Das klinische Bild der Neuroborreliose wird durch die akute periphere Fazialisparese und die seröse Meningitis geprägt. Weitere, allerdings seltene Manifestationen sind die lymphozytäre Meningoradikulitis, der Pseudotumor cerebri und der kindliche Schlaganfall. Klinisch fehlen nicht selten meningitische Symptome trotz Liquorpleozytose. Der Verdacht auf eine Neuroborreliose ergibt sich primär aufgrund der klinischen Symptomatik und ist durch die spezifische Antikörperdiagnostik zu erhärten oder auszuschließen. Zusätzlich ist eine Liquoruntersuchung obligat. Eine Neuroborreliose kann als ausgeschlossen gelten, wenn nach 2‑monatiger Symptomatik der Antikörperbefund negativ bleibt. Therapeutisch ist neben den Cephalosporinen die orale Gabe von Doxycyclin für über 8‑jährige Kinder eine effektive, aber noch nicht evidenzbasierte Alternative. Die Neuroborreliose hat eine gute Prognose, kann jedoch zu Fazialisdefektheilungen führen.
Spirochäten sind Bakterien der Ordnung Spirochaetales. Spiralige Morphologie, Beweglichkeit und hohe Ansprüche an das Kultivierungsmedium sind besondere Kennzeichen dieser Bakterien, die sich zum Teil ausschließlich im tierischen oder menschlichen Organismus vermehren. Humanpathogene Relevanz haben insbesondere Bakterien der Familie Spirochaetaceae mit den Gattungen Borrelia und Treponema sowie der Familie Leptospiraceae mit der Gattung Leptospira. In der Pädiatrie besitzt die Lyme-Borreliose die größte Bedeutung unter den durch Spirochäten verursachten Krankheitsbildern. Nur vereinzelt ist momentan in Westeuropa mit Rückfallfieber, verursacht durch andere Borrelien, angeborener Syphilis durch Treponema pallidum oder Leptospirose zu rechnen.
Die Kampo-Medizin als traditionelle pflanzenbasierte akademische Medizin Japans entwickelte sich über 1500 Jahre, basierend auf der antiken chinesischen Medizin. Sie beinhaltet eine detaillierte Anamnese, eine körperliche Untersuchung mit Bauchdecken-, Zungen- und Pulsdiagnostik, sodass individualisierte, standardisierte und kontrollierte Arzneidrogenrezepturen verordnet werden können. Seit ca. 50 Jahren gelten Kampo-Rezepturen in Japan als Arzneimittel und werden als standardisierte Extrakte von der staatlichen Krankenversicherung übernommen. Als Mixtur von 3 – 12 Arzneidrogen enthalten sie Hauptkomponenten wie Panax ginseng (ninjin), Zingiber officinale (kankyo), Cinnamomum cassia (keihi), Angelica acutiloba (toki), Paeonia lactiflora (shakuyaku) und Glycyrrhiza uralensis (kanzo). Typische Indikationen sind z.B. Magen-Darm-Beschwerden, die supportive Therapie onkologischer wie geriatrischer Patienten, Störungen der Mikrozirkulation, gynäkologische Beschwerden, Erkältungskrankheiten.
Wir berichten über einen 58-jährigen Patienten mit chronischer therapienaiver Hepatitis-C-Virus(HCV)-Infektion vom Genotyp 1b. Nach 2‑maliger autologer Stammzelltransplantation aufgrund eines multiplen Myeloms war es zur hochvirämischen Reaktivierung einer okkulten Hepatitis-B-Virus(HBV)-Koinfektion und nachfolgend zur reversen Serokonversion gekommen. Darüber hinaus konnte eine andauernde spontane Remission der HCV-Infektion beobachtet werden. Sieben Monate nach Initiierung einer antiviralen Therapie der HBV-Infektion mit Tenofovir wurde ein „Anti-HBc-only-Status“ festgestellt. Die antivirale Therapie mit Tenofovir wird unverändert fortgeführt. Der Patient ist klinisch in gutem Zustand.
We report about a 58-year-old man with a chronic and treatment-naive hepatitis C virus (HCV) infection of genotype 1b, who had undergone autologous stem cell transplantation twice due to multiple myeloma. Subsequently, a high-level viremic reactivation of an occult hepatitis B virus (HBV) infection and also a reverse seroconversion was observed. Furthermore, a sustained spontaneous remission of HCV infection was seen. Antiviral therapy of HBV infection was initiated with tenofovir. Seven months after therapy initiation, the patient acquired an "anti-HBc-only" status. Antiviral therapy with tenofovir is still continued. The patient is in a good clinical condition.
This article presents the spontaneous development of ocular complications in a case of dengue fever in a young tourist returning from Thailand. Despite severe inital clinical symptoms, a clear remission occurred after several months without any therapy; however, a partial atrophy of the optic nerve remained.
Das dargestellte Fallbeispiel zeigt den Spontanverlauf okulärer Komplikationen bei einer akuten Dengue-Fieber-Infektion einer jungen Thailand-Reisenden. Trotz ausgeprägtem Initialbefund kam es zu einer deutlichen Rückbildung der Symptome nach mehreren Monaten ohne weitere Therapie. Allerdings blieb eine partielle Optikusatrophie bestehen.
Aims: The present study aimed at examining neuronal injury and repair in post mortem brain sections of humans who died from fungal central nervous system infections. Methods: Histological and immunohistochemical abnormalities in 15 autopsy cases with fungal central nervous system infections from 1990 to 2008 were compared with findings in 10 age- und sex-matched control cases that died from acute non-neurological causes. The fungal pathogens were identified by culture or polymerase chain reaction and morphology in post mortem tissue. Seven patients with fungal encephalitis had either an organ transplantation or a malignant haematological disorder; five out of 15 did not have a classical predisposing illness but suffered from severe septic infections as the principal cause of immunosuppression, and three from alcoholism. Results: Fungal organisms detected were Aspergillus spp. and other moulds, Candida spp. and black yeast-like fungi including Cladosporium spp. Histological analyses identified microglial activation, astrocytosis and axonal injury in the white matter without additional demyelination as characteristic features of this infectious disease. An increased rate of hippocampal neuronal apoptosis was detected in fungal encephalitis, while the number of recently generated TUC-4 and calretinin-expressing neurones in the dentate gyrus did not differ between patients and controls. Conclusions: Unlike in other infectious diseases of the nervous system where a coexistence of damage and repair was observed, fungal encephalitis is characterized by strong damage and minimal neuronal regeneration.
Die Neuroborreliose ist die Beteiligung des Nervensystems bei einer Infektion mit Borrelia burgdorferi sensu lato. Als häufigste zeckenübertragene Infektionskrankheit in Europa kann die Borreliose Haut, Gelenke, Herz, Nervensystem und selten die Augen betreffen. Seit der Entdeckung des Erregers vor 30 Jahren haben fortschreitende wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung gut evaluierter klinischer und mikrobiologischer Diagnosekriterien geführt. So ist die Neuroborreliose eine in der Regel gut zu diagnostizierende und zu behandelnde Erkrankung. Fortschritte auf dem Gebiet der mikrobiologischen Diagnostik haben zu einer verbesserten Sensitivität der verwendeten Testsysteme geführt und neue Ansätze der Frühdiagnostik eröffnet. Häufigste Manifestation einer Borreliose ist das Erythema migrans, welches klinisch diagnostiziert wird. Eine systemische Borrelieninfektion wird bei Vorliegen typischer klinischer Symptome durch den Nachweis erregerspezifischer Antikörper im Serum gesichert. Die Diagnosesicherung einer Neuroborreliose schließt den Nachweis entzündlicher Liquorveränderungen und einer intrathekalen Synthese borrelienspezifischer Antikörpern ein. Das Erythema migrans wird oral bei Erwachsenen mit Doxycyclin, bei Kindern mit Amoxicillin behandelt. Standardtherapie der Neuroborreliose ist die intravenöse Gabe von Ceftriaxon oder Cefotaxim. Aktuelle Arbeiten sprechen auch für die Wirksamkeit einer oralen Doxycyclintherapie bei der meningoradikulitischen Form der frühen Neuroborreliose. Die adäquate Antibiotikatherapie führt zu einer effektiven Erregerelimination. Das Wiederauftreten von auf eine akute Borrelieninfektion hinweisenden Symptomen nach einer vorangegangenen adäquat antibiotisch behandelten Episode ist in der Regel durch eine Reinfektion bedingt. Nur ein geringer Anteil antibiotisch behandelter Patienten weist persistierende Residuen auf. Neben neurologischen Restsymptomen wurden in aktuellen Arbeiten persistierende neuropsychologische Folgen beschrieben. Hingegen ist bei den Patienten, die aufgrund unspezifischer Beschwerden befürchten an einer Borreliose erkrankt zu sein, eine ausführliche Differenzialdiagnostik von vorrangiger Bedeutung.