Der Beitrag untersucht anhand von Leitfadeninterviews, welche Bedeutung (inter-)nationale räumliche Mobilität in Wissenschaftskarrieren hat. Möglichkeiten und Anforderungen stehen hier – auch angesichts des in Deutschland hohen Stellenbefristungsgrads – in einem ambivalenten Verhältnis. Drei Typen zeigen verschiedene Mobilitätsmuster, -haltungen und ihre Bedingungen auf, wobei u.a. Karriereverläufe und linked lives relevante Faktoren sind.
In this editorial, we introduce the FQS special issue "Mixed Methods and Multimethod Social Research—Current Applications and Future Directions" by firstly considering changes and continuities in the field since the publication of FQS 2(1) on "Qualitative and Quantitative Research: Conjunctions and Divergences" (SCHREIER & FIELDING, 2001). We then provide a brief overview of the historical development of mixed research approaches over the past 20 years so as to arrive at a concise description of the status quo. We highlight some of the advances made by researchers applying integrative designs in multiple research areas, as well as methodologists analyzing the conceptual groundwork of mixed methods and multimethod research (MMMR). However, we also point out some of the critical issues remaining to be resolved, including the increasing internal fragmentation of the MMMR discourse and a seemingly growing gap between MMMR methodology and empirical research practice. We conclude by introducing the 13 contributions assembled in this volume.
In this article, we draw on two research projects on museums to present how we combined qualitative and quantitative methods (e.g. semi-structured interviews, non-standardised observations, focused ethnographies, ethnographic observations and conversations; standardised surveys and observations), which designs we used, and which opportunities and challenges we encountered. Given today's pluralised museum landscape, the research involved questions of whether and to what extent museums are oriented to offering experiences and which role museum guards play beyond their security function. We show how combining different methods can be particularly fruitful for examining fields characterised by a range of tensions from different perspectives. On the one hand, this allows us to grasp the (conflictual) interplay of different dimensions (actors, exhibition aesthetics, concepts, discourses), and on the other hand, we can broadly situate our objects of research and interpretations. The first challenge we discuss is the temporality of the empirical procedure, including questions of how linear and iterative approaches as well as procedures running in parallel and sequentially can be integrated. Secondly, we ask to what extent findings from different approaches and museums can be compared with each other during the analysis—broadly or deeply, with regard to the number of museums or dimensions.
Museen vermitteln zwischen Kultur und Öffentlichkeiten, wobei dem Aufsichtspersonal eine bislang vernachlässigte Scharnierfunktion zukommt. Eingebettet in die Reflexion musealen Wandels fokussieren wir aus ungleichheits- und institutionentheoretischer Perspektive Spannungsfelder und ihre Bedingungskonstellationen: Dabei geht es erstens um die Rolle des Aufsichtspersonals ,im Dienst' des Museums mit Blick auf die Gestaltung und Umsetzung von Personal-/Publikumskonzepten und zweitens um ihre Verortung bei der Sichtbarmachung von Publikumserwartungen ,im Dienst' des Publikums. Drittens stellen wir eine Systematisierung der paradoxalen Herausforderungen multipler ,Dienstbarkeiten' im Arbeitsalltag dar. Unsere Einsichten fußen auf multimethodisch angelegten Einzelfallstudien und zusätzlichen Beobachtungen in zahlreichen Museen. Das Aufsichtspersonal rückt so als ein Brennglas des kulturorganisationalen Konfliktfelds von Deutungshoheiten einerseits sowie Teilhabe-Rhetoriken andererseits in den Blick.
Im Kommentar zur Debatte zwischen Nils Kumkar/Uwe Schimank und Andreas Reckwitz werden vier Aspekte diskutiert: die Konstruktion sozialer Klassen bei Reckwitz, deren Dynamiken und Relationen, die These eines Bruchs in der gesellschaftlichen Entwicklung sowie die Reflexion der Forschendenrolle in diesem Kontext.
Auf der Basis ausgewahlter, insbesondere fur biografische Zugange fruchtbarer Zeitdimensionen werden in diesem Beitrag an einem Fallbeispiel aus der eigenen Forschung – methodisch anhand von Familieninterviews mit mehreren Generationen – zunachst zwei Fragen ausgelotet. Erstens wird exemplarisch gezeigt, wie sich durch die heuristische Berucksichtigung zeitlicher Dimensionen Aufschlusse uber zentrale Linien der Forschungsfrage – zur Statusreproduktion in Familien – erzielen lassen. Zweitens wird nachgezeichnet, wie familiale Zeitbezuge im Interview durch die Beteiligten uberhaupt erst ausgehandelt bzw. hergestellt werden. Im darauffolgenden Schritt wird uber das Beispiel hinaus diskutiert, welche spezifischen Moglichkeiten und Grenzen zeitsoziologischer Analyse Familieninterviews im Vergleich zu anderen Erhebungsverfahren qualitativer verbaler sowie nonverbaler Daten insbesondere, aber nicht ausschlieslich im biografischen Kontext aufweisen.
Auf der Basis ausgewählter, insbesondere für biografische Zugänge fruchtbarer Zeitdimensionen werden in diesem Beitrag an einem Fallbeispiel aus der eigenen Forschung – methodisch anhand von Familieninterviews mit mehreren Generationen – zunächst zwei Fragen ausgelotet. Erstens wird exemplarisch gezeigt, wie sich durch die heuristische Berücksichtigung zeitlicher Dimensionen Aufschlüsse über zentrale Linien der Forschungsfrage – zur Statusreproduktion in Familien – erzielen lassen. Zweitens wird nachgezeichnet, wie familiale Zeitbezüge im Interview durch die Beteiligten überhaupt erst ausgehandelt bzw. hergestellt werden. Im darauffolgenden Schritt wird über das Beispiel hinaus diskutiert, welche spezifischen Möglichkeiten und Grenzen zeitsoziologischer Analyse Familieninterviews im Vergleich zu anderen Erhebungsverfahren qualitativer verbaler sowie nonverbaler Daten insbesondere, aber nicht ausschließlich im biografischen Kontext aufweisen.
In der schriftlichen Fassung der Eroffnungsrede des Gottinger Soziologiekongresses 2018 wird diskutiert, inwiefern die Soziologie als multiparadigmatische Disziplin zu verstehen ist und welche Anknupfungspunkte es fur eine ›streitbare‹ Verstandigungsorientierung gibt. The written version of the opening address at the Congress of Sociology in Gottingen 2018 discusses the extent to which sociology is to be understood as a multiparadigmatic discipline and which points of reference exist for a ›disputatious‹ understanding.
Der Beitrag gibt einen Überblick über die Debatte zunehmender Statusverunsiche-rungen in den (deutschen) Mittelschichten. Ein Fokus liegt auf der Präsentation ei-gener quantitativer und qualitativer Befunde und den damit verbundenen methodi-schen Herausforderungen (z.B. der Operationalisierung). Quantitative Befunde zei-gen, dass geäußerte ökonomische Sorgen rückläufig sind. Zugleich weisen qualitative Befunde darauf hin, dass 1) eine als unsicher empfundene Erwerbssituation nicht zwingend damit einhergeht, diese Unsicherheit prinzipiell als Bedrohung zu deuten. Andererseits können 2) Irritationen bestehen, ohne dass Sorgen explizit verbalisiert werden. Die Verschränkung von Lagemerkmalen und ggf. damit einhergehenden ty-pischen Mentalitäten bedarf daher einer differenzierten Betrachtung.
Der Beitrag gibt einen Überblick über neuere Veröffentlichungen, in denen vertikale Ungleichheiten mit qualitativen Methoden untersucht werden. Zu Beginn werden grundsätzliche Trends in der deutschsprachigen Ungleichheitsforschung beschrieben sowie jeweils spezifische Schwerpunktsetzungen in quantitativen und qualitativen Studien thematisiert. Eine Darstellung von ausgewählten Fachartikeln (2012 bis 2017) ermöglicht es, inhaltliche Fokussierungen der Beiträge und methodische Entwicklungen zu skizzieren. Dabei wird deutlich, welche Potenziale die Erforschung von Themen wie symbolischen Grenzziehungen, Prekarisierungs- oder auch intergenerationalen Transmissionsprozessen mit qualitativen Erhebungs- und Auswertungsmethoden haben. Die abschließende Betrachtung − mit einer Unterscheidung von drei analytischen Perspektiven auf Ungleichheit − verweist auf spezifische Stärken qualitativer Vorgehensweisen.
The article gives an overview of current publications dealing with qualitative research on social inequality with a focus on vertical dimensions.General trends in the German speaking fields of inequality research are outlined and specific interests of quantitative and qualitative studies are described.With a focus on selected journal articles (2012 to 2017) we provide a review about main research topics and methodological developments.Thereby the overview demonstrates the potentials of qualitative research designs to discover topics like boundary making, precariousness or processes of intergenerational transmission.The conclusion (differentiating between three analytical perspectives on inequality) points out the different advantages of qualitative methods.
Spatestens seit den 1970er Jahren gibt es im Kontext von Museen eine Offnungsdebatte. Angesichts von Pluralisierung und Konkurrenz (um Budgets und Aufmerksamkeit) stehen die Hauser zunehmend unter einem Legitimierungsdruck; in einschlagigen Diskursen wird die Rolle von Museen z.B. als auserschulischer Lernort, als Institution sozialer Teilhabe oder als Erlebnisgelegenheit verhandelt. Wie sehen vor diesem Hintergrund Dynamiken des Ein- und Ausschlusses aus? Auf der Basis eines aktuellen Forschungsprojekts zeigen wir zum einen, dass Darstellungen von Museumsverantwortlichen die Ambivalenz der o.g. Diskurse spiegeln. Dadurch, dass sie oftmals Konzepte (z.B. Hochkultur-Anspruche mit Erlebnisorientierung) verknupfen wollen, setzen sie ambivalente ‚Offnungssignale‘ und schliesen eben dadurch – zumeist eher beilaufig – Teile des potentiellen Publikums aus. Wir zeigen diese Ambivalenzen an Beispielen und liefern dadurch eine Teilerklarung dafur, warum trotz des Inklusionsanspruchs eine steigende Anzahl von Museumsbesuchen mit einem oft bildungsaffinen Publikum einhergeht. Zum anderen verweist auch ein Blick auf Ausstellungsinszenierungen und das Publikum darauf, dass sich auch in dieser Hinsicht Dynamiken von Ein- und Ausschlussen fortsetzen. Die Analyse zeigt, dass es auch hier keine simple Antwort darauf gibt, ob, wann und wie Ausschlusse stattfinden. Anhand der Beispiele zeigen wir die Problematik, empirisch zu klaren, ob Verhalten in Museen eher auf sozialstrukturell ‚vertikale‘ Ausschlusse oder auf ‚horizontale‘ Unterschiede hinweist. Wir folgern, dass Ansatze, denen zufolge die herrschende Klasse soziale Ungleichheit mit Hilfe des ‚legitimen‘ Geschmacks distinktiv reproduziert, zwar fur soziale Schliesungen in einem Feld sensibilisieren, dass sie jedoch auch zu hinterfragen sind, etwa in Bezug auf konzeptionelle Setzungen von Nicht-Teilhabe als Ausschluss oder darauf, welche Prufkriterien (distinktionsbasierte) Ausschlusse valide indizieren.