
Die intravesikale BCG-Therapie (Bacillus Calmette-Guerin) nach transurethraler Resektion der Harnblase (TURB) ist eine wesentliche Säule in der Therapie beim nicht-muskelinvasiven High-risk-Blasenkarzinom (HR-NMIBC). Neue Phase-III-Studien untersuchen die Addition von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI), um die Rezidivraten weiter zu senken. Dieser Review analysiert die Daten der Studien CREST (Sasanlimab), POTOMAC (Durvalumab) und ALBAN (Atezolizumab) unter Berücksichtigung chirurgischer Standards, der BCG-Erhaltungsdauer und der Definition primärer Endpunkte. Während CREST und POTOMAC unter Einhaltung einer 2‑jährigen BCG-Erhaltung signifikante Verbesserungen des ereignis- bzw. krankheitsfreien Überlebens zeigten (jeweils HR 0,68), blieb ALBAN (HR 0,98) negativ. Wesentliche Gründe hierfür sind am ehesten in der verkürzten BCG-Erhaltung (1 Jahr) und der problematischen Inklusion von Low-grade-Rezidiven im primären Endpunkt zu sehen, die gemäß internationalem Konsens nicht als BCG-Versagen gelten. Die Daten belegen zudem, dass die ICI-Gabe eine fehlende BCG-Erhaltung nicht kompensieren kann. Die systemische Toxizität an schwerwiegenden Ereignissen (Grad 3–5) betrug in der Kombinationstherapie bis zu 29
Der Spruch „Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?“ spielt ironisch mit dem Klischee, Golf sei ein Ersatz für sexuelle Aktivität im Alter, und verweist zugleich auf die Annahme, dass Sexualität im Alter keine Rolle mehr spiele. Ziel war das Sexualleben zwischen Golfern, sportlich Aktiven und sportlich Inaktiven zu vergleichen mit dem Fokus auf der sexuellen Aktivität, Wichtigkeit des Sexuallebens und sexuellen Zufriedenheit. In die Analyse wurden 50-jährige Männer eingeschlossen, die zwischen 04/2020 und 03/2025 an der Bavarian Men’s Health-Study (BMH-Study) teilnahmen. Mittels standardisierter Fragebögen wurden Soziodemographie, Lebensstilfaktoren und Aspekte des Sexuallebens erhoben. Gruppenvergleiche (Golfer, sportlich Aktive [ohne Golf] und sportlich Inaktive) hinsichtlich soziodemografischer, lebensstilbezogener und sexualbezogener Parameter erfolgten mittels χ2-Test/exaktem Fisher-Test. Von 8062 Männern (mittleres Alter 50,3 ± 0,58 Jahre) gaben 1,6
Gesundheit und ökologische Nachhaltigkeit hängen eng miteinander zusammen: Einerseits wird die (urologische) Gesundheit durch die Klimakrise gefährdet, andererseits erzeugt die Gesundheitsversorgung erhebliche Emissionen. Bisher fehlen konkrete Zahlen zum aktuellen Status, möglichen Potentialen und Barrieren aber auch Erwartungen hinsichtlich Nachhaltigkeit unter deutschen Urologinnen und Urologen. Um dies zu ermitteln, wurde eine Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) durchgeführt. Die 339 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer sehen Nachhaltigkeit als relevant an, beobachten jedoch keine praktische Umsetzung in der täglichen Arbeit. Nachhaltige Urologie wird mit Ressourceneffizienz, Kostenreduktion und einem Beitrag zu gesellschaftlicher Verantwortung assoziiert. In der Realität jedoch mangelt es an Priorisierung, Klarheit und personellen sowie finanziellen Ressourcen. Die DGU-Mitglieder, die an der Umfrage teilgenommen haben, wünschen sich Unterstützung vonseiten der Fachgesellschaft, Industrie, Politik und Forschung zur Fortbildung, Strategieentwicklung, Implementierung und Finanzierung von Nachhaltigkeit in der Urologie.
Das Urothelkarzinom des oberen Harntrakts (UTUC) erfordert einen komplexen, multimodalen und leitlinienbasierten Therapieansatz. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung, geringer Fallzahlen und diagnostischer Herausforderungen ist die Umsetzung der jährlich aktualisierten EAU-Leitlinien (European Association of Urology) im klinischen Alltag jedoch häufig erschwert. Ziel dieser Studie war die Evaluation der leitliniengerechten Versorgung sowie der Einfluss leitlinienabweichender Therapieentscheidungen auf das onkologische Outcome. In einer retrospektiven Analyse wurden 181 Patient:innen mit UTUC untersucht, die zwischen 2011 und 2024 an unserer Klinik behandelt wurden. Diagnostik, Therapie und onkologisches Outcome wurden anhand der jeweils gültigen EAU-Leitlinien bewertet und die Behandlungsverläufe in Abhängigkeit von der Leitlinientreue analysiert. Eine nicht leitlinienkonforme Diagnostik oder Therapie erhielten 13
Dank der heute hervorragenden Versorgung komplexer urogenitaler Fehlbildungen in der Neonatalzeit und Kindheit benötigen zunehmend mehr Patient*innen im Erwachsenenalter eine kompetente Langzeitversorgung. Idealerweise übernimmt die Urologie die Versorgung dieser Menschen, die in der Regel einen lebenslangen urologischen Nachsorgebedarf haben. Nur wenn adäquates Wissen vorhanden ist und das auch so bleibt, können diese Patient*innen mit komplexen und seltenen Krankheitsbildern, auch in Zukunft im Erwachsenenleben leitliniengerecht versorgt werden. Zudem ist die Versorgung dieser Patienten aufwendig und muss adäquat vergütet werden. Eine gute urologische Grundausbildung als Fundament sowie eine spezialisierte kinder- und jugendurologische Zusatzweiterbildung können helfen kompetente Experten auszubilden.
Urologische Infektionen zählen zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen und resultieren in einem entsprechend hohen Antibiotikaverbrauch mit den dadurch erhöhten, bekannten Risiken für die Entwicklung multiresistenter Erreger. Aus diesem Grund kommt den unter dem Begriff des Antibiotic Stewardship (ABS) zusammengefassten Maßnahmen für einen rationalen Antibiotikaeinsatz wachsende Bedeutung zu, die in den aktuellen europäischen und deutschen Leitlinien zu urologischen Infektionen explizit unterstrichen wird. Trotz dieser klaren Leitlinienempfehlungen ist der Antibiotikaeinsatz in der urologischen Praxis häufig suboptimal, v. a. aufgrund der Behandlung asymptomatischer Bakteriurien und des übermäßigen Einsatzes von Fluorchinolonen. In diesem Beitrag werden auf der Basis der auf aktuellen Leitlinien die Grundlagen von ABS erläutert, häufige Fehlanwendungen beschrieben und praxisnahe Empfehlungen für Urolog:innen im Umgang mit Antibiotika bei Harnwegsinfektionen und urologischen Eingriffen gegeben.
Das Zukunftspapier der Arbeitsgruppe „Sektorenübergreifende fachärztliche Versorgung in der Urologie“ greift die tiefgreifenden Herausforderungen auf, vor denen die urologische Versorgung derzeit steht. Demographischer Wandel, Fachkräftemangel, steigender Kostendruck, Digitalisierung und der politische Wandel hin zur Ambulantisierung führen zu einer zunehmenden Belastung sowohl in den Kliniken als auch in den Praxen. Um die flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung langfristig sichern zu können, sind strukturelle Veränderungen unvermeidlich. Das Papier zeigt Wege auf, wie diese Veränderungen durch gemeinsame, sektorenübergreifende Ansätze gelingen können – etwa durch vernetzte Versorgungsstrukturen, hybride OP-Zentren mit Klinikanbindung, spezialisierte Notfallstrukturen sowie flexible Beschäftigungs- und Weiterbildungskonzepte. Unter dem Leitprinzip „digital vor ambulant vor stationär“ soll eine patientenzentrierte, effiziente und zukunftsfähige Versorgung etabliert werden. Voraussetzung dafür sind verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionen, Bürokratieabbau, digitale Interoperabilität und eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung. Nur durch das gemeinsame Handeln von Klinik und Praxis kann der Wandel erfolgreich gestaltet und die urologische Versorgung auch künftig gesichert werden. Die Urologie ist aufgrund ihres breiten fachlichen Spektrums, ihrer starken Vernetzung und etablierten Strukturen prädestiniert, in der sektorenübergreifenden Versorgung eine Vorreiterrolle einzunehmen.
Während biomarkerabhängige Zulassungen in der Uroonkologie zunehmen, gibt es bislang keine geschlechtsspezifischen Zulassungen trotz entsprechender Subgruppenresultate. Erhebung des Geschlechterverhältnisses in uroonkologischen Studien mit Fokus auf Einschlussrate und Toxizität in Deutschland. Mittels Umfrage unter der AUO der DKG Erfassung folgender Parameter zu Phase-II/III-Studien des Zeitraums 2015–2023 zu den Entitäten Urothelkarzinom (UC) und Nierenzellkarzinom (RCC): Anzahl männlicher/weiblicher Studienpatienten mit CTCAE-I–II- bzw. III–V-Nebenwirkung, Dosismodifikation und Studienabbruch. Vergleich der geschlechtsspezifischen Einschlussraten mit epidemiologischen Benchmarks. Statistische Analysen mittels Fisher’s Exact-Test und Odds Ratios. An 9 rückmeldenden Studienzentren wurden 106 Patient:innen in Studien eingeschlossen, davon waren 20,8
Die urologische Versorgung in Deutschland steht vor Herausforderungen durch hohe Arbeitsbelastung, dem Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten und der Sicherung des Nachwuchses. Vor diesem Hintergrund wurden Arbeitsbelastung, Arbeitszeitmodelle und Berufszufriedenheit von Urologinnen und Urologen in Deutschland untersucht. Eine bundesweite Online-Umfrage (DGU-/BvDU-/GeSRU-Verteiler) von 10–12/2024 erhob Daten zu Demografie, Qualifikationen, Arbeitsumfeld, -belastung, -zufriedenheit und familiärer Situation unter urologisch tätigen Ärztinnen und Ärzten. Von den 999 Teilnehmenden (66
Die Etablierung einer organisierten, risikoadaptierten Prostatakarzinomfrüherkennung könnte Grundlage einer präventiven Männergesundheit sein. Wie kann die Einführung einer organisierten, risikoadaptierten Prostatakarzinomfrüherkennung die präventive Urologie von morgen prägen? Dieser narrative Übersichtsartikel auf der Grundlage von Leitlinien und Expertenkonsens wird unterstützt durch eine Literaturrecherche auf PubMed (2000–2026). Die zitierten Studien stellen nach Meinung der Autoren die relevanten Arbeiten hierzu dar und wurden ausgewählt, um Entwicklungen und prinzipielle Konzepte zu veranschaulichen, beanspruchen jedoch keine Vollständigkeit. Der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) und die MRT liefern nicht nur Hinweise auf ein Prostatakarzinom, sondern auch auf andere urologische Erkrankungen wie Miktionsbeschwerden oder Testosteronmangel. Parallel zu anderen Früherkennungsuntersuchungen könnte der PSA-Wert mit 45–50 Jahren als einfaches Triage-Tool fungieren, um risikoadaptierte Verlaufskontrollen sowie fachurologische Vorstellungen zu steuern. Lebensstilfaktoren wie Bewegung, eine gesunde Ernährung und Beckenbodentraining können urologische Erkrankungen und deren Folgen positiv beeinflussen. Durch eine organisierte Prostatakarzinomfrüherkennung kann das karzinomspezifische Mortalität bereits heute vergleichbar zur Mammographie verbessert werden, durch ein holistischeres Herangehen kann der Gesamtnutzen jedoch noch mehr gesteigert werden. Die Urologie hat große Chancen, die Gesundheitskompetenz des alternden Mannes, aber auch Früherkennungsmaßnahmen für andere Erkrankungen, aktiv zu fördern. Die organisierte Prostatakarzinomfrüherkennung könnte hierfür einen sinnvollen Einstieg darstellen. Moderne Früherkennungskonzepte sollten die ganzheitliche Gesundheitsförderung des alternden Mannes neben direkten onkologischen Endpunkten miteinbeziehen.
Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in der Urologie von einer experimentellen Technologie zu einem relevanten Bestandteil klinischer Prozesse entwickelt. Während erste Anwendungen in der Bildgebung und robotischen Chirurgie bereits etabliert sind, gewinnen zunehmend auch Entscheidungsunterstützungssysteme, molekulare Analysen sowie Anwendungen in der Praxisorganisation an Bedeutung. Der klinische Mehrwert liegt insbesondere in der Integration heterogener Daten, der Reduktion von Variabilität sowie der Entlastung von Personal in einem zunehmend angespannten Versorgungssystem. Gleichzeitig bestehen substanzielle Herausforderungen hinsichtlich Datenqualität, Validierung, Transparenz und Implementierung in bestehende Strukturen. Der Beitrag analysiert aktuelle Anwendungen anhand konkreter Beispiele, bewertet deren Nutzen vor dem Hintergrund realer Versorgungsbedingungen und diskutiert strategische Perspektiven für eine nachhaltige Integration von KI in die Urologie.
Die Transformation des Gesundheitssystems verändert die urologische Weiterbildung grundlegend. Ambulantisierung, Zentralisierung und steigender Effizienzdruck verschieben Lernorte, erschweren operative Ausbildung und machen sektorenübergreifende Rotationen sowie verlässliche Qualitätssteuerung unverzichtbar. Aus Sicht der GeSRU (German Society of Residents in Urology e. V.) muss Weiterbildung als integraler Bestandteil jeder Strukturreform verstanden werden, um Kompetenzverlust zu vermeiden und die Urologie von morgen aktiv zu gestalten.
Die Urologie befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, geprägt durch Ambulantisierung, Digitalisierung und sektorübergreifende Vernetzung. Ziel der Arbeit ist die Analyse aktueller Entwicklungen und die Darstellung, wie ambulante Operationen, telemedizinische Strukturen, KI-basierte (künstliche Intelligenz) Entscheidungsunterstützung und vernetzte Versorgungsmodelle die urologische Praxis verändern. Es handelt sich um eine narrative Übersichtsarbeit auf Basis aktueller Literatur unter Berücksichtigung gesundheitspolitischer Entwicklungen in Deutschland, insbesondere der Einführung der Hybrid-DRG („diagnosis related groups“). Die Einführung der Hybrid-DRG ab 2024 markiert einen gesundheitspolitischen Wendepunkt. Ambulante urologische Eingriffe zeigen bei strukturierten Abläufen vergleichbare Outcomes wie stationäre Behandlungen bei höherer Kosteneffizienz. Telemedizin hat sich als etabliertes Instrument bewährt, wobei hybride Versorgungsmodelle den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt sinnvoll ergänzen. KI-Systeme erreichen in der urologischen Bilddiagnostik hohe Genauigkeiten und unterstützen zunehmend die klinische Entscheidungsfindung. „Patient-reported outcomes“ gewinnen für die patientenzentrierte Versorgung an Bedeutung. Zentrale Herausforderungen bleiben die Balance zwischen digitaler Innovation und Bürokratieabbau sowie die Sicherstellung der Dateninteroperabilität. Die Urologie ist durch technologische Affinität, standardisierbare Prozesse und etablierte ambulante Strukturen besonders gut für die Transformation positioniert. Die dargestellten Entwicklungen zeigen, dass sie das Potenzial hat, zu den Vorreitern einer modernen, hybriden und digital gestützten Patientenversorgung zu gehören – vorausgesetzt, sie gestaltet die anstehenden Veränderungen aktiv mit.