Im Zentrum des Beitrags steht die Pluralisierung der Öffentlichkeit in Deutschland, verstanden als Ergebnis struktureller Differenzierungsprozesse aus postmigrantischer Perspektive. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Transnationalisierung nicht nur grenzüberschreitend, sondern auch als innere gesellschaftliche Dynamik wirkt. Der Beitrag untersucht kommunikative Praktiken, organisationale Strukturen und individuelle Ausdrucksformen, die jenseits klassischer Medienöffentlichkeit neue Arenen schaffen und marginalisierte Perspektiven sichtbar machen. Diese Prozesse zeigen Aushandlungen von Zugehörigkeit und Teilhabe und werden zugleich durch hegemoniale Vermittlungen beeinflusst, die gezielt in pluralisierte Öffentlichkeiten hineinwirken. Trotz ihrer Relevanz bleiben diese Dynamiken in der Forschung weitgehend unterbelichtet. Der Beitrag zeigt, dass sie ein zentraler Teil einer sich wandelnden Öffentlichkeit sind. Analytisch werden vier idealtypische Vermittlungsformen beschrieben: Exil, Diaspora, subaltern und hegemonial. Dazu kommen drei intermediäre Akteure: Journalistische Medien, Organisationen sowie Individuen. Unter dem Begriff pluraler Öffentlichkeiten wird die Koexistenz verschiedener und hybrider Kommunikationsräume theoretisch gefasst.
The digital public sphere is characterized by seemingly paradoxical tensions between centers and peripheries: While some actors leverage the affordances of digital platforms to garner attention and gain prominence in public discourse, others prefer to seek out a role of relative obscurity or even attempt to evade observation. These tensions challenge established public sphere theories that assume a uniform orientation and attraction toward a center. In this article, we argue that in the digital public sphere, four distinct modes of recognition emerge: attention, resonance, allegiance, and engagement. These modes induce persistent yet contingent center-periphery distinctions among actors, issues, and even entire arenas. Since modes of recognition can carry positive or negative valence, they can prompt a purposive orientation toward peripheries rather than centers. We discuss how digital platforms afford, manifest, and manipulate modes of recognition and how actors leverage positions of relative centrality or peripherality within and across digital arenas.
Der Beitrag diskutiert das Schwerpunktthema „Special Interest und Echokammern – Fragmentierung im Journalismus“ aus der Perspektive des Fachjournalismus, den mit ihm verbundenen Fachmedien und der durch sie konstituierten Fachöffentlichkeiten. Fachmedien und Fachjournalismus dienen nicht nur der Selbstbeobachtung der Gesellschaft, sondern auch der Selbstorganisation von Fachöffentlichkeiten und Fachgemeinschaften. Aus dieser Erweiterung der Funktion ergeben sich normative Anforderungen bezogen auf die Vernetzung von Menschen mit gleichen und unterschiedlichen Interessen sowie auf spezifische Nähe-Distanz-Probleme.
Zusammenfassung Der Beitrag fragt nach strukturellen Veränderungen der politischen Kommunikation, die sich als Folge der Digitalisierung ergeben. Dabei wird eine regelorientierte und institutionalistische Perspektive eingenommen: Digitale Kommunikationsmedien wie Social-Media-Plattformen weisen eigene institutionelle Logiken auf und beeinflussen so die Regeln, nach denen politische Kommunikation stattfindet. Zur Begründung dieser These wird der Begriff Digitalisierung zunächst in technische Möglichkeit und soziale Realisierung unterschieden. Politische Kommunikation wird als Vermittlungsprozess betrachtet. Neben die Selbstvermittlung durch politische Akteure und die Fremdvermittlung durch journalistisch-redaktionelle Medien tritt mit digitalen Kommunikationsmedien ein neuer Typ in den Vordergrund, die automatisiert algorithmische Vermittlung. Aus diesen Unterscheidungen ergeben sich mehrere Paradoxien, die für eine Betrachtung der institutionellen Folgen relevant sind: Digitalisierung senkt die Kosten der Kommunikation und ermöglicht ein Mehr an publizierten Mitteilungen, erschwert jedoch zugleich die Chance gesellschaftlicher Wahrnehmung und gelingender Kommunikation. Durch die automatisiert algorithmische Vermittlung können Akteure ihre Botschaften in höherer Auflösung an spezifische Zielgruppen richten und sich mit ihnen verbinden, die digitalen Formen der Konnektivität erschweren jedoch die für demokratische Prozesse notwendige Repräsentanz und Zurechenbarkeit von Mitteilungen an politische Akteure. Technisch ermöglichte und sozial eingeforderte Transparenz geht mit der Bemühung von politischen Organisationen einher, das eigene Handeln zu verdecken oder zu verschleiern. Digitalisierung und die automatisiert algorithmische Vermittlung führen damit sowohl zu neuen Sichtbarkeiten als auch zu neuen Unsichtbarkeiten des Politischen.
„Politischer Journalismus ist mehr als Politikjournalismus“, so beginnen Lünenborg und Sell (2018, S. 3) einen Überblick über das Forschungsfeld. Wie der Begriff der politischen Kommunikation, so ist auch die Definition des politischen Journalismus abhängig vom jeweiligen Verständnis des Politischen (Abschn. 1.1.1). „Nicht die Ressortstruktur von Redaktionen gilt als konstituierend für das hier behandelte Forschungsfeld, sondern ein Verständnis des Politischen, bei dem Journalismus stets Beobachter und Akteur, Beschreibender und Gestaltender zugleich ist. Indem Journalismus der Gesellschaft Diskurse des Politischen zur Verfügung stellt, bringt er diesen Diskursraum und seine Grenzen zugleich selbst hervor. Journalismus gestaltet noch immer wesentlich den Raum des politisch Sagbaren, auch wenn unter Bedingungen von Social-Media-Kommunikation zunehmend Artikulationen jenseits des professionellen Journalismus in den Diskurs eingespeist werden und diesen mitgestalten“ (Lünenborg und Sell , S. 3). Generell lässt sich (politischer) Journalismus auf den verschiedenen theoretischen Ebenen betrachten, die in Abschn. 2.1 unterschieden wurden:
This article examines the structural change in political communication resulting from digital media. Therefore, a rule-based and institutionalist perspective is adopted: Digital communication media such as social media platforms exhibit their own institutional logics and thus influence the rules by which political communication takes place. To substantiate this thesis, the terms used are first differentiated into technical possibility (digitization) and social realization (digitalization). Political communication is viewed as a mediation process. Alongside self-mediation by political actors and external mediation by journalistic-editorial media, a new type comes to the fore with digital communication media: automated algorithmic mediation. These distinctions give rise to several paradoxes that are relevant to a consideration of institutional consequences: Digitization lowers the cost of communication and enables more published messages, but at the same time hinders the chance of social perception and successful communication. Automated algorithmic mediation enables actors to address their messages to specific target groups in higher resolution and to connect with them, but digital forms of connectivity make it more difficult for messages to be represented and attributed to political actors, which is necessary for democratic processes. Technically enabled and socially demanded transparency goes hand in hand with efforts by political organizations to conceal or disguise their own actions. Digitization and automated algorithmic mediation thus lead to both new visibilities and new invisibilities of the political.
Der Beitrag diskutiert die vielfältigen Formen der Differenzierung und Spezialisierung der publizistischen Medien sowie der Institutionalisierung von Intermediären wie Social-Media-Plattformen für das Konzept Mediensystem. Dabei wird zunächst auf die Probleme des Konzepts Mediensystem eingegangen (Abschnitt 1). Auf der Basis institutionentheoretischer Überlegungen wird sowohl der Ausdifferenzierungsprozess des publizistischen Mediensystems (Mehr-Ebenen-Medien-System) wie dessen Transformation zu einem Kommunikations- und Mediensystem dargestellt und diskutiert. Der Beitrag setzt am Medienbegriff von Ulrich Saxer (1999, S. 6) an, der diese als „komplexe institutionalisierte Systeme um organisierte Kommunikationskanäle von spezifischem Leistungsvermögen“ definiert. Die Ausdifferenzierung der publizistischen Medien, so das in Abschnitt 2 entfaltete Argument, ist ein fortlaufender Prozess, der nicht mit der Entstehung eines abgrenzbaren – zumal nationalstaatlichen – Mediensystems endet. Permanent entstehen neue „organisierte Kommunikationskanäle“, wie etwa Online-Intermediäre oder Plattformen, die immer spezifischere kommunikative Leistungen erbringen oder ermöglichen und neu in das komplexe System institutionalisiert werden müssen. Es entsteht, so die Schlussfolgerung in Abschnitt 3, ein differenziertes und spezialisiertes, sowohl de- als auch neu-institutionalisiertes Mehr-Ebenen-System. Auch wenn sich der Begriff des Mediensystems so stark eingebürgert hat, dass wir ihn vermutlich nie loswerden, wäre es, so unser Fazit in Abschnitt 4, analytisch plausibler, von einem globalen und netzbasiertem Kommunikations- und Mediensystem zu sprechen.
Der Beitrag thematisiert die Unschärfe des Begriffs der Vermittlung innerhalb der Kommunikationswissenschaft und wendet für das Forschungsfeld politische Kommunikation die Figur des Policy-Brokers zur präziseren Bestimmung von Vermittlungsleistungen an. Empirisch wird gefragt, welche Formen von Vermittlung (oder „Brokerage“) sich in Fachmedien ausgewählter Politikfelder finden. Mögliche Vermittlungsleistungen solcher Fachmedien werden über die Unterscheidung von Bonding und Bridging spezifiziert. Fachmedien fungieren als Policy-Broker, indem sie zwischen Akteuren und Interessen innerhalb einzelner Koalitionen in Policy-Netzwerken, zwischen Koalitionen verschiedener Policy-Netzwerke sowie zwischen Politikfeldern und relevanten Teilumwelten vermitteln. Damit lassen sich drei Ebenen von Fachöffentlichkeiten unterscheiden. Durch leitfadengestützte Experteninterviews (n = 33) und einer quantitativen Inhaltsanalyse von acht Fachmedien der Agrar-, Gesundheits- und Netzpolitik (n = 1.451 Artikel) wurde die konkrete Ausgestaltung der Brokerage-Leistungen von Fachmedien empirisch geprüft. Die Befunde der Studie zeigen, dass Fachmedien in der Agrar- und Gesundheitspolitik überwiegend Bonding- und in der Netzpolitik überwiegend Bridging-Leistungen übernehmen. Allerdings unterscheiden sich die Fachmedien innerhalb der Politikfelder stark voneinander. Die Funktionen und mögliche Dysfunktionen der Vermittlungsleistungen von Fachmedien werden abschließend diskutiert.
This study examines the influence of structural conditions on the online activities of non-governmental organizations (NGOs) in the international arena. We propose the concept of an online repertoire, defined as a set of platforms and communication modes that an NGO employs to communicate with the greater public on the web. We tested the influence of four structural conditions on that repertoire (position in a political process, organizational capacity, membership type, and type of interest). The findings suggest that organizational capacity has the most substantial influence and that NGOs with higher organizational capacities communicate more actively on the web.