Ausgehend von den theoretischen Prämissen, die Marc Mölders in seinem 2019 erschienenen Buch »Die Korrektur der Gesellschaft« macht, wird inbesondere das Verhältnis von Kritik und Korrektur in den Blick genommen. Zwar würde eine enge, stärker auf seinen empirischen Teil fokussierte Lesart, die zu dem Schluss gelangen könnte, dass es sich bei dem diskutierten Buch um einen eher deskriptiv angelegten Versuch handele, sich mit systemtheoretischen Mitteln einem konkretenPhänomen anzunähern – um den Versuch, das Phänomen des Investigativjournalismusund seine Funktionslogik theoretisch möglichst präzis zu fassen und ihm imRahmen des systemtheoretischen Bezugsrahmens einen systematischen Ort zuzuweisen – der Arbeit nicht gerecht: Mölders’ Anliegen sind offensichtlich breiter und im Wesentlichen gesellschaftstheoretischer Art. Trotzdem bleiben die vielfältigen alternativen Formen kritischer und korrektiver Praxis regelrecht unsichtbar. Tatsächlich finden sich aber kritische Praktiken sowie (auch: gelingende) Versuche, Prozesse der (Um-)Gestaltung von Gesellschaft anzuregen oder sogar Strukturänderungen direkt durchzusetzen, in ganz verschiedenen Kontexten, in höchst heterogenen Formen und mit unterschiedlich gelagerten Stoßrichtungen, etwa in der Legislative und der parlamentarischen Oppositionsarbeit, in sozialen Bewegungen, in der Kunst oder in lokalen Kontexten, was die grundsätzliche Frage nach dem Verhältnis von Kritik und der von Mölders eingeführten Kategorie der Korrektur aufwirft.
Article Günther Ortmann / Marianne Schuller (Hrsg.), Kafka. Organisation, Recht und Schrift. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2019, 440 S., gb., 49,90 € was published on September 1, 2022 in the journal Soziologische Revue (volume 45, issue 2).
The amount of biological data created increases every year, driven largely by technologies such as high-throughput -omics, real-time monitoring, or high resolution imaging in addition to greater access to routine administrative data and larger study populations.This not only presents operational challenges, but also highlights considerable needs for the skills and knowledge to manage, process, and analyze this data (Brownson et al., 2015).Along with the open science movement on the rise, methods and analytic processes are also increasingly expected to be open and transparent and for scientific studies to be reproducible (Watson, 2015).
Der Vergleich, obwohl eines der grundlegendsten Verfahren der Sozialwissenschaften, ist alles andere als eine unumstrittene Methode. Tatsachlich existiert nach wie vor ein enorm heterogenes Feld vergleichender Ansatze, die jeweils auf unterschiedliche intellektuelle Traditionen, verschiedenartige Verstandnisse des Vergleichens, spezifische Probleme und Forschungsstrategien bezogen sind. Verschiedene, auf ihre jeweilige Weise hochentwickelte komparative Forschungsrichtungen stehen so weitgehend unverbunden nebeneinander, wodurch letztlich analytische Potenziale verschenkt werden: landervergleichende (haufig mit quantitativen Verfahren und erklarenden Zielsetzungen verknupfte) Studien einerseits und kulturvergleichende (typischerweise mit qualitativen Verfahren und verstehend-hermeneutischen Anliegen verbundene) Ansatze andererseits. Die modernen Sozialwissenschaften sehen sich indes mit einer zunehmend komplexen globalen Wirklichkeit konfrontiert, die sich weniger als je zuvor adaquat auf der Grundlage einseitiger Referenzsysteme erfassen lasst. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir in diesem Beitrag die Sozialraum- und Feldtheorie Pierre BOURDIEUs durch eine konsequent relationale Lesart in eine Richtung weiter, die es erlaubt, unterschiedliche Konzeptionen und Techniken des sozialwissenschaftlichen Vergleichs im Rahmen eines einheitlichen Bezugsrahmens zur Geltung zu bringen. Der Ruckgriff auf diesen allgemeinen Bezugsrahmen eroffnet die Moglichkeit, nationale, internationale sowie transnationale Vergleiche anzustellen, ohne dabei die jeweiligen Referenzsysteme und die damit korrespondierenden Vergleichsentitaten essenzialisieren oder hypostasieren zu mussen.
In recent times, the analytical potential of Bourdieusian theory has been impressively exemplified by research on numerous phenomena both ‘across’ and ‘beyond’ the nation-state. Yet the very proliferation of empirical studies inspired by Bourdieusian space/field theory may considerably overburden the theory in its original form. In order to reveal this theory’s full analytical strength, we shall contribute a systematic discussion of the foundations upon which recent works (implicitly) rely when empirically investigating international, transnational, and global phenomena: relationalism. In doing so, we will develop a generalized analytical framework for research that refers to the concepts of field and space and address its core methodological implications for future empirical research.
Der Aufsatz befasst sich mit dem ambivalenten Erbe Emile Durkheims in der Soziologie Pierre Bourdieus. Im Mittelpunkt stehen die Beiträge beider Autoren zur politischen Soziologie und zur Staatssoziologie, die von ihren wissenssoziologischen Prämissen her rekonstruiert werden. Hierzu werden in einem ersten Schritt zunächst einige gravierende blinde Flecken in Durkheims politischer Soziologie aufgezeigt, in der der Staat als gesellschaftliches „Gehirn“ konzipiert und zugleich Machtbalancen, sozialen Konflikten sowie konkreten Akteurs- und Interessenskonstellationen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. In einem zweiten Schritt wird herausgearbeitet, dass Bourdieus Staatssoziologie einerseits an zentralen Punkten auf den Annahmen Durkheims aufbaut, andererseits aber dessen Defizite unter Einbeziehung von Ideen Max Webers und durch ihre Integration in einen erweiterten macht- und herrschaftssoziologischen Rahmen zu überwinden sucht. Der Vergleich der beiden Autoren zeigt, dass Bourdieu allerdings nicht lediglich Durkheims staatszentrische Konzeption von Gesellschaft übernimmt; zu seinem „durkheimianischen Erbe“ gehört vielmehr auch ein methodologischer religionssoziologischer Universalismus, der seine gesamte Gesellschaftstheorie anleitet und letztlich ihr analytisches Potenzial beschneidet, was in der theoretischen Behandlung des Staates deutlich zutage tritt.
Eric Dunning / Jason Hughes, Norbert Elias and Modern Sociology. Knowledge, Interdependence, Power, Process. London/New Delhi/New York/Sydney: Bloomsbury 2013, 256 S., kt., 31,50 € Stefanie Ernst / Hermann Korte (Hrsg.), Gesellschaftsprozesse und individuelle Praxis. Vorlesungsreihe zur Erinnerung an Norbert Elias. Wiesbaden: Springer VS 2017, 200 S., kt., 44,99 € Stefanie Ernst / Christoph Weischer / Behrouz Alikhani (Eds.), Changing Power Relations & the Drag Effects of Habitus. Historical Social Research / Historische Sozialforschung, Vol. 42, No. 4 [Special Issue]. Köln: Gesis 2017, 358 S., kt., 12,00 € Jason Hughes / John Goodwin (Eds.), Established-Outsider Relations & Figurational Analysis. Historical Social Research / Historische Sozialforschung, Vol. 41, No. 3 [Special Issue]. Köln: Gesis 2016, 368 S., kt., 12,00 € Erik Jentges (Hrsg.), Das Staatsverständnis von Norbert Elias. Baden-Baden: Nomos 2017, 217 S., kt., 39,00 € Hermann Korte (Hrsg.), Der Mythenjäger. Texte von Norbert Elias, herausgegeben und eingeleitet von Hermann Korte. Wiesbaden: Springer VS 2013, 315 S., kt., 27,99 € Hermann Korte, On Norbert Elias – Becoming a Human Scientist. Edited by Stefanie Ernst. Wiesbaden: Springer VS 2017, 237 S., kt., 21,99 € Gabriele Rosenthal (Hrsg.), Etablierte und Außenseiter zugleich. Selbstund Fremdbilder in den palästinensischen Communities im Westjordanland und in Israel. Frankfurt amMain: Campus 2015, 344 S., kt., 34,90 €