
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einem krisenhaften Transformationsprozess. Der Beitrag deutet diesen als Teil eines Paradigmenwechsels zur Informationsökonomie, der eine grundlegende Neuausrichtung von Geschäftsmodellen, Wertschöpfungsbeziehungen und Arbeitskonzepten erfordert. Am Beispiel des Volkswagen-Konzerns wird gezeigt, wie der Versuch, mit der Softwareeinheit Cariad den Wandel zur „Software-enabled Car Company“ zu gestalten, an den Deutungsmustern, Strukturen und Routinen des alten industriellen Paradigmas scheiterte. Dieses Scheitern erweist sich als exemplarisch für die Schwierigkeiten etablierter Konzerne, Wertschöpfung in der Logik der Informationsökonomie zu konzipieren. Die Analyse macht deutlich, dass die Zukunftsfähigkeit des Innovationsstandorts Deutschland davon abhängt, ob es gelingt, den Paradigmenwechsel erfolgreich zu bewältigen.
Produzierende Unternehmen in vielen Branchen stehen im aktuellen industriellen Strukturwandel vor grundlegenden Herausforderungen. In einem sich dynamisch verändernden Marktumfeld arbeiten sie verstärkt an der Neukonfiguration ihrer Geschäftsmodelle, um langfristig stabile Zukunftsperspektiven für Unternehmen und Beschäftigte zu schaffen. In der arbeits- und industriesoziologischen Forschung liegen bislang jedoch kaum Untersuchungen vor, die Geschäftsmodellentwicklung als Handlungsfeld industrieller Arbeit analysieren. Der Beitrag untersucht auf der Basis einer explorativen empirischen Analyse in produzierenden KMU, welche Entwicklungen dazu führen, dass Geschäftsmodellentwicklung als Handlungsfeld an Bedeutung gewinnt, mit welchen Herausforderungen die Akteur:innen bei der Geschäftsmodellentwicklung konfrontiert sind und welche Anforderungen dies an die Arbeit der beteiligten Akteur:innen stellt. Die Ergebnisse zeigen, dass in produzierenden KMU zunehmend auch Mitarbeitende und Akteur:innen der Mitbestimmung Geschäftsmodellentwicklung betreiben. Vor diesem Hintergrund plädiert der Beitrag dafür, Geschäftsmodellentwicklung als eine spezifische Form von Innovationsarbeit in der Industrie zu fassen.
Obwohl sich die Erderhitzung gefährlichen Kipppunkten nähert, wenden sich Teile der Wirtschaftseliten in industriellen Schlüsselbranchen von ambitionierten Dekarbonisierungszielen ab. Soziologische Beobachtungen folgen diesem Trend. Der Beitrag fragt nach Ursachen für das – vorläufige – Scheitern eines grünen Wirtschaftswunders. Wichtige, obgleich nicht einzige Ursache ist, so die These, die Beharrungskraft eines finanzialisierten Kapitalismus und seiner Transfermechanismen, allen voran der Shareholder-Value-Steuerung von Unternehmen. Im Kontrast zu solchen Hürden des sozial-ökologischen Umbaus der Industrie werden aber auch Alternativen skizziert. Die Transformation der Industrie in Richtung Nachhaltigkeit könnte gelingen, wenn ein ökologischer Sozialstaat für Sicherheit und Gerechtigkeit im Wandel sorgt. Der Autor wendet sich gegen die neue Bescheidenheit in der Soziologie und plädiert für eine kritische Transformationsforschung, die finanzkapitalistische Ursachen der „großen Restauration“ fossiler Produktionsweisen klar benennt.
Der Beitrag charakterisiert Teslas Produktionsmodell als einen Ansatz, der auf die Erschließung von Wachstums- und Profitpotenzialen durch digitale Technologien ausgerichtet ist. Fahrzeuge dienen dabei als Hardwareplattform für softwarebasierte Funktionen, die während der Nutzungsphase per Updates bereitgestellt und weiterentwickelt werden. Die Analyse zeigt erhebliche Spannungen zwischen den strategischen Zielsetzungen und den Bedingungen ihrer Umsetzung. In der Produktpolitik kollidiert softwarebasierte Differenzierung mit der für Kostenführerschaft erforderlichen Standardisierung. In der Produktion trifft die Suche nach disruptiven Innovationssprüngen auf großvolumige, fordistisch geprägte Fabrikstrukturen. Im Bereich Arbeit steht die Vision hoher Automatisierung einer weiterhin manuellen, tayloristisch organisierten Montage gegenüber; das Arbeitsregime ist geprägt durch hohen Leistungsdruck, fehlende Mitwirkungsmöglichkeiten der Beschäftigten und eine Einschränkung gewerkschaftlicher Einflussnahme. Insgesamt verbindet Teslas Produktionsmodell eine starke Technologieorientierung mit autoritären Strukturen, die im Widerspruch zu etablierten arbeits- und mitbestimmungsorientierten Rahmenbedingungen stehen und erhebliches Konfliktpotenzial bergen.
Wohl kaum eine Branche steht so paradigmatisch für qualifizierte Facharbeit in der produzierenden Industrie wie der Automobilsektor. So galt die Branche nicht nur als Hauptfeld der Industrie-4.0-Umsetzung, auch die doppelte, sozial-ökologische und digital-technische Transformation trifft die Branche aktuell schwer, die Meldungen zu Gewinn- und Absatzeinbrüchen reißen nicht ab. Der Beitrag reflektiert vor diesem Hintergrund die Transformationsbetroffenheit und -wahrnehmung industrieller Facharbeit auf der Basis qualitativer Empirie aus 2015/2016 und 2021/2022 sowie quantitativer Erhebungen von 2022 und 2024. Dabei wird deutlich, wie stark das Vertrauen in die Zukunft und in die Entscheidungsakteur/innen in Management, Betriebsrat und Politik in Bezug auf die doppelte Transformation erodiert ist. Es zeigen sich zwar Unterschiede zwischen verschiedenen Arbeitskraftgruppen, aber keine von systematischer oder signifikanter Qualität, sodass sich die Rede von einer eigenen Facharbeitermentalität nicht bestätigt.
Der Beitrag untersucht aus arbeitssoziologischer Perspektive, wie der Einsatz von KI-Systemen in der prädiktiven Instandhaltung (PdM) die Bedeutung von Erfahrungswissen im Arbeitsprozess verändert und wie sich die Zusammenarbeit zwischen KI-Anwender- und KI-Anbieterunternehmen gestaltet. Die Fallstudie in einem Unternehmen der Papierindustrie zeigt, dass die Grenze der Formalisierbarkeit von Erfahrungswissen in der Instandhaltungsarbeit graduell ausgeweitet werden kann, wobei das domänenspezifische Wissen der Beschäftigten weiterhin eine wichtige Rolle für die Verbesserung der Software und die Interpretation der gewonnenen Daten spielt. Weil die Einführung des KI-Systems auch eine Delokalisierung von Wissen ermöglicht, kommt es zugleich zu einer konfliktträchtigen Verschiebung der Kompetenzen vom Anwenderunternehmen zum Softwareanbieter.
Schält sich mit Plattformen auch in der Industrie eine relevante Organisations- und Koordinationsform für Markt-, Produktions- und Innovationsprozesse heraus, die sich insbesondere von organisierten Kooperationsnetzwerken zwischen Unternehmen substanziell absetzt? Der Aufsatz unternimmt eine Kartierung und Einordnung dieses sozialwissenschaftlich noch wenig erschlossenen Feldes. Er gibt einen Überblick über Varianten und Entwicklungsperspektiven von Industrieplattformen, arbeitet deren Eigenheiten und Bedeutung heraus, skizziert aber auch unübersehbare Entwicklungsprobleme und Grenzen plattformartiger Organisations- und Koordinationsmuster in der Industrie. Im Fokus stehen zwei noch nicht gefestigte Plattformtypen: zum einen produktionsorientierte Industrial-Internet-of-Things-Plattformen (IIoT) und zum anderen plattformartige Restrukturierungen industrieller Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Anders als im konsum- und kommunikationsorientierten Internet haben sich plattformbasierte Organisationsformen in der Industrie, so unser Fazit, bislang nicht großflächig durchgesetzt. Das Bild wird dominiert von branchenspezifischen und zum Teil hochspezialisierten Plattformen, die etablierte Kooperationsnetzwerke fallweise ergänzen, aber keineswegs ablösen.
Das Zusammenspiel aus aktivierender Arbeitsmarktpolitik, managerialer Zielsteuerung sowie Vermittlungs- und Beratungsarbeit ist ein Schwerpunkt der Forschung zur Arbeitsverwaltung und Beratung Arbeitsloser. Zumeist wird dabei die Ebene der Interaktion zwischen Fachkräften und Arbeitslosen fokussiert. Vernachlässigt wird hingegen die Rolle mittlerer Führungskräfte, die in einer „Sandwich-Position“ zwischen der oberen Leitungsebene und den Fachkräften agieren. Sie sind AdressatInnen unterschiedlicher und mitunter widersprüchlicher Anforderungen und Erwartungen, die sich aus dem institutionellen Auftrag, den Organisationsvorgaben und der Beratungspraxis ergeben. Über die Aneignung und Ausübung der Rollen sowie die Konfliktbearbeitung mittlerer Führungskräfte der Arbeitsverwaltung ist bislang wenig bekannt. Am Beispiel von Teamleitungen einer spezialisierten Beratungsdienstleistung für arbeitsmarktferne Arbeitslose im SGB III, INGA, trägt diese Studie zur Schließung dieser Forschungslücke bei. Mittels fallrekonstruktiver Analysen wird gezeigt, dass die Teamleitungen ähnlich wie die Beratungsfachkräfte mit dem Grundkonflikt zwischen Beratungspraxis und Kennziffernerfüllung konfrontiert sind. Ihre Aufgabe konzentriert sich dabei primär auf die Vermittlung zwischen den Ebenen der Beratungspraxis und der übergeordneten Steuerung. Anhand von zwei kontrastiven Fällen wird gezeigt, wie unterschiedlich sich die Teamleitungen diese Aufgabe aneignen und mit der „Sandwichposition“ umgehen. Die Ansätze sind jeweils in sich schlüssig und durch berufliche Prägungen der Teamleitungen beeinflusst.
Unvollständige Informationen am Arbeitsmarkt beeinträchtigen, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften und das Angebot der Arbeitskraft zusammenfinden. Die Bereitstellung von Informationen wirkt dieser Art von Marktversagen entgegen. Die Rolle von Informationen bei der Stellensuche erfährt unter den Perspektiven von Sozialkapital und sozialen Netzwerken eine breite wissenschaftliche Diskussion. Zudem erleichtert die Digitalisierung den Informationsaustausch. In einem Modellprojekt, der sog. Digitalen Peer-Gruppen-Beratung, boten Arbeitsagenturen einen Online-Chat für Arbeitslose an. Damit entstand eine Gelegenheit für arbeitslose Personen, Informationen untereinander auszutauschen. Dieser Beitrag stellt die Frage: Inwiefern kann die öffentliche Arbeitsverwaltung Informationen, die arbeitslose Arbeitsuchende haben und austauschen, nutzen, um Arbeitslose in eine Erwerbsarbeit zu vermitteln? Die empirischen Daten stammen aus einer qualitativen Fallstudie zur Digitalen Peer-Gruppen-Beratung. Der Beitrag argumentiert, dass der Austausch von Informationen unter Arbeitslosen nur wenig zur Stellensuche beiträgt und damit einen geringen Nutzen für die Arbeitsverwaltung besitzt. Gering ist im vorliegenden Modellprojekt allerdings auch der Aufwand für die Kommunikation. Insofern kann der Informationsaustausch unter Arbeitslosen keine effektive, aber durchaus eine effiziente Ergänzung für Stellensuche und Arbeitsvermittlung bieten.
Digitalisierungsinitiativen zielen oft auf die Transformation und Optimierung von Prozessen, Strukturen und Praktiken. Zunehmend engagieren sich nicht nur Programmierer:innen und Entwickler:innen, sondern auch Professionelle für die Digitalisierung ihrer Handlungsfelder und entwickeln Softwarelösungen. Der vorliegende Beitrag untersucht ein solches Digitalisierungsprojekt: die Entwicklung einer Software für die Kinder- und Jugendhilfe. Die Ergebnisse der ethnografischen Studie zeigen, dass sich trotz dieser Konstellation professionelle Erwartungskomplexe nicht dominant in der Softwaregestaltung niederschlagen. Vielmehr prägen neben professionellen Erwartungskomplexen zugleich auch solche die Softwareentwicklung, die eher organisational geprägt sind oder auf veränderte gesellschaftliche Erwartungen digitaler Kommunikation zurückgehen. Die Ergebnisse deuten empirisch auf die Komplexität und Heterogenität von Digitalisierungsinitiativen hin, selbst wenn diese stark durch Professionen strukturiert sind. Sie lassen sich nicht auf einen einfachen Nenner wie den der Re- oder Deprofessionalisierung bringen und markieren damit zugleich konzeptuelle Herausforderungen für die Analyse des Verhältnisses von Organisation, Profession und digitalen Technologien.
Im vorliegenden Beitrag fokussieren wir Forschungsethik in der Arbeitssoziologie, um ethische Herausforderungen zu beleuchten und Impulse zur Reflexion anzubieten. International findet eine intensive Diskussion forschungsethischer Prinzipien (informierte Einwilligung und Freiwilligkeit der Teilnahme, Nicht-Schädigung sowie Anonymisierung und Vertraulichkeit) in der qualitativen Sozialforschung statt, die inzwischen auch den deutschsprachigen Raum erreicht hat. Für die Arbeitssoziologie stellen sich besondere ethische Herausforderungen, u.a. da ihr Forschungsfeld häufig durch Machtasymmetrien und Hierarchien strukturiert ist und typischerweise mehrere Stakeholder involviert sind. Wir skizzieren mögliche Herausforderungen auf der Basis des internationalen Stands der Forschung und bieten auf dieser Basis feldspezifische Fragen zur ethischen Selbstreflexion, die Forschenden helfen können, ethische Herausforderungen in ihren Projekten zu antizipieren und zu adressieren.
Der Beitrag befasst sich mit dem Potenzial, das qualitative Sekundäranalysen für die Arbeitsforschung aufweisen. Während sich die Debatte um diese Thematik bislang vor allem um Fragen der Aufbereitung, Archivierung und Bereitstellung von Datensätzen gedreht hat, richtet sich hier der Blick auf Fragen einer erfolgreichen Durchführung von Sekundäranalysen und damit zusammenhängende methodische Probleme. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Qualität von Datensätzen (hinsichtlich Relevanz und nutzbaren Gehalts für Zweitauswertungen) und die mit ihnen verbundenen Kontextualisierungsprobleme gerichtet. Diese Themen werden anhand eines umfangreichen und thematisch vielfältigen Datensatzes aus der Arbeitsforschung (Projekt „Alltägliche Lebensführung“) und unterschiedlicher Varianten seiner Zweitauswertung diskutiert.
Praxeologisch-rekonstruktive Zugänge halten für die methodischen Herausforderungen der subjektorientierten Arbeitsforschung hilfreiche Begriffe, Konzepte und forschungspraktische Verfahren bereit. Auf dieser Grundlage sucht der Beitrag nach Anschlüssen zwischen subjektorientierter Arbeitsforschung, praxeologischer Wissenssoziologie und dokumentarischer Methode. In einem ersten Schritt werden bereits vorhandene Anschlussstellen von Seiten der Arbeitsforschung dargestellt. In einem zweiten Schritt werden daran anschlussfähige und bereits weiter entwickelte Annahmen und Konzepte der praxeologischen Wissenssoziologie aufgestellt und erläutert. Der Mehrwert einer wissenssoziologisch instruierten rekonstruktiven Herangehensweise an arbeitssoziologische Forschungsdesigns wird mit Bezug auf ein Forschungsprojekt über Freiwilligenarbeit zusammenfassend dargestellt. Ziel des Beitrags ist es, innerhalb der Debatte um die Methoden der Arbeitsforschung praxeologische Grundannahmen und dokumentarisch vorgehende Verfahren stärker einzubeziehen.
Dieser Beitrag befasst sich mit der zentralen Herausforderung der qualitativen Arbeitsforschung, Erkenntnisse zu gewinnen, die über den betrieblichen Kontext hinausweisen. Er schlägt eine gesellschaftstheoretisch fundierte qualitative Forschungsmethodologie vor, die den betrieblichen Arbeitsprozess in die gesellschaftliche Organisation der Reproduktion einbettet. Erstens wird im Anschluss an die Extended Case Method für eine theoriereflexive Methode plädiert, in der das Verhältnis zwischen Gesellschaftstheorie und dem empirischen Fall als ein methodisch kontrollierter und systematisierter Dialog entworfen wird. Daran anknüpfend wird zweitens eine kapitalismustheoretisch fundierte Forschungsperspektive vorgeschlagen, die erlauben soll, die unterschiedlichen Bedingungen der Reproduktion gesellschaftlicher Gruppen mit der betrieblichen Arbeitswelt analytisch in Beziehung zu setzen. Schließlich wird diskutiert, wie diese integrative Forschungsperspektive für die Analyse des Arbeitsprozesses fruchtbar gemacht werden kann.
Dieser Artikel untersucht die Bedeutung von Materialität in der Arbeitsforschung und beleuchtet, wie physische und räumliche Artefakte Arbeitsprozesse und -bedingungen charakterisieren. Basierend auf dem Artefakt-Konzept von Froschauer und Lueger wird Materialität als strukturgebendes Element betrachtet, das soziale Interaktionen prägt, Wirklichkeit konstruiert und Hierarchien aufrechterhält. Der Beitrag diskutiert unterschiedliche Ansätze zur Analyse von Materialität im Arbeitsforschungskontext und stellt die Artefaktanalyse als konkrete Methode mit einer Ausrichtung auf Strukturen vor. Er verdeutlicht deren Anwendung anhand empirischer Beispiele aus verschiedenen Arbeitsbereichen wie der Gebäudereinigung und der Pflege. Der Beitrag hebt das Potenzial der Artefaktanalyse hervor, soziale Dynamiken in der Arbeitswelt sichtbar zu machen, und plädiert für eine systematische Integration materieller Dimensionen in die Arbeitsforschung.
Dieser Artikel untersucht das Konzept der Arbeitsorientierungen und liefert neue empirische Einsichten in dieses Forschungsfeld. Basierend auf einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden werden sowohl Survey- als auch Interviewdaten analysiert, um verschiedene Dimensionen von Arbeitsorientierungen aufzuzeigen. Die Ergebnisse verdeutlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden methodischen Zugängen. Abschließend werden die methodologischen Implikationen für die arbeitssoziologische Forschung diskutiert und mögliche Potenziale sowie Herausforderungen für zukünftige Mixed-Methods-Studien reflektiert.
Die BMBF-geförderte Arbeitsforschung ist von einer transdisziplinären Forschungsorientierung geprägt, welche die enge Kollaboration mit der Praxis in den Mittelpunkt stellt. Jedoch ist transdisziplinäre Wissensproduktion sehr komplex und entsprechend voraussetzungsreich. Die Frage, inwiefern den methodologischen Anforderungen transdisziplinär orientierter Forschungsstrategien innerhalb etablierter Förderstrukturen überhaupt entsprochen werden kann, wurde bislang nur unzureichend adressiert. Der vorliegende Beitrag widmet sich dieser Forschungslücke und nimmt dabei die BMBF-geförderte Arbeitsforschung exemplarisch in den Blick. Der Beitrag präsentiert zunächst die transdisziplinäre Forschungsstrategie und insbesondere die Dialogorientierung als ihr methodologisches Kernmerkmal. Darauf aufbauend werden die Ergebnisse einer empirischen Analyse ausgewählter BMBF-Förderprogramme und -schwerpunkte sowie von neun Expert*inneninterviews dargestellt und ausgewertet. Abschließend werden mögliche Modifikationen der strukturellen und programmatischen Rahmenbedingungen diskutiert.
Zusammenfassung Mobiles Arbeiten, unterstützt durch digitale Technologien, ist spätestens seit der Corona-Pandemie ein wichtiges Thema in Debatten und Praxis der Arbeitswelt. Mobile Arbeit birgt Chancen aus Beschäftigten- und Unternehmenssicht, ebenso wie Herausforderungen und potenzielle Belastungen. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die die Gestaltung mobilen Arbeitens für betriebliche Akteure darstellt, beleuchtet dieser Beitrag, ob und wie mobiles Arbeiten in Deutschland in Tarifverträgen reguliert wird. Es zeigt sich, dass die Tarifparteien diese Facette der Digitalisierung der Arbeitswelt tarifpolitisch aufgreifen und gestalten – wenngleich einige Konfliktpunkte in Bezug auf mobiles Arbeiten den Betriebsparteien zur Lösung überlassen werden.