
Zusammenfassung Der Artikel analysiert die Bedeutung des institutionellen Lernens und einer guten Fehlerkultur für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik. Zunächst fasst er den Forschungsstand zu den Möglichkeiten, Grenzen und Voraussetzungen erfolgreichen Lernens sowie einer gesunden Fehlerkultur zusammen. Erfolgreiches Lernen kann verschiedene Formen annehmen und ist mit einer Reihe häufig unterschätzter Herausforderungen für Organisationen, Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit verbunden. Ziel ist es, Stärken und Schwächen systematisch zu erkennen, deren Ursachen zu analysieren und daraus nachhaltige und positive Veränderungen abzuleiten, die zu besseren Entscheidungen und effektiverem Handeln beitragen. Es wird argumentiert, dass die verspätete und ungenügende Reaktion Deutschlands auf die aggressive Politik Russlands gegenüber der Ukraine seit 2014 auch auf Defizite im anlassbezogenen vertieften Lernen und in der Fehlerkultur zurückzuführen ist. Der Artikel benennt die verschiedenen Fehler und analysiert ihre Ursachen. Er geht auch auf die Enquete Afghanistan und den Untersuchungsausschuss ein. Darüber hinaus werden Großbritannien und die Niederlande als positive Beispiele für anlassbezogene und institutionalisierte Lernstrukturen und -mechanismen diskutiert. Der Artikel empfiehlt, den neu geschaffenen Nationalen Sicherheitsrat (NSR) nebst Stabsstelle so auszugestalten, dass er starke Signale für politisch gewolltes Lernen senden kann. Zudem werden die Einrichtung unabhängiger Evaluations- und Beratungsstrukturen sowie eine bessere Förderung und Einbindung der sicherheitspolitischen Forschung in Deutschland und darüber hinaus empfohlen. Nur durch eine offene Fehlerkultur und eine verbesserte Lernfähigkeit kann Deutschland langfristig außen- und sicherheitspolitisch handlungsfähiger und letztlich sicherer werden.
Zusammenfassung Seit der russischen Vollinvasion der Ukraine hat sich in Deutschland eine verdichtete Medienarena militärbezogener Deutung herausgebildet. Der Beitrag analysiert akademische Militärexpertise als Sozialfigur der Zeitenwende. Auf Basis eines Korpus aus Talkshows, Interviews, Podcasts und programmatischen Texten der Jahre 2022 bis 2025 zeigt er, dass ihre neue Sichtbarkeit aus einer spezifisch deutschen Konstellation von strategiekulturellem Schock, institutioneller Schwäche und hohem öffentlichen Orientierungsdruck hervorgeht. Öffentliche Autorität stabilisiert sich dabei durch vier Repertoires – Übersetzen, Szenariobildung, Warnen und strategisches Framing –, die zugleich charakteristische Friktionen zwischen Unsicherheit, Prognosezwang, Medienlogiken und politischer Positionierung erzeugen. Der Aufsatz verschiebt damit den Blick von der Bewertung einzelner Prognosen auf die wissenssoziologische Analyse akademischer Militärexpertise und entwickelt daraus Folgerungen für Rollenklarheit, Unsicherheitskommunikation und institutionelle Pluralisierung.