PolicyEvaluation zur Reform des § 1631b BGB – eine kritische KommentierungRenate SchepkerRenate SchepkerRenate Schepker, Prof. Dr. med., Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters Weissenau, Weingartshofer Str. 2, 88214 Ravensburg, Deutschland[email protected]Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters Weissenau, Ravensburg, DeutschlandPublished Online:March 01, 2024https://doi.org/10.1024/1422-4917/a000973PDFView Full Text ToolsAdd to favoritesDownload CitationsTrack Citations ShareShare onFacebookTwitterLinkedInReddit SectionsMoreLiteraturArbeitsgruppe Familienrechtliche Gutachten. (2021). Mindestanforderungen an die Qualität von Sachverständigengutachten nach § 1631b BGB. https://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/Nav_Themen/Mindestanforderungen_Sachverstaendigengutachten_1631b.html; letzter Zugriff am 04.02.2024. First citation in articleGoogle ScholarBeetz, C., Böttcher, S., Düring, D. & Winge, S. (2023) Evaluation zur Reform des § 1631b BGB. (https://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/Fachpublikationen/2023_Evaluierung_Gesetz_FamG_Genehmigungsvorbehalt_Download.html), letzter Zugriff am 04.02.2024. First citation in articleGoogle ScholarBesuchskommission Brandenburg. (2019). Bericht über die Tätigkeit der Besuchskommissionen nach dem Brandenburgischen Psychisch-Kranken-Gesetz. Hrsg: Land Brandenburg, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. https://msgiv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Besuchskommission-A4-2019-web.pdf, letzter Zugriff am 04.02.2024. First citation in articleGoogle ScholarJanssen, S. (2021). Rechtsgutachten zum Thema Freiheitsentziehende Maßnahmen und geschlossene Unterbringung nach § 1631b BGB in der Kinder- und Jugendhilfe. https://ombudschaft-jugendhilfe.de/wp-content/uploads/BNO_Rechtsgutachten_§ 1631_BGB_09_2021.pdf, letzter Zugriff am 04.02.2024. First citation in articleGoogle ScholarKölch, M. & Vogel, H. (2016). Unterbringung von Kindern und Jugendlichen mit freiheitsentziehenden Maßnahmen. Eine rechtstatsächliche Untersuchung zur familiengerichtlichen Genehmigung der Unterbringung bei Minderjährigen in der Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Justiz nach § 1631b BGB. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 44, 39–48. First citation in articleLink, Google ScholarMüller, S. (2022). Praxissicht ergänzend zu "Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen nach § 1631b I und II BGB aus der Sicht der Jugendlichen". Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 50, 422–424. First citation in articleLink, Google ScholarRomer, G. & Schepker, R. (2020). Können psychisch kranke Minderjährige freiwillig in ihre Freiheitsentziehung einwilligen? Eine juristische Kontroverse und ihre Implikationen für den Klinikalltag. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 48, 494–501. First citation in articleLink, Google ScholarVogel, H. (2022). Freiheitsentziehende Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen nach § 1631b I und II BGB aus der Sicht der Jugendlichen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 50 (5), 411–420. First citation in articleGoogle ScholarFiguresReferencesRelatedDetails Themenschwerpunkt: Bewegung und seelische GesundheitVolume 52Issue 2März 2024ISSN: 1422-4917eISSN: 1664-2880 HistoryPublished online01. März 2024 Licenses & Copyright© 2024Hogrefe AGPDF download
Die ambulante Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher leidet unter einer ungleichen Ressourcenverteilung. Obwohl die Zahl der niedergelassenen Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie gestiegen ist, bleibt die Versorgung insbesondere in ländlichen und benachteiligten Regionen problematisch. Sozialpsychiatrische Praxen und Institutsambulanzen bieten zwar umfassende Unterstützung, doch der Pflege- und Erziehungsdienst ist hier kaum integriert. Die stationsäquivalente Behandlung zeigt vielversprechende Ergebnisse, erfordert jedoch gut ausgebildetes Personal. Der Bedarf an kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung ist ungebrochen und bietet somit positive Perspektiven für die Professionalisierung des PED.
The interdisciplinary care of children and adolescents with mental disorders requires services from various German codes of social law and-within the medical care system-enclosing inpatient and outpatient services. The increasing demand, the increase in severity of disorders, and the general shortage of staff in social services put pressure on the structures of the interdisciplinary service networks resulting in long waiting periods, long distances, and regionally insufficient care. The medical field of child and adolescent psychiatry and psychotherapy (CAPP) plays the central and coordinating role within the cooperative care for children and adolescents with mental disorders. The CAPP is in clear need of reforms; however, these are markedly different from the reform needs of the German somatic medical care system and differ substantially from those of the (adult) psychiatry, psychotherapy, and psychosomatics disciplines. This discussion paper describes the reform requirements, the specifics of the CAPP structures, and suggestions to overcome sectors of service provision, enhance networking, intensify telemedicine, and develop evidence-based prevention and early recognition of child mental disorders.
ZusammenfassungKinder und Jugendliche mit psychischen Störungen weisen komplexe Bedarfe auf, die regelhaft Leistungen aus mehreren Sozialgesetzbüchern erforderlich machen und innerhalb der medizinischen Versorgung Leistungen aus verschiedenen Sektoren bedingen können. Die steigende Inanspruchnahme, die Zunahme der Schweregrade der Störungsbilder sowie der fachübergreifende Personalmangel belasten die Strukturen der interdisziplinären Versorgungsnetzwerke. Die Folge sind lange Wartezeiten, lange Wegstrecken und regionale Unterversorgung. Das Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) nimmt die zentrale und koordinative Rolle in der kooperativen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen ein. Die KJPP weist angesichts der zunehmenden Herausforderungen Reformbedarf auf, welcher sich von dem der somatischen Versorgungsstrukturen, aber ebenso von denen der Psychiatrie und Psychotherapie bzw. der Psychosomatik unterscheidet. Das vorliegende Diskussionspapier beschreibt die Besonderheiten der KJPP-Strukturen, die Reformbedarfe und Lösungsmöglichkeiten durch Abbau von Sektorengrenzen in der Patientenversorgung, in der Weiterbildung sowie im Personaleinsatz, durch Intensivierung der Vernetzung, durch stärkere Nutzung von Telemedizin sowie durch Aufbau evidenzbasierter Prävention und Früherkennung.
Zusammenfassung: Während der COVID-19-Pandemie zeigte sich eine Zunahme an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Inwieweit Kinder und Jugendliche notwendige stationäre Behandlung erhielten und ob sich die in Studien gefundene Zunahme an affektiven und Essstörungen auch in der Krankenhausbehandlung wiederfindet, ist bisher unklar. Deshalb wurde anhand von Krankenhaus-Routinedatenfiles nach § 21 KHG (Krankenhausfinanzierungsgesetz) des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) ein präpandemischer und ein pandemischer Halbjahreszeitraum (1. HJ 2019 vs. 1. HJ 2021) hinsichtlich der Fallzahlen, Diagnosen und Verweildauern in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) und der Pädiatrie deskriptiv analysiert. Zusätzlich wurde die Zahl der Notfallaufnahmen in der KJPP ausgewertet. Es zeigte sich eine Zunahme internalisierender Störungen (Depression, Anorexia nervosa, Belastungsstörungen) und eine Abnahme von Störungen des Sozialverhaltens mit emotionaler Störung in der KJPP. Daneben bildete sich eine deutliche Zunahme von Anorexien in der Pädiatrie ab, während die Behandlungen wegen Alkoholintoxikation sich dort halbierten. Das Notfallaufkommen in der KJPP veränderte sich im Bundesdurchschnitt nicht. In Regionen mit niedriger Bettenmessziffer (BMZ) wurde die Notfallversorgung in der KJPP priorisiert und die Verweildauer nahm ab, in Regionen mit guter BMZ und in der Pädiatrie nahm die Verweildauer tendenziell zu. Ein kontinuierliches Monitoring der Krankenhausversorgung unter Pandemiebedingungen unter Berücksichtigung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher ist zu empfehlen.
Trends in Adolescents' Satisfaction with Their Inpatient Psychiatric Treatment: A Panel Analysis over 7 Years Abstract. Because the German legislature is increasingly enabling adolescents' participation in their psychiatric treatment, we traced changes in satisfaction of 6,893 patients at the end of their stay in 10 hospitals using BEST-J. The treatments resulted in a fair overall satisfaction without any improvement over the 7 years studied. In seven hospitals, we calculated deviation from the overall satisfaction based on annual surveys. Satisfaction with the psychotherapeutic relationship was good from the beginning, whereas the relationship with caregivers improved during the sample period. When new legal standards were introduced, we measured an improvement in some items concerning patient participation (coercive measures information, goals of treatment discussed). Patients were less satisfied with the information about their illness than with medication information. Initially poor satisfaction with leave regulations significantly improved over time. Respect for privacy also improved. Satisfaction with the environment and service organization scored substantially worse than the other items. Peer relations within the ward were rated close to overall satisfaction. The results point to benefits from training in psychotherapy and a growing awareness of closeness-distance issues and patients' rights. Nevertheless, psychoeducation and leave regulations require improvement. Furthermore, patients stated unmet needs for refurbishing and renovating buildings.
Zusammenfassung Für die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen gibt es in Deutschland ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen. Eine neue Entwicklung ist die stationsäquivalente Behandlung (StäB), bei der die Patientinnen und Patienten durch ein multiprofessionelles Team in ihrem sozialen Umfeld versorgt werden. In diesem Beitrag wird ein Überblick über die Versorgungslandschaft für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche gegeben. Dabei wird auf geschichtliche Hintergründe sowie auf strukturelle, versorgungspolitische und ökonomische Zusammenhänge eingegangen. Bis zum Jahr 2014 herrschte im ambulanten Sektor Niederlassungsfreiheit, was dazu führte, dass ländliche Gegenden und sozioökonomisch benachteiligte Stadtteile bis heute teilweise unterversorgt sind. Im Krankenhaussektor nahm zwischen 1991 und 2004 die Bettenzahl stark ab und danach zugunsten besserer Regionalisierung mit kleinen Einheiten und kleinen Stationen wieder deutlich zu, ergänzt durch überproportional gewachsene Tagesklinikplätze. Stationsäquivalente Behandlungen sind ebenso effektiv, aber noch nicht flächendeckend etabliert, Modellvorhaben nur wenige verhandelt. Regionale Vernetzungen aller Hilfesysteme bis hin zu anzustrebenden jugendpsychiatrischen Verbünden erfahren in der Versäulung des Sozialsystems liegende Begrenzungen. Als Fazit wären ein Kooperationsgebot über die Sozialgesetzbücher hinweg und die Ermöglichung wahrer sektorenübergreifender Versorgung wünschenswert.
COVID-19 and Psychiatric Disorders in Minors: Changes in Inpatient Treatment According to Hospital Statistics Abstract: Increased rates of psychiatric disorders and psychiatric emergencies in children and adolescents stemming from the COVID-19 pandemic have been reported, with more children and adolescents suffering from internalizing disorders. This study analyzes whether the increased rates led to increased rates of inpatient treatment in child and adolescent psychiatric and pediatric hospitals in Germany as well as a change in diagnoses of the treated patients. We analyzed routine hospital data ("InEK" data, § 21 KHG data files) from a prepandemic (2019) and a pandemic (2021) half-year regarding changes in the number of cases, diagnoses, and length of stay (LoS) in child and adolescent psychiatry and pediatrics. We also investigated the development of psychiatric emergencies in minors. We found an increase in internalizing problems (depression, anorexia nervosa, trauma-related disorders) and a decrease in externalizing problems among the admitted psychiatric inpatients. Further, we observed a halving of cases treated for alcohol intoxication. However, we discovered no change for the frequency of psychiatric emergency treatments nationwide. A more detailed analysis revealed that, in areas with a low number of child and adolescent psychiatry inpatient beds, emergency care was prioritized and LoS decreased, whereas in areas with a fair bed-to-inhabitant ratio among minors, there was a trend toward increased LoS, also in pediatric departments. We recommend continued monitoring of inpatient care after the pandemic, with special attention paid to underprivileged children and adolescents such as those with externalizing problems.