Die Erfordernisse der Versorgung (care) im Leben alter Menschen sind bei gesundheitlicher und sozialer Bedurftigkeit in der Regel vielseitig und komplex. Die gewohnte Lebensbahn ist in Frage gestellt, korperliche Beeintrachtigungen erfordern ebenso wie geistige Veranderungen und die Entfernung aus der Arbeitswelt eine Menge Umstellungen und bereiten in der Bewaltigung des Alltags Schwierigkeiten. Hilfen werden erforderlich, um die Selbstandigkeit zu erhalten, und Vorkehrungen fur den Fall volliger Abhangigkeit von Fremdversorgung getroffen.
Mit dem Paradigmenwechsel im Verstandnis von Rehabilitation, weg von der rein defizitorientierten, medizinischen Sichtweise hin zur selbstbestimmten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, der mit dem Inkrafttreten des SGB IX im Jahr 2001 in Deutschland, der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009, der Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts und der Verabschiedung des Bundesteilhabegesetztes im Jahr 2016 endgultig vollzogen wurde, haben sich die Anforderungen an die Strukturen und Prozesse derjenigen Institutionen verandert, die mit der Organisation, Durchfuhrung und Finanzierung von Rehabilitation befasst sind. Rehabilitation entwickelt sich damit von einer nachgelagerten (Teil-)Leistung zu einer der Schlusselstrategien fur die gesundheitliche Versorgung und soziale Sicherung. Diese neue Sichtweise bedarf auch neuer Vorgehensweisen bei der Planung und Durchfuhrung rehabilitativer Masnahmen. Um eine effektive und effiziente Rehabilitation planen zu konnen, mussen einerseits zunachst eine grose Zahl an Einflussfaktoren erfasst und beurteilt und andererseits eine Vielzahl an Leistungstragern und Leistungserbringern koordiniert werden. Eine Herausforderung, der mit dem Handlungskonzept Case Management begegnet werden kann. Wie und warum, das soll in diesem Lehrbuch erlautert werden.
Zusammenfassung Ziel der Studie Die Ergebnisqualität medizinischer Rehabilitationsleistungen wird häufig mittels „Patient Reported Outcomes“ (PROs) bewertet. Es wird untersucht, inwieweit sich diese PROs in der „harten“ bzw. „objektiven“ Zielgröße Beitragszahlungen der Versicherten in die Sozialversicherung widerspiegelt. Methodik Die „Reha-QM-Outcome-Studie“ beinhaltet Selbstangaben der Patienten sowie Daten aus der Rehabilitations-Statistik-Datenbank (RSD) der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg. Die Stichprobe für die vorliegende Fragestellung umfasst N=2 947 Versicherte, die im Jahr 2011 in einer der 21 Kliniken des „Qualitätsverbunds Gesundheit“ behandelt wurden und zum Zeitpunkt der Reha-Antragstellung erwerbstätig oder arbeitslos, also potentielle Erwerbspersonen waren (Rücklaufquote: 55%). Die Stichprobe erwies sich als weitgehend repräsentativ für die Grundgesamtheit der ausgewählten Versicherten. Ergebnisse PROs und Beitragszahlungen korrespondieren hoch. So unterschieden sich im Jahr nach der Reha subjektiv gebesserte gegenüber nicht gebesserten Rehabilitanden hinsichtlich ihrer Beitragsverläufe deutlich. Schlussfolgerung Die Ergebnisse sprechen für die Validität der PROs. Für eine umfassendere Abbildung der Ergebnisqualität von Rehabilitationsmaßnahmen sollten PROs und Beitragszahlungen ergänzend betrachtet werden.
Objectives: Return to Work (RTW) is an essential outcome criterion in medical rehabilitation. There are many ways to operationalize the construct RTW. In the present study 4 calculation variants are compared.Methods: The data used are from the "Rehabilitation QM Outcome Study", a naturalistic, multicenter observational study including self-reports of rehabilitation patients and data from the German Rehabilitation Statistics Database (RSD). The sample for the present issue includes n = 2 947 insurants of the DRV Baden-Wurttemberg, treated at 21 hospitals in 2011. All were economically active at the time of the rehabilitation application, that is employed or unemployed. The sample was broadly representative for the selected total group of insurants.Results: Depending on the type of calculation, the proportions of insurants who were still or again employed one year after rehabilitation (RTW rate) differed between 46 and 83 %. ROC analyzes show that social security contributions differentiate better in the simpler calculation variant, which speaks for the validity of these variants.Conclusions: For the comparison of RTW rates the selected calculation variant is crucial; these should be validated on the basis of both other, patient-reported outcomes and concrete social contributions.
Ein wichtiges Ziel der medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherung war schon immer die berufliche (Wieder-)Eingliederung der Rehabilitanden. Daher ist die Ermittlung des Erwerbsstatus ein zentrales Element fur die Bewertung des Rehabilitationsergebnisses. Fur die konkrete Umsetzung bestehen jedoch mehrere Moglichkeiten: Betrachtung von Einkommen, Beschaftigungsdauer oder -art, Stichtags- oder Zeitraumbetrachtung, kurz-, mittel- oder langfristige Erhebung, Befragung der Rehabilitanden oder Nutzung von Daten der Sozialversicherung etc. In diesem Beitrag werden mogliche Herangehensweisen am Beispiel der „Reha-QM-Outcome-Studie“ des „Qualitatsverbundes Gesundheit“ und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Wurttemberg (Kaluscha et al., 2014) beleuchtet.
Hintergrund: Ziel der Reha-QM-Outcome- Studie ist die Uberprufung der Effektivitat stationarer Heilbehandlungen auf der Basis von Befragungsdaten, Routinedaten der Rentenversicherung und von Qualitatskennzahlen der beteiligten Einrichtungen, sowie die Untersuchung der Zusammenhange zwischen diesen drei Datenbereichen. Methodik: Die Studie beinhaltet Selbstangaben der Patienten (schriftliche 1-Punkt-Nachbefragung 1 Jahr nach der Reha), Daten aus der Rehabilitations-Statistik-Datenbank (RSD) sowie Qualitatskennzahlen der Einrichtungen aus einem verbundinternen Kennzahlensystem. Stichprobe: Die Stichprobe umfasste n = 7.616 Versicherte der DRV Baden-Wurttemberg, die im Jahr 2011 in n = 21 Verbundkliniken behandelt wurden. An der katamnestischen Befragung beteiligten sich n = 4.161 dieser Rehabilitanden (Rucklaufquote 55%), RSD-Datensatze konnten fur n = 3.720 Versicherte, die sich an der Katamnese beteiligten, eindeutig zugeordnet werden. Die Stichprobe kann als weitgehend reprasentativ fur die Grundgesamtheit der ausgewahlten Versicherten angesehen werden. Ergebnisse: Die Ergebnisse 1 Jahr nach stationarer Rehabilitation weisen trotz eher schwieriger Ausgangsbedingungen (gesundheitlich, sozialmedizinisch und beruflich deutlich belastete und in der Regel chronifizierte Patienten) in eine positive Richtung. Der Nutzen der Rehabilitation, die Zielerreichung und die Zufriedenheit mit dem Ergebnis werden positiv eingeschatzt. Die Pra-Post-Effektstarken der erhobenen Skalen liegen fur die Gesamtstichprobe im mittleren Bereich (ES = 0,40 – 0,60), in einzelnen Indikationsbereichen (Psychosomatik) auch deutlich hoher (ES = 1,2 fur die Skala GB10). Die Return-to-Work-Quoten liegen zwischen 75% (Zeitpunktquote) und 83% (kumulative Zeitverlaufsquote). Die durchschnittliche Beitragszahlung aus Erwerbstatigkeit schwacht sich im ersten Jahr nach Rehabilitation insgesamt nur leicht ab, die subjektiven Patienteneinschatzungen korrespondieren dabei mit dieser gut. Auch hinsichtlich Qualitatskennzahlen ergeben sich deutliche Zusammenhange mit der Rehabilitandenzufriedenheit und dem Reha-Erfolg. Folgerungen: Es lassen sich Potenziale fur das interne Qualitatsmanagement und Impulse fur Verbesserungsprozesse in den Kliniken ableiten. Die Einbeziehung aller drei Datenebenen offeriert einen neuen Blickwinkel und neue Analysemoglichkeiten. Eine gemeinsame Betrachtung der drei Datenebenen, wie in der Reha-QS-Outcome-Studie erstmals realisiert, hat sich als praktikabel erwiesen. Ziel einer mittelfristigen Implementierung der Methodik in die Routine ist die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Kliniken und belegendem Rehabilitationstrager im Sinne einer Win-Win-Situation.
Vor dem Hintergrund knapper Ressourcen, dem zunehmendem Reha-Bedarf und der politischen Diskussion um eine demografische Anpassung der Reha-Budgets gewinnt der Nachweis der Ergebnisqualitat medizinischer Reha-Leistungen weiter an zentraler Bedeutung (z. B. Haaf, 2005; Steiner et al., 2009). Die kontinuierliche und klinikvergleichende Uberprufung der Behandlungsergebnisse ist daruber hinaus ein wichtiger Baustein eines funktionierenden Qualitatsmanagements (Schmidt et al., in press). Sie ermoglicht ein Lernen von den Besten und fuhrt zu organisatorischen Lernprozessen (Toepler et. al., 2010).
Die Rehabilitation von Menschen mit einer schweren Verletzung/beruflich bedingten Erkrankung erfordert meist das Zusammenwirken verschiedener Leistungen. Der Versorgungsbereich der Rehabilitation lässt sich entsprechend als vernetztes System betrachten, dessen Funktionieren von der Kooperation der Teilsysteme beeinflusst wird. Unter dem Blickwinkel des gesetzlichen Auftrags der möglichst weitgehenden Wiedereingliederung in das berufliche und gesellschaftliche Leben lassen sich 3 den Rehabilitationserfolg beeinflussende Qualitätsebenen identifizieren, die Qualität (a) des Versorgungssystems hinsichtlich Bedarfsgerechtigkeit und Zugänglichkeit, (b) der Einzelleistungen und (c) der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Leistungserbringern. Erfolgsfaktoren für Letztere sind: (1) die sorgfältige Auswahl der Netzwerkpartner, (2) die Festlegung übergeordneter Ziele und Grundsätze, (3) Vertrauen unter den Partnern, (4) eine abgestimmte Ziel- und Behandlungsplanung, (5) eine koordinierende Stelle, (6) regelmäßige Kommunikation und (7) regelmäßige Evaluation der Zusammenarbeit.
Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall ist es Aufgabe der Unfallversicherungsträger, für die Akutversorgung, die medizinische Rehabilitation und die Teilhabe des Versicherten am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft zu sorgen. Dies ist nur unter enger Zusammenarbeit der Beteiligten möglich. Die aktive Steuerung des Rehabilitationsprozesses erfolgt in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) durch das Rehabilitationsmanagement. Für dieses wurden durch den im September 2010 verabschiedeten Handlungsleitfaden der DGUV einheitliche Maßstäbe gesetzt. So wurden die persönliche Beratung und Betreuung durch den Rehabilitationsmanager, die zielorientierte Steuerung des Heilverfahrens von Beginn an und gemeinsam mit allen am Rehabilitationsprozess Beteiligten sowie die Planung einer nahtlosen Rehabilitation und zeitnahen beruflichen Wiedereingliederung als zentrale Merkmale des Rehabilitationsmanagements definiert. Es werden die Fallauswahl, die Durchführung des Rehabilitationsmanagements und die Anforderungen an die Ärzte im Rahmen des Handlungsleitfadens vorgestellt, zudem wird auf die Qualitätssicherung eingegangen.
In dem Beitrag wird die Verbindung von Qualitatsmanagement und Vernetzung anhand von zwei Beispielen dargestellt. In horizontalen Netzwerken steht das Voneinanderlernen und die Reduzierung des administrativen Qualitatsmanagementaufwandes im Vordergrund. In vertikalen Netzwerken unterstutzt die qualitatsorientierte Zusammenarbeit das schnittstellenubergreifende Case Management und die Patientenorientierung. Als Erfolgsfaktoren fur die Realisierung von Qualitatsnetzwerken werden ein gemeinsames Qualitatsverstandnis und verbindliche Prozesse sowie eine von allen Partnern akzeptierte koordinierende Stelle berichtet.
Our study was carried out to evaluate client satisfaction with substance abuse treatment before introducing a quality management (QM) program.
Hintergrund/Ziele und Forschungsfragen: Ziel des Projekts IQMS ist, in sieben Beratungsstellen in Baden die Abläufe in den Einrichtungen und die Zusammenarbeit zwischen Beratungsstellen, Kliniken und Hausärzten und somit die Betreuung der Klienten zu verbessern. Die wissenschaftliche Begleitung überprüft die Wirksamkeit des Programms. Material und Methoden: Informationen werden aus zwei Quellen bezogen, einem standardisierten Fragebogen und aus Routinedaten der Beratungsstellen. Der Fragebogen misst die Zufriedenheit der Klienten mit den Beratungsstellen und den Kliniken, den Beratungs- oder Therapieerfolg und die Zufriedenheit mit der Schnittstelle zwischen Beratungsstelle, Klinik und Hausarzt. Die Routinedaten aus dem einrichtungsbezogenen Informations- und Dokumentationssystem (EBIS) beinhalten soziodemografische Angaben und Informationen zu Beratungsinhaltendauer. Die vorliegenden Daten stellen die Ergebnisse für die Kontrollgruppe dar, die vor der Einführung des Qualitätsmanagementprogramms im Oktober und November 2004 erhoben wurden. Nach der Umsetzung des Programms werden ab Oktober 2005 die Daten der Interventionsgruppe erhoben. Ergebnisse: Insgesamt nahmen an der Klientenbefragung 292 Personen teil. Zusätzlich zu den Befragungsdaten lagen für 257 Klienten auch EBIS-Daten vor. Die Zufriedenheit mit den Beratungsstellen ist erwartungsgemäß sehr hoch. Vor allem Klienten, die eine sehr lange Betreuungsdauer haben, äußern sich zufriedener als andere. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Klienten über lange Zeit eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung mit ihren Betreuern aufgebaut haben. Kein Unterschied zeigt sich zwischen Personen mit Konsum legaler oder illegaler Drogen. Die Schnittstelle zwischen Klinik, Arzt und Beratungsstelle wird von allen Klienten nicht so gut bewertet. Schlussfolgerungen und Diskussion: Die ersten Ergebnisse zeigen Hauptprobleme und Handlungsbedarf an der Schnittstelle zwischen Beratungsstelle, Klinik und Arzt und hinsichtlich der Komplexität des EBIS-Systems.