanntheit und Verwendung eines Symbols, im Interesse von Bewegungsakteur*innen. Allerdings sind Prozesse der Popularisierung auch mit Bedeutungsverschiebungen verbunden, die von der ursprünglichen Botschaft der Bewegung abweichen. Der Artikel beschreibt die Popularisierung der Symbole Antiatomsonne und Regenbogenfahne, stellt die dafür relevanten Rahmenbedingungen und Akteure vor und führt das Potenzial zur Verbreitung auf die Eigenschaften der Symbole selbst zurück.
Zusammenfassung Der Beitrag vergleicht die mediale Berichterstattung zu den G20-Protesten in Hamburg und zeigt so journalistische Spielräume jenseits der dominierenden Fokussierung auf Gewalt auf. Der Vergleich von sieben Tageszeitungen in Bezug auf den Umfang und Fokus der Berichterstattung, die Auswahl von Sprecher*innen, die Bewertungen und die Auseinandersetzung mit den Protestmotiven verdeutlicht den Kontrast zwischen vergleichsweise protestaffinen Zeitungen des liberalen Spektrums und dem Protest deutlich negativ gegenüberstehenden Zeitungen des konservativen Spektrums.
Zusammenfassung Wie Gewalt im Kontext von Protesten wahrgenommen wird, was als Gewalt gilt und was als legitimer Protest, hängt wesentlich von der Berichterstattung in kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Massenmedien ab. Am Beispiel von drei Ereignissen im Kontext der Proteste gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm vergleicht der Beitrag Deutungsmuster und Bildsprache in sechs deutschen Tageszeitungen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Blättern – in der Beurteilung der Ereignisse, in der Perspektivität der Berichterstattung und damit in dem Bild, das von Protest und Gewalt gezeichnet wird.
FORSCHUNGSJOURNAL SOZIALE BEWEGUNGEN 31. Jg. 1 -2 | 2018 Die Forschung zu Protesten und sozialen Bewegungen ist eine politische Wissenschaft: Sie ist zum Ersten ein Teilgebiet der Politikwissenschaft und der politischen Soziologie, weil sie sich mit ihrem Fokus auf einen Akteurstyp ausrichtet – soziale Bewegungen, mobilisierte Zivilgesellschaft und Aktivist*innen – und mit Fragen von Macht und der Herstellung verbindlicher Entscheidungen befasst; ihr Gegenstand ist also politisch. Sie ist es auch, zweitens, weil ein nicht unerheblicher Teil der Forschenden diesen Gegenstand aufgrund eigenen Engagements wählt und zumindest Teilen des Forschungsfeldes mit Sympathien gegenübersteht. Am deutlichsten wird das bei denen, die die eigene Forschung explizit in den Dienst der Bewegung(en) stellen, sei es als kritisches Reflexionsoder als strategisches Handlungswissen. Protestforschung ist, drittens, politisch, weil sie – etwa in der Medienfigur der Protestforscher*in – zur gesellschaftlichen Konstruktion ihres Gegenstands beiträgt. Die akademische Würdigung von Protest hat auch zu seiner Normalisierung als akzeptierter Form politischer Partizipation beigetragen. Viertens ist Protestforschung politisch, weil ihr Tun immer wieder als Politikum empfunden wird. Protestforscher*innen sind immer konfrontiert mit Erwartungen und Einflüssen unterschiedlicher gesellschaftlicher Felder (Wissenschaft, Politik, Protestierende, Medien u.a.), die teilweise diametral entgegengesetzt sind und sich gelegentlich auch konflikthaft entladen: Auf der einen Seite vermuten wissenschaftspolitisch Verantwortliche, dass mit der Förderung der Protestforschung die Revolution finanziert werde.1 Auf der anderen Seite lehnen auch manche Aktivist*innen Protestforschung mit der Begründung ab, sie diene als Produktion von Herrschaftswissen der Einhegung von Protest. Protestforscher*innen sind damit nolens volens Teil einer politischen Auseinandersetzung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Reflexion und Positionierung. Während die Diskussion über die politischen Implikationen der Protestforschung das Feld schon immer begleitet hat, stellen sich in den letzten Jahren neue Fragen. Das Bekanntwerden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und die Konjunktur völkischer Proteste wie etwa bei Pegida hat ein neues Interesse an sozialen Bewegungen von rechts geweckt. Schon vorher hatte sich mit dem Extremismusparadigma in Behörden und Ministerien die Vorstellung durchgesetzt, dass zwar der Rechtsextremismus gut erforscht sei, es aber an Erkenntnissen zum „Linksextremismus“ fehle. Mit diesen Entwicklungen hat sich der Blick auf Protestforschung verändert und es entstanden neue Institutionen, die das Feld mit politischem Auftrag in den Blick nehmen.
Zusammenfassung Am 7. und 8. Juli 2017 fand in Hamburg das zwölfte Treffen der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenl änder (G20) statt. Gemeinsam mit dem Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (Socium) und dem Göttinger Institut für Demokratieforschung (GIfD) haben Wissenschaftler_innen des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung eine Befragung der Protestierenden für zwei zentrale Demonstrationszüge durchgeführt: die bereits für den 2. Juli, also am Wochenende vor dem offiziellen Gipfel, angesetzte Demonstration „G20 Protestwelle“, zu der vor allem Umweltorganisationen, Bündnis 90/Die Grünen und das Mobilisierungsnetzwerk Campact aufgerufen hatten, sowie die Abschlussdemonstration am 8. Juli mit dem Titel „Grenzenlose Solidarit ät statt G20!“, für die ein Bündnis linker, überwiegend antikapitalistischer Organisationen und Parteien warb. Es werden zentrale Ergebnisse der Studie dargestellt, wobei insbesondere der Frage nachgegangen wird, ob sich die Protestierenden nicht doch ähnlicher sind, als die unterschiedliche Charakterisierung der beiden Demonstrationen suggeriert. Erleben wir ein erneutes Aufleben der globalisierungskritischen Bewegung oder eher eine Parallelit ät einzelner Protestereignisse, die keinen gemeinsamen Nenner mehr besitzen? Diesen Fragen wird nachgegangen, indem die Motive, Überzeugungen und Einstellungen der Protestierenden in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt werden. Damit ist diese Studie auch ein Gegengewicht zu der öffentlichen Fokussierung auf die den Gipfel begleitende Gewalt.