Übergänge von der medizinischen in die berufliche Rehabilitation markieren nicht nur den Wechsel von einer Institution oder Maßnahme zur nächsten, sondern sind auch biografisch bedeutsame und vulnerable Phasen für die Rehabilitand:innen. Der Gestaltung dieses Übergangs kommt somit eine große Bedeutung zu. Die Studie untersucht Übergänge aus der medizinischen in die berufliche Rehabilitation aus der Perspektive von vier Forschungsprojekten. Dabei werden zentrale Hürden, Steuerungsmechanismen und subjektive Erfahrungen im Übergangsprozess thematisiert. die Datenbasis umfasst qualitative Interviews, Fokusgruppen, Dokumentenanalysen sowie standardisierte und offene Fragebogenerhebungen in Berufsförderungswerken (BFW), Beruflichen Trainingszentren (BTZ) und medizinischen Reha-Einrichtungen. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz, Mayring), Grounded Theory (Glaser & Strauss) sowie deskriptiver statistischer Verfahren. die Ergebnisse lassen sich vier thematischen Schwerpunkten zuordnen, die den Übergangsprozess chronologisch beschreiben: 1) Der Weg in die berufliche Rehabilitation, 2) Information und Begleitung zur beruflichen Rehabilitation, 3) Zugang und Zuweisung zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA), 4) Der Maßnahmeeinstieg und das Ankommen in der beruflichen Rehabilitation. Insgesamt zeigt sich, dass die Übergänge von institutionellen Fragmentierungen, Informationsdefiziten und unklaren Zuständigkeiten gekennzeichnet sind. Rehabilitand:innen erfahren häufig zufällig oder durch Eigeninitiative von beruflichen Reha-Angeboten. Beratungsangebote sind unzureichend koordiniert und formale Zuweisungsprozesse erscheinen intransparent und zum Teil willkürlich. Besonders vulnerable Gruppen – etwa Personen mit Sucht- oder anderen psychischen Erkrankungen – sind überdurchschnittlich stark von diesen Barrieren betroffen. Gleichzeitig zeigen sich auch Beispiele gelingender Übergänge, insbesondere wenn eine frühzeitige, kontinuierliche Beratung erfolgt und individuelle Lebenslagen berücksichtigt werden. ein gelingendes Übergangsmanagement erfordert klare Zuständigkeitsregelungen, verbindliche Standards für die Beratung und Zuweisung sowie eine bessere Verzahnung von medizinischer und beruflicher Rehabilitation. Dabei ist die Integration institutioneller Routinen mit den biografischen Realitäten der Rehabilitand:innen zentral.
Loneliness is a complex phenomenon with profound social and health implications.This article examines loneliness as a health-related phenomenon from a sociological perspective. It also looks at the role of social change and its influence on the experi-ence of loneliness. In this context, different empirical forms of the subjective experi-ence of loneliness are presented according to age and life situation.
Einsamkeit ist ein vielschichtiges Phänomen mit tiefgreifenden gesellschaftlichen und gesundheitlichen Implikationen. Dieser Beitrag untersucht Einsamkeit als gesundheitsrelevantes Phänomen aus soziologischer Perspektive. Zudem wird die Rolle des gesellschaftlichen Wandels und dessen Einfluss auf das Einsamkeitserleben betrachtet. In diesem Zusammenhang werden unterschiedliche empirische Formen des subjektiven Erlebens von Einsamkeit je nach Lebensalter und Lebenssituation vorgestellt.
Dieser Artikel untersucht das Konzept der Arbeitsorientierungen und liefert neue empirische Einsichten in dieses Forschungsfeld. Basierend auf einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden werden sowohl Survey- als auch Interviewdaten analysiert, um verschiedene Dimensionen von Arbeitsorientierungen aufzuzeigen. Die Ergebnisse verdeutlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden methodischen Zugängen. Abschließend werden die methodologischen Implikationen für die arbeitssoziologische Forschung diskutiert und mögliche Potenziale sowie Herausforderungen für zukünftige Mixed-Methods-Studien reflektiert.
Zusammenfassung Der interaktionistisch-sozialkonstruktivistisch informierte Beitrag geht davon aus, dass sich die Verlaufsgestaltung der beruflichen Rehabilitation in Form von Aushandlungsprozessen vollzieht, in denen die Bedarfslagen der Rehabilitierenden mit den institutionellen Anforderungen und Zielvorstellungen vereinbart werden. Gegenstand der Aushandlungen sind Ansprüche der Rehabilitierenden an sozialstaatliche Leistungen, die in einem tentativen und iterativen Prozess formuliert werden und die Optimierungsinteressen unterliegen, die sich ebenfalls im Verlauf konstituieren. Rehabilitierende nehmen dabei institutionelle Zuweisungen und Klassifikationen in ihre Selbstsichten auf und richten ihre Lebensentwürfe zumindest teilweise danach aus. Sozialstaatlichen Klassifikations- und Sortierprozessen liegen demnach Übersetzungsleistungen aller Beteiligten zugrunde. Vorgestellt wird die Analyse von Versorgungsverläufen aus einer qualitativen Interviewstudie mit Rehabilitierenden und Mitarbeitenden in Berufsförderungswerken.
Background Seeking help for severe depressive symptoms remains a major obstacle for particular groups within the general population. Value-related attitudes might contribute to this treatment gap, particularly in rural regions with a low density of psychiatric-psychotherapeutic services. We aimed to investigate narratives of socialization, value systems, and barriers of help-seeking to better understand social milieus at increased risk for underuse of psychiatric-psychotherapeutic services in a rural area in East Germany. This could complement the explanatory power of classical socio-demographic determinants and provide guidance for possible interventions. Method Based on results of an analysis of a population-based German cohort study (SHIP-TREND-1), 20 individual semi-structured interviews were conducted with participants who met criteria for having been moderately or severely depressed at least once in their life. Qualitative analyses of interview data were guided by grounded theory methodology. Results Participants with severe symptoms of depression were more frequent among non-responders of this study. We identified key aspects that influence help-seeking for mental health problems and seem to be characteristic for rural regions: family doctors serve as initial contact points for mental health problems and are considered as alternatives for mental health professionals; norms of traditional masculinity such as being more rational than emotional, needing to endure hardships, embodying strength, and being independent were frequently mentioned as inhibiting help-seeking by middle-aged men; anticipated adverse side-effects of therapy such as worsening of symptoms; a frequently expressed desire for less pathologically perceived treatment options. Conclusions Our results suggest that barriers regarding help-seeking in rural regions are multifaceted and seem to be influenced by traditional norms of masculinity. We believe it is critical to strengthen existing and already utilized services such as family doctors and to implement and evaluate tailored interventions targeting the needs of the rural milieu.
Zusammenfassung Spätestens seit Beginn der COVID-19-Pandemie wurde öffentlich vielfach diskutiert, welche Auswirkungen die Arbeit im Homeoffice auf die Beschäftigten hat und ob die Zunahme des mobilen Arbeitens neue Chancen für die Geschlechtergerechtigkeit birgt. An diesen Diskurs knüpft die Untersuchung an und widmet sich der Frage, wie das Homeoffice von den Beschäftigten erlebt wird. Auf der Grundlage der Auswertung von 28 qualitativen Interviews mit der Grounded Theory werden die Chancen und Risiken des Homeoffice betrachtet. Die zentralen Ergebnisse der Untersuchung sind, dass dieselben Elemente des Homeoffice sowohl als Belastung als auch als Entlastung wahrgenommen werden, dass das Erleben des Homeoffice von arbeitsbezogenen und von personenbezogenen Bedingungen beeinflusst wird und dass sich die Geschlechterungleichheit in traditionellen Paarbeziehungen mit Kind im Homeoffice verstärken kann.
The contact restrictions and closures of schools and childcare facilities in Germany in the course of the Covid 19 pandemic have presented families and parents with new challenges that have been accompanied by different (health) burdens and reinforce already existing gender differences in the division of tasks in families, especially with regard to care work. Women and mothers show themselves to be more burdened in the various dimensions of health in the course of the pandemic than men and fathers. In particular, the psychosocial dimensions of subjective health, especially the general experience of strain, stress, exhaustion and anxiety, increased again among women and mothers in the second lockdown. Reasons can be seen in a reinforcement of the unequal distribution of care work that already existed before the pandemic, as well as in a stronger mental load among women and mothers.
Die Coronapandemie hat die Alltagsstrukturen weitreichend verändert. Viele Lebensbereiche, wie Lohn- und Sorgearbeit, Freizeitgestaltung und der Bildungsbereich unterlagen einem massiven Wandel in kürzester Zeit, der die Individuen vor besondere Herausforderungen stellte und stellt. An dieser Stelle setzt der Beitrag an und fragt nach der subjektiven sowie psychosozialen Gesundheit sowie nach Belastungen durch die und während der Coronapandemie. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die psychosozialen Ressourcen der Teilnehmer*innen gelegt. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Befragten der nicht-repräsentativen Online-Befragung (n=2009) durch die Coronapandemie stärkeren Belastungen ausgesetzt sind, die sich besonders entlang der Faktoren Geschlecht und Bildungshintergrund formieren. Auch fühlten sich die Studienteilnehmer*innen in der subjektiven Einschätzung vor der Pandemie und während des ersten Lockdowns (April 2020) deutlich ängstlicher, unzufriedener und einsamer. Es zeigt sich aber auch, dass die Gefühlslagen im Vergleich zwischen erstem und zweitem Lockdown relativ stabil blieben. Als Ressourcen und Resilienzfaktoren gaben die Befragten bspw. ihr soziales Umfeld, das Aufrechterhalten von Alltagsstrukturen und die Reflexion ihrer bisherigen Lebensweise etc. an.