Im Interview mit Alexander Dierselhuis, Polizeipräsident in Duisburg, und mit Irene Mihalic, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, über sogenannte „Clankriminalität“ und zu Präventionsstrategien der Polizei und der Sozialen Arbeit werden Unterschiede im Hinblick auf die Phänomenbezeichnung und die institutionellen Logiken deutlich – zugleich aber auch bemerkenswerte Schnittmengen sichtbar. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Prävention von ‚Clankriminalität‘“ in Ausgabe 1/26.
Der Beitrag thematisiert verbale, körperliche und strukturelle Gewalt auf Fußballplätzen unter Spieler_innen, gegen Schiedsrichter_innen und unter Beteiligung von Zuschauer_innen aus der Sicht eines zwischenzeitlich türkischen und heute postmigrantischen Amateurfußballvereins in Duisburg-Marxloh, einem marginalisierten Stadtbezirk innerhalb der Metropolregion Ruhr. Zwei Vorstandmitglieder des SV Rhenania Hamborn 1949 erläutern in einem Gespräch ihre praktischen Ansätze zur Prävention gewalttätiger Formen der Auseinandersetzung mit sozialen Konflikten und Norm abweichendem Verhalten. Die Vereinsverantwortlichen illustrieren, wie sie ihr Konzept über den Sportbereich hinaus mit ganzheitlichen, mit bildungs- und kommunalpolitischen Interventionen verbinden.
Zusammenfassung Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen auf Fußballplätzen von Amateurvereinen unter Spieler_innen und gegen Schiedsrichter_innen unter Mitwirkung von Zuschauer_innen stehen häufig Beteiligte mit internationaler Familiengeschichte – insbesondere solche muslimischen Glaubens – im Mittelpunkt. In Abgrenzung zum dominierenden Narrativ eines vermeintlichen „Integrationsunwillens“ eingewanderter Minderheiten analysiert der Beitrag aus (post)migrantischer Perspektive das Fußballspiel als Kampfarena für die Kompensation fehlender gesellschaftlicher Anerkennung diskriminierter allochthoner junger Menschen. Einige wenige von ihnen reagieren auf ihre Marginalisierung auch mangels alternativer, gesellschaftlich positiv bewerteter Handlungskompetenzen notfalls mit Gewalt als Möglichkeit zur Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Die in dieser Einleitung zum Themenschwerpunkt skizzierten Ursachen und Präventionsvoraussetzungen für verbale und physische Aggression im Amateurfußball werden in den folgenden Beiträgen näher beleuchtetet.
ZusammenfassungWenn Kinder und Jugendliche in Deutschland die Schule nicht besuchen, werden die Gründe hierfür häufig individuell bei ihnen selbst und/oder ihren Eltern gesucht. Mit dem vorliegenden Schwerpunkt soll der Blick geweitet werden, und es soll gezeigt werden, dass es gerade auch die strukturellen Zusammenhänge sind, die Schulabsentismus als Phänomen im Kontext gesellschaftlicher Verhältnisse hervorbringen. Erst diese Sichtweise kann zeigen, wie Kinder, Jugendliche und ihre Eltern, aber auch Lehrer_innen und sozialpädagogische Fachkräfte in diese Strukturen eingewoben und welche Handlungsalternativen für die Beteiligten möglich sind.
Aus der Binnenperspektive einer inklusiven Grundschule in Duisburg thematisiert der Beitrag, welche Kommunikationshürden sich zwischen Schule und marginalisierten Familien mit Migrationsgeschichte aus Südosteuropa zeigen: die Eltern können oftmals der Rolle als Kommunikationspartner_innen den schulischen Normalitätserwartungen nicht entsprechen. Das schulische, mehrheitlich ausschließlich deutschsprachige Personal sieht sich Kommunikationsanforderungen gegenüber, ohne dass dafür die strukturellen und personellen Voraussetzungen im Bildungswesen gegeben sind.
Mitglieder von Schulleitungen zweier Schulen im Ankunftsstadtteil Duisburg-Marxloh schildern ihre Sicht auf Hintergründe, Erscheinungsformen, Verwaltungshandeln sowie pädagogische Konzepte im Umgang mit Schulabsentismus von Kindern und Jugendlichen, die unter prekären Lebensbedingungen aufwachsen. Sie erläutern, wie marginalisierte Schüler_innen durch verstärkten Vertrauensaufbau mit aufsuchender Schulsozialarbeit dafür gewonnen werden können, den kontinuierlichen Schulbesuch als Chance zu mehr gesellschaftlicher Teilnahme zu verstehen.
ZusammenfassungGrundsätzlich fehlt eine Landkarte des Interaktionsfeldes von Sozialer Arbeit und Rechtspflege/Sicherheitsorganen, die sowohl die persönlichen Interaktionen als auch die Kommunikation der Organisationen insgesamt verständlich macht. Als Einführung in den Themenschwerpunkt beleuchtet der Beitrag Ebenen, Berührungspunkte und Grenzen dieser Akteure der Sicherung zentraler gesellschaftlich ausgehandelter Normalisierungskonstruktionen und -prozesse in einem demokratischen Rechts – und Wohlfahrtsstaat bezogen auf die Schwierigkeiten einer koordinierten Umsetzung des Erziehungsgedankens im Jugendgerichtsverfahren.
Im Mittelpunkt des Interviews mit zwei langjährigen ehemaligen Vorstandmitgliedern der Arbeiterwohlfahrt (AWO) steht die Verbindung zwischen ehrenamtlicher Arbeit innerhalb der SPD und der AWO, die Alltagspraxis im Ehrenamt und die gewachsenen Anforderungen bei der Übernahme der Verantwortung für den immens gestiegenen Finanzeinsatz und erheblich mehr hauptamtliches Personal unter verschärfter sozialwirtschaftlicher Konkurrenz zwischen den großen Wohlfahrtsorganisationen.
ZusammenfassungDer einleitende Beitrag des Themenschwerpunkts zur aktuellen Situation von Wohlfahrtsverbänden zielt darauf, wesentliche Knotenpunkte der Diskussion zusammenzufassen. Er benennt vor dem Hintergrund der verbandlichen Vielfalt Forschungsdesiderata zu den Auswirkungen verschärfter sozialwirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Gestaltungsspielräume bei der Sicherung nachhaltiger finanzieller Grundlagen für Existenz und Leistungserbringung der Organisationen.
Zusammenfassung In diesem einleitenden Beitrag wird ein Überblick zur Entwicklung der Diskussion über das Verhältnis von Polizei und Sozialer Arbeit gegeben. Dabei wird akzentuiert, dass Formen der Zusammenarbeit und wechselseitige Abgrenzungen immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen waren. Zudem wird betont, dass es allzu einfach wäre, Sozialen Arbeit ein moralisch gutes Mandat der Hilfe und der Polizei ein problematisches Mandat der Kontrolle zuzuschreiben.
Im Interview mit drei Kenner_innen der Szene aus Berlin, Essen und Bremen werden die gängigen Beschreibungen und Erklärungsmuster von Clankriminalität hinterfragt und die „Kollateralschäden“ sichtbar gemacht, die der „Krieg gegen die Clans“ unter all jenem anrichtet, die nicht durch kriminelle Taten, sondern allein durch ihre Familienzugehörigkeit unter Pauschalverdacht gestellt werden.
Der Beitrag analysiert am Beispiel der Stadt Essen, wie sich die aufenthalts- und sozialrechtliche Kriminalisierung von Familien, deren Vorfahren in den 80er Jahren aus dem libanesischen Bürgerkrieg mit „ungeklärter Staatsangehörigkeit“ nach Deutschland geflohen sind und in Essen auch noch nach 30 Jahren als Langzeit-Geduldete kein Bleiberecht haben, vor dem Hintergrund der Kriminalität einzelner zur Kriminalisierung als Clan-Angehörige durch bloße Nachnamensgleichheit entwickelt hat und welchen Einfluss kommunale Akteure haben, um rassistisch gefärbtes staatliches Handeln in der lokalen Ausländerbehörde bzw. in der Polizei zu etablieren oder zu überwinden.
Im Interview mit drei Kenner_innen der Szene aus Berlin, Essen und Bremen werden die gangigen Beschreibungen und Erklarungsmuster von Clankriminalitat hinterfragt und die „Kollateralschaden“ sichtbar gemacht, die der „Krieg gegen die Clans“ unter all jenem anrichtet, die nicht durch kriminelle Taten, sondern allein durch ihre Familienzugehorigkeit unter Pauschalverdacht gestellt werden.
Im Unterschied zum Medienhype zur Clankriminalität hebt der Beitrag ab auf die Differenz zwischen der Ebene faktischen Kriminalitätsgeschehens und der Ebene fachlichen Legitimation der staatlichen Bearbeitungsstrategien mit ihren stigmatisierenden Effekten. Das vorrangige Interesse gilt denjenigen Mitgliedern sogenannter Clanfamilien, die allein wegen ihres Nachnamens unter Verdacht geraten.
Als Einleitung problematisiert der Text Gegenstände und Ziele der Gemeinwesenarbeit und verknüpft diese mit den Beiträgen des Schwerpunkts „GWA und Konflikte im öffentlichen Raum“.