Ein sieben Wochen alter Säugling wird mit einem Penishämatom und einer Penisschwellung stationär im Krankenhaus aufgenommen. Nach Ausschluss krankhafter Ursachen und fehlender Angabe eines Entstehungsmechanismus durch die Eltern erfolgte drei Tage später die rechtsmedizinische Vorstellung bei Verdacht auf Kindesmisshandlung.
Einleitung: Die Prüfung der Plausibilität der Todesbescheinigungen und ggf. die zweite Leichenschau vor der Einäscherung sind Regelaufgaben des ÖGD. Der folgende Fall zeigt die Begrenzungen der auf Recherche basierenden Einschätzung und die Notwendigkeit auf weiterführende Untersuchungen zu bestehen und die Mittel dafür bereit zu halten.
Es wird über einen 7 Wochen alten Säugling berichtet, der mit einem Penishämatom und einer Penisschwellung stationär im Krankenhaus aufgenommen wurde. Nach Ausschluss krankhafter Ursachen und fehlender Angabe eines Entstehungsmechanismus durch die Eltern erfolgte 3 Tage später die rechtsmedizinische Vorstellung bei Verdacht auf Kindesmisshandlung. Es wurden ein scharf abgegrenztes Penishämatom und Hämatome in Form von Griffspuren an beiden Unterschenkeln festgestellt. Die folgende Kasuistik soll u. a. die Schwierigkeiten der Differenzierung zwischen einer Kindesmisshandlung und dem Vorliegen eines Haar-Tourniquet-Syndroms aufzeigen.
Bei Verdacht des Fahrens unter dem Einfluss berauschender Mittel, das heisst, nach Aufnahme von Alkohol, Drogen oder einer Reihe verkehrsmedizinisch relevanter Medikamente, kann eine zeitnah gewonnene Blutprobe ein entscheidendes Beweismittel sein. Dass die Qualitaet dieses Beweismittels mit groesser werdender Zeitspanne zwischen Vorfall und Blutentnahme in nicht vorherzusehender Weise abnimmt und es gar zum Verlust des Beweismittels kommen kann, wird an verschiedenen Beispielen einer Alkohol- oder Drogenaufnahme erlaeutert. Daher ist nach Eintreffen eines zur Blutentnahme bereiten Arztes jede weitere Verzoegerung der Blutentnahme im Hinblick auf moegliche rechtliche Konsequenzen nicht tolerierbar und von Gefahr im Verzug auszugehen. (A) ABSTRACT IN ENGLISH: In cases of suspected driving under the influence of alcohol or drugs, a blood sample taken as soon as possible can be important evidence. However, its evidentiary value decreases in a not predictable way with an increasing time gap between the offense and blood sampling. In the paper we illustrate this by giving different examples of alcohol or drug intake. Therefore, after the arrival of a physician prepared for blood withdrawal any additional delay is not tolerable with respect to possible legal consequences, and imminent danger has to be assumed. (A)
An extensive hemopneumothorax developed in a 23-year-old man after having been knifed in the region of the left nipple. After general surgical care a Bülau suction drain was inserted. Cardiological examination became necessary a week later when a chest X-ray film demonstrated an enlarged cardiac silhouette. Echocardiography revealed pericardial effusion (about 600 ml) which was removed by pericardial aspiration. Cross-sectional and colour Doppler echocardiography showed a shunt between the aorta and right ventricular outflow tract at the origin of the pulmonary artery. At surgery a fistula between the root of the aorta and the pulmonary artery was identified (the posterior sinus near the anulus was nearly completely detached). The fistula was closed and the pulmonary valve reconstructed. The early and late postoperative course was unremarkable.
This paper presents updated recommendations of the Study Group on Forensic Age Diagnostics for age estimations in living individuals in criminal proceedings. In order to increase the diagnostic accuracy and to improve the identification of age-relevant developmental disorders, a physical examination, an X-ray examination of the left hand, as well as a dental examination including the determination of the dental status and an X-ray of the dentition should be performed in each case. If the skeletal development of the hand is completed, an additional radiological examination of the clavicles should be carried out. Minimum requirements for reference studies are defined and recommendable studies are listed. Instructions for the examination and the preparation of expert reports are presented. The committee of the study group organizes annual proficiency tests for quality assurance.
Zusammenfassung Hintergrund. Im Rahmen eines interdisziplinären Projektes (Ophthalmologie,Rechtsmedizin, Innere Medizin,Psychologie und Nautik) wurden Daten erhoben, um medizinisch gesicherte Blutalkoholgrenzwerte für die Schifffahrt zu empfehlen. Methoden. In der Schiffssimulationsanlage wurden an 21 erfahrene Kapitäne im nüchternen und im alkoholisierten Zustand (Zielalkoholkonzentration im Blut: 1,0‰) realitätsnahe nautische Anforderungen gestellt. Nach den simulierten Fahrten wurden mittels Pupillographie Pupillenlichtreflex, spontane Pupillenbewegung, sakkadische Augenbewegung und Nystagmus sowie nach Modifikation des Gerätes der optokinetische Nystagmus ausgewertet. Ergebnisse. Bei der Messung des Pupillenlichtreflexes fanden sich unter Alkohol: eine Verkürzung der relativen Kontraktionsamplitude, eine Verlängerung der Latenzzeit, eine Verlangsamung der Kontraktionsgeschwindigkeit sowie eine geringere Amplitude.Eine verminderte Konzentration im alkoholisierten Zustand ließ sich bei allen Kapitänen durch die Prüfung des OKN nachweisen. Schlussfolgerungen. Die Pupillographie ist eine geeignete Methode, Einflüsse von Alkohol auf vegetative Funktionen und Fahrtauglichkeit in der Schifffahrt zu erfassen.Vergleichende Betrachtungen des Einflusses von Alkohol auf Pupillenreaktion und Augenbewegung sowie auf nautische Leistungen zeigten z.T. deutliche Funktionsausfälle bei einer Blutalkoholkonzentration von 1,0‰.
Zusammenfassung Hintergrund. Es gibt derzeit keinen verbindlichen Grenzwert für die Blutalkoholkonzentration, ab dem eine Fahruntüchtigkeit im Schiffsverkehr angenommen werden muss und damit eine Bestrafung wegen Trunkenheit nach dem Strafgesetzbuch begründet werden kann. Ziel unseres interdisziplinären Projektes war die Erarbeitung von Datenmaterial, um medizinisch gesicherte Grenzwerte vorzuschlagen. Material und Methode. Der Einfluss von Alkohol auf das visuelle System und die Fähigkeit, ein Schiff zu führen,wurden an 21 Kapitänen im Schiffssimulator getestet. Es wurden nüchtern und alkoholisiert Fern- und Nahvisus,Binokularfunktion, Farben- und Dämmerungssehen sowie die Akkommodationsbreite geprüft. Ergebnisse. Bei der Fahrt im alkoholisierten Zustand (durchschnittlich 1,08‰ Blutalkoholkonzentration) zeigten alle Kapitäne nautische Fehler bzw.Fehleinschätzungen von Gefahrensituationen. Es fanden sich keine Beeinträchtigungen von Visus und Binokularfunktion. Die Akkommodationsbreite nahm durchschnittlich um 18% ( p =0,0001) ab, im Farblegetest wurden alkoholisiert mehr Fehler ( p =0,017) gemacht und mehr Zeit ( p =0,004) benötigt. Schlussfolgerung. Die reduzierte Leistungsfähigkeit aller Probanden bei einer Blutalkoholkonzentration von ca.1‰ belegt das hohe Risikopotenzial von Alkohol im Schiffsverkehr und damit die begründete Annahme, dass Schiffsführer bei dieser Blutalkoholkonzentration fahruntüchtig sind.
A fatality caused by ingestion of a decalcifying agent containing formic acid is reported. Quantitative analysis of formic acid in the form of its methyl ester was performed in different body fluids and organ samples using head-space gas chromatography with flame ionization detection. The blood taken at the time of admission to hospital had a concentration of 370.3 μg/ml, which declined to 13.9 μg/ml after 6.5 h of haemodialysis. Post-mortem concentrations were 855.4 μg/ml (heart blood), 2712 μg/ml (gastric contents), 1128 μg/ml (haemorrhagic fluid from abdominal cavity), 3051 μg/ml (bile), 2664 μg/ml (contents of small intestine), 442.7 μg/g (liver) and 542.3 μg/g (kidney). The most important morphological findings for differentiating between oral and respiratory ingestion were ulceration of the oropharynx and the oesophagus as well as extensive necrotic lesions in the stomach and the duodenum without perforation. Death was caused by massive acidosis, haemolysis, bleeding complications, hepatic and renal failure. Toxicological and morphological findings revealed that a considerable amount of formic acid had been ingested orally with a suicidal intention.
Elaborated by the German interdisciplinary working group for age diagnostics Die Idee des Vorstandes der DGZMK, Möglichkeiten der forensischen Altersdiagnostik bei Lebenden zu eruieren, wurde vom Arbeitskreis für Forensische Odonto-Stomatologie (AKFOS) aufgegriffen. A. Schmeling, G. Geserick, H.-J. Kaatsch, B. Marré, W. Reisinger, T. Riepert, S. Ritz-Timme, F. W. Rösing, K. Rötzscher Institut für Rechtsmedizin, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Rechtsmedizin, Universität Kiel, Zentrum ZMK, Technische Universität Dresden, Institut für Radiologie, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Rechtsmedizin, Universität Köln, Institut für Humangenetik und Anthropologie, Universität Ulm, Arbeitskreis für Forensische OdontoStomatologie