
Zusammenfassung: Selbstgesteuertes Lernen stellt eine Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Bildungsprozesse dar. Schon in der Primarstufe wird selbstgesteuertes Lernen und die Anwendung von Lernstrategien durch die Instruktion und Übung von Lerntechniken gefördert. Beim Lernen aus Texten sollen Schülerinnen und Schüler beispielsweise anhand von Leitfragen die wichtigsten Sätze unterstreichen oder zentrale Begriffe in ein Diagramm oder eine Tabelle eintragen. Die Techniken sollen die Anwendung von Elaborations- und Organisationsstrategien nahelegen und dadurch Lernprozesse anregen. In einer experimentellen Studie mit 186 Kindern der 4. Klasse wurde untersucht, ob die Instruktion zur Anwendung der beiden Lerntechniken Unterstreichen und Ausfüllen eines Strukturdiagramms bei der Bearbeitung eines Sachtextes korrekt umgesetzt werden können und ob sie sich auf das Behalten und Verstehen der Lerninhalte auswirken. Es zeigt sich, dass die Instruktion zwar zu einer häufigeren Anwendung der Lerntechniken führt, dies aber nicht mit einer besseren Lernleistung verbunden ist. Der zentrale Faktor für Lerneffekte scheint der selbstgesteuerte Einsatz von Lernstrategien zu sein, was zu etwa gleichen Anteilen auch in der Kontrollgruppe ohne Instruktion zu beobachten ist. Die angeleitete Anwendung einer Lerntechnik (Sätze unterstreichen, Begriffe eintragen) scheint einen Teil der Verarbeitungsressourcen der Kinder zu beanspruchen, sodass er nicht für die elaborative Verarbeitung der Inhalte zur Verfügung steht.
Zusammenfassung: Studentisches Engagement (SE) rückt im Hochschulkontext im anglo-amerikanischen Bildungsraum seit den 1990ern verstärkt in den Fokus der Forschung. SE wird als multidimensionales Konstrukt operationalisiert, das emotionale, kognitive und behaviorale Komponenten umfasst. Derzeit präsentiert sich das Forschungsfeld als unübersichtlich und hinsichtlich der Forschungsperspektiven fragmentiert. Systematische Überblicksarbeiten im deutschen Sprachraum fehlen. Das vorliegende Scoping Review analysiert, systematisiert und strukturiert internationale Publikationen. Mit den Keywords „Student Engagement“ und „Higher Education“ wurde eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken EBSCO, Fachportal Pädagogik, ERIC und PSYNDEX durchgeführt, wobei der Zeitraum auf die Jahre ab 2010 bis 2023 eingegrenzt wurde. In das PRISMA-Ablaufschema wurden Fachartikel mit Peer-Review einbezogen, die im Volltext verfügbar sind. 64 Artikel erfüllten die Einschlusskriterien. Die Anzahl der Publikationen je Forschungsperspektive, die methodologischen Zugänge und die regionale Verortung der Publikationen wurden quantitativ ausgewertet. Für die inhaltliche Analyse wurde eine thematische Concept Map von Zepke (2021) als Kodierraster verwendet mit einer Differenzierung in psychologische, psychosoziale, soziokulturelle, sozioökologische und gesellschaftspolitische Perspektiven. In einem weiteren Schritt wurden die Artikel je Kategorie zusammenfassend inhaltsanalytisch ausgewertet. Der Großteil der Forschungsarbeiten (29 Artikel) bezieht sich auf die psychologische Perspektive. 11 Artikel beforschen SE aus einer psychosozialen Perspektive, die institutionelle Strukturen in den Fokus nimmt. Seltener gibt es Bezugnahmen zu einer sozioökologischen und gesellschaftspolitischen Perspektive (jeweils sechs Artikel). Der soziokulturellen Perspektive wurden drei Artikel zugeordnet. Induktiv ergänzt wurde die Kategorie Metaperspektive & Reviews (neun Artikel). Im Beitrag werden diese unterschiedlichen Forschungsperspektiven eingehend diskutiert und kritisch reflektiert. Es zeigt sich, dass die Forschungslandschaft heterogen ist und dass keine einheitliche Konzeptualisierung des Konstrukts SE verwendet wird. Die Forschungsergebnisse werden im Hinblick auf Implikationen für Forschung, Hochschulmanagement und Lehre diskutiert.
Zusammenfassung: Internationale Vergleichsstudien zeigen eine Verschlechterung der Lesekompetenzen bei Grundschulkindern in Deutschland. Ein zentraler Teilaspekt dieser Kompetenz ist die Wortlesegeschwindigkeit. Gleichzeitig wird eine zunehmende Leistungsdivergenz zwischen besonders leistungsstarken und leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern beobachtet. Die vorliegende Längsschnittstudie untersucht die Entwicklung der Lesegeschwindigkeit über einen Zeitraum von drei Jahren – beginnend mit dem Ende der ersten Klasse. Die Stichprobe umfasst N = 486 Kinder, die zu vier Messzeitpunkten beginnend mit dem Schuljahr 2011/2012, erfasst wurden. Zur differenzierten Betrachtung wurden die Kinder in Subgruppen eingeteilt, wobei sowohl das Leseausgangsniveau als auch das Vorliegen einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS) berücksichtigt wurden. Zur Beantwortung der Forschungsfragen kamen deskriptive Analysen sowie Wachstumskurvenmodelle zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wortlesegeschwindigkeit in allen Subgruppen über die Zeit hinweg zunimmt, wobei die stärksten Zuwächse in den frühen Grundschuljahren auftreten. Es zeigen sich signifikante Unterschiede sowohl im Leistungsniveau als auch im Entwicklungsverlauf der Subgruppen. Zudem wurden Wechsel der Kinder zwischen den Leistungsgruppen berechnet und die erwartete Entwicklung der Wortlesegeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Jahrgangsstufe und der Ausgangsleistung abgeleitet. Auffällig ist zudem ein substanzieller Rückgang des Anteils (weit) unterdurchschnittlich lesender Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit. Die Befunde werden im Kontext eines effektiven Transfers zwischen Bildungsforschung und schulischer Praxis diskutiert. Insbesondere wird die Bedeutung einer frühzeitigen Lernverlaufsdiagnostik sowie der Einsatz evidenzbasierter Fördermaßnahmen betont.
Zusammenfassung: Das häusliche Lernumfeld als erste und wichtigste Lernumgebung für Kinder hat einen erheblichen Einfluss auf die kindliche Entwicklung. Insbesondere die Qualität der Eltern-Kind-Interaktionen spielt hierbei eine entscheidende Rolle, da sie den Kindern alltägliche Lernmöglichkeiten bieten. Das Family Stress Model ( Masarik & Conger, 2017 ) geht davon aus, dass Stressoren zu elterlichen Belastungen führen können, die sich negativ auf die Eltern-Kind-Interaktionen auswirken. Zudem wird angenommen, dass Schutzfaktoren solche negativen Zusammenhänge abschwächen können. Die vorliegende Studie ( N = 126 Eltern-Kind-Dyaden) untersucht die Zusammenhänge zwischen elterlichem Stressempfinden und der Qualität der Eltern-Kind-Interaktionen unter Berücksichtigung der elterlichen Empathiefähigkeit als potenziellem Schutzfaktor. Elterliches Stressempfinden wies keine signifikanten Zusammenhänge mit der Interaktionsqualität auf. In einem Gruppenvergleich zeigte sich ein exponentiell negativer Zusammenhang zwischen Stressempfinden und Interaktionsqualität bei Eltern mit geringerer Empathiefähigkeit. In der Gruppe der Eltern mit höher ausgeprägter Empathiefähigkeit zeigte sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang. Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass elterliches Stressempfinden nicht zwangsläufig zu einer Reduktion der Interaktionsqualität führt, sondern das Ausmaß des Stressempfindens sowie das Vorhandensein von Schutzfaktoren von Bedeutung sind.
International comparative studies indicate a decline in reading competence among primary school children in Germany. Word reading fluency represents a central subcomponent of this competence. At the same time, there is a growing divergence in performance levels between high-achieving and low-achieving students. The present longitudinal study examines the development of reading fluency over a period of three years, beginning at the end of first grade. The sample comprises N = 486 children who were assessed at four measurement points beginning in the school year 2011/2012. For a more differentiated analysis, the children were assigned into subgroups. Both initial reading levels and the presence of a diagnosed reading and spelling disorder (RSD) were taken into account. To address the research questions, descriptive analyses and growth curve modeling were conducted. The results show that word reading fluency increased over time in all subgroups, with the most substantial gains occurring during the early years of primary school. Significant differences were found in both performance levels and developmental trajectories across subgroups. Notably, the proportion of (well) below-average readers decreased substantially by the end of primary school. The findings are discussed in the context of an effective transfer between educational research and classroom practice. Particular emphasis is placed on the importance of early learning progress diagnostics and the implementation of evidence-based support measures.
Since the 1990s, the concept of student engagement (SE) in the higher education context has been increasingly researched in Anglo-American educational discourse. SE is operationalised as a multidimensional construct that encompasses emotional, cognitive, and behavioural components. At present, the field of research is confusing and fragmented in terms of research perspectives. There is a lack of systematic overviews in the German-speaking world. This scoping review analyses, systematises and structures international publications. A systematic literature search was conducted using the keywords 'student engagement' and 'higher education' in the EBSCO, Fachportal P & auml;dagogik, ERIC and PSYNDEX databases. Publications with a peer review were researched for the period since 2010 to 2023. Based on the PRISMA process, 64 scientific articles with fulltext available were included in this review. A quantitative analysis was conducted on the number of publications per research perspective, research design, and their regional location. For the qualitative content analysis, the thematic concept map by Zepke (2021) was used as a coding grid, differentiating psychological, psycho-social, socio-cultural, socio-ecological and socio-political perspectives. Subsequently, the articles were summarized using qualitative content analysis. The majority of the research papers (29 articles) relate to the psychological perspective. Eleven articles explore a psycho-social research perspective focusing on institutional structures. There are fewer references to a socio-ecological and socio-political perspective (six articles each). Three articles are assigned to the socio-cultural perspective. The category meta-perspective & reviews (nine articles) is inductively supplemented. The scoping review discusses these different research perspectives in detail and critically reflects on them. It shows that the research landscape is heterogeneous and that no uniform conceptualisation of the SE construct is used. The research findings are discussed with reference to implications for research, academic management and teaching in higher education.
The family is the primary educational environment for children, with the home learning environment having a significant influence on children's development. The quality of parent-child interactions plays a crucial role in children's development as it provides children with everyday learning opportunities. The Family Stress Model (Masarik & Conger, 2017) assumes that stressors can lead to parental stress, which has a negative impact on parent-child interactions. It is also assumes that protective factors, such as empathy, mitigate this negative relation. The present study (N = 126 parent-child dyads) therefore investigated the effect of parental stress on the parent-child interaction quality in dialogic reading situations, taking into account parental empathy as possible protective factor. No significant relation was found between the parents' perception of stress and the interaction quality. Further analyses showed an exponentially negative relation between parental stress and interaction quality among parents with lower empathy scores. In contrast, among parents with higher empathy scores, there was no significant relation between parental stress and interaction quality. The study results indicate that parental stress does not necessarily lead to a reduction in the quality of interaction. Rather, the extent of stress and the presence of protective factors are of significance.
Zusammenfassung: Der Forschungsstand zur Beurteilung von Schulkindern durch Lehrkräfte zeigt seit Langem sowohl stabile Geschlechterdisparitäten zugunsten der Mädchen beim eingeschätzten Arbeits- und Sozialverhalten als auch bei den meisten Fachnoten. In Deutschland sind Einschätzungen des Arbeits- und Sozialverhaltens (im Sinne sogenannter Kopfnoten) in allen Grundschulzeugnissen ein wesentlicher Bestandteil der schulischen Beurteilungspraxis. In diesem Beitrag wird der Zusammenhang des von der Lehrkraft eingeschätzten Arbeits- und Sozialverhaltens mit den Fachnoten in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik in der Primarstufe untersucht. Für die Analysen wurden Daten der vierten Jahrgangstufe aus den Schulleistungsstudien TIMSS 2015 ( n = 3607 Schülerinnen und Schüler) sowie IGLU 2016 ( n = 3479 Schülerinnen und Schüler) verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass das Arbeits- und das Sozialverhalten der Jungen weniger positiv eingeschätzt wurde als das der Mädchen. Lehrkräfte schienen fachunabhängig das Arbeitsverhalten, nicht aber zusätzlich das Sozialverhalten, in die Benotung der Fachleistung einzubeziehen. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass der Geschlechtereffekt auf die Noten nach Kontrolle der Testleistungen im Fach Mathematik teilweise und im Fach Deutsch vollständig durch das eingeschätzte Arbeits- und Sozialverhalten mediiert wurde.
Abstract: Most meta-analyses of reading comprehension interventions are based on approaches in the English language. Since German differs from English regarding orthographic depth, effects might deviate when focusing on this language. The current meta-analysis scrutinizes the impact of reading comprehension interventions within the German language. Drawing from 45 intervention-control samples ( N = 6,402), and analyzing 88 effect sizes via nested, multivariate random effects models, the study aimed to substantiate the hypothesis that these interventions significantly enhance reading comprehension. Each intervention-control sample either consisted of primary or secondary as well as post-secondary students. We explored the roles of method (direct vs. cooperative vs. computer assisted), intervention type, and age group as moderators. We identified significant effects on immediate post-test ( d = 0.37), follow-up ( d = 0.31), and long-term ( d = 0.28) results. Method emerged as the sole significant moderator, with notable heterogeneity in most analyses except in the long-term effects. These outcomes affirm the efficacy of the interventions in bolstering reading comprehension, albeit, to a lesser extent than previously reported. Additionally, results point to potential publication biases in the published studies.
: A steady rise in global migration has led to a growing share of immigrant-origin children in schools, who face manifold challenges. Primary schools are a key environment for students' development and adaptation, and normative developmental, psychological adjustment, and acculturative tasks shaping their adaptation are reflected in different measures of school success. Additionally, students' families can support their development, but the specific mechanisms may vary between first-, second-generation, and non-immigrant students. Thus, there is a need to investigate adaptation processes of first- and second-generation immigrant students separately and in comparison to their non-immigrant peers. For a comprehensive view, we investigated several central measures of school success (reading competence, grade point average, track recommendation, life satisfaction), as well as the role of the family, including structure variables (majority language use, socio-economic status), educational beliefs (educational aspirations), and processes (parent-child reading). Based on N = 271 German fourth-graders (Mage = 10.47 years, SD = 0.55; n = 102 first-generation, n = 68 second-generation, n = 101 non-immigrants), we found disadvantages regarding first-generation students' reading competence, grades, and likelihood of receiving a high track recommendation compared to second-generation and/or non-immigrant students. No significant differences emerged between second-generation and non-immigrant students. Multigroup analyses revealed that educational aspirations were positively associated with grades and parent-child reading with higher life satisfaction in general. Further, life satisfaction was positively linked to educational aspirations in first-generation immigrant students only, and to socioeconomic status among second-generation immigrant students. The results highlight families as a source of valuable resources to protect students against educational disadvantages, but specific mechanisms may differ depending on students' immigrant status. This is especially important for first-generation immigrant students, who showed significant educational discrepancies compared to second-generation and non-immigrant students. Zusammenfassung: Der stetige Anstieg globaler Migration f & uuml;hrt zu einem wachsenden Anteil an Lernenden mit Migrationsgeschichte in Schulen, die vielseitige Herausforderungen erleben. Schulen sind eine wichtige Umgebung f & uuml;r ihre Entwicklung und Adaption: Normative Entwicklungsaufgaben, psychologische Anpassung sowie akkulturative Aufgaben, die die Adaption ma ss geblich formen, werden in verschiedenen Ma ss en des Schulerfolgs widergespiegelt. Die Familie der Lernenden kann ihre Entwicklung unterst & uuml;tzen, wobei spezifische Wirkmechanismen sich nach Migrationsstatus der Lernenden unterscheiden k & ouml;nnen. Adaptionsprozesse von Lernenden der ersten und zweiten Migrationsgeneration sollten daher separat untersucht und im Vergleich mit Lernenden ohne Migrationsgeschichte betrachtet werden. F & uuml;r einen umfassenden Einblick wurden verschiedene Schulerfolgsma ss e (Lesekompetenz, Notenschnitt, & Uuml;bergangsempfehlung, Lebenszufriedenheit) sowie die Rolle der Familie, spezifisch famili & auml;re Strukturvariablen (Sprachgebrauch, sozio & ouml;konomischer Status), bildungsbezogene & Uuml;berzeugungen (Bildungsaspirationen) und Prozessvariablen (Eltern-Kind-Lesen), ber & uuml;cksichtigt. Anhand von N = 271 Lernenden vierter Klassen in Deutschland (MAlter = 10,47 Jahre, SD = 0,55; n = 102 erste Generation, n = 68 zweite Generation, n = 101 ohne Migrationsgeschichte) zeigte sich, dass Lernende der ersten Generation in Bezug auf Lesekompetenz, Notenschnitt und die & Uuml;bergangsempfehlung f & uuml;r das Gymnasium gegen & uuml;ber Lernenden der zweiten Generation und/oder ohne Migrationsgeschichte benachteiligt waren. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen Lernenden der zweiten Generation und Lernenden ohne Migrationsgeschichte festgestellt werden. Mehrgruppenvergleiche zeigten, dass hohe Bildungsaspirationen generell positiv mit Notenschnitt und Eltern-Kind-Lesen positiv mit Lebenszufriedenheit zusammenhingen. Ferner wurde Lebenszufriedenheit nur bei Lernenden der ersten Generation positiv durch Bildungsaspirationen vorhergesagt und nur bei Lernenden der zweiten Generation durch sozio & ouml;konomischen Status. Die Ergebnisse heben die wichtige Rolle famili & auml;rer Ressourcen hervor, um Lernende vor Bildungsbenachteiligung zu sch & uuml;tzen, wobei sich die spezifischen Mechanismen zwischen Lernenden je nach Migrationsstatus unterscheiden k & ouml;nnen. Die Befunde haben besondere Relevanz f & uuml;r Lernende der ersten Generation, die im Hinblick auf verschiedene Schulerfolgsindikatoren im Vergleich zu Lernenden der zweiten Generation und ohne Migrationsgeschichte benachteiligt waren.
: There is a widespread perception, particularly among teachers, that school-related learning motivation declines from one generation of students to the next. The present study followed up on earlier work that found negative trends in students' goal orientations between 2002 and 2012. To investigate whether the unfavorable cohort trends of students' goal orientations have continued over the past decade, we compared the second and third standardization samples of the Scales for the Assessment of Learning and Achievement Motivation (SELLMO; Spinath et al., 2002; 2012) (2012: N = 3,348, 2023: N = 1,510). While no differences were found regarding performance-avoidance goals, students in the 2023 sample exhibited a lower learning goal orientation, lower performance-approach goals, and higher work avoidance compared to the 2012 sample. Negative trends in goal orientations were mainly evident among secondary school students. These findings indicate a continuing negative trend in students' school-related goal orientations over more than two decades. Implications of the current findings for future research and practice are discussed. Zusammenfassung: Insbesondere unter Lehrkr & auml;ften ist die Auffassung weit verbreitet, dass die schulbezogene Motivation von einer Generation von Sch & uuml;lerinnen und Sch & uuml;lern zur n & auml;chsten abnimmt. Die vorliegende Studie kn & uuml;pft an fr & uuml;here Arbeiten an, die negative Trends in den Zielorientierungen von Sch & uuml;lerinnen und Sch & uuml;lern zwischen 2002 und 2012 aufzeigten. Um zu untersuchen, ob sich die ung & uuml;nstige Entwicklung der Zielorientierungen im vergangenen Jahrzehnt fortgesetzt hat, wurden die Daten der zweiten und dritten Eichstichprobe der Skalen zur Erfassung der Lern- und Leistungsmotivation (SELLMO; Spinath et al., 2002; 2012) verglichen (2012: N = 3348, 2023: N = 1510). W & auml;hrend sich & uuml;ber die Zeitspanne keine Unterschiede bez & uuml;glich der Vermeidungs-Leistungsziele zeigten, wiesen die Sch & uuml;lerinnen und Sch & uuml;ler im Jahr 2023 eine geringere Lernzielorientierung, geringere Ann & auml;herungs-Leistungsziele und eine h & ouml;here Tendenz zur Arbeitsvermeidung auf als noch 2012. Ung & uuml;nstige motivationale Trends waren insbesondere bei Sch & uuml;lerinnen und Sch & uuml;lern der Sekundarstufe ausgepr & auml;gt. Diese Befunde deuten auf einen anhaltenden negativen Trend in der schulbezogenen Motivation von Sch & uuml;lerinnen und Sch & uuml;lern & uuml;ber mehr als zwei Jahrzehnte hin, der sich noch verst & auml;rkt zu haben scheint. Implikationen der Befunde f & uuml;r die Praxis und weiterf & uuml;hrende Forschung werden diskutiert.
Research on teachers' assessment of school children has shown stable gender disparities in favor of girls regarding their work habits and social behavior as well as in most subject grades. In Germany, assessments of work and social behavior (in the form of so-called head grades) are essential to school assessment practice in all primary school report cards. This study examines the relationship between teacher-perceived work habits and social behavior and the corresponding teacher-assigned grades in German and mathematics in elementary school. Analyses are based on data from the two school assessment studies, TIMSS 2015 (n = 3607 students) and IGLU 2016 (n = 3479 students) in fourth grade. The results show that teachers rated boys' work habits and especially their social behavior less positively than that of girls in both data sets. Teachers seemed to include ratings of students' work habits in both subjects, but not incrementally social behavior in the grading subject performance. After controlling for performance on standardized tests, we found that gender differences in school grades were partially mediated by the teacher-perceived work habits and social behavior in mathematics and fully mediated in German.
Do female students prepare less efficiently for exams than male students? According to the prevailing gender stereotype, girls are hardworking, conscientious, and striving in school. This study tests the assumption that female students spend more of their study time using ineffective study techniques compared to male students. In addition, we examine whether a feminine gender role self-concept explains the use of ineffective learning techniques beyond biological sex. To this aim, N = 922 students were surveyed online about their exam preparation and attitudes toward various learning techniques. In addition, their exam performance and gender role self-concept were surveyed. As expected, increased use of learning techniques commonly considered as ineffective was associated with poorer exam performance. Although female students rated effective learning activities as more useful, they used ineffective learning techniques more often and longer than male students. Feminine gender role self-concept had predictive power over and above biological sex and perceived usefulness of the learning techniques with respect to learning behavior. In conclusion, female students spent a higher proportion of their time using ineffective learning techniques during exam preparation than male students, against their better judgment. One explanation for this could be the identification with feminine gender stereotypes and corresponding expectations in the school context.
Teacher assistance is a method to support autistic students. However, little is known about which qualification teacher assistants of autistic students possess, how their professional development looks like, under which conditions they work and in which areas they provide support. It is also unclear how much teacher assistants know about evidence-based practices, how often they implement them and what their attitude towards these practices is. To answer these questions, we conducted a study with N = 329 teacher assistants of autistic students. The results revealed large differences in their professional qualification and a lack of systematic preparation. Most teacher assistants worked at primary and special needs schools and provided behavioral, learning and social-emotional support. Although teacher assistants had a fairly positive attitude towards evidence-based practices, their knowledge of evidence-based practices was not overwhelmingly high and they applied evidence-based practices rather infrequently. The results suggest that standards for the professional qualification of teacher assistants of autistic students with a focus on evidence-based practices are needed. In addition, the fact that teacher assistants often provided instruction indicates that they might engage in roles for which they are not prepared. For this reason, new forms of cooperation for decision-making practices in planning the learning opportunities for autistic students in schools should be developed.
Most meta-analyses of reading comprehension interventions are based on approaches in the English language. Since German differs from English regarding orthographic depth, effects might deviate when focusing on this language. The current meta-analysis scrutinizes the impact of reading comprehension interventions within the German language. Drawing from 45 intervention-control samples (N = 6,402), and analyzing 88 effect sizes via nested, multivariate random effects models, the study aimed to substantiate the hypothesis that these interventions significantly enhance reading comprehension. Each intervention-control sample either consisted of primary or secondary as well as post-secondary students. We explored the roles of method (direct vs. cooperative vs. computer assisted), intervention type, and age group as moderators. We identified significant effects on immediate post-test (d = 0.37), follow-up (d = 0.31), and long-term (d = 0.28) results. Method emerged as the sole significant moderator, with notable heterogeneity in most analyses except in the long-term effects. These outcomes affirm the efficacy of the interventions in bolstering reading comprehension, albeit, to a lesser extent than previously reported. Additionally, results point to potential publication biases in the published studies.
Zusammenfassung: Bereiten sich Schülerinnen ineffizienter auf Klausuren vor als Schüler? Dem vorherrschenden Geschlechtsstereotyp zufolge sind Mädchen fleißig, gewissenhaft und strebsam. In der vorliegenden Studie wird die Annahme geprüft, dass Schülerinnen ihre Lernzeit im Vergleich zu Schülern häufiger mit der Anwendung ineffektiver Lerntechniken verbringen. Zudem wird untersucht, ob über das biologische Geschlecht hinaus ein feminines Geschlechtsrollen-Selbstkonzept die Nutzung ineffektiver Lerntechniken erklärt. Zu diesem Zweck wurden N = 922 Schülerinnen und Schüler online zu ihrer Klausurvorbereitung und ihrer Einstellung zu verschiedenen Lerntechniken befragt. Zudem wurden ihre Klausurleistungen und das Geschlechtsrollen-Selbstkonzept erhoben. Wie erwartet ging die vermehrte Anwendung von als ineffektiv geltenden Lerntechniken mit schlechteren Klausurleistungen einher. Obwohl Schülerinnen effektive Lernaktivitäten als sinnvoller einstuften, verwendeten sie zur Klausurvorbereitung mehr ineffektive als effektive Lerntechniken und nutzten diese mehr als Schüler. Das feminine Geschlechtsrollen-Selbstkonzept hatte über das biologische Geschlecht und die wahrgenommene Sinnhaftigkeit der Lerntechniken hinaus Vorhersagekraft bezüglich des Lernverhaltens. Als Schlussfolgerung lässt sich festhalten, dass Schülerinnen während der Klausurvorbereitung wider besseres Wissen einen höheren Anteil ihrer Zeit mit der Anwendung ineffektiver Lerntechniken verbringen als Schüler. Eine Erklärung hierfür könnte die Identifikation mit femininen Geschlechtsstereotypen und den damit verbundenen Erwartungen im schulischen Kontext sein.
Zusammenfassung: Schulbegleitung ist eine Maßnahme zur Unterstützung autistischer Kinder und Jugendlicher. Jedoch ist wenig darüber bekannt, welche Ausbildung Schulbegleitungen bei Autismus aufweisen, wie sie sich für ihre Tätigkeit qualifizieren, unter welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten und in welchen Bereichen sie Unterstützung anbieten. Auch ist unklar, welche Kenntnisse Schulbegleitungen über evidenzbasierte Fördermaßnahmen besitzen, wie häufig sie evidenzbasierte Fördermaßnahmen nutzen und welche Einstellung sie gegenüber einer evidenzbasierten Förderung haben. Um diese Fragen zu beantworten, führten wir eine Studie mit N = 329 Schulbegleitungen autistischer Schülerinnen und Schüler durch. Die Ergebnisse zeigten große Unterschiede in der beruflichen Qualifikation und einen häufig nicht systematischen Erwerb von Kompetenzen für die Tätigkeit als Schulbegleitung. Die meisten Schulbegleitungen waren an Grund- und Förderschulen tätig und unterstützten Handlungsabläufe, Lernen und sozial-emotionale Aspekte. Obwohl die Einstellung gegenüber einer evidenzbasierten Förderung unter den Schulbegleitungen positiv war, waren evidenzbasierte Fördermaßnahmen nicht übermäßig bekannt und wurden nicht oft eingesetzt. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Vereinheitlichung in der Qualifizierung für die Tätigkeit als Schulbegleitung bei Autismus unter besonderer Berücksichtigung einer evidenzbasierten Förderung wünschenswert ist. Dass Schulbegleitungen häufig das Lernen unterstützten, ist kritisch zu bewerten. Daher sollten auch neue Formen der gemeinsamen Planung von Lerngelegenheiten für autistische Schülerinnen und Schüler an Schulen entwickelt werden.
The aim of the present study is to examine if teachers’ professional beliefs accounted for differences in self-reported instructional quality in distance learning during the COVID-19 pandemic. N = 194 German mathematics teachers were surveyed during the pandemic in 2021 about their instructional quality (potential for cognitive activation, distance learning support, management of learning time). Teachers’ constructivist and self-efficacy beliefs were assessed in 2019, before the pandemic. Results of structural equation modeling indicate that the stronger teachers’ constructivist beliefs, the higher the potential for cognitive activation in distance learning. Self-efficacy beliefs predicted higher learning support and better management of learning time. These significant associations persisted when pandemic-specific resources (technological pedagogical knowledge, technical resources at school, collaborative teaching planning; all measured by teachers’ self-reports) were considered. Thus, the findings support the assumption that teachers’ professional beliefs are important for adapting to challenging and unfamiliar circumstances such as the COVID-19 pandemic, still ensuring high instructional quality.
Junior study programs are measures of gifted education in Germany that allow motivated and high-achieving secondary school students to attend regular university courses and to take exams while still in school. Previous studies that aimed to explain junior study success have primarily looked at performance-related predictors such as students' grade point average, intelligence, and subject-specific prior knowledge. In the present study, we investigated whether junior students' subject-specific study interest also plays a significant role in explaining junior study success. As part of the selection process for the junior study program at the University of W & uuml;rzburg, we collected the performance-related measures and demographic background information of 531 students who had participated in the program between 2006 and 2019; students' subject-specific study interest was assessed in their first semester. Junior study success was defined by indicators related to the course of junior studies (number of semesters, number of courses, number of acquired credits, and number of top grades) as well as retrospective criteria (perceived facilitation of subject choice and study entry in regular studies, shortened study duration, and retrospective satisfaction with the junior study program). The results showed that junior students' subject-specific study interest significantly predicted both the different criteria concerning the course of junior studies and most retrospective criteria and explained additional variance in the criterion variables beyond all other predictors (effect sizes between Delta R2 = .02, p < .05, and Delta R2 = .04, p < .01). Also, junior students' subject-specific prior knowledge was consistently relevant for predicting junior study success. The remaining performance-related measures (grade point average and intelligence) did not make consistent contributions. The findings of the present study can serve as a starting point for improving the selection of suitable candidates for junior study programs in Germany.
Zusammenfassung: Das Frühstudium ist eine Maßnahme der Begabtenförderung, die es motivierten und leistungsstarken Schülerinnen und Schülern erlaubt, bereits während ihrer Schulzeit reguläre Lehrveranstaltungen an Hochschulen zu besuchen und an Prüfungen teilzunehmen. Bisherige Studien zur Erklärung des Frühstudienerfolgs haben als Prädiktoren hauptsächlich Leistungsmaße wie den Notendurchschnitt, die Intelligenz und das fachspezifische Vorwissen der Schülerinnen und Schüler betrachtet. In der vorliegenden Studie gingen wir der Frage nach, ob das fachspezifische Studieninteresse ebenfalls einen signifikanten Beitrag zur Erklärung des Frühstudienerfolgs leistet. Im Rahmen des Auswahlverfahrens für das Frühstudium an der Universität Würzburg wurden die Leistungsmaße sowie der demografische Hintergrund von 531 Schülerinnen und Schülern erhoben, die im Zeitraum von 2006 bis 2019 an dem Förderprogramm teilgenommen hatten; das fachspezifische Studieninteresse der Schülerinnen und Schüler wurde im ersten Semester erfasst. Als Erfolg im Frühstudium betrachteten wir den Frühstudienverlauf (Teilnahmedauer, Teilnahmeumfang, Anzahl erworbener Leistungsnachweise und Anzahl erzielter Spitzenleistungen) sowie retrospektive Kriterien (wahrgenommene Erleichterung der Studienfachwahl und des Studieneinstiegs im Regelstudium, Studienzeitverkürzung sowie retrospektive Zufriedenheit mit dem Frühstudium). Die Ergebnisse zeigten, dass das fachspezifische Studieninteresse der Frühstudierenden sowohl die unterschiedlichen Kriterien des Frühstudienverlaufs als auch die meisten retrospektiven Kriterien signifikant vorhersagte und über alle anderen Prädiktoren hinaus zur Varianzaufklärung in den Kriterien beitrug (Effektstärken zwischen Δ R2 = .02, p < .05, und Δ R2 = .04, p < .01). Gleichzeitig war auch das fachspezifische Vorwissen der Frühstudierenden durchgehend zur Vorhersage des Frühstudienerfolgs relevant. Die übrigen Leistungsmaße (Notendurchschnitt und Intelligenz) leisteten keine konsistenten Beiträge. Die Befunde der vorliegenden Studie können als Ausgangspunkt dazu dienen, die Auswahl geeigneter Schülerinnen und Schüler für das Frühstudium zu verbessern.