
Zusammenfassung: Ziel der vorliegenden Studie war es, den förderlichen Einfluss einer Bezugsperson auf das Symbolspiel im Kleinkindalter zu prüfen. Das Spielverhalten von 122 Kindern im Alter von 18 Monaten in einer freien Spielsituation mit der Mutter wurde mit dem Spielverhalten in einem Alleinspiel verglichen. Im gemeinsamen Spiel zeigten die Kinder häufiger Symbolspiel und spielten auf einem höheren Niveau als im Alleinspiel. Das Ausmaß der Unterschiede zwischen den Spielbedingungen wies Zusammenhänge mit dem kindlichen Temperament auf, mit einer größeren Differenz im Symbolspiel zwischen gemeinsamem Spiel und Alleinspiel bei extrovertierteren Kindern und einer weniger großen Differenz im Spielniveau für besser regulierte Kinder. Die Ergebnisse werden bezüglich möglicher förderlicher Aspekte im mütterlichen Verhalten diskutiert und Implikationen für die Förderung von Symbolspiel in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung abgeleitet.
Zusammenfassung: Die Entwicklung früher numerischer Kompetenzen ist entscheidend für den späteren schulischen Erfolg. Eine Möglichkeit, diese vor Schulbeginn zu fördern, ist der Einsatz mathematischer Regelspiele. Ungeklärt ist, inwiefern das Spiel der Kinder unterstützt werden sollte. Studien betonen die Bedeutung der Interaktionsqualität für langfristige Lernerfolge. Im Kindergartenalltag ist diese oft gering, kann jedoch durch Scaffolding-Maßnahmen erhöht werden. Der Beitrag untersucht den Unterschied in der mathematischen Aktivität zwischen Spielsituationen mit und ohne Scaffolding-Maßnahmen. Dazu wurden 51 Videosequenzen kodiert und die mathematischen Aktivitäten der Kinder analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder im Setting mit Lernunterstützung signifikant mehr verbal mathematisch aktiv sind, und dass die zeitlichen Anteile anspruchsvoller verbal mathematischer Aktivitäten höher sind als im Setting ohne Lernunterstützung. In Spielsituationen ohne Lernunterstützung war die nonverbal mathematische Aktivität der Kinder hingegen signifikant höher.
Zusammenfassung: Vor dem Hintergrund wachsender gesundheitlicher Ungleichheit im Kindesalter gewinnt Gesundheitsförderung, die alle Familien erreicht, an Bedeutung. Kindertagesstätten bieten hierfür ein zentrales Setting. Dabei wird elterliche Partizipation als Schlüssel für Bedarfsorientierung und die Berücksichtigung heterogener Lebenslagen bislang unzureichend umgesetzt. In einem dreijährigen Projekt wurden pädagogische Fachkräfte geschult und bei der partizipativen Entwicklung und Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen mit Familien und Netzwerkpartner_innen begleitet. In der wissenschaftlichen Begleitung wurden in sechs Kitas teilnehmende Beobachtungen und Interviews durchgeführt, um zu untersuchen, wie die Partizipation der Eltern in der Planung und Umsetzung bedarfsorientierter Maßnahmen gelingt. Die Erkenntnisse wurden in einer Fokusgruppe validiert. Zur Etablierung partizipativer Gesundheitsförderung in Kitas wurde der Bedarf der strukturellen Stärkung personeller Ressourcen, Qualifikation und Wertschätzung sowie Vernetzung deutlich. Zentral wurden Aspekte der Partizipationskultur in Einrichtungen herausgestellt. Partizipation benötigt Sensibilisierung, Reflexion und Coaching sowie flexible Formate, die den verschiedenen Lebensrealitäten von Familien begegnen. Die Ergebnisse zeigen, dass Partizipation von Eltern auch unter herausfordernden Bedingungen möglich und gewinnbringend für eine erfolgreiche Implementierung von Gesundheitsförderung in Kitas ist. Die identifizierten Gelingensfaktoren verdeutlichen die Vielschichtigkeit partizipativer Gesundheitsförderung und zeigen Ansatzpunkte für aktives Handeln auf.
Zusammenfassung: Der Artikel berichtet über das Pilotprojekt Frühe Sprachförderung in Ausbildung und Praxis (2022–2024), das die Sensibilisierung und Professionalisierung angehender Elementarpädagog_innen in Österreich für frühkindliche Sprachförderung zum Ziel hat. Ausgangspunkt ist der im Schuljahr 2023/24 an Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP) eingeführte Pflichtgegenstand Frühe sprachliche Bildung und Förderung. Im Rahmen des Projekts wurden Gruppendiskussionen mit verschiedenen Akteur_innen aus der elementarpädagogischen Praxis durchgeführt, um Empfehlungen für die pädagogische und bildungspolitische Praxis zu entwickeln. Die Ergebnisse beleuchten die zentralen Herausforderungen sowohl in der Ausbildung der Elementarpädagog_innen als auch in deren praktischer Arbeit. Die Studie verdeutlicht ein ausgeprägtes Problembewusstsein der Teilnehmenden. Gleichzeitig wird die Dringlichkeit betont, die Qualifizierungsangebote zu verbessern und die Rahmenbedingungen in der elementarpädagogischen Praxis durch gezielte bildungspolitische Maßnahmen zu stärken, etwa durch die Adressierung des Personalmangels, eine Anpassung des Betreuungsschlüssels und attraktivere Arbeitsbedingungen.
Zusammenfassung: Playfulness beschreibt die Fähigkeit, Motivation und Freude von Kindern, sich auf das Spiel einzulassen. In dieser Studie wurden erstmals Kinder selbst längsschnittlich zu ihrer Playfulness befragt und die Entwicklungsverläufe aus Kindersicht über zwei Jahre untersucht. 483 Kinder zwischen drei und sechs Jahren nahmen an der Studie teil. Latente, lineare Wachstumskurvenmodelle ergaben, dass die Playfulness in der Einschätzung der Kinder über die Zeit abnimmt. Dabei erwies sich die Zeit für freies Spiel zuhause als unbedeutend. Positive Effekte wurden hingegen für die Spielzeit mit den Eltern und die elterliche Playfulness beobachtet. Die Befunde bekräftigen die Rolle der Eltern für die Spiel- und Lernentwicklung junger Kinder. Sie weisen aber auch darauf hin, wie wichtig der Erhalt von playful learning über die frühe Kindheit hinaus ist.
Zusammenfassung: Dispositionale Kompetenzen von pädagogischen Fachkräften (PFK) wie fachdidaktisches Wissen, Förderorientierungen und Selbstwirksamkeit werden als zentrale Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Fachkraft-Kind-Interaktionen angesehen. Bislang liegen jedoch nur wenige empirische Befunde zur Bedeutung dispositionaler Kompetenzen für die Anregungsqualität in naturwissenschaftlichen Bildungsangeboten in der KiTa vor. Der vorliegende Beitrag untersucht diese Zusammenhänge anhand von 64 videografierten naturwissenschaftlichen Bildungsangeboten, die mit CLASS Pre-K ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anregungsqualität während der Bildungsangebote sowie das fachdidaktische Wissen der PFK eher gering ausgeprägt sind. Es fand sich kein Zusammenhang zwischen fachdidaktischem Wissen und Anregungsqualität. Ko-konstruktive Förderorientierungen und Selbstwirksamkeit in Bezug auf die Vermittlung von naturwissenschaftlichen Inhalten waren negativ mit der Anregungsqualität in den naturwissenschaftlichen Bildungsangeboten korreliert. Die Ergebnisse legen nahe, dass dispositionale Kompetenzen von PFK isoliert betrachtet die Anregungsqualität in NaWi-Bildungsangeboten nicht ausreichend erklären. Der negative Zusammenhang zwischen Ko-Konstruktion und Anregungsqualität könnte darauf hindeuten, dass pädagogische Förderorientierungen, die als besonders lernförderlich für naturwissenschaftliche Bildungsprozesse angesehen werden, nicht zwangsläufig performativ umgesetzt werden und in qualitativ hochwertigen Interaktionen münden. Es zeigen sich auch Weiterentwicklungsbedarfe in Bezug auf die Abstimmung domänenspezifischer und -übergreifender Aspekte sowie in Bezug auf dispositionale und performative Kompetenzanteile. Implikationen für Forschung und Praxis werden diskutiert.
Zusammenfassung: Das Konzept Offene Arbeit ist in Kindertageseinrichtungen weit verbreitet. Darüber, wie gut Kinder in offenen und teiloffenen Kita-Settings pädagogisch begleitet und gefördert werden, liegen indes kaum belastbare Erkenntnisse vor. Ausgehend von bisherigen Befunden wurde untersucht, ob zwischen teiloffen und gruppenbezogen arbeitenden Kitas ein Unterschied in der pädagogischen Interaktionsqualität besteht. Datengrundlage bildeten standardisierte Beobachtungen, die mit dem CLASS Pre-K erhoben wurden. Die Stichprobe umfasste 69 Kindertageseinrichtungen ( n = 41 teiloffene und n = 28 gruppenbezogene) aus Rheinland-Pfalz. Zwischen den beiden Konzepten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Das Ergebnis wird vor dem Hintergrund des Forschungsstandes und gegenwärtiger frühpädagogischer Entwicklungen eingeordnet.
Zusammenfassung: Im Beitrag werden ausgehend von einer Verhältnisbestimmung von Spiel und Lernen in der frühkindlichen Bildung und einer programmatischen Einordnung von Freispiel empirische Ergebnisse aus dem Promotionsprojekt der Autorin präsentiert. Die Ergebnisse zeigen, wie sich die alltägliche Praxis des Freispiels im Spannungsfeld von Anordnung und selbstgewählter Beschäftigung vollzieht und sich damit Ambivalenzen in Bezug auf programmatische Vorstellungen von Freispiel zeigen. Andererseits wird dabei auch deutlich, wie die Praxis des Freispiels von den Akteur_innen mit den Anforderungen des Kita-Alltags überein gebracht wird. Vor diesem Hintergrund werden in der Ergebnisdiskussion erstens Reflexionsanlässe für die frühpädagogische Praxis abgeleitet sowie Impulse zur programmatisch-didaktischen Weiterentwicklung in der frühkindlichen Bildung angeregt.
Zusammenfassung: Mit dem ab 2026 geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung rückt die multiprofessionelle Kooperation (wieder) verstärkt in den Blick. Vor diesem Hintergrund werden im Beitrag Ergebnisse einer Studie vorgestellt, in der mittels eines semistrukturierten Fragebogens die professionsbezogenen Vorstellungen von Grundschullehramts- und Kindheitspädagogikstudierenden im Kontext der multiprofessionellen Zusammenarbeit im Ganztag untersucht werden. Die im Rahmen eines partizipativen Forschungsansatzes gemeinsam mit Studierenden sowohl quantitativ-deskriptiv und inferenzstatistisch als auch mittels strukturierter qualitativer Inhaltsanalyse ausgewerteten Daten verweisen auf hierarchisierende Rollenzuschreibungen und eigengruppenbegünstigende Kompetenzzuschreibungen. Ausgehend hiervon werden Implikationen für die Professionalisierung abgeleitet.
Zusammenfassung: Diese Arbeit beleuchtet, welche Faktoren die Zufriedenheit von Kindertagespflegepersonen mit der Fachberatung beeinflussen, basierend auf den ERiK-Survey-Daten 2022. Mehrebenenanalysen zeigen: Regelmäßiger Kontakt mit einer Fachberatung, bestimmte Aufgaben wie die Durchführung der Grundqualifizierung und die Organisation von Kooperation und Vernetzung sowie eine enge Kooperation mit dem Jugendamt tragen positiv zur Zufriedenheit der Kindertagespflegepersonen mit ihrer Fachberatung bei. Die Studie verdeutlicht die Relevanz der Fachberatung für die Professionalisierung sowie Qualitätssicherung und -entwicklung der Kindertagespflege in Deutschland und liefert Impulse für ihre zukünftige Ausgestaltung.