Pränatalsonographische Auffälligkeiten im Zweittrimester mit familiärer Diagnostik in zwei Schwangerschaften, einer rental tubulären Dysgenesie und eines Cornelia de Lange Syndroms.
Hintergrund/Einleitung: Bei HNPCC-Verdacht werden einer Keimbahnmutationsanalyse Screening-Untersuchungen des Tumors vorgeschaltet. Für eine Mikrosatellitenanalyse (MSI) ist eine Dissektion von Tumor- und Normalgewebe, DNA Isolation, PCR Amplifikation und Gelelektrophorese von mindestens fünf Mikrosatellitenmarkern notwendig. Eine immunhistochemische Untersuchung (IHC) der MMR Protein-Expression kann einfach in die histopathologische Diagnostik implementiert werden. Beide Methoden werden meist simultan durchgeführt.
The recurrent 10q22.3q23.2 deletion with breakpoints within low copy repeats 3 and 4 is a rare genomic disorder, reported in only 13 patients to date. The phenotype is rather uncharacteristic, which makes a clinical diagnosis difficult. A phenotypic feature described in almost all patients is a delay in speech development, albeit systematic studies are still pending. In this study, we report on a boy with an LCR3/4-flanked 10q22.3q23.2 deletion exhibiting an age-appropriate language development evaluated by a standardized test at an age of 2 years and 3 months. The boy was born with a cleft palate - a feature not present in any of the patients described before. Previously reported cases are reviewed, and the role of the BMPR1A gene is discussed. The phenotype of patients with an LCR3/4-flanked 10q22.3q23.2 deletion can be rather variable, so counseling the families regarding the prognosis of an affected child should be done with caution. Long-term studies of affected children are needed to delineate the natural history of this rare disorder.
Muir-Torre syndrome (MTS) is a rare autosomal dominant tumor syndrome characterized by the occurrence of tumors of the sebaceous glands and/or multiple keratoacanthomas in addition to internal neoplasia. Skin tumors include not only sebaceous adenomas and sebaceomas but also sebaceous carcinomas which are associated with colorectal carcinomas in over 50%, less commonly with carcinomas of the remaining gastrointestinal, urinary or genital tract. The underlying pathogenesis is a defect of the DNA mismatch repair system introducing microsatellite instability in tumor tissue.
Das Muir-Torre-Syndrom (MTS) ist ein seltenes autosomal-dominant vererbtes Tumorsyndrom, gekennzeichnet durch Auftreten von Talgdrüsentumoren und/oder multiplen Keratoakanthomen in Kombination mit internen Neoplasien. An der Haut kommen neben Talgdrüsenadenomen und Sebazeomen v. a. Talgdrüsenkarzinome vor, die in über 50% mit kolorektalen Karzinomen, seltener mit Karzinomen des übrigen Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakts assoziiert sind. Pathogenetisch liegt ein Defekt des DNA-Mismatch-Repair-Systems zugrunde, wodurch Mikrosatelliteninstabilität im Tumorgewebe resultiert.
Zur Erkennung junger Menschen (<50 Jahre) mit kolorektalen Karzinomen sind die etablierten Vorsorgemaßnahmen nicht ausreichend. Des Weiteren haben diese Patienten nach Entwicklung eines Karzinoms ein erhöhtes Rezidivrisiko und die Familienangehörigen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines kolorektalen Karzinoms. Zusätzlich kann ein erbliches Tumorsyndrom vorliegen. Zur Identifizierung und optimalen Versorgung dieser Patienten und ihrer Familien wurde 2008 das „Interdisziplinäre Zentrum für erbliche gastrointestinale Tumorerkrankungen“ etabliert. Im Rahmen dieses Zentrums wurde eine Spezialambulanz für erbliche GI-Tumorerkrankungen in der Medizinischen Klinik II der Universität Würzburg eingerichtet. Risikopatienten werden in der interdisziplinären Tumorkonferenz identifiziert oder von extern zuverwiesen. Seit dem Jahr 2008 werden jährlich zunehmende Patientenzahlen in der Ambulanz für erbliche Tumorerkrankungen betreut (n=132 bis Mai 2012). Mit zunehmender Zeit nehmen auch die Patienten zu, die sich im Rahmen der Vor-/Nachsorge wiedervorstellen (n=88). Die meisten der Erstvorstellungen erfolgten nach Diagnose einer Polyposis (n=32) oder eines Dickdarmkrebses unter 50 Jahren (V.a. HNPCC) und erforderten die Durchführung einer Mikrosatelliteninstabilitätsuntersuchung (n=70). Bei 25 Patienten konnte eine Mikrosatelliteninstabilität festgestellt werden und sie wurden weiter in das Zentrum Medizinische Genetik geschickt. Dort konnten bisher 14 Erstdiagnosen einer HNPCC gestellt werden. Die Patienten werden anschließend entsprechend der Vorsorgeschemata für HNPCC in der Ambulanz für erbliche Tumorsyndrome betreut. Für die Patienten mit V.a. HNPCC, bei denen keine Mikrosatelliteninstabilität festgestellt werden konnte, werden individuelle Konzepte entwickelt. Für aktuelle und zukünftige Forschungsprojekte wird parallel eine Gewebe- und klinische Datenbank aufgebaut. Zusammenfassend ermöglicht das von uns etablierte Konzept die umfassende Betreuung von jungen Patienten mit erhöhtem Tumorrisiko inklusive der Identifizierung und einer indivualisierten Vor- und Nachsorge durch eine darauf spezialisierte Ambulanz mit der Möglichkeit der Initiierung von weiteren Forschungsprojekten.
Ziel: Das Pallister-Killian-Syndrom gehört zu den sehr seltenen Erkrankungen. Dabei ist ein Isochromosom, das aus zwei kurzen Armen des Chromosoms 12 besteht, zusätzlich vorhanden. Dieses Syndrom ist gekennzeichnet durch multiple Fehlbildungen wie z.B. Zwerchfelldefekt, faziale Dysmorphien, verkürzte Extremitäten, Herzfehler, sowie eine mentale Retardierung.
Patienten und Methode: Eine 33 jährige II G I P, die wegen Gesichtsdysmorphien im ersten Lebensjahr neurochirurgisch versorgt worden war, stellte sich erstmalig zum Fehlbildungsaussschluss im 2.Trimenon vor. Anamnestisch stellte sich heraus, dass Ihr Vater eine ähnliche Schädelform gehabt habe. Aus klinischer Sicht stellte sich am ehesten die Verdachtsdiagnose eines craniofrontonasalen Syndroms. Die erste Tochter der Patientin war gesund.
Idiopathic sudden sensorineural hearing loss (ISSNHL) is a heterogenic disease. Multiple factors influencing aetiology and prognosis are discussed. A retrospective clinical characterisation and analysis of family history of ISSNHL patients was performed to investigate influences on the disease. 186 inpatients diagnosed with ISSNHL were characterised by health records and a standardised questionnaire. Audiograms were observed. 75 controls that had never experienced an event of ISSNHL were questioned about family members being affected by ISSNHL. 63.4% of all patients could be assigned to at least one group with similar causes of ISSNHL (noise exposure, positive family history, infectious diseases, hypothyreoidism and fibromuscular dysplasia). A positive family history for ISSNHL has not been reported so far. Therefore, we accentuated the characterisation of patients with positive family history. 21.4% affirmed a positive family history. In ten families, at least two family members were reported as ISSNHL patients. In comparison with patients with negative family history, they tend to be younger, experience more events of ISSNHL and show less improvement of hearing abilities under therapeutic treatment (non-significant). Differences intensified between smokers with positive family history and non-smokers with negative family history. Differences concerning average age were statistically significant ( p = 0.001). Within 75 controls 11 families were reported with one member being affected by ISSNHL. In the control group we did not detect any family with more than one ISSNHL patient. The results indicated that patients with positive family history tend to have an aggravated course of ISSNHL. Further studies should help to confirm these results and to identify environmental or genetic factors leading to ISSNHL. This might support a better understanding of the aetiology of ISSNHL and offer new possibilities for prevention and therapy.
Einführung: Kongenitale Fehlbildungen mit Beteiligung der Extremitäten sind häufig Teil eines genetischen Syndroms und stellen somit ein differentialdiagnostisches Problem dar. Eine Radiusaplasie wird bei verschiedenen Syndromen beobachtet. Fallbericht: Die 26-jährige I-Gravida stellte sich erstmals in der 27. SSW vor, nachdem auswärts der V. a. eine Unterarmdysplasie geäußert wurde. Sonographisch zeigte sich ein zeitgerecht entwickelter weiblicher Fetus mit einem beidseitigen Fehlen der Radii und Deviation beider Hände nach radial. Die Länge der Ulnae lag unter der 5%-Perzentile. Die Daumen stellten sich adduziert von normaler Form und Größe dar. Unter der Verdachtsdiagnose TAR-(thrombocytopenia absent radius)-Syndrom wurde mit 30 SSW eine Chordozentese durchgeführt. Dabei zeigte sich eine normale Anzahl der Blutplättchen (129 000/µl), es konnte jedoch eine fetale Anämie mit einem Hb-Wert von 8,5g/dl diagnostiziert werden. Nach Asservierung von fetalem Blut für molekulargenetische Untersuchungen wurde der Fet intrauterin auf einen Hb Wert von 13,3g/dl transfundiert. Die Karyotypisierung sowie die Diagnostik bezüglich Fanconi-Anämie waren unauffällig. Die molekulargenetische Diagnostik des TAR-Syndroms und die Geburt des Kindes stehen noch aus. Schlussfolgerung: Die wichtigsten Differentialdiagnosen der Radiusaplasie sind: Holt-Oram-Syndrom, TAR -Syndrom, Fanconi-Anämie und Roberts Syndrom. Bei Vorliegen einer Radiusaplasie sollten immer die fetalen Chromosomen und das Blutbild untersucht werden. Die Thrombopenie beim TAR-Syndrom kann v.a. peripartal zu intrazerebralen Blutungen führen, die durch prophylaktische Maßnahmen (intrauterine Transfusion, Geburtsplanung) minimiert werden können.