The aim of scientific thinking (Wissenschaftspropadeutik) is one of the three main goals of higher secondary school in Germany. Due to the absence of adequate instruments to measure Wissenschaftspropadeutik only few studies have attempted to examine whether the central aims of scientific thinking are achieved at the end of upper secondary school or what importance this might bear in relation to further personal and professional development. This article briefly introduces the theoretical concepts and existing models regarding Wissenschaftspropadeutik, extracts the interdisciplinary perspective and illuminate the critical and reflective stance towards science as central elements of the concept. Scientific reflection competence in regard to conflicting science claims is defined here as a core component of Wissenschaftspropadeutik. It is used as the starting point for the development of the Test for Evaluating Conflicting Science Claims (TEWI) for the National Education Panel (NEPS). In its empirical part, the article presents results regarding the development and piloting of the TEWI as well as a study inspecting the construct validity (N = 394). Results indicate that the TEWI is a reliable test with satisfactory scaling characteristics.
Co-operative examination formats are contents at school-leaving examinations. So far it is unexplained if the co-operative system stays in correlation with the achieved mark. The results of a conducted student survey (n=1,670), within the scope of a co-operative school-leaving examination to achieve the graduation "Mittlere Reife" [intermediate school-leaving certificate], indicates that co-operation and interest are significant for performance differences of the examination mark.
ZusammenfassungKooperative Prüfungsformate sind Bestandteile bei
Zusammenfassung. Der Förderung sozialer Kompetenzen wird in den Bildungsplänen ein hoher Stellenwert eingeräumt und in den letzten Jahren zunehmend auch in Prüfungsprozesse integriert. Ziel neu implementierter Abschlussprüfungen ist es, neben fachlich-inhaltlichen Kenntnissen auch soziale Kompetenzen in der Leistungsbeurteilung zu berücksichtigen. Prüfungen, die als projektartige Gruppenprüfungen konzipiert sind, verlangen eine kooperative Arbeitsweise der Lernenden, für die soziale Kompetenzen als wichtige Voraussetzung gelten. Bislang ist jedoch nicht empirisch geklärt, welchen Einfluss soziale Kompetenzen tatsächlich auf den Leistungserfolg in diesen kooperativen Prüfungsarrangements aufweisen. Die vorliegende Studie setzt an diesem Forschungsdefizit an und untersucht am Beispiel der Fächerübergreifenden Kompetenzprüfung an Realschulen in Baden-Württemberg, inwieweit soziale Kompetenzen die Prüfungsleistung beeinflussen. Zudem wurde in einem quasi-experimentellen Interventions- und Kontrollgruppendesign verglichen, ob sich die sozialen Kompetenzen der Lernenden anhand gezielter Trainingseinheiten zum kooperativen Arbeiten steigern lassen und sich Effekte auf die Prüfungsleistung zeigen. Als Ergebnis der Studie ergab sich ein substanzieller Effekt für situationsspezifische soziale Kompetenzen auf die Leistung. Signifikante Veränderungen der sozialen Kompetenzen konnten jedoch nach Durchführung der Intervention nicht nachgewiesen werden.
In Baden-Württemberg gibt es einen deutschlandweit einzigartigen Weg zur allgemeinen Hochschulreife, der eine berufliche Spezialisierung ab der achten Klassenstufe beinhaltet. Dieser Weg wird von beruflichen Gymnasien der sechsjährigen Aufbauform (6BG) für leistungsstarke Schülerinnen und Schülern (SuS) von Real‑, Haupt- und Werkrealschulen angeboten. Das 6BG kann aber auch von SuS besucht werden, die bis zur siebten Klassenstufe ein allgemeinbildendes Gymnasium besuchten und einen stärker ihren eigenen Interessen entsprechenden Weg zum Abitur bevorzugen. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwiefern technische Gymnasien und Wirtschaftsgymnasien der sechsjährigen Aufbauform interessegeleitet gewählt werden (berufliche Interessen nach Holland 1997) und inwiefern sich fachspezifische Wertüberzeugungen in Mathematik, Physik, Deutsch und Englisch zwischen SuS an 6BG von SuS an allgemeinbildenden Gymnasien unterscheiden (Selektionseffekte). In einem zweiten Schritt wurde untersucht, ob sich bis zum Ende der achten Klassenstufe Interessen und Wertüberzeugungen unterschiedlich entwickeln, je nachdem welcher Gymnasialtyp gewählt wurde (Sozialisationseffekte). Befragt wurden SuS an je drei allgemeinbildenden Gymnasien, technischen Gymnasien und Wirtschaftsgymnasien (N = 443) im Schuljahr 2013/14. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass technische Gymnasien interessegeleitet gewählt werden und es ihnen gelingt, technisches Interesse während der achten Klassenstufe zu fördern. Bei Wirtschaftsgymnasien konnten dagegen für die berücksichtigten Variablen keine prononcierten Selektions- oder Sozialisationseffekte gefunden werden.
Die Konsequenzen der Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) werden in Politik und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert, u. a. weil es lange an belastbaren empirischen Daten mangelte. Der vorliegende Beitrag untersucht die Frage, ob sich Abiturientinnen und Abiturienten aus G8- und G9-Jahrgängen in Baden-Württemberg im Hinblick auf verschiedene Kompetenzbereiche sowie in ihren Selbstberichten zu ihrer schulischen Beanspruchung, ihren gesundheitlichen Beschwerden und in ihrem Freizeitverhalten unterschieden. Die Analysen beruhen auf Daten von vier Kohorten der Zusatzstudie Baden-Württemberg des Nationalen Bildungspanels: der letzte reine G9-Jahrgang (N = 1341), der G9-Doppeljahrgang (N = 1284), der G8-Doppeljahrgang (N = 1293) und der erste reine G8-Jahrgang (N = 1292). Im Hinblick auf die fachspezifischen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern zeigten sich zwischen G8- und G9-Jahrgängen in den Bereichen Mathematik und Physik keine Unterschiede, in Biologie geringfügige und in der Englisch-Lesekompetenz substanzielle Unterschiede zugunsten der Schülerinnen und Schüler aus G9-Jahrgängen. Bei der schulischen Beanspruchung und den gesundheitlichen Beschwerden fanden sich in G8-Jahrgängen substanziell höhere Werte. Im Hinblick auf das Freizeitverhalten fanden sich uneinheitliche Ergebnisse. Fragen nach Ursachen der Reformeffekte sowie Implikationen der Befunde für die Schulpolitik werden abschließend diskutiert.
Das duale Studium hat in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren. Neben Berufsakademien und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) bieten vor allem Hochschulen für angewandte Wissenschaften (ehemals Fachhochschulen) verstärkt das praxisorientierte Studium im Verbund mit einer Firma an. Um zu erfahren, wer ein duales Studium beginnt, widmet sich die Studie der Frage, wie sich Anfänger in dualen Studiengängen von Anfängern in konventionellen Studiengängen in Bezug auf Hochschulzugangsnote, Selbstkonzepte und Schlüsselkompetenzen unterscheiden. Verglichen wurden N = 1612 Studienanfänger an 17 staatlichen bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Innerhalb des dualen Studiums erfolgte eine Differenzierung zwischen zwei dualen Studienformen, die in Bayern angeboten werden: dem ausbildungsintegrierenden „Verbundstudium“ und dem praxisintegrierenden „Studium mit vertiefter Praxis“. Anfänger in dualen Studiengängen zeichneten sich durch eine bessere Hochschulzugangsnote aus, waren von ihren kognitiven Fähigkeiten überzeugter und beschrieben sich als lernbereiter und selbständiger als reguläre Studienanfänger.
The present study seeks to address the mixed results in the literature regarding the job tenure – job performance relationship. Based on human capital theory and conservation of resources theory, we argue that general mental ability (GMA) will positively influence job tenure when job stress is low. High job stress will diminish employees’ knowledge retrieval, thus, hampering the positive effects of GMA. Consequently, we hypothesize that job tenure will have a positive relationship when both GMA is high and job stress is low. We constructively replicate our design across two studies, testing whether the combination of high GMA and low job stress strengthens the positive relationship between tenure and performance. In both a sample of firefighters and a sample of persons employed in social and conventional jobs, our results confirmed our hypothesis that the combination of high GMA and low job stress augmented the effects of job tenure on work performance. Implications, limitations, and directions for future studies are discussed.
RdJB Recht der Jugend und des Bildungswesens , Seite 257 - 270
Bildungsstandards stellen Kernelemente der Neuen Steuerung dar, mit denen Veränderungen auf der operativen Ebene der Schule und des Unterrichts intendiert sind. Bislang jedoch liegen erst in Ansätzen Forschungsergebnisse zu der entscheidenden Frage vor, ob mit den postulierten Innovationshoffnungen auch tatsächliche Effekte einhergehen. Der Beitrag referiert die Befunde einer Lehrerbefragung aus Baden-Württemberg zu zwei Zeitpunkten – ein Jahr und fünf Jahre nach Einführung der Bildungsstandards (2005, n t1 = 914; 2009, n t2 = 734). Es zeigen sich moderate Veränderungen im Unterricht und in der Leistungsbeurteilung aus Lehrersicht.
The university sector in Germany is becoming increasingly complex. For instance, universities of applied sciences and Cooperative State Universities have been founded with a much stronger focus on applied competencies than traditional universities. To this date, there has been little research whether - and, if so, to what extent - attending different types of universities is related to early career success. In this study, it was investigated whether young professionals in the areas of economic sciences and technology who attended different types of universities (Cooperative State University DHBW, universities of applied sciences, and traditional universities) differed at an early stage of their professional career with regard to (a) the quality of their job characteristics, (b) their job- and life satisfaction, (c) their commitment concerning their organization and career, respectively, (d) their job performance, and (e) indicators of objective career success. Using data of 604 self - as well as colleague - and supervisor ratings, the results indicated that the type of university attended was unrelated to early career success.
Im tertiären Ausbildungsbereich gibt es verschiedene Hochschultypen, die sich hinsichtlich wichtiger Aspekte wie z. B. der Bedeutung, fachlich-praktische Kompetenzen zu vermitteln, unterscheiden. Bislang liegen jedoch kaum Erkenntnisse dazu vor, ob und – falls ja – wie stark der Besuch unterschiedlicher Hochschultypen den Berufserfolg beeinflusst. In der hier vorgestellten Studie wurde explorativ untersucht, inwieweit sich Absolventen, insbesondere der Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und Technik, von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Fachhochschulen sowie Universitäten am Anfang ihres Berufslebens in Hinblick auf (a) die Güte ihrer Arbeitsplatzmerkmale, (b) ihre Arbeits- und Lebenszufriedenheit, (c) ihre Verbundenheit gegenüber der Organisation bzw. der eigenen Karriere, (d) ihre berufliche Leistung sowie (e) Indikatoren des objektiven Berufserfolges voneinander unterscheiden. Bei einer Stichprobe mit 604 Selbst- sowie Kollegen- und Vorgesetzteneinschätzungen fanden sich, unterstützt durch Bayesianische Tests, keine Hinweise darauf, dass die Art des besuchten Hochschultyps Auswirkungen auf den frühen Berufserfolg hat.