
Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit sind in Deutschland nach Sozialgesetzbuch (SGB) VIII § 11 ein Ort der Kinder- und Jugendhilfe, an dem die Interessen junger Menschen im Vordergrund stehen. Jugendliche nutzen diesen Ort selbstorganisiert für sportliche Aktivitäten. Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit bieten zugleich in ihren Angebotsprofilen Optionen zur Sportausübung für junge Menschen an. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über ausgewählte Befunde des Forschungsstandes zu Sport in Offener Kinder- und Jugendarbeit, zunächst mit einem Blick in die Amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik (2021) und die Jugendzentrumsbefragung des Deutschen Jugendinstituts (2018). Darauf aufbauend werden als Schwerpunkt dieses Beitrags Ergebnisse einer eigenen, im Jahr 2023 im Rahmen des Projektes „Move for Health“ durchgeführten qualitativen, subjektorientierten Interviewstudie und einer quantitativen Online-Befragung von Jugendlichen präsentiert. Es wird dargestellt, wie Sport in Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit von Jugendlichen ausgeübt wird und welche Bedeutung dieser für sie einnimmt.
Heranwachsende fühlen sich durch globale Krisen zunehmend belastet. Körperliche Aktivität (KA) gilt als bedeutsamer Baustein für die mentale Gesundheit, jedoch fehlt für Deutschland eine integrierte Zusammenschau bevölkerungsbasierter Evidenz. Ziel dieser narrativen Übersicht ist es daher, aktuelle Befunde zum Zusammenhang zwischen KA und psychischer Gesundheit zusammenzuführen. Grundlage bilden 3 bevölkerungsbezogene Studien, welche als Modul- bzw. Anschlussstudien in Kooperation der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) durchgeführt wurden: die Motorik-Modulstudie (MoMo), die BEfragung zum seeLischen WohLbefinden und VerhAlten (BELLA), die Child Outcomes in PSYchology (COPSY)-Studie sowie die COMO-Studie (COPSY + MoMo, interdisziplinäre Verknüpfung). Untersucht wurden bundesweit repräsentative Stichproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 4–23 Jahren unter Einsatz validierter Instrumente zur Erfassung von KA und psychischer Gesundheit. Die Ergebnisse werden narrativ zusammengeführt und differenziert nach Aktivitätsform, Alter, Geschlecht und sozialem Status berichtet. Es zeigen sich positive Zusammenhänge zwischen KA und psychischer Gesundheit. Höhere Aktivität geht mit geringeren psychischen Auffälligkeiten und höherer gesundheitsbezogener Lebensqualität einher. Besonders für Sport in der Freizeit im Verein und außerhalb des Vereins zeigen sich Hinweise auf protektive Effekte. Selbstberichtete KA weist stärkere Zusammenhänge mit Wohlbefinden auf als KA, die gerätegestützt erfasst wurde. Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien sind seltener aktiv und stärker belastet. Als weitere zentrale psychosoziale Faktoren erweisen sich die soziale Einbindung sowie das Kompetenzerleben im Sport. KA kann eine wichtige Ressource zur Förderung der psychischen Gesundheit darstellen. Es zeigt sich die Notwendigkeit, niederschwellige Bewegungsangebote zu fördern, die insbesondere benachteiligte Gruppen erreichen, um gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen.
Gesundheitliche Chancengleichheit hat in der Bewegungs- und Gesundheitsförderung zunehmend an Bedeutung gewonnen und ist sowohl international als auch in Deutschland als wichtiges Ziel verankert. Da soziale Ungleichheiten und Mehrfachbenachteiligungen das Bewegungsverhalten beeinflussen, sollten Bevölkerungsgruppen mit besonderen Zugangsbarrieren, darunter Menschen mit Migrationsgeschichte, bei der Bewegungsförderung verstärkt berücksichtigt werden. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den Forschungsstand zu Bewegung und Bewegungsförderung bei Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland. Repräsentative Daten zeigen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte seltener körperlich aktiv sind als Menschen ohne Migrationsgeschichte. Als zentrale Barrieren werden fehlende finanzielle Ressourcen, Sprachbarrieren, eingeschränkte Bewegungsgelegenheiten und kulturelle Faktoren berichtet. Dabei können sich verschiedene soziale Benachteiligungen, etwa aufgrund von Geschlecht, sozioökonomischer Lage und Migrationsgeschichte, überschneiden und Zugangsbarrieren verstärken. Am Beispiel des Projekts „Bewegung als Investition in Gesundheit“ (BIG) wird dargestellt, wie durch partizipativ entwickelte und zielgruppengerechte Angebote insbesondere Frauen mit Migrationsgeschichte erreicht werden können. Für eine chancengerechte Bewegungsförderung sind neben partizipativen und zielgruppengerechten Angeboten auch strukturelle Rahmenbedingungen erforderlich, die den Zugang zu Bewegungsmöglichkeiten erleichtern. Die nachhaltige Implementierung und Skalierung entsprechender Maßnahmen können dazu beitragen, Zugangsbarrieren abzubauen und gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern.
Körperliche Aktivität ist essenziell für die körperliche und psychische Gesundheit. Dennoch werden Bewegungsintentionen im Alltag häufig nicht umgesetzt. Zu dieser Intentions-Verhaltens-Lücke können Gewohnheiten, situative Einflüsse und momentanes Erleben beitragen. Digitale Technologien ermöglichen es, diese Faktoren und das Bewegungsverhalten alltagsnah zu erfassen und darauf abgestimmte Interventionen anzubieten. Der narrative Übersichtsbeitrag erläutert zunächst anhand verschiedener Modelle den Einfluss reflektierter und automatischer Prozesse auf das Bewegungsverhalten. Anschließend werden das Ambulante Assessment zur wiederholten Erfassung von Bewegung und psychischem Erleben im Alltag und Wearables als technologische Grundlage der passiven Datenerfassung vorgestellt. Zudem werden Just-in-Time Adaptive Interventions (JITAIs) beschrieben, die zu geeigneten Zeitpunkten Bewegungsimpulse geben können. An 2 Beispielprojekten aus der Sucht- und Depressionsforschung wird veranschaulicht, wie solche Impulse körperliche Aktivität anregen und klinisch relevante Merkmale wie Craving (Suchtdruck), subjektive Energie oder Antrieb beeinflussen könnten. Zudem werden Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) als möglicher Weg in die Regelversorgung diskutiert. Chancen digitaler Bewegungsförderung liegen in der zeitnahen und individuellen Unterstützung. Limitationen betreffen Messgenauigkeit und Datenqualität, die langfristige Nutzung sowie den bislang begrenzten Stellenwert eigenständiger Bewegungsförderung in digitalen Anwendungen für psychische Erkrankungen. Potenzial bieten Blended-Care-Ansätze, bei denen digitale Angebote die persönliche Behandlung alltagsnah ergänzen.