Research on teachers' assessment of school children has shown stable gender disparities in favor of girls regarding their work habits and social behavior as well as in most subject grades. In Germany, assessments of work and social behavior (in the form of so-called head grades) are essential to school assessment practice in all primary school report cards. This study examines the relationship between teacher-perceived work habits and social behavior and the corresponding teacher-assigned grades in German and mathematics in elementary school. Analyses are based on data from the two school assessment studies, TIMSS 2015 (n = 3607 students) and IGLU 2016 (n = 3479 students) in fourth grade. The results show that teachers rated boys' work habits and especially their social behavior less positively than that of girls in both data sets. Teachers seemed to include ratings of students' work habits in both subjects, but not incrementally social behavior in the grading subject performance. After controlling for performance on standardized tests, we found that gender differences in school grades were partially mediated by the teacher-perceived work habits and social behavior in mathematics and fully mediated in German.
Free AccessThematisierung von Replikationen und Open Science Praktiken in Lehre und Studium – Die Rolle von SekundärdatenanalysenClaudia Neuendorf, Aleksander Kocaj, Christin Rüdiger, and Malte JansenClaudia NeuendorfClaudia Neuendorf, Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10099 Berlin, claudia.neuendorf@iqb.hu-berlin.deForschungsdatenzentrum am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), BerlinSearch for more papers by this author, Aleksander KocajForschungsdatenzentrum am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), BerlinSearch for more papers by this author, Christin RüdigerForschungsdatenzentrum am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), BerlinSearch for more papers by this author, and Malte JansenForschungsdatenzentrum am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), BerlinSearch for more papers by this authorPublished Online:January 06, 2022https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000575PDF ToolsAdd to favoritesDownload CitationsTrack Citations ShareShare onFacebookTwitterLinkedInRedditE-Mail SectionsMoreThematisierung von Replikationen und Open Science Praktiken in Lehre und Studium – Die Rolle von SekundärdatenanalysenWir begrüßen die Initiative der PsyFaKo, sich mit der Thematisierung der Replikationskrise in der universitären Lehre auseinanderzusetzen. Als Forschungsdatenzentrum (FDZ), das die Daten großer Schulleistungsstudien für wissenschaftliche Zwecke bereitstellt, ist es uns ein Anliegen, den Gedanken von Open Science und Forschungstransparenz in der Psychologie und der empirischen Bildungsforschung zu unterstützen. Die Befragung der Psychologiestudierenden zum Einsatz fragwürdiger Forschungspraktiken (QRPs) demonstriert, dass bereits in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses mehr zur Förderung von Open Science und Forschungsintegrität getan werden kann.Unser Kommentar nimmt die Perspektive ein, dass Sekundäranalysen existierender Forschungsdaten eine positive Rolle in der Vermittlung von Wissen über die Replikationskrise und möglichen Lösungsansätzen spielen können. So kann in der Lehre gemeinsam mit Studierenden selbst versucht werden, veröffentlichte Studien sekundäranalytisch zu replizieren. Solche Re- und Sekundäranalysen führen den Studierenden direkt vor Augen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um eine Studie tatsächlich replizierbar zu machen.Wir führten im WiSe 2019/2020 an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Seminar zur Replikation von Aussagen über Bildung anhand von Schulleistungsstudien durch. Die Teilnehmenden informierten sich zum Thema Replikationskrise, Forschungsintegrität und Open Science und wählten selbst eine veröffentlichte wissenschaftliche Studie aus, um sie auf Basis eines an unserem FDZ verfügbaren Datensatzes zu replizieren. Die Veranstaltung war als Seminar zum Forschenden Lernen konzipiert. Bei dieser Lehr-Lernform nehmen Studierende aktiv am gesamten Forschungsprozess teil, bearbeiten eine selbst gewählte Fragestellung und generieren Erkenntnisse mit wissenschaftlichen Methoden (Sonntag et al., 2016). Zunächst mussten die Studierenden das Forschungsdesign der Primärforschenden nachvollziehen, um im nächsten Schritt die eigenen Analysen zur Replikation der Ergebnisse daran auszurichten. Im Forschungsprozess begegneten den Studierenden Herausforderungen, welche ihnen die Bedeutung der Verfügbarkeit von Originaldaten und Originalcode sowie der Genauigkeit von Beschreibungen im Methodenteil der Artikel verdeutlichten. Im Verlauf des Seminars reflektierten die Studierenden den eigenen Forschungsprozess, auch im Vergleich mit der Primärstudie. Auch die Korrespondenz mit den Primärforschenden, bei der zum Beispiel nach den Auswertungssyntaxen und dem analytischen Vorgehen bei der Originalstudie gefragt wurde, übernahmen sie selbstständig. Das Seminar mit abschließender Posterpräsentation ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen realistischen Einblick in die Forschungspraxis.Ein Vorteil der stärkeren Nutzung von Sekundäranalysen in der universitären Lehre ist, dass die Erhebungsplanung und die Datenerhebung, die einen großen Teil der Zeit des empirischen Forschungspraktikums ausmachen, ausgeklammert werden und damit mehr Raum für die Forschungsprozesse, die auf die Datenerhebung folgen, zur Verfügung steht. Bei Sekundäranalysen bereits existierender Daten spielen einige der am häufigsten benannten QRPs eine geringere Rolle, wie beispielsweise die Stichprobenplanung und die Poweranalyse oder das adaptive Nacherheben. Hingegen können Strategien vermittelt werden, die helfen, mit der größeren Flexibilität bei der Auswahl von Analysemethoden umzugehen. Beispielsweise können Freiheitsgrade bei der Datenanalyse sichtbar gemacht, die Befunde einer größeren Anzahl von alternativen Analysemodellen ausgewertet sowie Robustheits- und Generalisierbarkeitsprüfungen durchgeführt werden (Jansen, Neuendorf & Kocaj, im Druck). Die Datenqualität kuratierter Forschungsdaten, die an FDZn verfügbar sind, ist in der Regel hoch und erlaubt realistische Analysen und Replikationen. Sekundäranalysen sind daher eine ideale Ergänzung zu Experimentalpraktika – die sicherlich per se wichtig sind, um den vollen Zyklus eines empirischen Forschungsprojekts zu erleben – indem ein größerer Fokus auf eine transparente Datenauswertung sowie den Bericht und die Interpretation der Ergebnisse gelegt werden kann.Über die Nutzung in der Lehre hinaus können Sekundäranalysen eine gute Alternative zu eigenen Datenerhebungen für Abschlussarbeiten sein. Auch hier besteht durch einen sekundäranalytischen Ansatz die Möglichkeit, große Datensätze mit hoher Datenqualität zu nutzen und somit auch komplexe Datenanalyseverfahren (z. B. Mehrebenenmodelle, Strukturgleichungsmodelle) praktisch anzuwenden. Durch die Nutzung eines vorhandenen Datensatzes und die Möglichkeit der Veröffentlichung des Analysecodes lassen sich so auch relativ einfach Open Science Prinzipien umsetzen und ein vollständig reproduzierbares empirisches Projekt durchführen. Darüber hinaus gibt es bereits Vorschläge, wie sekundäranalytische Studien präregistriert werden können (z. B. Mertens & Krypotos, 2019; Van den Akker et al., 2019). FDZn können dabei unterstützen (z. B. durch Ausstellung eines Zeitstempels, wann die Daten übergeben wurden).Wir möchten daher Lehrende ermuntern, die Replikationskrise in der Psychologie anhand von Re- und Sekundäranalysen existierender Datensätze plastisch zu vermitteln. Dabei bietet sich eine Vermittlung dieser Kenntnisse über das Konzept des Forschenden Lernens an. Gut aufbereitete und kuratierte Datensätze hierzu sind beispielweise an FDZn verfügbar1.LiteraturJansen, M., Neuendorf, C. & Kocaj, A. (im Druck). Welche Potenziale bieten Sekundäranalysen für die Erhöhung von Forschungsqualität und Replizierbarkeit? Zur Rolle von Multiversumsanalysen und integrativen Datenanalysen für die Bestimmung der Robustheit und Generalisierbarkeit von Forschungsbefunden. Zeitschrift für Pädagogik. First citation in articleGoogle ScholarMertens, G. & Krypotos, A.-M. (2019). Preregistration of Analyses of Preexisting Data. Psychologica Belgica, 59, 338 – 352. https://doi.org/10.5334/pb.493 First citation in articleCrossref, Google ScholarSonntag, M., Ruess, J., Ebert, C., Friederici, K. & Deicke, W. (2016). Forschendes Lernen im Seminar. Ein Leitfaden für Lehrende. Verfügbar unter: https://doi.org/10.13140/RG.2.2.20857.67687 First citation in articleCrossref, Google ScholarVan den Akker, O., Weston, S. J., Campbell, L., Chopik, W. J., Damian, R. I., Davis-Kean, P. et al. (2019). Preregistration of secondary data analysis: A template and tutorial. PsyArXiv. https://psyarxiv.com/hvfmr/ First citation in articleGoogle Scholar1Eine Übersicht der vom RatSWD akkreditierten Forschungsdatenzentren und Archive findet sich unter: https://www.konsortswd.de/datenzentren/alle-datenzentren/FiguresReferencesRelatedDetailsCited byOpen Science in der Lehre – ein Kulturwandel mit systemimmanenten HürdenMaximilian Frank, Leonhard F. F. Schramm, Leonhard Volz, Johannes Brachem, and Tatiana Kvetnaya6 January 2022 | Psychologische Rundschau, Vol. 73, No. 1Related articlesReplikationskrise, p-hacking und Open Science06 Jan 2022Psychologische Rundschau Diskussionsforum: Replikationskrise, p-hacking und Open ScienceVolume 73Issue 1Januar 2022ISSN: 0033-3042eISSN: 2190-6238 InformationPsychologische Rundschau (2021), 73, pp. 44-45 https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000575.© 2021Hogrefe VerlagPDF download
In the German school system, grades are the essential means of performance feedback and assignment. However, little research has been conducted on the factors that determine grades in addition to competencies, and existing findings are poorly replicated. Using data from the representative IQB Trends in Student Performance 2015 survey, our analysis combined a variety of personal and structural characteristics to examine and replicate grade-determining factors in German. In data analysis, we paid particular attention to the data generation processes. The results are interpreted based on Bourdieu's considerations of habitus and status maintenance and Boudon's primary and secondary effects of social origin. The results tie in with the reproduction-theoretical considerations of Bourdieu and Boudon and illustrate the dependence of grades on students' background characteristics.
Jungen erhalten, insbesondere in den sprachlichen Fächern, im Durchschnitt schlechtere Noten als Mädchen. Eine Ursache dafür sind geringere Kompetenzen der Jungen, aber auch motivationale Faktoren, Lehrkraft- und Elternmerkmale werden als Erklärungsfaktoren diskutiert. Dieser Beitrag untersucht die Frage, ob Notenunterschiede im Fach Deutsch zwischen Jungen und Mädchen nach der Kontrolle von Kompetenzen bestehen bleiben und wie diese erklärt werden können. Dazu wurden die Daten des IQB-Bildungstrends 2015 (N=21.432) genutzt, welche Leistungstests in drei für das Fach Deutsch maßgeblichen Kompetenzbereichen (Lesen, Zuhören und Orthografie) beinhalten. Es zeigte sich erwartungsgemäß, dass die schlechteren Deutschnoten von Jungen der neunten Jahrgangsstufe zum Teil auf ihre niedrigeren Kompetenzen zurückzuführen sind. Darüber hinaus trugen aber auch die geringere Ausprägung motivationaler Merkmale (Selbstkonzept, Interesse, Anstrengungsbereitschaft) und die höhere Ausprägung von Langeweile im Unterricht sowie Lehrkraftüberzeugungen zum Leseverhalten in unterschiedlichem Maße zu den Notenunterschieden bei. Auch nach Kontrolle dieser Faktoren blieb ein Benotungsnachteil für die Jungen erhalten. Mögliche Ursachen und Aufgaben zukünftiger Forschung werden diskutiert.