Die Makroanalyse hat gegenüber der Mikroanalyse den Vorteil, dass sie als Situation den Zeitraum im Leben des Patienten betrachtet, der vor Beginn der Symptombildung liegt. Sie sucht nach pathogenen Aspekten der Lebensgestaltung und der Beziehungsgestaltung und nach dem das Symptom auslösenden Lebensereignis (wie z. B. Berufsbeginn, Scheidung). Danach konzentriert sie sich auf die Frage, welche Konsequenz der Patient mithilfe des Symptoms in seinem Leben und in seinen Beziehungen vermeidet (z. B. Alleinsein). Von zentraler Bedeutung ist darüber hinaus die Untersuchung der Organismus- bzw. Personvariable des SORKC-Schemas, die einerseits in der Identifizierung maladaptiver Schemata (z. B. Überlebensregel, Traits oder Grundannahme) besteht, andererseits aber auch in der Funktionsanalyse des Symptoms.
Speech is a signal rich in information about cognitive and affective states, which can be of high clinical utility for detecting and monitoring mental health conditions. Numerous studies have employed natural language processing (NLP) and AI-based language models to derive potential psychological and neurocognitive insights from spontaneous speech as a marker. However, only few studies have investigated the test-retest reliability of commonly used features, a basic psychometric property crucial to clinical applications. In the present study, we use a crowdsourcing approach to test the reliability of a comprehensive set of speech- and language markers across three speech elicitation tasks (free speech, picture and cartoon descriptions) and four time points, using the intra-class correlation coefficient (ICC). We also explore the underlying factor structure of the feature space through an exploratory factor analysis (EFA). Results indicate that acoustic-prosodic features exhibit high test-retest reliability across all sessions. In contrast, semantic measures (e.g., semantic similarity, information density, and perplexity), speech quantity metrics, and syntactic complexity, exhibit low reliability, even when stimulus materials used for speech elicitation were kept identical. Although semantic features showed strong within-subject variability, EFA across the feature space revealed a latent factor specifically comprising BERT-based semantic features with a moderate-to-high ICC of 0.76. There was some limited evidence of free speech showing lower ICCs across tasks. Demographic, emotional and physical state factors contributed negligibly to ICC variance, indicating that these external factors had minimal impact on the consistency of the acoustic and semantic features. Overall, we find that acoustic-prosodic and text-based features have crucially different psychometric properties, with the latter showing low test-retest reliability individually, though semantic features form intercorrelated clusters that are more stable and capture significant aspects of the variance.
Die Spezifika der Tötungsdelikte an Frauen sind in Deutschland bislang nur unzureichend systematisch erfasst worden. Insbesondere der spezifische Tatbestand des Femizids wurde in der medizinisch-rechtswissenschaftlichen Forschung bisher kaum untersucht. Der Begriff wurde 1974 von Diana Russell eingeführt (Bundeskriminalamt 2017) und später umfassend sozialwissenschaftlich definiert (Bundeskriminalamt 2016). Aktuelle Forderungen internationaler Organisationen, wie des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE), und von Forschenden auf dem Gebiet der Femizide zielen auf eine einheitliche Erfassung und Definition ab (Aldridge und Browne 2003; Belfrage und Rying 2004; Bundeskriminalamt 2018). Im Rahmen dieser retrospektiven Analyse wurden 27 Fälle von weiblichen Tötungsopfern aus dem Obduktionsgut des Instituts für Rechtsmedizin Greifswald (2004–2020) unter Einbezug rechtsmedizinischer, strafrechtlicher und psychiatrischer Dokumentationen untersucht. Das Ziel bestand in der qualitativen Einordnung von Femiziden, Tätermerkmalen sowie rechtsmedizinisch relevanten Begehungsweisen. Die häufigsten Tötungsarten waren stumpfe Gewalt (29,6
Geschlechtschromosomale Aberrationen betreffen etwa 1,5 pro 1000 Individuen, wobei somatisch wenig ausgeprägte Phänotypen unerkannt bleiben können. Auch bei bekannter Diagnose gilt es, das erhöhte Risiko neuropsychiatrischer Manifestationen spezifisch in der psychiatrischen Versorgung zu adressieren. Die narrative Übersicht analysiert aktuelle Literatur zu neuropsychiatrischen Manifestationen geschlechtschromosomaler Syndrome mit Fokus auf die vier häufigsten Formen (Klinefelter‑, Turner‑, XYY- und Triple-X-Syndrom). Geschlechtschromosomale Aberrationen zeigen charakteristische neuropsychiatrische Manifestationen. Häufige psychiatrische Manifestationen umfassen Aufmerksamkeitsdefizit‑/Hyperaktivitätsstörung, Autismusspektrumstörungen, Angststörungen, affektive und psychotische Störungen. Kognitive Beeinträchtigungen betreffen die Mehrheit der Betroffenen und manifestieren sich in sprachlichen Entwicklungsstörungen, exekutiven Dysfunktionen oder in visuell-räumlichen Defiziten. Schwere intellektuelle Beeinträchtigungen sind selten (< 5–10
Schwere psychische Erkrankungen („severe mental illness“, SMI) sind mit chronischen Verläufen, erheblichen funktionellen Einschränkungen und erhöhter Mortalität assoziiert. Gleichzeitig ist ihre Versorgung durch Fragmentierung, mangelnde Kontinuität und unzureichende Koordination gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund gewinnt Patientensteuerung als Ansatz zur Verbesserung von Versorgungsqualität und Effizienz an Bedeutung. Ziel dieser narrativen Übersichtsarbeit ist es, zentrale evidenzbasierte Versorgungsmodelle für Menschen mit SMI darzustellen, strukturelle Herausforderungen der Versorgung zu analysieren und daraus Prinzipien einer effektiven Patientensteuerung abzuleiten. Die Evidenz zeigt, dass insbesondere kontinuierliche und multiprofessionelle Versorgungsansätze – wie Assertive Community Treatment (ACT; intensive gemeindenahe Behandlung), Crisis Resolution Teams (CRT; ambulante Krisenintervention durch multiprofessionelle Teams) und Frühinterventionsprogramme – klinische und funktionelle Outcomes verbessern, stationäre Behandlungen reduzieren und Kontinuität herstellen können. Gleichzeitig wird deutlich, dass die isolierte Implementierung einzelner Interventionsmodelle nicht ausreicht, um strukturelle Defizite nachhaltig zu adressieren. Integrierte und gestufte Versorgungsmodelle ermöglichen die systematische Verknüpfung evidenzbasierter Interventionen entlang eines kontinuierlichen Versorgungspfades. Aktuelle Befunde zeigen, dass solche Ansätze die Versorgungsqualität verbessern und gleichzeitig ohne Mehrkosten implementiert werden können und sogar Einsparpotenziale erschließen. Patientensteuerung stellt damit einen zentralen Ansatz dar, um Versorgungskontinuität zu stärken, Versorgungsbrüche zu reduzieren und Patientenergebnisse sowie Ressourceneffizienz nachhaltig zu verbessern.