
Aktuelle Forschungsergebnisse zum Schwerpunkt Soziale Arbeit und Familienleitbilder zeigen auf, dass familienbezogene Vorstellungen von Fachkräften oft am Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie ausgerichtet sind, obwohl Familie vielfältiger gelebt wird und die Achtung der Vielfalt geboten ist. Weniger in den Blick genommen wurde bislang, wie sich dahingehend Organisationen Sozialer Arbeit zu Familie positionieren, obwohl diese institutionelle Ebene wesentlich zur Ko-Konstruktion von Familie und zur Professionalität Sozialer Arbeit beiträgt. Daher wird mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse von einerseits öffentlich zugänglichen Materialien von Homepages sowie andererseits Fokusgruppen mit Fachkräften aus Angeboten für Familien mit Komm-Struktur untersucht, welche Familienleitbilder auf der Mesoebene vertreten werden. In den Daten zeigen sich widersprüchliche Familienbilder und -leitbilder. Auf explizite Weise wird die Achtung der Vielfalt durchaus deutlich, während dies in impliziten Modi, wie in der bildhaften Darstellung von Familie, in Frage gestellt werden kann. Dieses Ergebnis kann von Praktiker:innen familienorientierter Angebote als Sensibilisierung dafür genutzt werden, wie Familie in der eigenen Organisation nach außen hin repräsentiert wird und inwiefern das den eigenen professionellen Vorstellungen von Familie entspricht.
Das Interview gibt einen praxisnahen Einblick in den Umgang mit Suizidalität und selbstverletzendem Verhalten in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Die Interviewpartner:innen arbeiten in einer intensivpädagogischen Wohngruppe mit traumasensiblem Schwerpunkt. Sie berichten über die Bewältigung von Krisensituationen bei den Bewohner:innen, die Arbeit im Team und die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen und Institutionen, wie der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Suizid und Suizidalität - ein tabuisiertes Thema in der Sozialen Arbeit?“ in Ausgabe 5/26.
Dieser Beitrag nimmt anhand der Differenzkategorien Gender und Migration die Erreichungsquoten und Adressierungspraktiken im Rahmen von Hausbesuchen in den Frühen Hilfen in den Blick. Dabei werden die drei Angebotsformen ‚Willkommensbesuche‘, ‚Familienhebammen‘ sowie ‚Familien- und Gesundheitskinderkrankenpfleger:innen‘ fokussiert. Zwar weist die bisherige Befundlage darauf hin, dass Mütter deutlich besser erreicht werden als Väter, während Familien mit und ohne Migrationsgeschichte grundsätzlich ähnlich gut erreicht werden. Gleichzeitig sind mit Blick auf gender- und migrationsbezogene Erreichungsquoten gegenwärtig aber auch mehrere zentrale Forschungsdesiderate zu verzeichnen. Was Adressierungspraktiken durch Fachkräfte bei Hausbesuchen angeht, lassen sich auf Basis von bisheriger Forschung verschiedene wirkmächtige geschlechtsspezifische und kulturalisierende Zuschreibungs-‚Figuren‘ identifizieren. Auf Basis der hier dargelegten Befundlage skizziert und diskutiert der Beitrag im Weiteren bedeutsame praxis- und forschungsbezogene Implikationen zur Verbesserung von Diversitätssensibilität in den Frühen Hilfen. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit und Mutterschaft“ in Heft 4/2026.
Das Bachelorstudium der Sozialen Arbeit macht einen Bogen um die Thematik assistierter Suizid sowie Suizidalität als solche. Diese Unterrepräsentation ist jedoch kein reines Problem der Ausbildung, sondern auch der Praxis der Sozialen Arbeit, in der Sozialarbeitende kaum aktiv mit Menschen zusammenarbeiten, die Sterbewünsche äußern und wenn doch, in aller Regel nicht mit dem Fokus auf Begleitung, Unterstützung und Willenserörterung im Prozess, sondern vor allem organisationsspezifisch. Das wird den Adressat:innen mit ihren Anliegen und der Qualifikation der Sozialen Arbeit nicht gerecht. Aufbauend auf meine Bachelorarbeit, in der ich mich mit eben dieser Thematik befasst habe, werden in diesem Kommentar einige rechtliche und professionelle Herausforderungen aufgezeigt, denen die Soziale Arbeit im Kontext von assistiertem Suizid begegnet und durch die sie sich daran hindern lässt, ihr volles Potential in diesem Arbeitsfeld auszuschöpfen. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Suizid und Suizidalität – Ein tabuisiertes Thema in der Sozialen Arbeit?“ in Ausgabe 5/26.
Der Beitrag gibt eine thematische Einführung in den Schwerpunkt „Suizid und Suizidalität“ im Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit. Dabei beleuchten die Autor*innen mehrere Perspektiven des komplexen Phänomens – von Einblicken in das Erleben bis hin zu Desideraten an Forschung und Ausbildung. Es zeigt sich, dass sich die Soziale Arbeit nicht vor dem Themenfeld verschließen und es beispielsweise in andere Fachdisziplinen verschieben sollte, sondern mit einer offenen, reflektierten Haltung eine eigene Handlungsfähigkeit entwickeln muss.
Soziale Arbeit als Hilfe zur Lebensbewältigung ist gefordert, sich auch mit dem Sterben als Teil des Lebens auseinanderzusetzen. Vor dem Hintergrund öffentlicher Debatten über den „assistierten Suizid“, in der dieser zum Teil als vermeintlich selbstbestimmter und würdevoller Ausweg aus kritischen Lebenslagen diskutiert wird, fordert der Beitrag dazu auf, eine eigene fachliche Position zu entwickeln. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Suizid und Suizidalität – Ein tabuisiertes Thema in der Sozialen Arbeit?“ in Ausgabe 5/26.
Der Luxemburgische Jugendbericht 2025 dokumentiert, dass digitale Kommunikation und Interaktion zentrale Bestandteile jugendlicher Lebensführung bilden, wobei analoge Begegnungen weiterhin konstitutiv für die Entstehung von Vertrauen, Zugehörigkeit und sozialer Resonanz sind. Jugendliche erleben ihren Alltag als beschleunigt und durch Verfügbarkeitsanforderungen strukturiert, zugleich artikulieren sie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Entschleunigung und gemeinschaftlichen Erfahrungen. Jugendarbeit steht damit vor der Aufgabe, hybride Lebensrealitäten systematisch zu berücksichtigen und Erfahrungsräume zu gestalten, in denen alternative Formen von Sozialität und Zeitlichkeit möglich werden. Analytisch lässt sich dies als Verbindung dreier Dimensionen beschreiben: Digitales als Werkzeug zur Kommunikation und Organisation; als Praxis der Reflexion und Aneignung; sowie als Raum der Begegnung und Begleitung.
Die Begleitung von Familien durch ehrenamtliche Pat_innen stellt eine eigenständige Unterstützungsform innerhalb der Frühen Hilfen dar. Die Erkenntnislage verweist dabei sowohl auf Potenziale als auch auf Herausforderungen für erfolgreiche Patenschaften. Daher wurde im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie die besondere Rolle der Familienpat_innen im Kontext Früher Hilfen untersucht. Die Analysen zeigen, dass diese in einem semiprofessionellen Spannungsfeld mit unterschiedlichen Rollenerwartungen (z. B. an Nähe und Distanz) agieren. Hieraus lassen sich besondere Anforderungen an die professionelle Begleitung sowie die Weiterentwicklung des Angebotes ableiten.
Suizid steht in einem widersprüchlichen Verhältnis zur Sozialen Arbeit insgesamt sowie bezogen auf Beratung: Einerseits ist Suizidalität in nahezu allen Arbeitsfeldern präsent, andererseits wird das Thema im fachlichen Diskurs wenig intensiv und deutlich häufiger im Modus der Prävention als im Modus reflexiver Beratung verhandelt. Der Beitrag entwickelt eine sozialpädagogische Perspektive auf das Verhältnis von Suizid und Beratung. Auf Grundlage einer kursorischen Sichtung der Fachliteratur wird zunächst die Spannung zwischen praktischer Allgegenwart und konzeptioneller Engführung rekonstruiert. Anschließend werden Beratungskonstellationen differenziert – vor, während und nach suizidalen Krisen sowie aus den Perspektiven der unmittelbar Betroffenen und ihres sozialen Umfelds. Besondere Aufmerksamkeit erhält das Zurückbleiben nach überlebten und nach vollendeten Suizidversuchen, in dem Beratung als ergebnisoffene, reflexive Begleitung von Trauer‑, Schuld- und Schamdynamiken eine eigene Funktion gewinnt. Abschließend wird das wachsende Feld digitaler Beratungsangebote betrachtet. Das Fazit positioniert Suizid als querschnittiges Thema sozialpädagogischer Beratung, dessen Bearbeitung in der Praxis besonders hohe Anforderungen an die Eigenleistung reflexiver Beratungsarbeit stellt. Der Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Suizid und Suizidalität – Ein tabuisiertes Thema in der Sozialen Arbeit?“ in Ausgabe 5/26.
Der Erhalt und die Förderung der psychischen Gesundheit sind entscheidend für den Studienerfolg von Studierenden. Hochschulsozialarbeit schließt als neues Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit eine Versorgungslücke neben dem Angebot des Studierendenwerkes. Studierende werden durch die Hochschulsozialarbeit bei psychischen, sozialen und finanziellen Herausforderungen über das Angebot des Studierendenwerkes unterstützt. Dies geschieht durch aufsuchende Arbeit, Lerncoaching und (Verweis‑)Beratung. Ziel des Beitrags ist es, das Konzept der Hochschulsozialarbeit vorzustellen und Einblicke in die Umsetzung eines Pilotprojektes an einer Hochschule in Thüringen zu geben.
Der vorliegende Beitrag widmet sich der Diskriminierung von wohnungslosen Personen. Dazu wird auf der Basis einer empirischen Studie aufgezeigt, inwieweit diese über die üblicherweise in den Blick genommenen Formen – der direkten Abwertung, gewaltsamen Übergriffen und Zugangsverweigerungen – auch als auferlegte Typisierung und damit verbunden als Verlust der Deutungshoheit über die eigene Person zum Tragen kommt. Daran anknüpfend wird im Weiteren aufgezeigt, inwieweit und in welcher Art und Weise die Vermittlung von Anerkennung bedeutsam für die Bewältigung von Diskriminierung sowie auch der Wohnungslosigkeit insgesamt ist.
Der Beitrag argumentiert, dass das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis in der Sozialen Arbeit nicht angemessen als linearer Wissenstransfer beschrieben werden kann. Stattdessen ist es als organisationale Übersetzungs- und Aushandlungsleistung zu begreifen: Wissenschaftliches Wissen wird in Organisationen Sozialer Arbeit selektiv anschlussfähig gemacht (z. B. über Routinen, Zuständigkeiten, Dokumentations- und Qualitätsregime), während umgekehrt Praxiswissen erst über spezifische Formate, Indikatoren und Anerkennungsordnungen zu wissenschaftlichem Wissen wird. Damit wird gezeigt, wie Organisationen sowohl Wissensverwendung als auch Wissensproduktion strukturieren. Abschließend werden Implikationen für Forschung und Organisationsentwicklung skizziert. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit in Forschung – Praxis – Transfer“ in Ausgabe 4/26.
Die Familienpolitik adressiert Eltern heute formal geschlechtsneutral – doch welche Bedeutung diese Vorgaben im Alltag tatsächlich bekommen, entscheidet sich nicht allein im Gesetzestext. Familienpolitische Ziele müssen übersetzt, vermittelt und praktisch ausgehandelt werden. Genau hier gewinnen elternbezogene Beratungsangebote an Bedeutung. Sie dienen nicht nur der Unterstützung von Familien, sondern wirken zugleich als normative Orte, an denen Vorstellungen von Mutterschaft, Vaterschaft und geschlechtlicher Arbeitsteilung mit hervorgebracht werden. Beratung wird damit zu einer zentralen Schnittstelle zwischen familienpolitischer Steuerung und familialem Alltag. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit und Mutterschaft“ in Heft 4/2026.
In professionsbezogenen Diskursen allgemein und in Bezug auf Soziale Arbeit insbesondere wird die Verwendung und Entstehung von Wissen als eine zentrale Frage angesehen. In dem Beitrag wird nach Hinweisen zu den Orten und Formen der Generierung von Wissen gesucht und diskutiert, wie wissenschaftliches Wissen praktisch und praktisches Wissen „wissenschaftlich“ werden kann. Argumentiert wird, dass die Gewinnung von Erkenntnissen nicht mehr nur im Feld der Wissenschaft realisiert wird. Auch in der sozialpädagogischen Handlungspraxis wie in den politischen Diskursen und in den Administrationen des Sozialen wird Wissen generiert, das im Alltag von Wissenschaft, Handlungspraxis und Politik herangezogen werden kann. Diese Beobachtung wird in dem Beitrag erörtert und zum Anlass genommen, den Begriff des Transfers durch den der Transformation von Wissen, relational und zirkulär, zu ersetzen. In unterschiedlichen, keineswegs linearen Wechselbeziehungen sind Austauschprozesse von Wissen zwischen Handlungspraxis, Politik, Verwaltung und Wissenschaft wahrzunehmen – und aktiv zu gestalten. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit in Forschung – Praxis – Transfer“ in der Ausgabe 4/2026 der Zeitschrift Sozial Extra.
In dem Beitrag wird anhand von unterschiedlichen konzeptionellen Diskussionen der sozialpädagogischen Forschung in den letzten Jahren gezeigt, dass dichotome Unterscheidungen zwischen Wissenschaft und Praxis irritiert werden. Diskutiert wird diese Annahme anhand von fünf Themen, der Demokratisierung über Sichtweisen der Adressat:innen- und Nutzer:innenforschung, Thematisierung einer Wahlverwandtschaft zwischen qualitativer Forschung und Fallverstehen in der Praxis, eine Stärkung partizipativer Forschungsansätze sowie über Konzepte der Praxisforschung. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit in Forschung – Praxis – Transfer“ in Ausgabe 4/26.
Alleinerziehende Mütter übernehmen einen Großteil der Sorgearbeiten in Einelternfamilien. Die Unvereinbarkeit von Care- und Erwerbsarbeit führt im Alltag zu besonders hoher Belastung und Zeitstress für Alleinerziehende. Der Druck erhöht sich aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen an Mütter und Mütterlichkeit. Anhand qualitativer Interviews werden im Beitrag unterschiedliche Strategien von alleinerziehenden Müttern im Umgang mit der Figur der „guten Mutter“ rekonstruiert und innerhalb ihrer Anerkennungslogiken gedeutet. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit und Mutterschaft“ in Heft 4/2026.
Der Beitrag untersucht anhand einer Gruppendiskussion mit Fachkräften der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie professionelle Praktiker:innen wissenschaftliches Wissen im sozialpädagogischen Studium aneignen und in der Berufspraxis nutzen. Im Gegensatz zu älteren und neueren Studien, die dem Studium allenfalls zertifizierende Bedeutung beimessen und biographisch erworbenes Erfahrungswissen als primäre Handlungsgrundlage identifizieren, rekonstruieren die Befragten eine habitualisierte Aneignung wissenschaftlichen Wissens als identitätsprägendes Bildungsereignis. Ausgelöst wird diese Aneignung durch Lehrende, die wissenschaftliches Wissen authentisch verkörpern – im Sinne eines integrierten Zusammenhangs von normativen Orientierungen, fachlichen Handlungskonzepten und persönlicher Performanz. Von den Studierenden werden nicht einzelne Wissensinhalte angeeignet, sondern deren inkorporierte Verbindung mit normativer Haltung und Handlungsorientierung werden zu einer sozialpädagogischen Professionsidentität. Diese Befunde werden kritisch diskutiert, insbesondere hinsichtlich der Risiken einer hochgradig personalisierten und damit strukturell zufälligen Aneignungsdynamik. Abschließend werden Konsequenzen für die Gestaltung sozialpädagogischer Hochschullehre formuliert. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit in Forschung – Praxis – Transfer“ in Ausgabe 4/26.
Das Forschungsprojekt „Professionalisierung der Wohnraumberatung in Brandenburg“ untersucht Arbeitsweisen und Strukturen der Wohnraumberatung, um deren Professionalisierung wissenschaftlich fundiert zu unterstützen. Es orientiert sich an einem ko-konstruktiven Verständnis von Wissenschaft-Praxis-Transfer, in dem Wissen gemeinsam mit Praxisakteur*innen erzeugt, reflektiert und weiterentwickelt wird. Dieses Transferverständnis konkretisiert sich in mehreren zentralen Transferbausteinen. Dazu zählt u. a. ein konzeptioneller Orientierungsrahmen zur Professionalisierung der Wohnraumberatung. Die Projekterfahrungen verdeutlichen, dass ko-konstruktiver Transfer erhebliche Potenziale für die Professionalisierung von Beratung bietet, zugleich jedoch anspruchsvoll bleibt. Unterschiedliche Erwartungen, institutionelle Rahmenbedingungen und Wissenslogiken von Wissenschaft und Praxis müssen kontinuierlich reflektiert und ausgehandelt werden. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Soziale Arbeit in Forschung – Praxis – Transfer“ in Ausgabe 4/26.
Der Artikel stellt die Entstehung und Entwicklung von Zeit für Solidarität/Dayanışma Zamanı e. V. (ZfS) dar und analysiert diese als Fallbeispiel dafür, wie in einer krisenbezogenen Situation mobilisierte Hilfsbereitschaft in eine dauerhafte zivilgesellschaftliche Struktur überführt werden kann. Ausgangspunkt der Vereinsentwicklung war die spontane Nothilfe im Anschluss an die Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar 2023. Die in diesem Kontext entstandenen Netzwerke, Kompetenzen und Formen solidarischer Unterstützung wurden nach der akuten Hilfsphase nicht aufgelöst, sondern in lokale Solidaritäts- und Begegnungsformate weiterentwickelt. Im Zentrum der Vereinstätigkeit stehen Formate, die praktische Hilfeleistung mit Begegnung, Teilhabe und lokaler Vernetzung verbinden. ZfS stärkt sowohl den Zusammenhalt innerhalb der aktiven Vereinsgruppe als auch verbindende Kontakte über Herkunfts‑, Milieu- und Organisationsgrenzen hinweg. Dabei wird migrantisch geprägtes Engagement nicht als Gegenstand von Hilfeleistung, sondern als aktive Mitgestaltung des Gemeinwesens sichtbar. Theoretisch wird die Vereinsentwicklung mit Konzepten des sozialen Kapitals, der Selbstbestimmungstheorie sowie der Begegnungsforschung in Beziehung gesetzt. Insgesamt zeigt der Artikel, dass krisenbezogenes Engagement langfristig zur Förderung gesellschaftlichen Zusammenhalts, lokaler Solidarität und demokratischer Teilhabe beitragen kann.
Der Beitrag diskutiert die Bedeutung von Freundschaften für die Bewältigung von Problemen der Lebensführung. Aufgezeigt wird, was Formen der nicht-professionellen Hilfe unter Freund_innen kennzeichnet sowie von professionellen Hilfen der Sozialen Arbeit unterscheidet. Darauf bezogen wird eine stärkere Berücksichtigung der Bedeutung informeller Sozialbeziehungen für die Lebensführung in Theorien der Sozialen Arbeit eingefordert. Akzentuiert wird auf dieser Grundlage, dass die Schaffung von Gelegenheitsstrukturen, die informelle Sozialbeziehungen fördern und stärken, eine relevante Perspektive für die Praxis der Sozialen Arbeit ist.