Aufgrund krankheitsbedingter Funktionseinschränkungen sind viele Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen auf Unterstützung und Hilfe im Alltag angewiesen, um ein möglichst selbstständiges und gutes Leben führen zu können. Die Studie untersuchte die Bedarfe, die Bedarfsdeckung sowie deren Einflussfaktoren bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in Deutschland. Eingeschlossen wurden Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Die Bedarfe und Bedarfsdeckung sowie die potenziellen Einflussfaktoren wurden mittels Camberwell Assessment of Need (CAN) und Client Sociodemographic and Service Receipt Inventory (CSSRI) erfasst und deskriptiv sowie explorativ analysiert. Im Mittel haben die Betroffenen 6,4 Bedarfe, von denen im Schnitt 40,6
Der Aufbruch der Psychiatrieform lief immer wieder Gefahr, sich in Bürokratismen und Technizität zu verlieren. An Beispielen wie Begleitforschung, Hilfeplanung sowie Personaleinsatz und -bemessung wird dies verdeutlicht. Die erlebte Belastung der Mitarbeitenden wuchs über die Jahre an, Tätigkeiten liefen Gefahr, zunehmend patientenferner zu werden. Ob die Digitalisierung hier die erhofften Entlastungen bringen kann, wird sich weisen. Am aktuellen Beispiel der Verhandlungen zu einem Modellprojekt nach § 64b SGB V wird dies verdeutlicht.
Am 30.01.2025 trafen sich Dr. Kirsten Kappert-Gonther, MdB und amtierende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des deutschen Bundestages der 20. Wahlperiode, mit Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), sowie Prof. Dr. Arno Deister und Prof. Dr. Peter Brieger zu einem Gespräch im Bundestag im Abgeordnetenbüro von Dr. Kappert-Gonther. Thema dieses Gesprächs waren Erfolge und Enttäuschungen der Gesundheitspolitik im Bereich der seelischen Gesundheit während der Ampel-Koalition und die Perspektiven für die nächsten Jahre – auch vor dem Hintergrund der Psychiatriereform. Deutlich wurde, dass, auch wenn in dieser Legislatur Reformvorhaben nicht abschließend geregelt wurden, es inzwischen einen weitgehenden Konsens gibt, wie die Versorgung in den nächsten Jahren zu gestalten ist. Eine enge Verbindung zwischen Politik, Selbstverwaltung, Verbänden, Selbsthilfe und der Bürgergesellschaft wurde hier als zentral angesehen. Health in all policies ist hierfür eine Grundlage, gerade auch in Zeiten, in deren Bürger- und Menschenrechte bedroht sind.
Methamphetamin(MA)-Konsum hat ab etwa 2008 in einigen Regionen Deutschlands stark zugenommen, auch unter jungen Frauen im gebärfähigen Alter. Einerseits birgt MA-Konsum hohe Risiken für Mutter und Kind. Andererseits bieten Schwangerschaft und Elternschaft eine Chance, Betroffene in Therapien zu integrieren, die wegen unzureichender spezifischer Therapiemöglichkeiten jedoch häufig nicht genutzt wird. Vor diesem Hintergrund wurde 2016 am Universitätsklinikum Dresden das Programm „Mama denk an mich“ (MAMADAM) entwickelt – ein interdisziplinäres, niedrigschwelliges Therapieangebot für Schwangere, Mütter und Väter mit MA-bezogener Störung (MBS). Im vorliegenden Artikel werden bisherige Evaluationsergebnisse zum MAMADAM-Programm zusammengefasst, um Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und versorgungspolitische Relevanz zu beurteilen, Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung des Programms zu ziehen und künftige Forschungs- und Implementierungsstrategien aufzuzeigen. Es werden zunächst die Konzeption und Bestandteile des MAMADAM-Programms beschrieben sowie auf die methodischen Ansätze der Programm-Evaluation eingegangen. Die bisherigen Auswertungen beruhen auf naturalistischen Verlaufsbeobachtungen der ersten Patientenkohorten. Diese werden systematisch zusammengestellt und vergleichend bewertet. Bislang nahmen über 150 Eltern mit MBS am MAMADAM-Programm teil, überwiegend junge Frauen (Durchschnittsalter ~29 Jahre) und in prekären Lebensverhältnissen. Mehr als die Hälfte befand sich erstmalig in suchtspezifischer Behandlung. Hauptkonsumsubstanz war in ~65% MA. Trotz überwiegend extrinsischer Motivation (ca. 70%) und erheblicher psychosozialer Belastungen verblieben rund zwei Drittel im Programm. Depressive Störungen und unbehandelte ADHS minderten die Erfolgswahrscheinlichkeit. MAMADAM zeigt, dass selbst hochbelastete MA-Konsumierende während Schwangerschaft und Elternschaft durch ein maßgeschneidertes ambulantes Angebot erreicht werden können. Die Zusammenarbeit mit Gynäkologie, Pädiatrie, Jugendamt und Suchthilfe ermöglicht frühzeitige Integration Betroffener und gewährleistet Kinderschutz parallel zur Suchtbehandlung. Als Erfolgskriterien lassen sich das niedrigschwellige, integrative Versorgungssetting sowie die Nutzung von Elternschaft als Motivationsfaktor identifizieren. Das Programm schließt eine Versorgungslücke und sollte sowohl regional ausgeweitet als auch strukturell in die Regelversorgung integriert werden.
Ziel der Studie In der der vorliegenden Arbeit wurden Nutzung und subjektiver Gewinn bei unter Hörbeeinträchtigung im Alter leidenden Patient:innen in der gerontopsychiatrischen Versorgung, die temporär angebotene hörverbessernde Maßnahmen in Form unidirektionaler Höranlagen zur Verfügung gestellt bekommen haben, untersucht. Gleichzeitig bewerteten die Mitarbeiter:innen die Handhabung und Akzeptanz der hörverbessernden Maßnahmen. Methodik Bei ambulanten und (teil-)stationären Patient:innen (n=151) wurden im Zeitraum von Oktober 2022 bis Juli 2023 das aktuelle subjektive Hörvermögen sowie die Nutzung von konventionellen Hörgeräten mit einem Selbstbeurteilungs-Fragebogen erfasst. Nach Einsatz unidirektionaler Höranlagen in Diagnostik und Behandlung für vier bis sechs Wochen wurde bei 21 Patient:innen, die die Höranlagen nicht genutzt hatten, nochmals das Hörvermögen erfragt sowie bei aktiven Nutzer:innen (n=34) und Mitarbeitenden (n=24) die Erfahrungen mit den hörverbessernden Maßnahmen mittels Fragebögen untersucht. Ergebnisse Von 151 eingeschlossenen Patient:innen (79,2 Jahre, 62,1% weiblich) nahmen 147 Patient:innen und 24 Mitarbeitende (79,2% weiblich) an der Untersuchung teil. Subjektive Hörbeeinträchtigungen wurden von 50 Patient:innen (34,0%) angegeben. Bei 93 Patient:innen (63,2%) war das Hörvermögen bereits einmal abgeklärt worden. Eine empfohlene Behandlung mit konventionellen Hörgeräten erfolgte bei 34 der Befragten (23,1%). Ebenfalls 34 Patient:innen (23,1%) nutzten das Angebot hörverbessernder Maßnahmen. Alle 34 Nutzer:innen sowie alle teilnehmenden Mitarbeitenden bewerteten die eingesetzten Höranlagen, wobei die Bewertung überwiegend positiv ausfiel. Schlussfolgerung Hörschädigungen bei gerontopsychiatrischen Patient:innen sind häufig und oftmals nicht ausreichend mit konventionellen Hörgeräten behandelt, hörverbessernde Maßnahmen werden aber nur begrenzt in Anspruch genommen. Die überwiegend positiven Ergebnisse bei Nutzer:innen hörverbessernder Maßnahmen sprechen für deren Implementierung in die ambulante und (teil-)stationäre gerontopsychiatrische Routineversorgung.