Trotz einer wachsenden Anzahl an Diversitätsstudien mangelt es an Wissen, wie diskriminierungssensible Diversitätsstudien gestaltet werden können. In diesem Artikel werden anhand des Beispiels einer Diversitätsstudie der deutschen Bundesverwaltung die Potenziale und Herausforderungen diskriminierungssensibler Diversitätsstudien diskutiert und argumentiert, dass diese mindestens drei Aspekte umfassen sollten: (1) Erhebung diskriminierungskritischer Diversitätsdimensionen, (2) Erfassung von Diskriminierungserfahrungen und (3) Wahrnehmungen von Antidiskriminierungsmaßnahmen. Die Ergebnisse zeigen, wie solche Daten zur Sichtbarmachung von Ungleichheiten und zur Entwicklung von Handlungsstrategien beitragen können. Darauf basierend plädieren wir für eine wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung von organisationalen Diversitätsstudien.
Der Beitrag adressiert wesentliche Fragestellungen im Kontext einer Digitalisierung Sozialer Arbeit. Dabei werden globale Systemstrukturen gleichermaßen behandelt wie spezifisches, arbeitspraktisches Handeln. Es geht zunächst darum, Aussagen über Wünsche und Bedarfe nach digitalen Angeboten in den Kernzielgruppen Sozialer Arbeit zu treffen. Weiterhin wird reflektiert, inwiefern sich die Methoden und Kompetenzen einer Digitalen Sozialarbeit an die Dynamiken und Handlungslogiken virtueller Handlungswelten anpassen müssen. Schließlich wird untersucht, wie eine erfolgreiche Zielgruppenansprache, ein tragfähiger Beziehungsaufbau sowie adressat:innenorientierte Beratungsleistungen im Digitalen erfolgen können. Die Basis für diese mehrstufige Diskussion bildet die empirische Projektevaluation der Digitalen Sozialarbeit im Projekt Zukunftswelten der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. Sieben qualitative Leitfaden-Interviews mit Projektbeteiligten (auch Träger, Geldgeber und ein kooperierendes Soziales Netzwerk) und eine quantitative Inhaltsanalyse von 155 Chat-Protokollen aus der Digital Streetwork auf der Plattform Jodel ermöglichen umfassend Einblick in die Handlungspraxis. Die Befunde zeigen, dass Angebote Digitaler Sozialarbeit aktiv von Heranwachsenden eingefordert werden. Das Always-Online-Prinzip und die stark referenzielle Content-Produktion in der digitalen Kommunikation verlangen von Digitalen Sozialarbeiter:innen ein hohes Maß an Flexibilität und Street Credibility. Die (Teil)Anonymität im Digitalen erleichtert den Einstieg in Beratungsgespräche und reduziert gleichzeitig deren Verbindlichkeit. Digital Streetwork treibt die Professionalisierung Digitaler Sozialarbeit als Pionierfeld substanziell voran, muß jedoch eigene Fachstandards weiterentwickeln und bedarf der verstetigten Verschränkung mit bestehenden Unterstützungsstrukturen.
Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen zu gestalten ist wesentlicher Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. Gesundheitliche Chancen von Kindern und Jugendlichen sind auch in Deutschland wesentlich von der sozioökonomischen Lage der Familie bestimmt. Kinder- und Jugendhilfe ist zur Zusammenarbeit mit allen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt, gesetzlich verpflichtet. Die Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten ist Aufgabe aller Politikfelder.
Im Gesundheitssystem steht meist nur die Person mit Erkrankung im Fokus. Angehörige kommen erst dann ins Blickfeld, wenn sie selbst ein pathologisches Verhalten zeigen. Über die Herausforderungen, die sich Familien stellen müssen, wenn ein Elternteil mit körperlich schwerwiegender chronischer Erkrankung im Haushalt lebt, ist wenig bekannt. Um herauszufinden, wie Familien mit der chronischen Erkrankung eines Elternteils umgehen, wurden Familien interviewt. Der gesamte Forschungsprozess bis hin zur qualitativen Datenauswertung wurde partizipativ in einem Team aus Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Müttern mit chronischen Erkrankungen durchgeführt. Die interviewten Familien berichteten vor- und miteinander, wie sie mit der Erkrankungssituation klarkommen und welche Veränderungen sich im chronischen Verlauf ergeben. Sie beschreiben Kommunikationssituationen, welche Unterstützung sie erhielten bzw. erhalten und welche Lernprozesse sie durchlaufen. Die Familien gestalten ein „doing chronical illness in family“, indem das Umsorgen zu einer neuen Normalität wird. Die FamGesund-Daten zeigen, dass Gesundheitskompetenz ein kommunikatives Handeln darstellt und dass die Lernprozesse weit über die Erkrankungssituation hinausgehen. Familiengesundheit ist ein interdisziplinäres und interprofessionelles Thema und sollte in Theorie und Praxis einen größeren Stellenwert erfahren.