In diesen Ausführungen soll das Referat noch einmal zusammengefaßt werden und gleichzeitig der Versuch unternommen werden, darzulegen, wohin die weitere Entwicklung der Transplantationsimmunologie führt und welche Möglichkeiten die Anwendung von Transplantaten in Zukunft haben wird.
Die Rekonstruktion von Defekten nach ausgedehnten Tumorresektionen im Mundhöhlen- und Pharynxbereich stellt für den Operateur sowohl funktionell als auch in ästhetischer Hinsicht eine besondere Herausforderung dar. Je nach Ausmaß des Defektes sind verschiedenste Methoden des Gewebeersatzes im Pharynx vonnöten. Die Kieferchirurgie und die Hals-Nasen-Ohrenklinik in Kiel zusammen überblicken zusammen z.Z. 231 teils gefäß-, teils muskelgestielte Transplantate, die zur Defektrekonstruktion im Pharynxbereich verwandt wurden. Die gebräuchlichsten Methoden davon sind der von Aryan angegebene myokutane Pectoralis-major-Insellappen und das mikrovasculär anastomosierte Jejunum-Interponat. Anhand von 160 Patienten wurden funktionelle und ästhetische Langzeitergebnisse nach Pectoralis-major-Insellappen-Plastik und Dünndarm-Interponaten untersucht. Nur in einem geringen Teil der Fälle traten totale Nekrosen auf. Passagere Fisteln und Dehiszenzen waren ebenfalls relativ selten. Die Komplikationsraten sind nach diesen rekonstruktiven Verfahren als gering einzustufen. Morphologische Untersuchungen zeigten, daß sowohl das Brusthautlappenepithel des Pectoralis-major-Lappens als auch das Epithel des in die Mundhöhle eingebrachten Dünndarms eine erstaunliche Angleichung an die umgebene Empfängerschleimhaut zeigen. Sowohl licht- als auch elektronenmikroskopisch konnte festgestellt werden, daß nach einiger Zeit das eingebrachte Epithel die für die Mundschleimhaut typische unvollständige Verhornung im Sinne einer Parakeratose zeigt. Bindegewebsveränderungen subepithelial im Sinne einer Narbe konnten nicht festgestellt werden.
Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung bei Patienten mit cochleo-vestibulären Störungen (Hörsturz, Neuropathia vestibularis) fielen häufig Zeichen chronisch entzündlicher Nasennebenhöhlenaffektionen auf. Es wurden deshalb alle zwischen dem 1.4.1985 und 31.12.1986 erstmals wegen einer labyrinthären Störung in der Universitäts-HNO-Klinik Bonn stationär aufgenommenen Patienten retrospektiv untersucht. Eine Koinzidenz beider Symptomenkomplexe fanden sich in 72%.
Ziel der chirurgischen Stimmrehabilitation ist es, die Lungen als Flowspender, neu angelegte pharyngeale Stimmlippen als Tongeber und den Pharynx als Sprachmodulator zu nutzen, um bei oder nach Laryngektomie regelmäßig die Stimmfunktion wiederherzustellen.
Jüngst durchgeführte Untersuchungen an isolierten, lebenden äußeren Haarzellen zeigten, daß diese zu aktiven Bewegungen fähig sind. Im elektrischen Feld sowie nach Aktivierung des Aktomyosinskeletts beobachtete man Längskontraktionen des Zellkörpers und Kippbewegungen der Kutikularplatte. Das morphologische Korrelat hierfür zeigte sich durch die Darstellung kontraktiler Filamente. Demnach sind äußere Haarzellen nicht nur zur Schallperzeption, sondern auch zur Steuerung der Innenohrmechanik fähig. Man vermutet, daß die äußeren Haarzellen als cochleäre Verstärker fungieren. Die von E. L. LePage und B. M. Johnstone korrigierte Wanderwelle zeigt einen spitzen, scharfen, frequenzabhängigen Verlauf und läßt hiermit Frequenzselektivität und Sprachverständlichkeit erklären. Dieser Kurvenverlauf kann nicht durch einen rein passiven Prozeß erklärt werden und unterstützt somit die These eines aktiven Steuerungsvorganges. Der hierfür erforderliche aktive Mechanismus liegt in der äußeren Haarzelle und kann durch ihre auffällige Beweglichkeit erklärt werden. Es wird angenommen, daß die efferenten Nervenfasern ihrerseits die äußeren Haarzellen in ihrer Bewegung kontrollieren. Der endgültige Nachweis für die auffällige efferente Innervation gelang bisher nicht.