ZusammenfassungIn ihrem „Lebensbild“ bemerkt Marianne Weber, dass die Formel von der „Entzauberung der Welt“ zu Max Webers erfolgreichsten Begriffsprägungen gehört, die „gar in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen“ ist. Indes bleibt diese Begriffsbildung im Vergleich zu den anderen zentralen Konzepten, wie etwa Rationalisierung oder Bürokratie, unterbestimmt. Sie wird von ihm vorwiegend in den „programmatischen“ Texten, in der „Zwischenbetrachtung“ oder in „Politik als Beruf“ benutzt.
ZusammenfassungDie Geschichte des Buddhismus wirft ein Rätsel auf. Die buddhistische ›Heterodoxie‹ war eine Reaktion auf die Schwächen des ›hinduistischen Sozialsystems‹. Den Kern dieses Systems bildete eine religiöse Legitimationslehre sozialer Beziehungen, die dem System eine große Stabilität verlieh.
ZusammenfassungUnter ›Gemeinschaften‹ versteht Weber zunächst soziale Beziehungen, also Komplexe von wechselseitig sinnhaft aufeinander eingestellten Handlungen mindestens zweier Akteure. Das Eingestelltsein ist sinnhaft, insofern es in symbolisch vermittelten Intentionen besteht (WuG, 3). Es ist wechselseitig, insofern es Bezug auf die Intentionen des jeweils anderen Akteurs nimmt.
Der zweite Band von Webers religionssoziologischen Aufsatzen steht im Schatten sowohl der prominenten Protestantismus- als auch der Judentumstudie. Eine mogliche Erklarung dieser benachteiligten Rezeptionsstellung liegt darin, dass die Hinduismus- und Buddhismusstudie scheinbar mit keinem den beiden anderen Untersuchungen vergleichbaren positiven Befund auftrumpfen kann. Wahrend Weber dem asketischen Protestantismus (s. Kap. II.34) bekanntermasen die ›Erfindung‹ einer innerweltlich rationalen Wirtschaftsethik attestiert und dem Judentum eine gesinnungsethische ›Innovation‹ bescheinigt, sucht man im zweiten Band der Gesammelten Schriften zur Religionssoziologie vergeblich nach einem gleichwertigen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der religiosen Wirtschaftsethiken.
ZusammenfassungDer Begriff ›Gemeinschaften‹ entstammt bekanntlich der älteren Fassung von Webers Beitrag zum Grundriß der Sozialökonomik. Eine glatte Übersetzung in die Begrifflichkeit der neueren Fassung gelingt nicht so recht. Zunächst ist festzuhalten, dass Weber den Begriff durchweg im Sinne einer »sozialen Beziehung« (s. Kap. II.4) verwendet, also eines »aufeinander gegenseitig eingestellt[en] und dadurch orientiert[en]« Handelns (§ 2 der Soziologischen Grundbegriffe).
Ungelöste Probleme in der Theorie des Handelns pflanzen sich auf der Ebene der Handlungskoordination fort. Wenn Handlungstheorien mit verkürzten Modellen von Menschen arbeiten, fallen auch Antworten auf Fragen nach der Möglichkeit der sozialen Ordnung, der Herrschaft, der Kooperation auf dem Markt verkürzt aus. Individueller Erfolg und soziale Anerkennung über Normhandlungen sind zwei weit voneinander entfernte Grundsteine, auf welchen bislang separate sozialtheoretische Gebäude hochgezogen wurden. Demgegenüber wird an dieser Stelle ein Konzept des Spiels eingeführt, das die beiden Momente verbindet. Spiele sind erfolgsorientierte und normerfüllende Interaktionen, in welchen Menschen sich wechselseitig bewerten. Normen sind Voraussetzungen sozialen Leistungs- und Qualitätsvergleichs. Menschen halten sich an Normen, um ihre Wertigkeiten gegenüber anderen Menschen zu ermitteln. Das Theorem des Spiels bietet Lösungen für das Problem der Handlungskoordination in der Hierarchie und auf dem Markt.
Die öffentliche Meinung und ein Großteil der Fachliteratur neigen zu Skepsis, wenn es um die Chancen der Dopingbekämpfung im Leistungssport geht. Diese pessimistische Einschätzung wird durch die Entwicklung in den meisten Hochleistungsdisziplinen gerechtfertigt. Aber es gibt bemerkenswerte Ausnahmen in extremen Leistungssportarten, die in ihrer selbst gewählten Einschränkung der normativ zulässigen Mittel weit über die gesetzlichen Mindestbestimmungen hinausgehen. Das Höhenbergsteigen, wo selbst künstlicher Sauerstoff als Dopingmittel gewertet wird, gehört dazu. Die vorliegende Untersuchung zielt auf die Erklärung dieser Ausnahmeposition des Höhenbergsports vor dem Hintergrund des Vergleichs mit einer Sportdisziplin, die als besonders dopingbelastet gilt: dem Straßenradsport. Es wird argumentiert, dass die verschärfte Regulierung im Bergsport das Resultat der Offenhaltung der Freiräume für normative Innovationen ist. Leistung kann nicht nur durch den Normabbau gesteigert werden, sondern umgekehrt auch durch eine Normverschärfung sichtbar gemacht werden. Grundsätzlich besitzt jede Disziplin ein Potenzial für eine normative Selbstregulation. Meist bleibt dieses aber aufgrund der Schließung der normativen Innovationsräume ungenutzt. Eine verhängnisvolle Rolle spielt dabei das Dopingverbot selbst.
Woher kommen neue Normen in der sozialen Welt? Das bestehende Theorieangebot liefert keine befriedigende Antwort auf diese Frage. Das ökonomische Forschungsprogramm erklärt die Entstehung der Normen mit der Lösung der Kooperationsprobleme kollektiven Handelns. Damit können jedoch nur Normen erfasst werden, die instrumentell für die Befriedigung vorgegebener Interessen eingesetzt werden, nicht aber Normen, für die es zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch keine Präferenzen gibt. In dem vorliegenden Aufsatz wird daher der Vorschlag unterbreitet, die Entstehung der Normen nicht durch die Kooperation, sondern durch die Distinktion und Distinktionsbedürfnisse kompetitiver Akteure zu erklären. Rationale Akteure werden normativ innovativ, wenn die bestehenden Wettbewerbskriterien kein Distinktions-Potenzial mehr haben.
Sucht man nach einem Erklärungsprogramm innerhalb der soziologischen Differenzierungstheorie, so muss man sich in weiter zurückliegende Perioden der Fachgeschichte begeben als jene der aktuellen Systemtheorie von Niklas Luhmann. Diese hat erklärende Fragestellungen inzwischen verlernt, wohl deshalb, weil sie sie missachtete. Während sich die Systemtheorie für die Erklärung der sozialen Differenzierung zu schade war, scheuten die Klassiker der Differenzierungstheorie die Mühe der Ursachenforschung nicht. Bei Emile Durkheim wird eines der insgesamt drei Bücher seiner De la division du travail social explizit den Erklärungsfragen gewidmet.
Ein zweifaches Erklärungsproblem beschäftigt Weber in seinen religionssoziologischen Studien: Zum einen die Erklärung der Wirkung, die religiöse Ideen auf die Interessen der Akteure ausüben, zum anderen die Erklärung der Wirkung materieller Interessenlagen auf die Glaubensinhalte und Ideen religiöser Akteure. In der „Vorbemerkung“ zu den Studien über die „Wirtschaftsethik der Weltreligionen“ spricht er auch von zwei „Seiten“ der „Kausalbeziehungen“. Dabei steht die Protestantismusstudie für die eine Seite der Kausalbeziehung, während die „späteren Aufsätze“ über den Konfuzianismus, Hinduismus, Buddhismus und das antike Judentum „versuchen, in einem Überblick über die Beziehungen der wichtigsten Kulturreligionen zur Wirtschaft und sozialen Schichtung ihrer Umwelt, beiden Kausalbeziehungen […] nachzugehen“ (Weber 1988: 12). Die Rede von zwei Seiten der Kausalbeziehung macht deutlich, dass es Weber um eine Wechselwirkung von Ideen und Interessen geht. Doch diese Konstruktion ist mit einer grundsätzlichen Schwierigkeit behaftet. Versteht man darunter eine synchrone Kraftwechselwirkung, so ist gemäß einer günstigen Interpretation ein Einpendeln des gegebenen sozialen Gebildes irgendwo „in der Mitte“ des Kräftefeldes zu erwarten; in einer weniger günstigen Interpretation ist das Argument einfach zirkulär. Selbst wenn man von einer günstigen Interpretation ausgeht, führt die synchrone Wechselwirkung zu einem Durchschnitts resultat. Doch in Webers Analysen findet man keine Spur von „Durchschnitts“-Erklärungen und „Durchschnitts“-Denken. Nicht nur in der Protestantismusstudie, die gezielt nur die eine Seite der Kausalbeziehung verfolgt, sondern auch in den übrigen „Aufsätzen“ findet man sauber herauspräparierte ideelle Wirkungszusammenhänge, deren herausragendste Eigenschaft in der Brechung materieller Interessen besteht. Umgekehrt liefern Webers Analysen genügend viele Beispiele von durchschlagenden Wirkungen materieller und ideeller Interessen auf die ideellen Konstruktionen, die den Bedürfnissen der Gläubigen radikal angepasst werden.
This essay develops an institutional alternative to Siegwart Lindenberg's "theory rich bridge assumptions". Lindenbergs model speaks against "theory poor" empirical assessments in the construction of bridge assumptions as well as against using ad hoc hypotheses about preferences of social actors. By applying the law of demand to the relation between preference and meta-preference, Lindberg develops an innovative "theory of human goals". The criticism of the "theory of human goals" given here shows that Lindenberg does not eliminate ad hoc assumptions but switches these to a different position in the model. As an alternative to the economically oriented "theory of human goals" the author develops a Weberian model to construct "theory rich bridge assumptions". By contrasting the information on restrictions and the character of action-rules this model allows to draw conclusions about the explicable aims of actions.
Theorien des institutionellen Wandels haben eine paradox anmutende Aufgabe zu bewältigen. Institutionen sind normative Handlungsregeln, die im Falle eines Mismatch zwischen Regeln und Wirklichkeit die Anpassung der Wirklichkeit an die Regeln verlangen. Eine Theorie des institutionellen Wandels versucht aber zu erklären, wie im Falle eines Mismatch zwischen Regeln und Wirklichkeit die Regeln an die Wirklichkeit angepasst werden. Der offensichtliche Widerspruch besteht hier darin, dass man nicht zugleich die Anpassung der Wirklichkeit an das normative Ideal und die Anpassung dieses Ideals an die Wirklichkeit behaupten kann. Man kann sich nicht an die normativen Regeln gegen eine Umwelt wandelnder Anreize, Preise und Restriktionen halten und zugleich diese Regeln in Reaktion auf Umweltanreize, Opportunitäten und Gelegenheiten verändern wollen. Es handelt sich dabei also um zwei unterschiedliche Anpassung srichtun-gen (direction of fit) (Searle 1982: 19), die sich zueinander alternativ verhalten; man kann nicht beides zugleich haben.
Zusammenfassung Im vorliegenden Aufsatz wird eine institutionentheoretische Alternative zu Siegwart Lindenbergs Modell der theoriereichen Konstruktion von Brückenhypothesen entwickelt. Lindenbergs Modell richtet sich sowohl gegen theoriearme, empirische Verfahren der Konstruktion von Brückenhypothesen als auch gegen bloße Ad-hoc-Annahmen über Präferenzen sozialer Akteure. Durch die Anwendung des Nachfragegesetzes auf die Relation zwischen Präferenzen und Metapräferenzen gelingt es Lindenberg, eine innovative Theorie der Ziele zu entwickeln. In der hier aufgeführten Kritik an dieser Theorie wird jedoch gezeigt, dass Lindenberg die Ad-hoc-Annahmen nicht eliminiert, sondern nur an eine andere, weniger offensichtliche Einsatzstelle verschoben hat. Als Alternative zur ökonomisch orientierten Theorie der Ziele wird ein an Weber orientiertes Verfahren zur theoriereichen Konstruktion von Brückenhypothesen entwickelt. Durch die Kontrastierung der Informationen über die Restriktionen und die Art der Handlungsregeln erlaubt das Verfahren Rückschlüsse auf die erklärungsfähigen Ziele des Handelns.
In Institutionen wollte Emile Durkheim den Gegenstand der soziologischen Analyse sehen (Durkheim 2002: 100). Sicherlich ist diese Gegenstandsbestimmung zu eng angelegt; selbst für Durkheims eigene Untersuchungen trifft sie nicht zu. Doch sie vermittelt eine richtige Einschätzung der Relevanz, die Institutionen für die soziologische Analyse, insbesondere für das Forschungsprogramm einer verstehenden und erklärenden Soziologie, besitzen. Eine gültige Erklärung sozialen Handelns setzt neben Annahmen über Gründe, Motive, Zwecke, Restriktionen oder Opportunitäten auch Annahmen über Institutionen zwingend voraus. Ohne Kenntnis der Handlungsregeln lässt sich schlicht kein soziales Handeln erklären.
Die Attraktivität theoretischer Konstruktionen basiert nicht selten auf deren latenten Widersprüchen, inneren Spannungen oder Inkonsistenzen. Der Zusammenhang zwischen Attraktivität und Inkonsistenz gilt aber nicht uneingeschränkt. Die Letztgenannte muss sich dabei nämlich aus Reaktionen auf echte Probleme ergeben.