
In Deutschland sind gegenwärtig mindestens 1,8 Millionen von Demenz betroffen; bis 2060 droht ein Anstieg auf 2,1 Millionen Betroffene. Prävention bietet die derzeit beste Möglichkeit zur effektiven Linderung der Krankheitslast. Das Krankheitsrisiko und der Krankheitsverlauf sowie die Effektivität von Präventionsmaßnahmen werden von diversen Faktoren beeinflusst; in Kombination ergeben diese potenziell individuelle Risikoprofile als Grundlage für eine effektive Demenzprävention. Die Hebung dieser Potenziale erfordert kurzfristig insbesondere eine bessere Nutzung bestehender Daten inklusive einer erweiterten Datenerfassung und Nutzbarmachung für die Forschung, wodurch bevölkerungsbasierte Screening- und Interventionsmaßnahmen entwickelt und eine Strategie zur personalisierten Demenzprävention realisiert werden können.
Wir atmen etwa 12-16 Mal pro Minute ein und aus, das entspricht rund 17.000 bis 23.000 Atemzügen pro Tag. Jeder Atemzug versorgt unseren Körper mit Sauerstoff, entfernt Kohlendioxid und hält so die lebenswichtigen Funktionen im Gleichgewicht. Doch was geschieht, wenn diese zentrale Funktion versagt und, wie bei rund 250.000 Patient*innen jährlich in deutschen Krankenhäusern, eine maschinelle Beatmung notwendig wird? Wie unterscheiden sich die natürliche Spontanatmung und die technisch unterstützte Beatmung voneinander? Woran ist eine respiratorische Insuffizienz zu erkennen, was löst sie – auch in anderen Organsystemen – aus und wann kommt eine maschinelle Beatmung zum Einsatz? Ein Update zur intensivpflegerischen Praxis.
Menschen mit Demenz werden überwiegend im häuslichen Umfeld von Angehörigen versorgt. Die damit verbundenen körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen sind erheblich. Dennoch erreichen viele Unterstützungsangebote die Zielgruppe nur begrenzt. Storytelling kann einen niedrigschwelligen Zugang eröffnen und Reflexion über eigene Handlungsmöglichkeiten anregen. Im Projekt Diversity-On wurden hierfür diversitätssensible Geschichten entwickelt, die reale Erfahrungen pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz aufgreifen. Die Geschichten dienen als Ausgangspunkt für Reflexion, Austausch und gemeinsames Lernen. Der Beitrag zeigt, wie Storytelling sowohl in Selbsthilfeangeboten als auch in Beratung, Schulung und Angehörigenarbeit eingesetzt werden kann und welche Anknüpfungspunkte sich daraus für Pflegefachpersonen ergeben.
Demenz im Maßregelvollzug ist ein hochvulnerables Versorgungsfeld an der Schnittstelle von Forensik, Pflege, Gerontopsychiatrie, Recht und Ethik. Eine qualitative Untersuchung in einem forensisch-psychiatrischen Setting ergab, dass die Versorgung demenziell erkrankter Menschen durch starre institutionelle Abläufe, einen erhöhten personellen Bedarf, hohe Dokumentationsanforderungen, rechtliche Unsicherheiten und fehlende Anschlussstrukturen erschwert wird. Besonders problematisch ist die Diskrepanz zwischen dem fortbestehenden Sicherungsauftrag und einem Pflegebedarf, der zunehmend von Begleitung, Kompensation, Orientierung und teilweise palliativer Versorgung geprägt ist. Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, demenzsensible Versorgungskonzepte, eine angepasste Personalbemessung, rechtliche Klarheit und alternative Versorgungsstrukturen als zentrale Zukunftsaufgaben des Maßregelvollzugs zu betrachten.
Das vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz geförderte Projekt Prävent+ | DemStepCare Pfalzklinikum (Laufzeit: 01.08.2024 bis 31.07.2027) zielt auf die Verbesserung der Früherkennung, Differenzialdiagnostik und Versorgung von Menschen mit Demenz ab. Advanced Practice Nurses (APN) übernehmen dabei erstmals eigenverantwortlich komplexe Versorgungsaufgaben in der aufsuchenden Demenzversorgung: Sie führen präventive Hausbesuche durch, erheben strukturierte Assessments und koordinieren die Weiterversorgung sektorenübergreifend. Betroffene und ihre Angehörigen stehen dabei gleichwertig im Fokus, von der Belastungserfassung bis zur gezielten Beratung. Das Projekt ist in die gerontopsychiatrische Institutsambulanz der Klinik für Gerontopsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Pfalzklinikums für Psychiatrie und Neurologie AdöR eingebettet und wird wissenschaftlich durch das Zentrum für psychische Gesundheit im Alter (ZpGA) der Universitätsmedizin Mainz evaluiert. Neben der Versorgungsverbesserung wird gezielt die Wirksamkeit erweiterter Pflegekompetenzen untersucht, um APN-Rollen langfristig in die Regelversorgung zu überführen.
Druckgeschwüre treten noch immer in allen Settings der Pflegepraxis auf. Hier besteht Handlungsbedarf in den präventiven Pflegeprozessen. Im Rahmen eines pflegegeleiteten Qualitätsentwicklungsprojekts wurde in einem Klinikum ein A F eingesetzt, um Prozesse im Bereich der Dekubitusprophylaxe zu hinterfragen. Das A F setzt sich aus der Durchführung klinischer Audits und der anschließenden Rückmeldung der Auditergebnisse zusammen. Die Audits ermöglichen eine objektive Bewertung pflegerischer Handlungen anhand der Kriterien des Expertenstandards Dekubitusprophylaxe in der Pflege, während das Feedback die Ergebnisse an die Stationspflegeleitungen spiegelt. Neben kontextspezifischen Herausforderungen zeigten sich auch strukturelle Probleme, deren Bewältigung eine enge intraprofessionelle Zusammenarbeit von Pflegemanagement und Pflegewissenschaft voraussetzt.
Der Beitrag analysiert die Digitalisierung des Gesundheitswesens als monoprofessionellen Prozess, der primär ärztliche Perspektiven privilegiert und dadurch epistemische Ungleichheiten verstärkt. Auf Basis des Konzepts epistemischer Ungerechtigkeit wird ein theoretisches Modell integrativer Digitalisierung entwickelt, das die Gesundheitsversorgung als interprofessionellen Prozess versteht und die systematische Einbindung multiprofessioneller Daten fordert. Das Modell umfasst vier Komponenten und zeigt, wie digitale Infrastrukturen als plurale Wissensräume gestaltet werden können, um Versorgungsentscheidungen und -qualität epistemisch gerechter und professionsübergreifend ausgewogener zu gestalten.
Den Befunden der Allgemeinkrankenhausstudie (GHoSt) und anderer Untersuchungen zufolge weisen ältere, vor allem hochbetagte Patient*innen überzufällig häufig Risikofaktoren auf, die den (post-)stationären Behandlungserfolg erheblich gefährden. Am bedeutsamsten dabei sind komorbide Demenzen, Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit. GHoSt hat zudem gezeigt, dass die Kliniken den Bedarfen dieser Patientengruppe nur unzureichend gerecht werden können: Angefangen bei der mangelnden Identifikation der Risikofaktoren, über fehlende Steuerung und demenzspezifische Anpassung der stationären Therapie bis hin zu defizitärem Entlassmanagement, insbesondere im Hinblick auf die Anschlussversorgung. Diesen Defiziten kann durch früh einsetzendes, kombiniertes multidisziplinäres Case- und Entlassmanagement, gesteuert von geschulten Fachkräften (Pflege, Sozialarbeit), begegnet werden.
Im Rahmen eines Modellprojekts wurde das SET-Konzept in fünf stationären Pflegeeinrichtungen implementiert und die Implementierung wissenschaftlich begleitet. Die Evaluation zeigte eine erfolgreiche Umsetzung zentraler Elemente des Konzeptes, insbesondere der neu eingeführten strukturierten Bewohner-Besprechungen, die eine individuelle, ressourcenorientierte Pflegeplanung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern. Gleichzeitig verbesserte sich die Dokumentation wichtiger medizinischer und biografischer Informationen. Die Einführung der SET führte zu keiner höheren arbeitsbezogenen Belastung der Mitarbeitenden; in mehreren Bereichen nahm das Belastungserleben ab. Die Akzeptanz des Konzeptes spricht für eine nachhaltige Verankerung im Pflegealltag.
Im Pflegemanagement eines Akutkrankenhauses erfordert die Versorgung von Menschen mit Demenz ein strategisches Umdenken. Angesichts steigender Prävalenzzahlen und der Nationalen Demenzstrategie zeigt dieser Beitrag auf, wie durch evidenzbasierte Strukturkonzepte, gezielte Personalqualifikation und prozessuale Anpassungen die Versorgungsqualität nachhaltig gesichert, die Patientensicherheit erhöht und das Klinikpersonal in der Maximalversorgung spürbar entlastet werden kann.
Die zunehmende Internationalisierung der Pflege wird vielerorts beschrieben. Der Artikel belegt die Bedeutsamkeit der Zuwanderung aus dem Ausland für die Fachkräftesicherung zahlenmäßig. Dazu werden öffentliche Statistiken und Ergebnisse aus dem Arbeitsmarktmonitoring „Hessischer Pflegemonitor“ genutzt. In Hessen sind überdurchschnittlich viele Pflegefachpersonen mit ausländischer Staatsangehörigkeit tätig. Zudem entfällt ein hoher Teil der deutschlandweit anerkannten internationalen Berufsabschlüsse auf das Bundesland. Im Zeitverlauf bilden diese einen immer größeren Teil des Fachkräfteangebots. Insbesondere im Krankenhaussektor wurden zuletzt viele offene Stellen mit internationalen Pflegefachpersonen besetzt.
Pflegewissenschaft braucht institutionelle Orte, an denen Forschung, Versorgung und Region dauerhaft zusammenwirken. Der Beitrag entwickelt eine konzeptionelle Argumentation, die Universitätsmedizin als möglichen institutionellen Anker beschreibt und Partizipation sowie Translation als Prinzipien eines wechselseitigen Transferverständnisses entfaltet. Pflegewissenschaftlicher Transfer wird dabei nicht als lineare Wissensübertragung, sondern als koproduktiver Prozess zwischen Wissenschaft und Versorgungspraxis verstanden. Das Verbundvorhaben ReGuLa – Neuausrichtung der Regionalen Gesundheitsversorgung durch Community Health Nursing in der Lausitz – dient als illustrierendes Beispiel, an dem diese konzeptionellen Überlegungen in einem konkreten regionalen Versorgungskontext verortet werden.
Pflegesatzverhandlungen entscheiden über die wirtschaftliche Stabilität von Pflegeeinrichtungen. Die Anforderungen an Datenaufbereitung und prospektive Kalkulation steigen, während insbesondere kleinere und mittelgroße Träger diese mit begrenzten Controlling-Kapazitäten bewältigen müssen. KI-gestützte Verfahren können dazu beitragen, den Aufwand in der Verhandlungsvorbereitung zu reduzieren und die Verhandlungsposition zu stärken.
Der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis ist eine zentrale Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige und patientenzentrierte Pflege. Das Beispiel der BG Klinik Ludwigshafen zeigt, wie evidenzbasierte Pflege durch die Verknüpfung von Forschung, klinischer Expertise und interprofessioneller Zusammenarbeit umgesetzt werden kann. Anhand ausgewählter Praxisbeispiele – von der strukturierten Übergabe am Patientenbett über die Angehörigenintegration auf der Intensivstation bis hin zu digitalen Innovationen wie radarbasiertem Mobilitätsmonitoring – wird dargestellt, wie wissenschaftliche Evidenz zur Weiterentwicklung der Versorgung beiträgt. Gleichzeitig wird aufgezeigt, wie Fragestellungen aus der Praxis Impulse für Forschung und Innovation liefern und damit einen wechselseitigen Wissenstransfer fördern.
Wie wirkt sich eine parallele Tätigkeit von Pflegelehrkräften in der Praxis auf die Haltung von Auszubildenden aus? Die Ergebnisse einer im Rahmen einer Bachelorarbei an der Katholischen Stiftungshochschule München durchgeführten Studie weisen darauf hin, dass Lehrkräfte, die neben dem Unterrichten auch in der pflegerischen Praxis arbeiten, von den Auszubildenden mehr Respekt zugeschrieben bekommen und von ihnen in Bezug auf Fachwissen, Beurteilungskompetenz und fachdidaktisches Wissen als kompetenter eingeschätzt werden. Insbesondere Praxisnähe, Erfahrung und Authentizität wurden dabei als zentrale Gründe für die unterschiedlichen Bewertungen genannt.
Evidenzbasierte Praxis verbindet Forschungswissen, klinische Expertise und Patient*innenpräferenzen – keine Komponente wirkt allein. Viele Missverständnisse zwischen Praxis und Forschung entstehen durch unterschiedliche Erwartungen und mangelnde Kommunikation. Beide Seiten tragen Verantwortung: Die Praxis reflektiert ihr Erfahrungswissen kritisch, die Forschung kommuniziert ihre Ergebnisse verständlich. Brückenangebote wie beschleunigt erstellte Evidenzsynthesen zu Fragestellungen aus der Pflegepraxis – etwa jene des Evidenzbasierten Informationszentrums für Pflegende –, Leitlinien und visuelle Abstracts erleichtern diesen Wissenstransfer. Wer aufeinander zugeht, trifft bessere Entscheidungen – und davon profitieren letztlich die Patient*innen.
Onboarding ist ein zentraler strategische Hebel zur Bindung neuer Mitarbeitender in der Pflege. Eine Befragung in der nephrologischen Versorgung zeigt: Strukturierte Einarbeitung, verlässliches Mentoring und gezielte Platzierung praxisnaher Fachschulungen erhöhen die Sicherheit und reduzieren die Frühfluktuation. Besonders wirksam sind Lernangebote, wenn sie frühzeitig, praxisnah und gut in den Arbeitsalltag integriert sind. Problematisch ist hingegen eine zu späte oder parallel überfordernde Vermittlung von Inhalten. Für die Praxis bedeutet das: Onboarding muss als pädagogisch gestalteter Prozess verstanden werden, der Lernen, Integration und Arbeitsrealität eng miteinander verzahnt. Lernangebote sollten synchron mit dem praktischen Bedarf eingesetzt werden. Schlüsselwörter: Onboarding, Einarbeitung, Schulung, Mitarbeiterbindung