ZUSAMMENFASSUNG Das diabetische Fußsyndrom umfasst komplexe pathologische Veränderungen am Fuß eines Menschen mit Diabetes mellitus. Schwerwiegende Manifestationen diabetischer Fußprobleme sind Ulzerationen, deformierende Veränderungen des Fußskeletts („Charcot-Fuß“) und immer noch zu oft Amputationen. Ulzera oder Nekrosen entwickeln sich meist als Folge von repetitiver Traumatisierung bei eingeschränktem Druck- und Schmerzempfinden im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie. Bei allen Menschen mit Diabetes sollten daher Füße und Schuhwerk regelmäßig untersucht werden. Wesentliche Komponenten der Behandlung diabetischer Fußulzera sind Stoffwechseloptimierung und Behandlung internistischer Grunderkrankungen, Infektionskontrolle, Debridement avitaler Gewebeanteile, effektive Druckentlastung, stadiengerechte lokale Wundbehandlung, Therapie von Gefäßerkrankungen, fußchirurgische Korrektur von Deformitäten und/oder Fehlstellungen sowie Patientenschulung. Durch ein frühzeitiges multidisziplinäres, multiprofessionelles und transsektorales Vorgehen bei der Behandlung von Fußulzera kann die Häufigkeit von Amputationen bedeutend gesenkt werden. Wichtigste präventive Maßnahme ist die rechtzeitige Identifikation von Risikofüßen und dann deren regelmäßige Selbst- und Fremdkontrolle, um trotz des Verlustes schützender Warnmechanismen im Rahmen der Neuropathie keine akuten Ereignisse zu erleiden.
Diabetic foot syndrome is understood to be all pathological changes in the foot of a person with diabetes mellitus. These include pre-ulcerous lesions such as abnormal corneal callouses. Ulcers or necroses usually develop as a result of repetitive trauma with limited sensation of pressure and pain in the context of diabetic polyneuropathy (e. g. in the form of high pressure and shear stress, especially in foot and toe deformities). In Germany, more than 50 % of all cases are characterized by a relevant peripheral arterial occlusive disease (PAOD), whose symptoms (claudication, pain at rest) are often masked by the polyneuropathy.
Aktualisierungshinweis Die DDG-Praxisempfehlungen werden regelmäßig zur zweiten Jahreshälfte aktualisiert. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie jeweils die neueste Version lesen und zitieren.
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Hintergrund und Fragestellungen: Fußprobleme als diabetische Spätkomplikation erfordern oft wiederholte persönliche Vorstellungen der Patienten in Ambulanzen, damit Wunden mithilfe von Debridement, Druckentlastung etc. versorgt werden können. Die COVID-19-Pandemie führte nicht nur zur Schließung vieler ambulanter Einrichtungen mit der Unmöglichkeit persönlicher Konsultationen, sondern auch zum Wegfall vieler Laborund Röntgenuntersuchungen. Dies hat zu einer geänderten Vorgehensweise bei diabetischen Fußulzera geführt und beinhaltet sowohl virtuelle Arzt-Patientund Arzt-häuslichesPflegepersonal-Kontakte als auch Hausbesuche durch den P odologen. In diesem Review werden die Maßnahmen zweier spezialisierter Diabetes-Fuß-Behandlungseinrichtungen in Manchester, UK, und Los Angeles, USA, beleuchtet und miteinander verglichen. Wie hat sich das Behandlungsangebot unter den Auswirkungen und Erfordernissen der Pandemie geändert? Von den chronischen Komplikationen beim Diabetes führen Fußprobleme am häufigsten zu Klinikeinweisungen in westlichen Ländern. Meistens handelt es sich dabei um ernsthafte Infektionen bei neuropathischen oder -ischämischen Füßen. Hinzu kommen häufig multiple Begleiterkrankungen wie koronare Herzerkrankung und Nephropathie, die das Risiko für eine Amputation an der unteren Ex tremität und die Mortalität erhöhen. Aufgrund des Wegfalls der meisten ambulanten Behandlungsangebote in der Pandemie sind Menschen mit diabetischem Fuß durch aktive diabetische Fußulzera (DFUs), eine signifikante Ischämie und Charcot-Neuroarthropathie bedroht. Viele Reviews zur Bedeutung von COVID-19 bei Diabetikern sind veröffentlicht worden, nicht jedoch zu Diabetes und Fußproblemen. Kürzlich gab es eine Stellungnahme der American Podiatric Medical Association zur Notwendigkeit der adäquaten Behandlung unter Coronabedingungen. Anschließend forderten viele Interessengruppen eine neue Strategie in Coronazeiten. Die beiden Zentren in Manchester und Los Angeles haben neue Behandlungsmodelle für Patienten mit aktiven diabetischen Fußproblemen eingeführt, die in und wahrscheinlich auch über die Pandemie hinaus gelten. Diese werden detailliert beschrieben und zeigen erste Ergebnisse von Patienten, die in den 6 Wochen vor dem Pandemie-Lockdown gesehen wurden, im Vergleich zu jenen, die innerhalb der sechs Wochen nach Einführung der Modelle gesehen wurden.
Diabetologe 2021 · 17:192–200 https://doi.org/10.1007/s11428-021-00723-1 Angenommen: 12. Januar 2021 Online publiziert: 15. Februar 2021 © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2021 StephanMorbach · Ralf Lobmann · Michael Eckhard · Eckhard Müller · Heinrich Reike · Alexander Risse · Gerhard Rümenapf · Maximilian Spraul 1 Abteilung Diabetologie und Angiologie, Marienkrankenhaus gGmbH, Soest, Deutschland 2 Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie, Klinikum Stuttgart, Standort Bad Cannstatt, Stuttgart, Deutschland Universitäres Diabeteszentrumund Interdisziplinäres Zentrum Diabetischer FußMittelhessen, UniversitätsklinikumGießen und Marburg GmbH, Gießen, Deutschland