
Die Bedeutung der Lehrkraftgesundheit für Unterrichtsqualität und Berufsverbleib ist gut belegt. Wenig ist jedoch darüber bekannt, welche Bewältigungsstrategien Lehrkräfte im Schulalltag einsetzen und subjektiv als hilfreich erleben. Die Studie fragt, welche Strategien Lehrkräfte als hilfreich erleben und wie sie dieses Erleben begründen. Explorative qualitative Interviewstudie mit 7 Lehrkräften der Sekundarstufe verschiedener Schulformen in Nordrhein-Westfalen. Die leitfadengestützten Interviews wurden inhaltsanalytisch mit deduktiv-induktiver Kategorienbildung ausgewertet; das gesamte Material wurde von 2 unabhängigen Kodierenden zweitkodiert. Aus 148 kodierten Segmenten wurden 15 Subkategorien in 16 Zuordnungen rekonstruiert, die emotionsorientiertem, problemorientiertem und proaktivem Coping zugeordnet sind. Als hilfreich markiert werden Strategien v. a. dann, wenn sie situativ passen: als veränderbar bewertete Anforderungen werden eher problemorientiert bearbeitet, als unveränderbar bewertete Belastungen eher durch Umdeutung, Distanzierung und Selbstfürsorge reguliert. Drei Schwerpunkte treten hervor: soziale Eingebundenheit als Gegenbewegung zu einer Einzelkämpferhaltung, die Entpersonalisierung von Konflikten durch kognitive Umdeutung sowie mentale Distanzierung als aktive Grenzziehung in einem strukturell entgrenzten Beruf. Zugleich zeigen sich die Grenzen individueller Bewältigung: Die Verantwortung für den Gesundheitserhalt liegt in den Schilderungen faktisch bei der einzelnen Lehrkraft. Angesichts der kleinen, selbstselegierten Stichprobe sind die Befunde als Hypothesen zu lesen. Sie sprechen für verbindliche Kooperationsstrukturen, vollwertige Arbeitsplätze in der Schule und eine strukturell verankerte Gesundheitsförderung.
Der schulische Alltag stellt für Schüler*innen mit Aufmerksamkeitsdefizit‑/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), ihre Eltern und Lehrkräfte eine zentrale Belastungsquelle dar. Ziel des Scoping Reviews war es zu untersuchen, inwieweit Interventionen bei ADHS im schulischen Kontext Unterstützung bieten können. Es wurde ein Scoping Review durchgeführt und gemäß PRISMA-ScR (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses extension for Scoping Reviews) berichtet. Die systematische Recherche erfolgte in MEDLINE (via PubMed). Eingeschlossen wurden multimodale Interventionen für Schüler*innen mit ADHS im Alter von 6 bis 18 Jahren. Die Auswertung erfolgte mittels thematischer Analyse nach Braun und Clarke. Zwölf Publikationen wurden eingeschlossen. Die Interventionen adressierten Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte insbesondere durch organisatorische und verhaltensbezogene Interventionsinhalte. Verbesserungen wurden v. a. bei der ADHS-Symptomatik und bei organisatorischen Leistungen berichtet. Die Befunde zu akademischen Leistungen und zum Sozialverhalten waren weniger einheitlich. Die Stichproben waren überwiegend männlich geprägt, und Interventionseffekte wurden nicht differenziert nach ADHS-Subtypen ausgewertet. Zudem lagen kaum Erkenntnisse zur fachlich-didaktischen und interaktionalen Gestaltung konkreter schulischer Lehr-Lern-Prozesse vor. Forschungsbedarf besteht insbesondere hinsichtlich Mädchen mit ADHS, einer differenzierten Betrachtung unterschiedlicher ADHS-Erscheinungsbilder und Behandlungsbedingungen sowie der evidenzbasierten Gestaltung fachlich-didaktischer und interaktionaler Lehr-Lern-Prozesse im inklusiven Unterricht.
Gesundheitskompetenz (GK) wird als eine dynamische Kompetenz verstanden, die durch gesundheitsförderliche Umgebungen beeinflusst werden kann. Unklar ist jedoch, wie sie sich in realen Präventionssettings entwickelt und ob Veränderungen mit dem Gesundheitsverhaltens (GV) und der subjektiven Gesundheit einhergehen. In dieser prospektiven longitudinalen Beobachtungsstudie wurden Teilnehmende klassischer Kuraufenthalte sowie der stärker aktiv und verhaltensorientiert ausgerichteten Gesundheitsvorsorge aktiv zu 3 Messzeitpunkten (Anreise = T0, Abreise = T1, 12 Wochen nach Abreise = T2) untersucht. GK wurde mit dem European Health Literacy Survey Questionnaire (HLS-EU-Q47), GV mithilfe des transtheoretischen Modells und die subjektive Gesundheit mittels 12-Item Short Form Health Survey (SF-12) erfasst. Die Analysen umfassten Varianzanalysen mit Messwiederholung, gemischte Varianzanalysen und χ2-Tests. Vollständige Daten lagen für 53 Teilnehmende vor. Die GK nahm leicht, jedoch nicht signifikant zu. Die Verhaltensstadien blieben überwiegend stabil; bei den Teilnehmende in frühen Stadien zeigte sich jedoch häufiger eine Progression. Eine signifikante Zeit × Stadium-Interaktion deutete auf stadienabhängige Verläufe der GK hin. Veränderungen der GK standen weder mit Veränderungen des GV noch mit der subjektiven Gesundheit in Zusammenhang. Die körperliche und die psychische Gesundheit verbesserten sich, am stärksten und nachhaltigsten die psychische Gesundheit. Die GK entwickelte sich in diesem Präventionssetting schrittweise und stadienabhängig, ohne einheitliche kurzfristige Verbesserungen zu zeigen. Sie scheint eher als unterstützende Ressource, denn als ein unmittelbarer Auslöser von Veränderungen des GV oder Gesundheitsstatus. Zur nachhaltigen Förderung der GK könnten stadiengerechte und durch Nachsorge unterstützte Interventionen erforderlich sein.
Bewegung und planetare Gesundheit stehen in einer bidirektionalen Beziehung. Umweltveränderungen wie Hitze, Luftverschmutzung und Extremwetterereignisse beeinflussen das Bewegungsverhalten. Gleichzeitig kann Bewegung die planetare Gesundheit fördern, etwa durch aktive Mobilität, aber auch belasten, beispielsweise durch Sportgroßveranstaltungen und mobilitätsbedingte Emissionen. Ziel des Leitthemenbeitrags ist den aktuellen Wissensstand auf Basis bestehender Übersichtsarbeiten zu synthetisieren sowie Implikationen für die Aktualisierung der Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung abzuleiten. Zwischen Juli und August 2025 wurde eine selektive Übersichtsarbeit zu bestehenden Reviews durchgeführt. Recherchiert wurde in PubMed, Scopus, GreenFILE, Google Scholar sowie mithilfe von künstliche Intelligenz (KI)-gestützte Literaturrecherchetools (Connected Papers und Elicit). Eingeschlossen wurden Übersichtsarbeiten zu beiden Wirkungsrichtungen zwischen Bewegungsverhalten und planetarer Gesundheit; Primärstudien wurden ausgeschlossen. Die Evidenz zeigt einen robusten bidirektionalen Zusammenhang zwischen Bewegung und planetarer Gesundheit. Umweltveränderungen verändern die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für Bewegung. Umgekehrt kann sich körperliche Aktivität – abhängig von Art, Kontext – sowohl positiv als auch negativ auf die planetare Gesundheit auswirken. Bewegungsförderung und planetare Gesundheit sollten künftig als gemeinsame Mehrgewinnstrategie verstanden werden. Maßnahmen mit gleichzeitigem Gesundheits‑, Klima- und Umweltnutzen sind zu priorisieren. Die Ergebnisse liefern eine wissenschaftliche Grundlage, um die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung im Sinne einer planetaren Gesundheitsförderung weiterzuentwickeln.
Der anthropogene Klimawandel gefährdet die öffentliche Gesundheit und erfordert integrierte Ansätze, die Klimaschutz, Gesundheitsförderung und soziale Teilhabe verbinden. Untersucht wird, inwiefern Klimagesundheitsförderung zur sozioökologischen Transformation und zur Bewältigung multipler Krisen beitragen kann. Die Analyse basiert auf einer Literaturrecherche, Workshop- und Umfrageergebnissen aus dem Projekt Klimagesunde Settings (KliGeS) sowie auf Dokumentenanalysen und Interviewdaten aus dem Forschungsprojekt Klimagesunde Lebenswelten – Entwicklung von Strategien und Handlungsansätzen zur Förderung von Resilienz durch Bottom-up-Ansätze (KliBUp). Klimagesundheitsförderung fördert durch partizipative Organisationsentwicklung nachhaltige Veränderungen in Lebenswelten. Erfahrungen aus KliGeS und KliBUp zeigen, dass Empowerment, Partizipation und Co-Benefits zentrale Erfolgsfaktoren sind, während begrenzte Ressourcen die Umsetzung erschweren. Klimagesundheitsförderung ist ein vielversprechender Ansatz für eine resiliente, sozial gerechte und nachhaltige Organisationsentwicklung und kann die sozioökologische Transformation unterstützen.