
Der Artikel befasst sich mit der Frage, wie sich Kompetenz als anwendungsorientierte und Bildung als kritisch-reflexive Kategorie im Studium Soziale Arbeit zueinander verhalten. Ausgehend von der These, dass es sich dabei um zwei widerstreitende Wissensformen handelt, die für die Herausbildung eines professionellen Habitus gleichermaßen von Relevanz sind, wird am Beispiel kasuistischer Seminare die Möglichkeit Bildungsprozesse in einem kompetenzorientierten Lernsetting zu initiieren und zu begleiten, diskutiert. Im Beitrag wird dafür plädiert, Räume für unvorhergesehene Bildungsbewegungen offen zu halten sowie über die Bedingungen der Herausbildung eines professionellen Selbstverständnisses im Kontext des Studiums kritisch nachzudenken.
Die Kürzungen im sozialen Bereich stellen autoritäre Verschiebungen im Hilfesystem dar, welche mit dem professionsethischen Verständnis der Sozialen Arbeit kollidieren. An die Stelle der Bearbeitung sozialer Problemlagen entsprechend individueller Bedarfe tritt zunehmend eine begrenzende und selektierende Funktion. Der Beitrag untersucht diese Entwicklung am Beispiel der im April 2026 vom Paritätischen Wohlfahrtsverband geleakten Kürzungspläne von Bund, einigen Ländern und Kommunen im Bereich der stationären Jugend- und der Eingliederungshilfe. Im Fokus stehen die daraus entstehenden Spannungen im professionellen Selbstverständnis Sozialarbeitender sowie mögliche Handlungsspielräume und Strategien im Umgang mit veränderten Rahmenbedingungen. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Transformation des Sozial- und Bildungssystems“ in Ausgabe 6/26.
Gegenwärtig werden in der Politik wie selten Reformen im Sozialen System der Bundesrepublik Deutschland zur gleichen Zeit und in erheblichen Umfang diskutiert und eingeleitet. Der Beitrag stellt diese vor, ordnet sie ein und bewertet sie rechtlich. Er ist Teil des Schwerpunktes „Transformation des Sozial- und Bildungssystems“ in Ausgabe 6/26.
Wie nehmen junge Menschen mit Fluchterfahrung Soziale Arbeit vor dem Hintergrund migrationspolitischer Verschärfungen wahr: als Schutzraum, als Unterstützung oder als Teil des Systems, das über ihren Verbleib entscheidet? Der Beitrag wertet fünf Gespräche und einen politischen Gruppennachmittag in einem teilstationär betreuten Jugendwohnen für junge Geflüchtete in Berlin-Wedding thematisch-vergleichend aus. Die Jugendlichen unterscheiden deutlich zwischen Jugendhilfe und Behörden; zugleich zeigen frühere institutionelle Erfahrungen, dass Vertrauen und Sicherheit nicht vorausgesetzt werden können. Vertrauen richtet sich dabei vor allem auf konkrete Bezugspersonen. Daraus ergeben sich drei professionelle Spannungsfelder: institutionelle Einbettung, Räume für politische Urteilsbildung und Personalkontinuität. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Transformation des Sozial- und Bildungssystems“ in Ausgabe 6/26.
Die gegenwärtige Sozialstaatsdebatte wird häufig als Konflikt zwischen sozialpolitischem Leistungsversprechen und finanzpolitischer Begrenzung beschrieben. Neu ist dieser Konflikt nicht. Seit den 1980er-Jahren begleitet die Kritik an seiner Finanzierbarkeit den Ausbau und Umbau des Wohlfahrtsstaats. Verändert hat sich jedoch die Reformkonstellation. Neben Leistungsniveau und Finanzierung rücken institutionelle Kohärenz, administrative Umsetzbarkeit und digitale Infrastruktur in den Mittelpunkt. Der Beitrag verbindet diese Entwicklung mit der langfristigen Verschiebung von beitrags- zu steuerfinanzierten Sicherungselementen, der fortbestehenden symbolischen Lohnarbeitszentrierung und aktuellen Reformen der Existenzsicherung. Am Beispiel des Integrierten Steuer-Transfer-Systems (ISTS) wird gezeigt, dass Finanzpolitik nicht lediglich eine äußere Grenze der Sozialpolitik bildet. Steuer‑, Transfer- und Verwaltungsarchitekturen werden selbst zu Medien sozialpolitischer Gestaltung. Entscheidend ist daher, ob Effizienz und fiskalische Tragfähigkeit mit Bürgerrechten, Teilhabe, Bedarfsgerechtigkeit und Sozialer Nachhaltigkeit verbunden werden. Dieser Beitrag ist Teil des Schwerpunktes „Transformation des Sozial- und Bildungssystems“ in Ausgabe 6/26.