Dieser Band formuliert die Grundlagen einer kultursoziologisch konzipierten Stadtforschung. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie eine kulturwissenschaftliche Sicht auf Städte dabei helfen kann, klassische Fragen der Stadtsoziologie neu zu beantworten. Durch den Fokus ihrer Analyse auf zentrale kulturelle Strukturkategorien wie Geschlecht, Klasse und race gelingt es den Autor_innen, die soziologische Debatte zum Thema Stadt um eine feministische und postkoloniale Perspektive zu erweitern. Des Weiteren zeigen ihre Überlegungen, inwiefern ein kultursoziologischer Ansatz dabei helfen kann, Städte im Kontext aktueller gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen zu analysieren. https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/
The objective of the paper is an analysis of the temporal patterns of digitalization. Looking at a specific field, the built environment, and a specific architectural typology, libraries, we ask what has changed in library architecture after 1995 and what types of patterns of progression are evident in this context. Up close, digitalization exhibits more nuanced changes than the catch-all-term suggests. We propose three phases of digitalization: (1) a phase revolving around infinite expansion (1995-2005), (2) a phase revolving around unlimited access (2005-2015), and (3) a phase concerned with encompassing comfort (after 2015). With regard to these refiguration processes, we identify both trajectories, turning points and cyclical patterns. Our study highlights the importance of empirical studies and time-sensitive social research in the context of studies on the digital age.
Leseprobe-----Bibliographie: Schmidt-Lux, Thomas/Wohlrab-Sahr, Monika: Qualitative Online-Forschung. Methodische und methodologische Herausforderungen, ZQF – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 1-2020, S. 3-11. https://doi.org/10.3224/zqf.v21i1.01
Although digitalization processes are frequently described as being immaterial and ‘virtual’, the importance of material space and architecture in the Silicon Valley is evident. Just recently new headquarters of Apple, Facebook and Google have opened. Based on walk-throughs, interviews, documents and photography, the essay analyses their architecture and spatial organization. The analysis reveals that there is no single, uniform form of contemporary corporate architecture in Silicon Valley, just as there is no coherent picture of the digital. Google builds accessible and permeable, Facebook creates a built community, while Apple builds its very own world, similarly hiding and exposing it. Thus, the analysis of architecture reveals different conceptions of an often monolithically described field.
Das Pladoyer, Recht als Kultur zu verstehen, richtet haufig Blick auf Kontingenz, Kontextgebundenheit und Interpretationsoffenheit des Rechts. Zugleich bietet jedoch die Betonung des kulturellen Charakters von Recht die Chance, dessen Grenzziehungen und Schliesungsmechanismen zu analysieren. Beides ist vor allem dann der Fall, wenn Kultur selbst zu einem rechtlichen Sachverhalt oder Argument wird. Diese Wechselbeziehungen von Kultur und Recht sowie von Offnung und Schliesung werden am Beispiel jungerer Debatten diskutiert und die dabei beobachtbaren Varianten von Kulturbegriffen im Recht systematisiert.
Alors que, de nos jours, c’est à un critique et un théoricien du cinéma que l’on associe le plus souvent Siegfried Kracauer, nous traçons ici les contours de son oeuvre au regard de sa pertinence pour la sociologie de la culture. Nous concentrant sur ses écrits journalistiques, nous nous intéressons au rôle qu’y joue l’observation et à la place qu’y occupent l’espace et le « concret », à l’écriture sociologique, à la lecture du monde moderne, à la posture des intellectuels et au rapport non dogmatique de l’auteur au politique et à la théorie. Enfin, nous nous interrogeons sur l’apport que représentent ses écrits pour une sociologie qui se veut exigeante et empirique, tout en se présentant comme divertissante et sans formalisme.
Analysen und Reportagen zur Szene der sogenannten Reichsbürger haben sich bislang vor allem auf deren Geschichte, ihre potentielle Gewalttätigkeit und grundsätzlichen Organisationsstrukturen konzentriert. Der Text unternimmt deshalb eine empirisch fundierte, kultur- und rechtssoziologisch interessierte Interpretation des Selbstverständnisses und der Programmatik der Reichsbürger. Dazu wird das analytische Konzept von „Räumen eigenen Rechts“ entwickelt, das Gruppen wie die Reichsbürger zu verstehen erlaubt. In den Blick kommen mit diesem Konzept jeweils Akteure, die normativ-rechtliche Ordnungen zu etablieren versuchen, die jenseits von oder in Konflikt mit staatlichem Recht stehen. Beispiele dafür finden sich in Deutschland, aber mit den Sovereign Citizens auch in den USA.
Denkt man an Fans, hat man schnell spezifische Situationen vor Augen: volle Stadien, laute Konzerthallen, euphorische Momente. Doch jedes Fußballspiel hat ein Ende, jedes Konzert kennt eine letzte Zugabe. Neben diesen außeralltäglichen Höhepunkten besteht jedes Fanleben auch – und vielleicht sogar: vor allem – aus einem Alltag. Dieser steht im Mittelpunkt der folgenden Überlegungen. Dabei beschäftigt uns die Frage, ob und wie sich Fantum in der alltäglichen Lebensführung von Fans niederschlägt, welche Formen die Fanbeziehung dort annimmt und welche Folgen dies hat. Der Blick gilt hier also auch den kleinen Dingen und Aspekten, den gewöhnlichen Aktivitäten und Beschäftigungen von Fans; denn nicht zuletzt solche Beobachtungen machen die Vielschichtigkeit des Phänomens und zugleich dessen soziologische Relevanz deutlich.
Das Themenfeld Fans ist bislang selten systematisch mit soziologischer Theorie in Verbindung gebracht worden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, brachten Fanforschungen weder eigene Theorien hervor noch wurden soziologische Theorien auf das Phänomen Fantum angewandt. Dies stellt ein eindeutiges Manko der bisherigen Fanforschung dar, und hier liegen dementsprechend noch die größten Reserven. Von einer stärkeren theoretischen Orientierung würden nicht nur die empirischen Analysen von Fans profitieren und die Anschlussfähigkeit der Fanforschung an andere soziologische Felder erhöht – die soziologische Theoriedebatte selbst könnte hier wertvolle Impulse erfahren.
Elvis Presley starb im August 1977 in Memphis. Blickt man jedoch auf seine Fanszene, ist Elvis lebendiger denn je. Nicht nur verkaufen sich seine Platten und Biografien gut – um seine Person hat sich ein regelrechter „Cult of the King“ entwickelt (Harrison 1992). So lassen sich nicht allein Unmengen von Abbildungen und Fotos von Elvis finden, sondern geradezu sakralisierende Motive und Jesus-analoge Darstellungen. Diese werden von Fans in eigens eingerichteten Schreinen neben anderen Elvis-Reliquien drapiert oder im Internet ausgestellt. Zudem fahren jährlich hunderttausende Fans zu den zentralen Orten des Elvis-Gedächtnisses nach Graceland und in Elvis' Geburtsstadt Tupelo – und viele unternehmen dies jedes Jahr erneut. Der Höhepunkt ist die Elvis-Week anlässlich seines Todestages und insbesondere das Candlelight-Vigil, eine stille Prozession der Fans über das Graceland-Anwesen, wobei jeder der Teilnehmenden eine Kerze in der Hand trägt. In Portland existiert eine „24 Hour Church of Elvis“, und nach wie vor kursieren zahllose Berichte von Menschen, die mit Elvis nach seinem Tod – auf welche Art auch immer – in Kontakt gekommen sind (Hinerman 1992; Fiske 1999).