BACKGROUND:In Germany, approximately 95% of man-made radiation exposure of the population results from diagnostic and interventional X‑ray procedures. Thus, radiation protection of patients in this field of application is of great importance. OBJECTIVE:Quantification and evaluation of current data on the frequency and doses of X‑ray procedures as well as temporal trends for the years 2007-2014. MATERIAL AND METHODS:For outpatients the frequency of X‑ray procedures was estimated using reimbursement data from health insurances and for inpatients by means of hospital statistics. For the years under review, representative values for the effective dose per X‑ray application were determined mainly from data reported by X‑ray departments to the competent authorities. RESULTS:In 2014 approximately 140 million X‑ray procedures were performed in Germany with some 40% from dental examinations. On average 1.7 procedures per inhabitant and year were almost constantly carried out between 2007 and 2014. Besides dental diagnostics, X‑ray examinations of the skeleton and thorax were performed most frequently. The number of computed tomography (CT) examinations increased by approximately 40%. The increase in magnetic resonance imaging (MRI) was even more pronounced with approximately 55% but overall CT examinations were still performed more often than MRI. The doses per X‑ray procedure were only slightly reduced, despite the various dose reduction approaches established in recent years; therefore, the mean effective dose per inhabitant increased from approximately 1.4 mSv in 2007 to 1.6 mSv in 2014, mainly due to the increasing frequency of CT examinations. CONCLUSION:The principles of justification and optimization of radiological procedures are to be consistently applied in each individual instance, especially in the case of CT examinations.
In Deutschland resultieren etwa 95 % der zivilisatorischen Strahlenexposition der Bevölkerung aus diagnostischen und interventionellen Röntgenanwendungen, sodass dem Strahlenschutz der Patienten in diesem Anwendungsbereich eine hohe Bedeutung zukommt.
Ziele: Aktuelle Gesundheitsstrategien zielen immer stärker auf Früherkennungsmaßnahmen ab. Hierbei kommt den bildgebenden Verfahren, z.B. der Low-dose-CT (LDCT) der Lunge, eine besondere Bedeutung zu. Im Juni 2011 wurden die Ergebnisse des National Lung Screening Trial (NLST) publiziert, die auf eine ca. 20%ige Reduktion der Lungenkrebs-Mortalität bei starken Rauchern hindeuten, die sich Früherkennungsuntersuchungen mittels LDCT unterzogen haben. Es ist daher davon auszugehen, dass derartige CT-Untersuchungen in Zukunft in Deutschland verstärkt angeboten und auch nachgefragt werden. Methode: Auf der Basis aktueller Studien sowie neuester strahlenepidemiologischer Risikomodelle wurde eine Nutzen-Risiko-Bewertung durchgeführt. Weiterhin wurde die rechtliche Einordnung dieser Strahlenanwendung im Rahmen der gültigen RöV sowie Fragen zu Art und Umfang der Qualitätssicherung bewertet. Ergebnis: Trotz der Ergebnisse der NLST-Studie ist die wissenschaftliche Datenlage für eine abschließende Bewertung der Lungenkrebs-Früherkennung noch zu gering. Das Strahlenrisiko eines jährlich wiederholten Lungen-CTs stellt einen nicht zu vernachlässigenden Faktor dar. Die Durchführung dieser Untersuchung unter dem Begriff „Heilkunde“ (§23 Absatz1 RöV) ist problematisch, da wegen der niedrigen Lungenkrebs-Prävalenz bei asymptomatischen starken Rauchern die überwiegende Mehrheit der untersuchten Personen (Raucher) nicht von der Erkrankung betroffen ist – also nicht von der Früherkennung profitiert, sondern nur durch unerwünschte Nebenwirkungen geschädigt werden kann. Schlussfolgerung: Aus den genannten Gründen kann eine rechtfertigende Indikation für Früherkennungs-Untersuchungen der Lunge mittels der LDCT derzeit nicht gestellt werden. Allenfalls ist die Durchführung im Rahmen von Studien zu diskutieren, in denen eine adäquate Qualitätssicherung während des gesamten Untersuchungsablaufs gewährleistet ist. Diese Studien sind nach §28a RöV vom Bundesamt für Strahlenschutz zu genehmigen.
Ziele: Im Jahr 2005 wurde in Deutschland das Mammographie-Screening-Programm (MSP) eingeführt. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss des MSP auf die Gesamtzahl der Mammographien sowie auf die Anzahl der als „kurativ“ abgerechneten Mammographien zu analysieren. Methode: Die Häufigkeit von Mammographien wurde mit den entsprechenden Gebührenziffern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV, Daten bis 2008) abgeschätzt. Die KBV unterscheidet seit Einführung des MSP im Jahr 2005 Ziffern für Früherkennungsuntersuchungen, die im Rahmen des MSP abgerechnet werden, und Ziffern für kurative Mammographien. Bei der PKV existieren – so wie bei der KBV vor Einführung des MSP – lediglich Ziffern für die kurative Mammographie. Zur Abschätzung der klinisch tatsächlich indizierten Mammographien wurden Zahlen zur Brustkrebs-Inzidenz/Prävalenz sowie Empfehlungen zur Nachsorge der S3-Leitlinie für Brustkrebs und Schätzungen zur Häufigkeit gutartiger Mammatumoren herangezogen. Ergebnis: Im Vergleich zum Jahr 2004 (vor Einführung des MSP) hat sich in 2008 die Anzahl der durchgeführten Mammographien insgesamt nahezu verdoppelt (2008: 9,5 Mio. einseitig). Die im Rahmen des MSP abgerechneten Screening-Mammographien haben wie erwartet im Zeitraum 2005–2008 deutlich zugenommen (2008: 4,6 Mio.). Gleichzeitig ist die Anzahl der als „kurativ“ abgerechneten Mammographien zwischen 2005 und 2008 lediglich um 9% zurückgegangen (2005: 5,3 Mio.; 2008: 4,8 Mio.). Die Anzahl der tatsächlichen kurativen Mammographien wurde konservativ auf etwa 2 Mio. pro Jahr abgeschätzt. Schlussfolgerung: Nach unserer Einschätzung handelt es sich bei der Differenz zwischen den abgerechneten und den tatsächlich notwendigen kurativen Mammographien um Untersuchungen im Rahmen eines grauen Screenings. Eines der Ziele bei Einführung des MSP – die Überführung des von vielen vermuteten grauen Screenings in ein Programm mit umfangreichen Qualitätssicherungsmaßnahmen – wurde somit noch nicht erreicht.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bezüglich der Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen und der daraus resultierenden Strahlenexposition im oberen Bereich. Als Maßnahme zur Reduktion der medizinischen Strahlenexposition und zur Sicherstellung des Strahlenschutzes fordert die Röntgenverordnung unter anderem eine rechtfertigende Indikation für jede individuelle Röntgenanwendung. Diese erfordert die Feststellung, dass der gesundheitliche Nutzen der Röntgenmaßnahme das Strahlenrisiko überwiegt. Voraussetzung für eine solche Nutzen-Risiko-Abwägung ist eine angemessene Einschätzung des Strahlenrisikos. Ziel dieses Beitrags ist es, die Grundsätze der Nutzen-Risiko-Abwägung für verschiedene Fallgruppen wie Heilkunde oder Früherkennung zu erläutern. Es werden Grundbegriffe und Grundlagen zu Strahlenwirkungen und zur Strahlenepidemiologie vermittelt sowie Beispiele für Risikoabschätzungen und Nutzen-Risiko-Abwägungen gegeben.
The frequency of X-ray examinations in Germany and the resulting radiation exposure is amongst the highest in comparison with other European countries. To reduce medical radiation exposure and to safeguard radiation protection regulations, the X-ray ordinance stipulates a justification of each individual X-ray application. The justification principle means that the X-ray application should produce sufficient health benefit to offset the radiation risk. Such a benefit-risk assessment needs an adequate estimation of radiation risk. The aim of this paper is to explain the principles of benefit-risk assessment for different situations (e.g. healthcare and screening). The basics and concepts of radiation effects and radiation epidemiology as well as examples of risk estimation and benefit-risk assessments are given.
Ziele: Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Erfassung von Häufigkeit und Dosis röntgendiagnostischer Untersuchungen in Deutschland für die Jahre 1996 bis 2006 einschließlich einer Trendanalyse. Methode: Hauptquelle für die Häufigkeitsdaten sind die Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sowie der Verband der privaten Krankenversicherungen. Für die Bestimmung der Dosen einzelner Untersuchungen wurden aktuelle Erhebungen zur CT-Untersuchungspraxis, Ergebnisse neuerer Forschungsvorhaben und der aktuellen Literatur sowie stichprobenartige Messungen des Bundesamtes für Strahlenschutz in Krankenhäusern und Arztpraxen berücksichtigt. Aus Häufigkeitsdaten und Dosisabschätzungen wurden die kollektive effektive Dosis und die effektive Dosis pro Einwohner berechnet. Ergebnis: Die Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen in Deutschland während der Jahre 1996 bis 2006 nahm insgesamt um 12% ab, wobei der Wert für 2006 bei etwa 1,6 Röntgenuntersuchungen pro Einwohner liegt. Die zahnmedizinische Röntgendiagnostik beläuft sich nahezu konstant auf etwa 0,6 Röntgenuntersuchungen pro Kopf und Jahr. Neben den zahnmedizinischen Untersuchungen entfällt der größte Teil aller Röntgenuntersuchungen auf das Skelett und den Thorax. Die Häufigkeit konventioneller Röntgenuntersuchungen des Thorax und im Bereich Abdomen/Becken hat zwischen 1996 und 2006 abgenommen. In der Trendanalyse am auffälligsten ist jedoch die stetige Zunahme (nahezu Verdoppelung) der CT-Untersuchungen in diesem Zeitraum. Im Wesentlichen ist dies der Grund dafür, dass die mittlere effektive Dosis pro Einwohner und Jahr von ca. 1,5 mSv im Jahr 1996 auf ca. 1,8 mSv im Jahr 2006 angestiegen ist. CT und Angiographie (einschl. Intervention) trugen in 2006 weniger als 10% zur Gesamthäufigkeit, jedoch ca. 3/4 zu der kollektiven effektiven Dosis bei. Schlussfolgerung: Im europäischen Vergleich liegt Deutschland sowohl bezüglich der Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen als auch bezüglich der resultierenden effektiven Dosis pro Kopf im oberen Bereich.
Embryo und Fetus bedürfen eines besonderen Schutzes. Daher hat nach Röntgenverordnung vor der Anwendung von Röntgenstrahlung der anwendende Arzt jede gebärfähige Frau zu befragen, ob eine Schwangerschaft besteht oder bestehen könnte. Gegebenenfalls ist die Notwendigkeit der Röntgenuntersuchung kritisch zu prüfen. Soweit möglich, sollte die Untersuchung bis zum Ende der Schwangerschaft verschoben oder die Möglichkeit alternativer Verfahren erwogen werden. Falls jedoch einer Frau zum Zeitpunkt der Strahlenexposition ihre Schwangerschaft nicht bewusst ist, so ist eine strahlenhygienische Beratung erforderlich.
We performed an epidemiological study on 1,471 ankylosing spondylitis patients treated with repeated intravenous injections of the short lived α-emitter 224Ra (excluding radiation therapy with X-rays) between 1948 and 1975. These patients have been followed together with a control group of 1,324 ankylosing spondylitis patients treated neither with radioactive drugs nor with X-rays. The mean follow-up time was 26.3 years in the exposed and 24.6 years in the control group. To date, causes of death have been ascertained for 1,006 exposed patients and 1,072 controls. Special emphasis was placed on the reporting of malignant diseases. Expected numbers of cases were computed for the age, sex and calendar year distribution of both groups using cancer registry incidence rates. In the exposed group 18 cases of kidney cancer (vs. 9.1 cases expected, P < 0.01) and 4 malignant thyroid tumours (vs. 1.2 cases expected, P = 0.03) were observed. In the control group the observed cases for these tumours were not significantly elevated. The most striking observation, however, were the 21 cases of leukaemia in the exposed group (vs. 6.8 cases expected, P < 0.001) compared to 12 cases of leukaemia in the control group (vs. 7.5 cases expected). Further sub-classification of the leukaemias demonstrated a high increase of myeloid leukaemia in the exposed group (12 cases observed vs. 2.9 cases expected, P < 0.001), and out of these, especially a high excess of acute myeloid leukaemias (7 cases observed vs. 1.8 expected, P = 0.003). In the controls the observed cases are within the expected range (4 myeloid leukaemias vs. 3.1 cases). This increase in total leukaemias as well as particularly in myeloid leukaemias is significant in direct comparison between the exposed and control groups too (P < 0.05). The enhanced leukaemia incidence in the exposed group is in line with the observation of increased leukaemia incidence in mice injected with 224Ra.
Ziele: Bei der Bewertung von Daten zu Häufigkeit und Dosis strahlendiagnostischer Maßnahmen ist ein internationaler Vergleich unerlässlich. Dieser ist jedoch schwierig, da aufgrund der unterschiedlichen Gesundheitssysteme die Auswertungsschemata in den verschiedenen Ländern sehr verschieden und zum Teil auch nicht hinreichend transparent sind. Um diesbezüglich die Datenlage auf europäischer Ebene zu verbessern, wurde im Jahre 2004 die europäische Arbeitsgruppe DOSE DATAMED gegründet. Methode: Die Methoden zur Datenerfassung und -auswertung der teilnehmenden Länder (Vereinigtes Königreich, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) sowie die Ergebnisse bezüglich Häufigkeit von strahlendiagnostischen Maßnahmen, Dosis pro Untersuchung und kollektiver effektiver Dosis wurden erfasst und gegenübergestellt. Der Vergleich beinhaltete auch mögliche Einflussfaktoren wie z.B. Gesundheitssysteme. Ergebnis: Computertomographien, Angiographien und Interventionen tragen in allen DOSE DATAMED Ländern den größten Teil zur kollektiven effektiven Dosis (S) bei. Für alle Röntgenuntersuchungen zusammengenommen unterscheiden sich die Länder bezüglich der Häufigkeit max. um den Faktor 2,5 (Min: 0,7; Max: 1,8 Unters. pro Einw. pro Jahr) und bezüglich S max. um den Faktor 4,5 (Min: 0,4; Max: 1,8 mSv pro Einw. pro Jahr) mit den höchsten Schätzwerten für Belgien, Deutschland und Luxemburg und den niedrigsten für Dänemark, die Niederlande und das Vereinigte Königreich. Schlussfolgerung: Die zum Teil beträchtlichen Unterschiede bei der Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen und der zugehörigen kollektiven effektiven Dosis, die in den zehn Ländern beobachtet wurden, wurden von der DOSE DATAMED Gruppe als real eingeschätzt. Die Unterschiede sind sehr viel größer als die statistischen Unsicherheiten, die unvermeidbar mit der Datenerhebung und -analyse einhergehen. Die Unterschiede können zum großen Teil auf die verschiedenartigen Gesundheitssysteme der betrachten Länder zurückgeführt werden.
Aim: To estimate and evaluate the risks for the offspring due to the administration of radiopharmaceuticals to women during the first pregnancy weeks after conception (weeks p.c.). Methods: The in-utero exposition of the embryo due to diagnostic nuclear medicine procedures, for which diagnostic reference levels (DRL) ore specified, as well as due to radio iodine therapy (RIT) was determined. To this end, it is assumed that the activity of the diagnostic radiopharmaceuticals administered to the mother corresponds with the DRL and amounts to 600 MBq or 4 GBq I for RIT of benign or malignant thyroid disease, respectively. Based on these data, the radiation risk for the offspring was assessed and compared with the spontaneous risks (R(0)). Results: The dose for the offspring does not exceed 7.8 mSv for the diagnostic procedures considered, resulting in on excess risk for the offspring of less than 0.12% (R(0) similar to 25%) to die from cancer during life, of less than 0.07% (R(0) similar to 0.2%) to develop cancer up to the age of 15 years, and of less than 0.16% (R(0) similar to 2%) for hereditary effects. RIT during the first 8 weeks p.c. results in doses for the offspring of about 100-460 mSv, resulting in an excess risk for malformations of the child of 3.4%-22% (R(0) similar to 6%). Conclusions: The risk of stochastic radiation effects for the offspring due to a diagnostic nuclear medicine procedure of the mother during the first 8 weeks p.c. is compared with the spontaneous risks - very small; deterministic effects are unlikely. In contrast, deterministic effects for the offspring may occur following RIT. In order to decide on a possibly indicated abortion after RIT, an individual risk assessment is mandatory.
Data on medical radiation exposure due to diagnostic X-ray procedures in Germany for 1996 to 2005 are presented. Information on annual frequencies of X-ray procedures was for the most part obtained from German health insurance companies. Effective doses per examination were taken from a recent nation-wide survey on CT practice, research projects, random samples of measurements in hospitals and medical practices, and the current literature. From frequency data and dose estimates the collective effective dose and the effective dose per inhabitant were computed, and trends in time series were investigated. In Germany, about 1.6 X-ray examinations per capita and year were performed in 2005. On the one hand, the frequency for X-ray examinations is decreasing during the 1996 to 2005 period. On the other hand, the mean annual per caput effective dose shows an increase from about 1.6 mSv in 1996 to about 1.8 mSv in 2005. This rise is mainly caused by the increased use of computed tomography (CT). CT contributes more than half of the total cumulative effective dose in 2005 albeit it contributes only about 7% to the overall frequency of X-ray procedures. Increasing trends in the annual per caput effective dose due to Xray examinations are also observed in many other industrialised countries, reflecting the rising importance of diagnostic imaging procedures and the increasing use of new diagnostic techniques, especially of CT. However in international comparison, Germany is positioned in the upper range regarding the population exposure from medical X-rays.
Aktuelle Gesundheitsstrategien zielen immer stärker auf die Früherkennung von Krankheiten ab. Hierbei ist – im radiologischen Bereich – insbesondere die Brustkrebsfrüherkennung mittels Röntgenmammographie zu nennen. Aber auch der Einsatz dosisintensiver Verfahren wie der Computertomographie (CT) wird zunehmend häufig diskutiert.
Bildgebende Verfahren haben entscheidend zu den Fortschritten der Heilkunde beigetragen und sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Andererseit hat ihr Einsatz zu einem erheblichen Anstieg der zivilisatorischen Strahlenexposition der Bevölkerung geführt. Nach aktuellen Auswertungen ist sie in Deutschland zwischen 1996 und 2005 im Mittel von etwa 1,5 auf 1,8 mSv pro Einwohner und Jahr angestiegen. Dieser Anstieg ist vor allem auf den vermehrten Einsatz der CT zurückzuführen. Obwohl nur etwa 7% aller Untersuchungen auf die CT entfallen, trägt sie inzwischen mit mehr als 50% zur Kollektivdosis der Bevölkerung durch Röntgenanwendungen bei. Aufgrund der rasanten technologischen Fortschritte, die neue klinische Anwendungen eröffnen, ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Aufgrund dieser Entwicklung kommt der sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung diagnostischer Strahlenanwendungen, d.h. der rechtfertigenden Indikation, ein hoher Stellenwert zu. Hierfür sind erkrankungsspezifische Betrachtungen unabdingbar, da die Art der Erkrankung nicht nur die Höhe der Strahlenexposition, sondern auch das mittlere Alter der Patienten, ihre mittlere Lebenserwartung und den Nutzen der Bildgebung bestimmt. Diese Zusammenhänge werden konkret am Beispiel von Patienten mit Krebserkrankungen oder der koronarer Herzerkrankung erläutert. Neben der ärztlichen Rechtfertigung ist stets auch das zweite Grundprinzip des Strahlenschutzes zu beachten, nämlich die Optimierung der Untersuchungstechnik. Möglichkeiten der Optimierung werden am Beispiel der CT und PET/CT konkretisiert.
Ziele: Die Strahlenexposition der Bevölkerung aufgrund von Röntgenanwendungen beträgt nach Abschätzungen des BfS im Mittel 1,8 mSv pro Einwohner und Jahr. Nach allgemeiner Einschätzung ist ein erheblicher Anteil der Kollektivdosis auf Röntgenanwendungen bei Krebspatienten zurückzuführen, von denen viele aufgrund ihres Lebensalters und ihrer reduzierten Lebenserwartung einen möglicherweise strahleninduzierten Sekundärtumor nicht erleben. Ziel dieser Studie war es, den Beitrag der Krebsdiagnostik zur Kollektivdosis abzuschätzen. Methode: Nach einer Statistik des Robert-Koch-Instituts entfallen 75% aller Krebserkrankungen auf zehn Tumorarten (definiert über ICD-Codes). Für alle Patienten mit den entsprechenden Codes, die in den Jahren 2000–2005 am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität, Großhadern, behandelt wurden, wurden die folgenden Angaben aus dem KIS/RIS ermittelt: Patientennummer und Alter sowie Datum und Aufnahmeparameter für jede durchgeführte diagnostische und interventionelle Röntgenanwendung. Aus den Angaben wurde dann getrennt für jeden Tumortyp die mittlere effektive Dosis pro Patient und Jahr berechnet. Desweiteren wurde die Anzahl der Patienten pro Jahr ermittelt, denen im Krankenhaus der jeweilige ICD-Code zugewiesen wurde (Inzidenz), sowie die Anzahl der Patienten mit dem jeweiligen ICD-Code, die pro Jahr geröntgt wurden (Prävalenz für Röntgenanwendungen). Ergebnis: Insgesamt wurden Expositionsdaten für 15.866 Patienten (Alter: 61,9 +- 12,9 Jahre) erhoben, bei denen 151.439 Röntgenanwendungen durchgeführt wurden. Die über alle Krebserkrankungen gemittelte Dosis pro Patient und Jahr stieg zwischen 2000 und 2005 von 13,6 auf 18,2 mSv an. Dieser Anstieg resultierte aus einer Zunahme der „CT-Dosis“ von 9,9 auf 14,9 mSv. Die mittlere jährliche Dosis pro Patient hing erheblich von der Art der Tumorerkrankung ab (Blasentumoren: 7,1 mSv; Pankreastumoren: 40,4 mSv). Unter der Annahme, dass die für die zehn untersuchten Krebserkrankungen bestimmten mittleren Dosiswerte und Inzidenz/Prävalenz-Verhältnisse für Deutschland repräsentativ sind, wurde abgeschätzt, dass Röntgenanwendungen bei Krebspatienten zu einer Kollektivdosis von etwa 14.400 Sv führen (im Mittel zu 0,17 mSv pro Einwohner und Jahr). Schlussfolgerung: Da Röntgenanwendungen der Patienten in anderen Einrichtungen nicht berücksichtigt wurden, stellt die berechnete Kollektivdosis eine Minimalschätzung dar. Tatsächlich dürften in Deutschland zwischen 15% und 20% der Kollektivdosis aus Röntgenanwendungen auf Krebspatienten entfallen.
Ziele: Aktuelle Gesundheitsstrategien zielen immer stärker auf Früherkennungsmaßnahmen ab. Hierbei kommt den bildgebenden Verfahren der Radiologie eine besondere Bedeutung zu. Während sich das Interesse bislang auf konventionelle Röntgenaufnahmen konzentrierte (z.B. Mammographie), zeichnet sich der Trend ab, auch dosisintensivere Verfahren, wie die Computertomographie (CT), einzusetzen. Ziel der vorliegenden Arbeit war die strahlenhygienischen Bewertung von CT-Früherkennungsmaßnahmen. Methode: Abschätzungen zum Strahlenrisiko stützen sich auf eine solide Basis strahlenepidemiologischer Daten, beispielsweise die Beobachtungen an den japanischen Atombombenüberlebenden oder die Erfahrungen aus diagnostischen und therapeutischen Strahlenanwendungen. In der vorliegenden Arbeit wurden Risikomodelle des aktuellen BEIR (Biological Effects of Ionizing Radiation) VII Berichts verwendet, um das zusätzliche Lebenszeitrisiko einer Krebserkrankung von Personen abzuschätzen, die CT-Früherkennungsmaßnahmen wahrnehmen. Dabei wurden vier Szenarien berücksichtigt: CT-Koronarkalkmessung, Lungen-CT zur Früherkennung von Lungenkrebs bei Rauchern, virtuelle CT-Koloskopie sowie Ganzkörper-CT. Ergebnis: Durch regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen können für Einzelpersonen die effektiven Dosen und insbesondere die Organdosen, v.a. für die Lunge und die weibliche Brust, beträchtliche Werte erreichen. Für Koronarkalkmessungen zwischen 50 und 66 Jahren in 4-jährigen Abständen beläuft sich das zusätzliche Risiko eines Mannes/einer Frau, im Laufe des weiteren Lebens an Krebs zu erkranken (ELR), auf 0,1%/0,2%. Ein Lungen-CT-Screening (20 Untersuchungen ab 50 in jährlichen Abständen) birgt mit 0,6% insbesondere für Frauen ein relativ hohes ELR (Männer 0,2%). Für die virtuelle Koloskopie (3 Unters.) beläuft sich das ELR auf etwa 0,1%. Für Ganzkörper-CT-Untersuchungen, die in zweijährigen Abständen zwischen 50 und 68 Jahren durchgeführt werden, wurden ELR-Werte von etwa 1,1% für Frauen und von 0,8% für Männer abgeschätzt. Schlussfolgerung: Im Vergleich zum Strahlenrisiko, das mit Mammographie-Screening-Untersuchungen für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren verbunden ist, ist das Strahlenrisiko, das die o.g. Früherkennungsmaßnahmen bergen, zum Teil deutlich höher. Zudem ist derzeit die wissenschaftliche Datenlage hinsichtlich des Nutzens noch unbefriedigend. CT-Früherkennungsmaßnahmen sind daher abzulehnen, sofern sie nicht im Rahmen klinischer Studien stattfinden oder nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung im individuellen Fall gerechtfertigt sind.
Ziele: Bei der Bewertung der aus Röntgenanwendungen resultierenden Strahlenexposition der Bevölkerung stellt die unterschiedliche Dosisbelastung verschiedener Personengruppen einen wichtigen Aspekt dar. So werden z.B. Krebspatienten häufig geröntgt, haben aber oft eine verkürzte Lebenserwartung. Ziel der Studie war es, diesen Aspekt für Patienten mit den zehn häufigsten Krebserkrankungen zu quantifizieren. Methode: Anhand der Krebsstatistik des Robert-Koch-Instituts wurden die zehn häufigsten Krebserkrankungen und die entsprechenden ICD-Codes identifiziert. Es handelt sich um Tumoren des Darms (16,8%), der Brust (13,0%), der Prostata (11,5%), der Lunge (10,6%), der Blase (6,1%), des Magens (4,6%), der Nieren (3,9%), des Pankreas (3,0%) sowie um Melanome (3,3%) und Non-Hodgkin-Lymphome (2,9%). Für alle Patienten, denen im Jahr 2000 am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (Großhadern) erstmals der entsprechende ICD-Code zugewiesen wurde, wurden die folgenden Angaben aus dem KIS/RIS ermittelt: Patientennummer und Alter bei Diagnosestellung sowie Datum und Aufnahmeparameter für jede der in den nachfolgenden fünf Jahren durchgeführte diagnostische und interventionelle Röntgenanwendung. Aus diesen Daten wurde für jeden Patienten die Zeit zwischen Diagnosestellung und letzter Röntgenuntersuchung im 5-Jahreszeitraum sowie die kumulative effektive 5-Jahresdosis berechnet. Ergebnis: Die genannten personen- und untersuchungsspezifischen Daten wurden für insgesamt 1652 Krebspatienten (Alter: 61,1 +- 13,9 Jahre) erhoben. Für die zehn untersuchten Tumorarten lag die mittlere Untersuchungsdauer im Klinikum zwischen 8,4 (Magentumoren) und 23,9 (Brusttumoren) Monaten. Für die mittlere Fünfjahresdosis ergaben sich Werte zwischen 8,6 (Prostatatumoren) und 68,8 mSv (Pankreastumoren). 5,4% der Patienten erhielten eine Dosis zwischen 100 und 200 mSv, 1,2% zwischen 200 und 300 mSv sowie 0,2% zwischen 300 und 375 mSv (Maximum). Schlussfolgerung: Die ermittelten Dosiswerte stellen eine untere Abschätzung dar, da Untersuchungen der Patienten in anderen Einrichtungen nicht berücksichtigt wurden. Dennoch belegen sie, dass Krebspatienten eine hochexponierte Subpopulation innerhalb der Bevölkerung darstellen. Die Exposition ist jedoch bei den meisten dieser Patienten strahlenbiologisch nicht relevant, da sie aufgrund ihres im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöhten Lebensalters sowie ihrer in der Regel deutlich verkürzten Lebenserwartung einen möglicherweise strahleninduzierten Sekundärtumor nicht erleben werden.
Ziele: In den Jahren 2002 bis 2004 wurden in Deutschland im Mittel 1,7 Röntgenuntersuchungen pro Einwohner und Jahr durchgeführt. Die daraus resultierende effektive Dosis liegt bei 1,8 mSv pro Einwohner und Jahr. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Bereich. Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung war es, die Häufigkeit röntgendiagnostischer Maßnahmen und die daraus resultierende kollektive effektive Dosis nach Facharztgruppen zu differenzieren, um den Beitrag der Teilgebietsradiologie abschätzen und beurteilen zu können. Methode: Von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wurden Abrechnungs-Daten differenziert nach EBM und Facharztgruppen für die Jahre 2002 bis 2004 zur Verfügung gestellt. Damit bezieht sich die vorliegende Untersuchung auf gesetzlich Krankenversicherte im ambulanten Bereich. EBM-Ziffern, die sich auf die Röntgendiagnostik beziehen, wurden mithilfe eines vom BfS etablierten, standardisierten Verfahrens definierten Röntgenuntersuchungen bzw. geeigneten Untersuchungs-Kategorien zugeordnet. Für die Abschätzung der effektiven Dosis der einzelnen Untersuchungsverfahren wurden aktuelle Erhebungen zur CT-Untersuchungspraxis in Deutschland und die Ergebnisse neuerer Forschungsvorhaben zur Dosisermittlung im konventionellen Bereich sowie aus der aktuellen Literatur berücksichtigt. Ergebnis: In Deutschland wurden in den Jahren 2002 bis 2004 über die KBV 26% aller Röntgenuntersuchungen von Radiologen, 31% von Orthopäden, 13% von Chirurgen und 7% von Internisten abgerechnet. Dagegen resultieren 50% der kollektiven effektiven Dosis aus Röntgenuntersuchungen, die von Radiologen erbracht wurden (Orthopäden 12%, Chirurgen 2%, Internisten 10%). CT-Untersuchungen werden zu 72% von Radiologen erbracht. Angiographien und interventionelle Maßnahmen werden zu 57% von Internisten durchgeführt (Radiologen: 29%). Röntgenuntersuchungen des Skelettsystems werden hauptsächlich von Orthopäden erbracht (48%) und lediglich zu 13% von Radiologen. Aufgrund der unterschiedlichen Untersuchungsspektren beträgt die geschätzte effektive Dosis pro Untersuchung im Mittel 2,4 mSv bei Radiologen und 0,8 mSv bei Teilgebietsradiologen. Schlussfolgerung: Zwar werden etwa drei Viertel der über die KBV abgerechneten Röntgenuntersuchungen von Teilgebietsradiologen erbracht, jedoch tragen die von Radiologen durchgeführten Untersuchungen ca. die Hälfte zur kollektiven effektiven Dosis bei. Unter strahlenhygienischen Aspekten ist das Faktum der Selbstzuweisung in der Teilgebietsradiologie kritisch zu hinterfragen.
Ziele: Bei der Bewertung der aus Röntgenanwendungen resultierenden Strahlenexposition der Bevölkerung stellt die unterschiedliche Dosisbelastung verschiedener Personengruppen einen wichtigen Aspekt dar. So werden z.B. Krebspatienten häufig geröntgt, haben aber oft eine verkürzte Lebenserwartung. Ziel der Studie war es, diesen Aspekt für Patienten mit einem Pankreaskarzinom zu quantifizieren. Methode: Hierzu wurden für alle Patienten, die zwischen 2000 und 2004 am Klinikum der LMU Großhadern wegen eines Pankreaskarzinoms untersucht wurden, folgende Größen aus dem KIS/RIS ermittelt: Patientennummer, Alter, Datum der Zuweisung des ICD-Codes „C25“ sowie für jede durchgeführte diagnostische und interventionelle Röntgenanwendung das Datum und die Aufnahmeparameter. Aus diesen Daten wurden die effektive Dosis pro Anwendung und die mittlere Dosis pro Jahr und Patient ermittelt. Zusätzlich wurde für diejenigen Patienten, denen zwischen April und Dezember 2000 der Code „C25“ zugewiesen wurde, die Gesamtbeobachtungszeit und die kumulative Dosis berechnet. Hierbei wurden Untersuchungen, die 3 Monate vor der Diagnosestellung durchgeführt wurden, ebenfalls berücksichtigt. Ergebnis: Insgesamt wurden 162 unterschiedliche Untersuchungsarten durchgeführt, für die die jeweilige effektive Dosis abgeschätzt wurde. Zwischen 2000 und 2004 wurden im Mittel 188 Patienten pro Jahr geröntgt, wobei die mittlere Jahresdosis bei 40,8 mSv lag. Im Jahr 2000 wurde bei 106 Patienten (Alter: 62,9 Jahre) erstmals die Diagnose „C25“ gestellt. Für diese Patienten wurde eine mittlere (mediane) Beobachtungszeit von 348 (189) Tagen und eine kumulative Dosis von 67 mSv (49,7 mSv) ermittelt. Bei einer Inzidenz von 13.500 Fällen pro Jahr ergibt sich aus diesen Daten eine Prävalenz von 12.900 Patienten, die in Deutschland wegen eines Pankreastumors mindestens einmal pro Jahr geröntgt werden sowie eine Gesamtdosis von 526 Sv. Bezogen auf eine Kollektivdosis durch Röntgenanwendungen in Deutschland von 144.000 Sv entspricht dies einem Beitrag von etwa 0,4%. Schlussfolgerung: Ausgehend von einer mittleren Röntgen-Dosis von 1,8 mSv pro Bundesbürger kommen somit auf jeden Patienten mit einem Pankreaskarzinom rein rechnerisch mehr als 35 Personen, die – für die Dauer eines Jahres – nicht geröntgt werden. Andererseits ist die hohe kumulative Dosis bei diesen Patienten aufgrund ihrer kurzen Überlebenszeit strahlenbiologisch nicht relevant. Die im Rahmen dieser Pilotstudie etablierte Methodik soll auf andere Tumorarten übertragen werden.