Es gibt schmale Bücher, die bescheiden daherkommen und doch Wichtiges vermitteln: Die Monografie von Christof Beyer über die Reintegration von Täterinnen und Tätern der NS-Euthanasie Niedersachsen nach 1945 gehört dazu. Christof Beyer stellt dar, was aus den Tätern wurde, die vor 1945 in den Tötungsanstalten und den sogenannten Kinderfachabteilungen wie auch in der dezentralen Euthanasie an Patientenmorden beteiligt waren. Dass viele Biografien über lange Zeit ungebrochen blieben, hatte bereits Ernst Klee in den 80er- und 90er-Jahren immer wieder dargestellt. Das bekannteste Beispiel war Werner Heyde, der unter dem falschen Namen Sawade nach Kriegsende am Gesundheitsamt in Flensburg mit der Kenntnis und Billigung vieler Kollegen für lange Jahre weiter tätig war. Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen, hatte Heyde in den 60er-Jahren angeklagt und kurz vor dem Prozess hat dieser sich suizidiert. Beyer argumentiert hier, dass dieser Suizid damals eine öffentlichkeitswirksame Aufarbeitung verhindert hat.
ZUSAMMENFASSUNGPsychische Erkrankungen sind einerseits mittlerweile die dritthäufigste Diagnosegruppe bei Arbeitsunfähigkeit, und die häufigste Ursache für Frühverrentungen. Auf der anderen Seite haben Arbeit und Berufstätigkeit einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf psychisch Kranker. Akute psychische Krisen, die eine stationäre Krankenhausbehandlung erforderlich machen, reißen die Betroffenen teilweise über längere Zeiträume aus ihren Beschäftigungsverhältnissen. Um Jobverluste zu vermeiden benötigt diese Gruppe besondere Interventionen, die unter dem Begriff „berufliches Entlassmanagement“ zusammengefasst werden können.
In dieser Ausgabe der Nervenheilkunde wollen wir Ihnen darstellen, dass die Behandlung von depressiven Störungen komplexer und herausfordernder ist, als das angesichts der Vielzahl gesicherter Befunde zum Störungsbild sowie lang erprobter Diagnoseund Therapiekonzepte oft angenommen wird. Wir wissen um die Gefahr der Chronifizierung, wir wissen um Therapieresistenz, wir wissen auch um Probleme in der Versorgungsrealität und der Verfügbarkeit passender Hilfen. In diesem Heft werden einige grundsätzliche Fragen gestellt, etwa von Peter Brieger und Susanne Menzel, wie valide und verlässlich die Diagnostik von Depressionen ist, oder von Anne Lang und Kollegen, welche psychosozialen beruflichen Konsequenzen Depressionen haben können. Susanne Pechler stellt Zusammenhänge zwischen Internetspielsucht, Prokrastination und Depression dar – ein Phänomen, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dass auch bei Autismus-Spektrum-Störungen depressive Symptome auftreten, welche sich zum Vollbild einer Depression manifestieren können, zeigen Laura Albantakis et al. In diesen beiden Artikeln spiegelt sich wider, wie weit die depressive Symptomatik auch in andere Bereiche hineinreichen kann („Komorbidität“) und wie umfassend sich eine Depression in allen Bereichen des Wohlergehens, der psychosozialen Funktion und der „allgemeinen Gesundheit“ auswirken kann. Florian Seemüller und Koautoren diskutieren den Nutzen von Algorithmen und Leitlinien zur initialen Behandlung der akuten Depression. Des Weiteren werden die Empfehlungen für den zweiten Schritt, wenn die initiale Therapie versagt, zusammenfassend vorgestellt. Abschließend werden Gefahren von Algorithmen benannt und zugleich dargelegt, welche Chancen auf bessere Behandlung ihnen innewohnt. Seltenere und besonders innovative Therapieverfahren werden in drei Artikeln reflektiert: Gilles und Deuschle befassen sich mit dem hochaktuellen Thema „Ketamin in der Behandlung depressiver Episoden“, sie präsentieren praxisbezogen den aktuellen Kenntnisstand zur Wirksamkeit und Durchführung. Michael Landgrebe und Kollegen stellen ein nicht invasives Stimulationsverfahren in der Depressionsbehandlung dar und weisen hier neben der bekannten repetitiven transkraniellen Magnetstimulation auf die noch weniger verbreitete transkranielle Gleichstromstimulation hin. Die Elektrokrampftherapie wird dann von Alexander Sartorius klinisch relevant und wissenschaftlich überzeugend als weitere Behandlungsmethode der Depression dargestellt. Dass hier offenkundig die zwei Hauptbereiche der Depressionsbehandlung wenig Beachtung finden – nämlich die antidepressive Medikation (abgesehen von Ketamin und den Leitlinien) sowie die Psychotherapie – mag im ersten Moment irritieren. Wir hatten uns aber nicht vorgenommen, hier umfassend alles Bekannte zu diskutieren – denn dieses ist bereits oft und auch sehr gut dargestellt. Unser Ziel war vielmehr, mit diesem Heft einige neue wichtige Aspekte in der Depressionsdiagnostik und Depressionsbehandlung aufzuzeigen, die bislang aus unserer Sicht zu wenig beachtet werden. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre mit Anregungen für die Behandlung Ihrer Patientinnen und Patienten.
Diagnostic and therapeutic measures in patients with bipolar disorders are significantly different depending on the age of those affected. Given the demographic changes and the fact that approximately one quarter of patients with bipolar disease are in old age, it is important for geriatricians to be aware of the specific aspects of bipolar disease. This review article presents the diagnostics of bipolar disorders in old people. Interactions with somatic comorbidities, which may lead to the occurrence of secondary mania, just to mention one of the characteristics of old age, are elaborated. Furthermore, age-specific differences also necessitate altered or adjusted therapy regimens, which deviate from those of younger patients.
Psychopathologie war noch vor wenigen Jahrzehnten entscheidende Kernkompetenz in der Psychiatrie. Heute ist die Kenntnis klassischer psychopathologischer Konzepte offensichtlich zugunsten der operationalen Diagnostik gemäß ICD und DSM in den Hintergrund getreten: statt vermeintlich komplexer Herangehensweisen des Beobachtens und Verstehens werden Symptome gezählt und abgehakt; ab einer gewissen Schwelle wird die entsprechende Diagnose gestellt. Prof. Dr. Markus Jäger – Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg – nimmt das Problem der Diagnostik zum Anlass, um in dieser Monografie historische und moderne psychopathologische Konzepte zu reflektieren und deren Entwicklung dazustellen.
Zusammenfassung Ziel: Die Kenntnis der Prädiktoren für die Erfolgschancen einer Langzeitentwöhnungsmaßnahme ist begrenzt. Die vorliegende Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Motivationslage von Betroffenen sowie äußeren Zugangsvariablen und dem Therapieoutcome. Methode: 434 alkoholabhängigen Personen, die im Jahr 2004 im Diakonie-Krankenhaus Harz (DKH), Elbingerode, eine Langzeitentwöhnungsmaßnahme durchgeführt hatten, wurden im Rahmen der 1-Jahres-Katamnese nachuntersucht. Zugangsvariablen wurden definiert und mittels multipler linearer und multipler logistischer Regression auf Zusammenhänge mit Outcomevariablen überprüft. Ergebnisse: Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Zugangsweg und Abstinenzrate. Zwischen der Motivationslage zu Therapiebeginn und den definierten Outcomevariablen konnte ein Zusammenhang gefunden werden: Die Gruppe der ambivalent motivierten Patienten wies das schlechteste Ergebnis auf. Die in der Rehabilitationsforschung formulierten Dimensionen zur Fallgruppenbildung besaßen nur begrenzt prädiktive Kraft für das Therapieergebnis bei der Alkohollangzeitentwöhnungsmaßnahme. Schussfolgerung: Die Therapiemotivation stellte den Hauptprädiktor für das therapeutische Outcome einer Langzeitentwöhnungsmaßnahme dar. Bei der Qualitätsverbesserung der Behandlungsketten sollten also vor allem die Bereiche gefördert werden, in denen die Therapiemotivation von Betroffenen gestärkt wird.
What are the consequences of comorbidity in bipolar disorders? Two aspects deserve further consideration. First, comorbidity may delineate subtypes. Bipolar disorder and OCD together might be another type of disorder than each alone. Secondly, several studies have indicated that, when a patient suffers from more than one psychiatric disorder, treatment becomes more difficult and the course is more unfavourable (Sharma et al. 1995, Shwartz et al. 1996, Vogel and Huguelet 1997). However, is this also true for bipolar disorders? Recent studies, for example the NCS (Kessler 1999), have found that during their lifetime virtually all bipolar patients suffer from an additional psychiatric disorder. This casts some doubt on the relevance of such “lifetime comorbidity”. Can it actually worsen course and treatment response, when suffering from such a comorbid disorder seems to be the rule for patients with bipolar disorders? Furthermore, hardly any prospective studies have compared the course of comorbid and non-comorbid bipolar patients. Therefore, and due to the chronicity of bipolar disorders, comorbidity in bipolar disorder has to be assessed in a more complex way. In addition to the mere — categorical — diagnosis of a second disorder, its course, duration, severity and consequences must be assessed dimensionally. Truly multidimensional or multiaxial diagnostic strategies have to be developed further.
HistoryVolume 20, Issue 77 p. 1-17 THE RELATIONS OF HISTORY, GEOGRAPHY, AND ART Peter Brieger, Peter BriegerSearch for more papers by this author Peter Brieger, Peter BriegerSearch for more papers by this author First published: June 1935 https://doi.org/10.1111/j.1468-229X.1935.tb00074.xRead the full textAboutPDF ToolsRequest permissionExport citationAdd to favoritesTrack citation ShareShare Give accessShare full text accessShare full-text accessPlease review our Terms and Conditions of Use and check box below to share full-text version of article.I have read and accept the Wiley Online Library Terms and Conditions of UseShareable LinkUse the link below to share a full-text version of this article with your friends and colleagues. Learn more.Copy URL Share a linkShare onFacebookTwitterLinkedInRedditWechat Volume20, Issue77June 1935Pages 1-17 RelatedInformation