
Zusammenfassung Das Wohlbefinden von Beschäftigten ist im Gesundheitswesen ein zentraler Qualitäts- und Nachhaltigkeitsfaktor, da es mit Personalbindung, Versorgungsqualität und Patientensicherheit verknüpft ist. Vor dem Hintergrund von Arbeitsverdichtung, Fachkräftemangel und Digitalisierung untersucht dieser Beitrag systematisch den Zusammenhang zwischen Führung und Mitarbeiterwohlbefinden. Auf Basis eines PRISMA-orientierten Vorgehens werden peer-reviewte empirische Studien aus dem Zeitraum 2015 bis 2025 identifiziert und narrativ synthetisiert (n=10). Theoretisch wird die Evidenz anhand des Job-Demands-Resources-(JD-R)-Modells, der Conservation-of-Resources-(COR)-Theorie und der Social-Exchange-Theorie eingeordnet. Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass konstruktive Führungsstile (u. a. transformationale, ethische, inklusive, authentische und gesundheitsorientierte Führung) mit hö-herem Arbeitsengagement und psychischem Wohlbefinden sowie mit geringerer emotionaler Erschöpfung und Stresssymptomatik assoziiert sind. Destruktive Führung, insbesondere missbräuchliche Führung, weist demgegenüber starke und häufig asymmetrische Zusammenhänge mit Belastungsindikatoren auf. Zentrale Wirkmechanismen sind psychologische Sicherheit, arbeitsbezogene Ressourcen und Ressourcenverlustprozesse, Arbeitsanforderungen und relationale Bedingungen wirken moderierend. Limitationen ergeben sich aus der begrenzten Anzahl eingeschlossener Studien, der Heterogenität von Führungs- und Outcome-Konzepten sowie der Dominanz querschnittlicher Designs und Selbstauskünfte, wodurch Kausalität nur eingeschränkt interpretierbar ist. Zudem kann ein Publikationsbias nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt unterstreichen die Befunde Führung dennoch als relevanten Ansatzpunkt zur Förderung von Mitarbeitergesundheit und zur Unterstützung nachhaltiger Versorgung im Gesundheitswesen.
Zusammenfassung Die Steuerung medizinisch-therapeutisch-diagnostischer (MTD) Dienste ist eine zentrale Herausforderung. Technologische Komplexität und patientenzentrierte Versorgung machen adäquate Organisationsformen unverzichtbar. Untersuchung von Matrixorganisation, funktionaler Struktur, zentraler Leitung mit Bereichsleitungen und Kreisorganisation zur Ableitung geeigneter Modelle für MTD-Berufe. Systematische Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken und grauer Literatur. Die Matrixorganisation begünstigt interdisziplinäre Kooperation und Ressourcennutzung, erfordert jedoch klare Kommunikation. Funktionale Strukturen fördern Spezialisierung, bergen aber Risiko von Silos. Zentrale Leitung stärkt Steuerung, verlängert jedoch Entscheidungswege. Kreisorganisation fördert Selbstorganisation, benötigt jedoch hohe Koordination. Modellwahl hängt von Zielen, Größe und Kontext ab. Hybride Ansätze kombinieren Vorteile und reduzieren Nachteile.
Zusammenfassung Welche speziellen Anforderungen stellt eine relativ neuartige Technik wie die Digitale Volumentomografie (DVT) und wie werden sie erfüllt? In den gesetzlichen Bestimmungen wurde nach den Voraussetzungen für die Berechtigung zum Einsatz der DVT in der Zahnmedizin, HNO-Heilkunde und Orthopädie gesucht. Die Mindestanforderungen zum Erwerb der Sachkunde bei Anwendung der DVT im HNO-Bereich und in der Zahnmedizin sind jeweils 100 und bei radiologischen Untersuchungen des Skeletts 1000 Dokumentationen. Initial und danach im Abstand von jeweils fünf Jahren muss ein von der Ärztekammer anerkannter Weiterbildungskurs absolviert werden. Die verstärkte Nutzung der DVT für die bildgebende Diagnostik außerhalb der Kerndisziplin macht den verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten unverzichtbar. Die Möglichkeiten zur Dosisreduktion müssen voll ausgeschöpft werden.
Zusammenfassung Der erfolgreiche Einsatz von KI im Gesundheitswesen hängt nicht nur von technologischen und rechtlichen, sondern auch von kommunikativen Faktoren ab. Der Beitrag untersucht, wie Kommunikation über den Einsatz von KI die Wahrnehmung und das Entscheidungsverhalten von Patienten beeinflussen kann. Empirische Erkenntnisse zur Wirkung von KI-Kommunikation im Gesundheitswesen werden auf Basis einer narrativen Literaturanalyse analysiert. Vier Gestaltungsdimensionen wurden identifiziert: Inhalt, Framing, Form und Zeitpunkt. Diese beeinflussen Reputation, Vertrauen und wahrgenommene Nützlichkeit und damit das Entscheidungsverhalten von Patienten. Das Wirkungsmodell zeigt die Rolle von KI-Kommunikation als strategisches Marketinginstrument im Gesundheitswesen und bietet eine Grundlage für zukünftige Forschung.
Zusammenfassung Das 2020 eingeführte Pflegebudget wird hinsichtlich seiner Wirkung auf die Pflegepersonalausstattung und pflegeassoziierte Komplikationen in deutschen Krankenhäusern bewertet. Analyse eines balancierten Panels von 1.234 Krankenhäusern (2017–2023) auf Basis der strukturierten Qualitätsberichte. Die Zahl der Pflege- und pflegenahen vollzeitäquivalenten Kräfte stieg zwischen 2020 und 2023 um 6% mit geschätzten Zusatzkosten von 4,6 Milliarden Euro, während die Fallzahlen rückläufig waren. Ein eindeutiger Zusammenhang mit relevanten Verbesserungen der patientenseitigen Outcomes ist nicht nachweisbar. Das Pflegebudget verbessert die quantitative Personalausstattung; der Einfluss auf patientenrelevante Outcomes sollte zukünftig priorisiert untersucht werden, um den Erfolg des Instruments zu evaluieren.
Die informelle Pflege durch Angehörige, Freunde und Nachbarn bildet eine tragende Säule des deutschen Pflegesystems. Ihre Bedeutung wächst durch den demographischen Wandel und den zunehmenden Fachkräftemangel stetig. Wenngleich für pflegende Angehörige bereits verschiedene öffentliche Unterstützungsangebote existieren, werden diese häufig nicht ausreichend genutzt. Digitale Lösungen wie Apps und Plattformen bieten neue Möglichkeiten zur Entlastung und Organisation des Pflegealltags sowie zur Wahrnehmung weitergehender Förderungen. Der Erfolg digitaler Unterstützung hängt dabei maßgeblich von der Attraktivität der Leistungen sowie vom frühzeitigen Einsatz zu Beginn der Pflegesituation ab. Bei zielgruppengerechter Anwendung können diese digitalen Angebote zu einer erheblichen Entlastung der informell Pflegenden beitragen und damit auch die professionelle Pflege und nicht zuletzt das gesamte Gesundheitssystem entlasten.
Ziel dieser Arbeit ist eine gesundheitsökonomische Analyse der roboterassistierten radikalen Prostatektomie (RARP). Für die Analyse standen 3864 DRG-Fälle mit radikaler Prostatektomie aus 22 Krankenhäusern des Clinotel Krankenhausverbundes zur Verfügung. Die Komplikationsrate betrug 8,58% für offene radikale Prostatektomien (ORP), 3,03% für laparoskopische radikale Prostatektomien (LRP) und 5,06% für RARP. Transfusionsraten lagen bei 4,64%(ORP), 0% (LRP), 1,46% (RARP). Die mittlere Verweildauer war mit 10,5 Tagen bei LRP am längsten, gefolgt von 9,4 Tagen (ORP) und 7,4 Tagen (RARP). Patienten mit RARP hatten den niedrigsten Elixhauser-Score (0,3) im Vergleich zu LRP und ORP (je 1,2). RARP zeigte bei klinischen Outcomes keine Vorteile gegenüber LRP. Beide minimalinvasiven Verfahren erzielten bessere klinische Ergebnisse als die offene Operation. Die Gesamterlöse waren ähnlich, jedoch resultierte die kürzere Verweildauer bei RARP in einem höheren Erlös pro Tag.
Die Einführung des Pflegebudgets markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Krankenhausfinanzierung. Während das DRG-System pflegerische Leistungen lange Zeit unterbewertete und der Pflegekomplexmaßnahmen-Score (PKMS) nur begrenzte Wirkung entfalten konnte, führte die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten ab 2020 zu einer eigenständigen, zweckgebundenen Finanzierungsgrundlage. Dies stärkte die Pflege ökonomisch und trug zu einer Renaissance des examinierten Pflegeberufs bei. Gleichzeitig entstanden neue Konfliktlinien zwischen Krankenhäusern und Kostenträgern, insbesondere bei der Abgrenzung „Pflege am Bett“ und der Bewertung pflegeentlastender Maßnahmen. Die Umsetzung erwies sich als normativ komplex und bürokratisch belastend, verstärkt durch die COVID-19-Pandemie. Insgesamt zeigt sich: Das Pflegebudget hat die Pflege gestärkt, zugleich aber erhebliche Herausforderungen für die Selbstverwaltung und die strategische Krankenhausorganisation geschaffen.
Für 27 Innovationsfonds-Projekte aus den Bereichen Case Management und Gesundheitslotsen liegen die Beschlusstexte des Förderers vor. Diese Arbeit analysiert das methodische Vorgehen bei der Projektgestaltung, die Ergebnisse innerhalb der Case Management-Projekte sowie die Implikationen für Praxis, Wissenschaft und Politik. Es wurden alle 95 abgeschlossenen Innovationsfondsprojekte nach Case Management- oder Lotsen-Projekten durchforscht und die selektierten 27 Projekte von drei Autoren unabhängig voneinander ausgewertet. Von 27 Projekten erhielten nur drei eine Empfehlung des Innnovationsausschusses zur Überführung in die Regelversorgung. Im Beitrag werden verschiedene Outcomes verglichen und bewertet. Case Management-Projekte scheitern oft an Evaluation, Zielgruppenauswahl und Umsetzungsrealität – nicht an der Idee selbst.
Die Bedeutung des Themas Pflege hat nicht erst seit der Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit wie auch in der fachlichen Diskussion stark zugenommen. Das gilt sowohl für die Langzeitpflege wie auch für die Akutpflege in Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen. Während die gesellschaftliche Diskussion vor allem davon geprägt war, ob Pflege angemessen bezahlt werde, konzentrierte sich die Fachliteratur stärker auf Themen wie die Substitution ärztlicher Leistungen, die Kooperation in interdisziplinären Teams unter Beteiligung der Pflege sowie die Akademisierung des Berufs. Aus gesundheitsökonomischer Sicht standen und stehen zudem Fragen der Finanzierbarkeit der Pflegeversicherung sowie die Ausgliederung des Pflegebudgets aus den Fallpauschalen im Krankenhaus im Zentrum.
Krebs wird dank des medizinischen und pharmakologischen Fortschritts zunehmend zu einer chronischen Erkrankung. Damit verbunden sind neue gesellschaftliche und gesundheitsökonomische Herausforderungen, die in der Literatur bisher kaum thematisiert worden sind. Dazu gehört u. a. das Engagement, aber auch die Belastung der Patientinnen und Patienten sowie der betreuenden Angehörigen, Freunde und Bekannten, u. a. auch bis zu chronisch prekär werdenden Finanzlagen. Dieser sogenannte «caregiver burden» wird (noch) zu wenig berücksichtigt, auch wenn die Preise für neue Medikamente bestimmt werden. Die Autoren unternehmen den Versuch einer Annäherung an die Problematik am Beispiel von Brustkrebs.
Die Szientometrie steht unter Druck. Nur auf die Laufbahn und das akademische Management kann man sich bei der Beurteilung von Wissenschaftlichkeit und Seriosität noch leidlich verlassen. Die Bibliometrie aber ist in den letzten Jahrzehnten durch eine Reihe unerwünschter Entwicklungen ins Wanken geraten. Zitate sind kein verlässliches Zeichen wissenschaftlicher Anerkennung mehr. Die Zahl der Multiautorschaften und korrupter Referenzangaben ist exponentiell gestiegen. Nicht jede Nennung einer Veröffentlichung in Form eines Zitats ist eine Huldigung. Manche Arbeit wird nur oberflächlich exzerpiert. Viele andere womöglich wertvolle Quellen bleiben ungenannt. Für einen Platz in großen internationalen Journalen wird mit viel Tricks gekämpft. Um das beschädigte bibliometrische Standbein der Szientometrie zu stabilisieren, sollte künftig auf Selbstzitate grundsätzlich verzichtet und außerdem versucht werden, Literaturverzeichnisse statt in chronologischer Folge nach der Bedeutung der Publikationen einzuteilen.
Die Digitalisierung in Therapie und Rehabilitation erfordert wissenschaftlich fundierte Instrumente zur systematischen Erfassung konzeptioneller Merkmale digitaler Angebote. Ziel ist die theoriegeleitete Entwicklung eines entsprechenden Erhebungsrahmens. Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche wurden Dimensionen identifiziert und in einem mehrstufigen Prozess zu einem Fragebogen mit 23 Items verdichtet. Eine qualitative Validierung erfolgte über eine Online-Befragung von elf Expert*innen. Das Instrument umfasst zwei Haupt- und sechs Subdimensionen u. a. zu Rahmenbedingungen und Angebotsorganisation. Aus dem Expert*innenfeedback resultierten Rückmeldungen, die zu einer Optimierung des Fragebogens führte. Das Instrument bietet eine erste Grundlage für Qualitätssicherung, Forschung und Weiterentwicklung digitaler Therapie- und Rehaformate.
Die Generationsdebatte gewinnt im Gesundheitswesen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels an Bedeutung. Gesundheitsfachkräfte verschiedener Generationen bringen unterschiedliche Werte, Erwartungen und Arbeitshaltungen mit, die Zusammenarbeit, Führung und Arbeitszufriedenheit prägen. Ziel dieses Scoping Reviews ist es, Evidenz zu generationsspezifischen Unterschieden in Werteorientierungen, Bindung und Engagement im Gesundheitswesen (2019–2024) zu bündeln. Eingeschlossen wurden Studien zu Babyboomern, Generation X, Y und Z. Die Recherche erfolgte in fünf wissenschaftlichen Datenbanken sowie Google Scholar. Es zeigten sich deutliche Unterschiede in Motivation, Zufriedenheit, Führungserwartungen und Verbleibsintentionen. Transformationale und situative Führungsansätze erscheinen besonders geeignet.
Die Qualitätssicherung (QS) in der Medizin steht vor einem grundlegenden Wandel. Traditionelle, retrospektive QS auf Basis manueller Dokumentation ist zeitaufwändig, fehleranfällig und bewertet Unterlagen statt realer Behandlungsprozesse. Wir beschreiben ein sensorgestütztes Echtzeit-QS-Modell, das definierte Behandlungspfade kontinuierlich überwacht. In Analogie zum Spurhalteassistenten im Automobilbereich werden Sensordaten mit evidenzbasierten Referenzkorridoren abgeglichen, Abweichungen früh erkannt und dem Behandlungsteam unmittelbares Feedback gegeben. Dieser Paradigmenwechsel senkt den Dokumentationsaufwand, erhöht die Patientensicherheit durch proaktive Fehlerprävention und macht QS sowie Qualitätsmanagement zur treibenden Innovationsplattform. Eine daraus resultierende mögliche Klassifikation für die Anwendung in der Medizin wird entwickelt und vorgestellt.