Based on a sample of the Hannover registration office this project analyses the health and prevention behaviour of Russian- and Turkish-language migrants compared to natives. The project analysis revealed considerable differences, particularly concerning addiction behaviour and physical activities.
Einleitung/Hintergrund: Studien weisen darauf hin, dass der Anteil an MigrantInnen, die Suchthilfeeinrichtungen aufsuchen, deutlich geringer ist als bevölkerungsstatistisch zu erwarten wäre. Eine Ursache könnte sein, dass ihr Zugang zu Informationen schlechter ist. Die Nutzung angepasster Zugangswege könnte dem abhelfen. Beim sog. „Mediatoren-Ansatz„ werden geschulte MuttersprachlerInnen als Multiplikatoren in ihren ethnischen Gemeinschaften eingesetzt, um dort als PräventionsberaterInnen Informationsveranstaltungen zu bestimmten Themen anzubieten. Daten und Methoden: In einem durch das BMBF geförderten Projekt zur Analyse der Effektivität muttersprachlicher PräventionsberaterInnen wurden im Zeitraum November 2006 bis Juli 2007 61 russisch- bzw. türkischsprachige Informationsveranstaltungen durchgeführt. 49 dieser Veranstaltungen fanden in Settings der jeweiligen Kulturgemeinschaft (z.B. Moscheen, Vereine) statt und wurden über die Präventionsberater/-innen bekannt gemacht (Zugeh-Struktur), zwölf der Veranstaltungen wurden in öffentlichen Gebäuden durchgeführt und per Plakat/Flyer im Stadtgebiet Hannover angekündigt (Komm-Struktur). Die Teilnehmer/-innen wurden mittels eines zweisprachigen Selbstausfüller-Fragebogens u.a. zu ihrem Gesundheits- und Präventionsverhalten befragt. Für die Analysen liegen 386 türkische und 436 russische Fragebögen vor. Zusätzlich wurde eine per Zufallsverfahren ausgewählte repräsentative Stichprobe russisch- (n=300) bzw. türkischsprachiger (n=299) Einwohner Hannovers befragt. Ergebnisse: Die Zugehstruktur erwies sich als die erfolgreichere Strategie – über die Kommstruktur konnten insgesamt lediglich zwei Personen erreicht werden. Dabei wurde in beiden Migranten-Gruppen die Motivation zum Besuch der Veranstaltungen häufiger mit einem allgemeinen Interesse am Thema begründet und seltener mit der Absicht, einer suchtgefährdeten Person zu helfen. In der Präsentation werden die über die Zugehstruktur erreichten Migrant/-innen nach verschiedenen Kriterien (z.B. demographische Merkmale, Akkulturation, Informations- und Gesundheitsverhalten) charakterisiert und mit den Daten der repräsentativen Stichprobe verglichen. Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Studie trägt zur systematischen Weiterentwicklung migrantenspezifischer Zugangswege bei und gibt Aufschluss, welche MigrantInnen über bestimmte Zugangswege (nicht) erreicht werden. Als ungeeignet für den Zugang zu Suchtpräventionsveranstaltungen erwiesen sich öffentlich angekündigte Veranstaltungen; die Netzwerke der PräventionsberaterInnen sowie Kontakte innerhalb der ethnischen Gemeinschaften scheinen für die Motivation zum Besuch solcher Veranstaltungen unabdinglich.
Hintergrund: Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „IN FORM„ hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) elf Aktionsbündnisse zur Etablierung und Verstetigung von gesundheitsförderlichen Strukturen gefördert. Ziel des bündnisübergreifenden Evaluationsvorhabens war es, die Planungs-, Struktur- und Prozessqualität der Aktionsbündnisse zu beurteilen, um daraus Empfehlungen für zukünftige Netzwerke in der Gesundheitsförderung abzuleiten. Methode: Zur Beurteilung der Prozessqualität wurden verschiedene projektspezifische Instrumente entwickelt (zwei Analyseraster, ein Dokumentationsbogen sowie Leitfadeninterviews zu zwei Zeitpunkten). Ziel war es, die Planungen und die tatsächliche Umsetzung vorgesehener Maßnahmen zu erfassen und zu analysieren. Zudem wurden zugrunde liegende Arbeitsstrukturen sowie förderliche und hinderliche Rahmenbedingungen für die Strukturbildung analysiert (z.B. Einbindung in bestehende Strukturen, Kommunikation im Netzwerk, Konfliktlösungsstrategien), um erfolgreiche Muster in der Netzwerkarbeit herauszuarbeiten. Ergebnisse: Die bündnisübergreifenden und bündnisspezifischen Auswertungen zeigen, dass in allen Bündnissen nahezu alle geplanten Aktivitäten auch erfolgreich umgesetzt worden sind. Es sind nur kleine Ausnahmen infolge bürokratischer Verzögerungen oder der fehlenden Teilnahmebereitschaft seitens der Zielgruppe zu verzeichnen. Auch die Arbeitsstrukturen folgten in fast allen Bündnissen den Empfehlungen der Netzwerkforschung: für größere Verbünde sind entsprechende kleinere und damit arbeitsfähige Steuergremien eingesetzt worden, die sich mindestens alle 2–3 Monate getroffen haben, Konflikte sind kaum aufgetreten und falls doch, wurden sie konstruktiv über eine verbesserte Kommunikation gelöst. Der konfliktarme Prozessverlauf lässt sich darauf zurückführen, dass Bündnismitglieder sich vielfach bereits kannten, gemeinsame Arbeitserfahrungen hatten und Konkurrenzen vorab ausgelagert wurden oder im Notfall in Win/Win-Situationen gewendet werden konnten. Die meisten Bündnisse konnten ihre Aktivitäten auch erfolgreich in bereits länger bestehende Strukturen einbinden und damit einen Grundstein für die Nachhaltigkeit ihrer Angebote legen. Diskussion: Welche Bedingungen waren förderlich oder eher hinderlich für diese erfolgreiche Zusammenarbeit? Liegt der Garant für eine erfolgreiche Projektarbeit in der guten Planung? Ist das Aufsatteln auf bestehende Strukturen notwendig, um ein neues Netzwerk erfolgreich zu etablieren? Welche Empfehlungen für eine erfolgreiche Etablierung gesundheitsförderlicher Strukturen lassen sich für zukünftige Projekte aussprechen.
In der vorliegenden Studie wurden Kosten und Kosteneffektivität von unterschiedlichen Zugangswegen zu russischsprachigen Migranten am Beispiel von Informationsveranstaltungen zur Suchtprävention untersucht: passive Kommstruktur, aktive Zugehstruktur sowie Mischstruktur (die aktive und passive Rekrutierungsstrategien kombiniert).
In line with the National Action Plan "IN FORM" the German Federal Ministry of Health funds the establishment of 11 regional community health promotion networks (alliances). To meet quality development standards, an external evaluation project has been established in addition to the alliances' internal evaluation. Scientific monitoring focuses on alliance-spanning investigation of quality of planning, structures and processes and uses different methods and instruments (e.g., guided interviews, analytical framework, Goal Attainment Scaling). Regional networks also receive support for their efforts to quality development. Up to now concluding analysis can be done on aspects of planning quality based on findings of the analytical framework developed within the project. 5 selected results presented in the article reveal a heterogeneous picture: on one hand the standard on which the alliances' rationales on demands justifying the project's strategy are written at is very encouraging. The situation is similar with the descriptions of the work planning and statements concerning the sustainability at which the implemented activities are aimed. On the other hand, in explaination criteria like consideration of target group's needs or definition of goals the possibilities are not exhausted yet considering the state of the debate. Hence in similar future projects there is a clear necessity of assistance in approaching these aspects, provided preferably in an early stage of the planning phase.
Einleitung An der Medizinischen Hochschule Hannover wurde von 2004 bis 2008 das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Effektivität des Zugangsweges über muttersprachliche Präventionsberater zur Optimierung des Gesundheitsverhaltens von Migranten“ durchgeführt. In Kooperation mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e.V., Hannover (EMZ) wurden vier Zugangswege zur Gewinnung von Teilnehmern an russisch- und türkischsprachigen Informationsveranstaltungen zu Suchtprävention untersucht.
Hintergrund: Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „IN FORM“ fördert das Bundesministerium für Gesundheit elf Aktionsbündnisse, die eine Etablierung und Verstetigung von gesundheitsförderlichen Strukturen zum Ziel haben. Ziel des bündnisübergreifenden Evaluationsvorhabens ist es u.a., die Planungs- und Strukturqualität der Aktionsbündnisse zu beurteilen, um daraus Empfehlungen für zukünftige Netzwerke in der Gesundheitsförderung abzuleiten. Methode: Zur Beurteilung der Planungs- und Strukturqualität wurde ein Raster entwickelt, mit dem die Anträge der Aktionsbündnisse analysiert wurden, um qualitative Unterschiede in deren Ausgestaltung aufzudecken (Methode: Dokumentenanalyse). Das Raster enthält 22 Kategorien, die für die Beurteilung der Planungsqualität von Bedeutung sind (z.B. geplante Ziele, Zeitpläne oder Arbeitsstrukturen). Für jede Kategorie wurden Leitfragen anhand der Angaben aus dem Antrag beschreibend beantwortet. Zudem sind für jede Kategorie ein bis zwei Kriterien formuliert worden, mit der die Qualität der Anträge jeweils anhand einer spezifischen 4-stufigen Skala bewertet werden konnte. Nach der Beantwortung der Leitfragen durch das Evaluationsprojekt wurden die Raster an die Bündnisse geschickt (zunächst ohne Bewertung, allerdings mit den Bewertungskriterien), um diesen die Möglichkeit zu eröffnen, mögliche Leerstellen und Fehldeutungen zu korrigieren. Im Anschluss erfolgte die Bewertung in Form einer unabhängigen Einschätzung der Planungsqualität durch zwei MitarbeiterInnen des Evaluationsprojekts. Ergebnisse: Die Auswertung der Einschätzungen in den Rastern und die Darstellung der Ergebnisse erfolgte auf zwei Ebenen: 1. Bündnisspezifisch: für jedes Bündnis wurde ein kurzer Bericht zu den Stärken/Schwächen angefertigt und dem Bündnis zugeschickt; 2. Kategorienspezifisch: für jede Kategorie wurden die Einschätzungen aller Bündnisse zusammenfassend aufbereitet. Die vorhandene Spannbreite der Planungsqualität in einzelnen Kategorien wird über Fallkontrastierungen verdeutlicht und soll auf der Tagung vorgestellt werden. Diskussion: Inwiefern ist es den Bündnissen gelungen, bereits im Antrag Erfolg versprechende Aktivitäten zu planen, die eine nachhaltige Etablierung von Strukturen erwarten lassen? Es gilt, Faktoren für die erfolgreiche Etablierung gesundheitsförderlicher Strukturen zu identifizieren und deren Berücksichtigung in den Bündnisprozessen zu unterstützen.
Background: The issue of migration has been gaining importance in the health care system due to the growing rate of immigrants among the German population. Immigrants with a Turkish background represent the largest group of migrants. Due to the low return rate, the proportion of elderly persons with a Turkish background is expected to rise in accordance with the demographic development. Furthermore, an increase in the use of health care services by Turkish immigrants is expected – a process that is characterized by a complex structure of different influencing factors. Methods: In the following paper, possible factors influencing the use of health care services by immigrants are structured on the basis of available research findings. The aim of this paper is to identify and assign starting points for the improvement of health care for Turkish migrants living in Germany. Results and conclusions: The intricacy of factors influencing the use of health care services among immigrants is illustrated. The factors may be classified according to their malleability as follows: factors that are influenced by the individual himself, particularly concerning perceptions about health and disease, the related health behaviours, as well as the burdens caused by the migration process. Various approaches to improving the skills and capacities of immigrants exist within the German health care system (e. g. migrant-specific choices within the respective cultural community, improvement of health literacy). Approaches that should be implemented by the host country are related to ethnicity, socioeconomic status, insurance laws and aspects of access and communication in the context of medical care. In this regard, measures to reduce exclusion and discrimination should be developed. These aim at target-group-oriented health information and improved communication on the part of the physician. Further approaches include the support of migrant-specific resources, such as social networks and healthy habits (healthy diet, abstention from alcohol, etc.). So far, very little detailed information about the health care of migrants is available. Specific research into groups of migrants that addresses the heterogeneity of influencing factors has rarely been done. The need for further migrant-specific research becomes apparent.
Hintergrund: Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „in form“ fördert das Bundesministerium für Gesundheit elf Settingprojekte, die eine Etablierung und Verstetigung von gesundheitsförderlichen Strukturen zum Ziel haben.
Einleitung: Bisher liegen kaum Untersuchungen dazu vor, ob sich die subjektiv erlebte Gesundheit von Migranten von der Lebensqualität der deutschen Bevölkerung unterscheidet. Eine Ausnahme ist die KiGGS-Studie, die für Jugendliche mit Migrationshintergrund eine schlechtere Lebensqualität konstatiert als für gleichaltrige Nicht-Migranten. Das BMBF-geförderte Projekt zur „Effektivität des Zugangsweges über muttersprachliche Präventionsberater zur Optimierung des Gesundheitsverhaltens von Migranten“ geht der Frage nach, ob sich russisch- und türkischsprachige Migranten hinsichtlich ihrer Lebensqualität unterscheiden. Methoden: Aus einer zufällig gezogenen Einwohnermeldeamtsstichprobe von 30.000 Hannoveraner Bürgern wurden anhand des Onomastikverfahrens (Namensforschung) 3.909 russisch- und türkischsprachige Personen identifiziert. Davon wurden 600 zufällig gezogene Migranten zwischen 16 und 64 Jahren zwischen Januar und Juni 2007 in einem persönlichen Interview durch muttersprachliche Interviewer befragt. Der eingesetzte Fragebogen enthält größtenteils standardisierte Instrumente und wurde in einem aufwendigen Verfahren übersetzt. Zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität dient der SF-8. Für die Analysen liegen 299türkische und 300 russische Interviews zur Auswertung vor. Ergebnisse: Die im September zu präsentierenden Ergebnisse lassen Aussagen darüber zu, inwiefern sich die Lebensqualität zwischen russisch- und türkischsprachigen Migranten unterscheidet. Zum anderen wird die Lebensqualität differenziert nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen betrachtet. Eine weitere Analyseebene stellt der Akkulturationsgrad, gemessen an der Aufenthaltsdauer in Deutschland, den Sprachkenntnissen, dem Kontakt zur ‘deutschen' Bevölkerung und der Verbundenheit zur Herkunftskultur, dar. Nicht zuletzt wird auch der Einfluss des präventiven Verhaltens wie z.B. Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährung oder körperliche Bewegung auf die Lebensqualität eruiert. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse liefern erstmals Hinweise auf die subjektiv erlebte Gesundheit der türkisch- und russischsprachigen Bevölkerung in Deutschland.
Einleitung: Eine wichtige Vorraussetzung für die Inanspruchnahme präventiver Angebote durch Migranten ist eine ausreichende Informiertheit über Gesundheit und das deutsche Gesundheitssystem. Um Personen mit Migrationshintergrund entsprechende Informationen über die von ihnen genutzten Informationskanäle zur Verfügung zu stellen, ist die Kenntnis ihres Informationsverhaltens von Bedeutung. In einem BMBF-geförderten Projekt zur Effektivität von muttersprachlichen Präventionsberatern wurde u.a. das gesundheitsbezogene Informationsverhalten von russisch- und türkischsprachigen Migranten eruiert. Methoden: Aus einer zufällig gezogenen Einwohnermeldeamtsstichprobe von 30.000 Hannoveraner Bürgern wurden anhand des Onomastikverfahrens 3.909 russisch- und türkischsprachige Personen identifiziert. Davon wurden 600 zufällig gezogene Migranten mittels eines eigens entwickelten und in einem aufwendigen Verfahren übersetzten Fragebogen zwischen Januar und Juni 2007 in einem persönlichen Interview u.a. zu ihrem Informationsverhalten bezüglich gesundheitsrelevanter Themen befragt. Durchgeführt wurden die ca. einstündigen Interviews durch geschulte, muttersprachliche Interviewer. Für die Analysen liegen 299türkische und 300 russische Interviews zur Auswertung vor. Ergebnisse: Eine erste Analyse über beide Sprachgruppen zeigt, dass der Arzt die weitaus größte Rolle bei der Vermittlung von Informationen spielt. 76,5% der Befragten haben angegeben, sich bei einem Arzt über gesundheitsbezogene Themen zu informieren. An zweiter Stelle werden von den Befragten die Familie und Freunde genannt, direkt gefolgt von Zeitungen und Zeitschriften sowie dem Internet. Wenig genutzt werden Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte die Informationen gerne zweisprachig angeboten bekommen. In der im September zu präsentierenden differenzierten Analyse nach russischen vs. türkischen Migranten ist ein unterschiedliches Informationsverhalten je nach Aufenthaltsdauer, Akkulturation oder Sprachkenntnissen zu erwarten. Schlussfolgerung: Die Analyse des Informationsverhaltens nach verschiedenen soziodemographischen Parametern gibt Aufschluss über die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse zentraler Migrantengruppen in Deutschland. Neben der Art des Mediums und der gewünschten Sprache, können auch Aussagen über inhaltliche Informationsdefizite und mögliche Ursachen dafür getroffen werden. Die Analyse trägt zur systematischen Weiterentwicklung zielgruppengerechter Informationen und zu nutzender Informationskanäle bei.
Einleitung und Hintergrund: Mehrere Modellversuche täglichen Schulsports untersuchten die Auswirkungen auf die Gesundheit sowie das Bewegungsverhalten der Kinder und Jugendlichen. Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Umsetzung in der Praxis aus Sicht der Stakeholder wurden bislang nicht hinreichend evaluiert. Die Göttinger Interventionsmaßnahme „fit für pisa“ ergänzt während der gesamten Grundschulzeit die obligatorischen zwei Schulstunden Sport/Woche durch drei weitere Sportstunden. Die qualitative Befragung der Stakeholder im Setting Grundschule soll Potentiale und Barrieren erfassen, die sich inhaltlich und organisatorisch bei der Einführung täglichen Sportunterrichts ergeben, ebenso sollen Lösungsmöglichkeiten zur Überwindung der Barrieren entwickelt werden. Material und Methoden: Zu den Potentialen täglichen Schulsports sowie zu den in der Umsetzung bestehenden Hindernissen wurde eine Zufallsstichprobe (n=44) der Interventionsschüler mittels Fokusgruppen unter Einsatz der Metaplan-Technik befragt. Bei Schulleitern (n=5), Klassenlehrern (n=16) und Übungsleitern (n=19) der am Projekt „fit für pisa“ beteiligten fünf Grundschulen wird eine Vollerhebung mittels teilstandardisierter Interviews derzeit durchgeführt. Bei den Eltern der Interventionsschulen werden extreme Befürworter und Kritiker der Interventionsmaßnahme befragt, die nach der Methode des Theoretical Sampling gezielt ausgewählt wurden. Ergebnisse: Die am Ende der 4. Klasse durchgeführten Fokusgruppenbefragungen zu Potentialen und Schwierigkeiten ergaben, dass 86% der Schüler den täglichen Sportunterricht sehr gut fanden, 84% würden ihn auf jeden Fall einführen. Bemängelt wurden seitens der Schüler vorwiegend strukturelle Rahmenbedingungen wie zu viele Erläuterungen vor dem Unterricht, Unpünktlichkeit der Lehrer, die Räumlichkeiten sowie Zeitmangel. Die Auswertung der Leitfadeninterviews von Schulleitern, Klassenlehrern, Übungsleitern sowie Eltern wird im September präsentiert. Zwischenergebnisse zeigen den Trend, dass Lehrer und Eltern positive Effekte auf Konzentrationsfähigkeit, Ausgeglichenheit und Sozialverhalten wahrgenommen haben. Zu den Barrieren zählen vorwiegend strukturelle Rahmenbedingungen. Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Anfangs bestehenden Vorbehalte seitens der Eltern und Lehrer konnten durch die positiven Erfahrungen der Auswirkungen täglichen Schulsports weitgehend beseitigt werden. Die qualitative Erhebung verdeutlicht die Potentiale täglichen Schulsports. Die aufgezeigten Barrieren geben Ansatzpunkte zu ihrer Überwindung bei einer möglichen dauerhaften Implementierung.
Hintergrund:Über Informationsveranstaltungen zur Suchprävention mit muttersprachlichen Mediatoren sollten Migranten über Gesundheit und Prävention sensibilisiert werden, um ihr Gesundheitsverhalten zu verbessern. Dabei sollten unterschiedliche Zugangswege über Community-Ansatz, Institutionsansatz und öffentlich angekündigte Medien benutzt werden, um türkisch- und russischsprachige Migranten zu erreichen. Ziel der Arbeit ist es, die Kosten der unterschiedlichen Zugangswege zu bestimmen und die Kosteneffektivität zu analysieren. Methoden: Die Zugangswege zu den Migranten werden in Abhängigkeit der Parameter: (a) Ankündigungsform der Veranstaltung, (b) Grad der Freiwilligkeit an der Teilnahme, (c) Teilnehmerstruktur und (d) Veranstaltungsort der Komm-, Zugeh- oder Mischstruktur zugeordnet. Für die Kostenberechnung wurden folgende Parameter einbezogen: Personalaufwand, Werbemaßnahmen, Material, technische Infrastruktur, Logistik und Overhead. Für die Berechnung der Kosteneffektivität werden Zielgrößen wie Teilnehmeranzahl pro Veranstaltung und Zielpersonenzahl (z.B. Betroffene, Angehörige, Interessierte) zugrunde gelegt. Die Kosten der Zugangswege werden anschließend in Relation zu den Zielgrößen gesetzt. Ergebnisse: Insgesamt wurden 61 Informationsveranstaltungen für türkische und russische Migranten durchgeführt. Davon zählten 33 Veranstaltungen zur Zugeh-, 18 zur Komm- und weitere 10 zur Mischstruktur mit jeweils 624, 169 bzw. 189 Teilnehmern. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass für alle Zugangswege der Personalaufwand der größte Kostenfaktor ist. Dabei hatte jeder Mediator 212 (±82) Minuten im Durchschnitt inkl. Fahrten pro durchgeführte Infoveranstaltung aufgewendet. Der Aufwand für Werbemaßnahmen dagegen unterscheidet sich sehr stark in Abhängigkeit des gewählten Ansatzes. Obwohl die Werbeintensität folglich die Werbekosten für öffentlich angekündigte Veranstaltungen am höchsten waren, konnten keine Migranten für die Teilnahme an Infoveranstaltungen gewonnen werden im Gegensatz zum Community- und Institutionsansatz mit hohen Teilnehmerzahlen (pro Veranstaltung 19±5). Die übrigen Kostenkomponenten zeigen geringe Abweichungen zwischen den Zugangswegen.
Einleitung: Auch wenn es bisher keine verlässlichen Zahlen zur Suchtgefährdung und dem Rauschmittelmissbrauch von Migranten gibt, wird in verschiedenen Studien deutlich, dass nur ein Bruchteil der bevölkerungsstatistisch zu erwartenden Migranten Suchthilfeeinrichtungen aufsucht. Die Nutzung migrantenspezifischer Zugangswege für die Vermittlung präventiver Informationen kann dem entgegenwirken und wird bspw. mit dem Mediatoren-Ansatz verfolgt. Dieses Konzept setzt geschulte Muttersprachler als Multiplikatoren in ihrer ethnischen Gemeinschaft ein, um dort Informationsveranstaltungen zum Thema Suchtprävention anzubieten. Methoden: In einem BMBF-geförderten Projekt zur Effektivität von muttersprachlichen Präventionsberatern wurden zwischen 11/2006–07/2007 34 russisch- und 28türkischsprachige Informationsveranstaltungen geplant und durchgeführt. Davon haben 49 Veranstaltungen in Settings der jeweiligen Kulturgemeinschaft (z.B. Moscheen, russ. Vereine) oder Institutionen (z.B. Berufsschulen) stattgefunden (Zugeh-Struktur). Zwölf Veranstaltungen wurden per Plakat/Flyer im Stadtgebiet angekündigt und in öffentlichen Gebäuden durchgeführt (Komm-Struktur). Die teilnehmenden Migranten zwischen 16 und 64 Jahren wurden mittels eines zweisprachigen Selbstausfüller-Fragebogens u.a. zu ihrem Gesundheits- und Präventionsverhalten befragt. Für die Analysen liegen 386türkische und 436 russische Fragebögen zur Auswertung vor. Ergebnisse: Erste Ergebnisse zeigen, dass der Zugang über die Zugehstruktur die erfolgreichere Strategie darstellt, da über die Kommstruktur insgesamt nur zwei Personen erreicht werden konnten. Erste Analysen über beide Sprachgruppen zeigen, dass die Motivation zum Besuch der Suchtpräventionsveranstaltung häufiger mit einem allgemeinen Interesse am Thema begründet wird und seltener mit der konkreten Absicht, einer suchtgefährdeten Person zu helfen. Im September wird eine Charakterisierung der über die Zugehstruktur erreichten Migranten z.B. nach demographischen Merkmalen oder der erfolgten Akkulturation präsentiert. Schlussfolgerung: Die Analyse gibt Aufschluss darüber, welche Migranten über die einzelnen Zugangswege erreicht, bzw. nicht erreicht werden und trägt somit zur systematischen Weiterentwicklung migrantenspezifischer Zugangswege bei. Eindeutig ungeeignet für den Zugang zu Migranten sind öffentlich angekündigte Veranstaltungen in migrantenunspezifischen Räumen. Unverzichtbar sind die Netzwerke der Präventionsberater und die Kontakte innerhalb der ethnischen Gemeinschaften, um Migranten zu erreichen und für das Thema Suchtprävention zu sensibilisieren.