Die Beschulung von Kindern und Jugendlichen, die in Heimerziehung leben, und als „unbeschulbar“ im öffentlichen Schulsystem gelten, ist Gegenstand des Beitrags. In Kooperation zwischen (Förder-)Schule und Kinder- und Jugendhilfe werden ersetzende Schulen für die Beschulung geschaffen. Der Beitrag stellt Schulen der Heimerziehung vor und diskutiert das Phänomen einerseits hinsichtlich der ungleichheitsförderlichen strukturellen Mechanismen des Schulsystems. Andererseits werden soziale Exklusionen im Zusammenwirken der Beschulung und dieser stationären Hilfe zur Erziehung betrachtet. Empirische Grundlage sind zwei eigene Forschungsprojekte in Deutschland.
Innerhalb der Kooperation von Kinder- und Jugendhilfe und Schule sind die Hilfen zur Erziehung ein wenig erforschtes Feld, obwohl in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit für die schulische Situation von jungen Menschen, die in oder mit Hilfen zur Erziehung leb(t)en, zugenommen hat. Der Beitrag untersucht einen spezifischen Ausschnitt des Kooperationsfeldes Hilfen zur Erziehung mit Schule. Es werden auf der Grundlage von Gruppendiskussionen die bildungsbezogenen Familienbilder rekonstruiert, die Fachkräfte der Heimerziehung und der Sozialpädagogischen Familienhilfe hervorbringen. Die Analyse zeigt, dass für die Legitimation der Kooperation mit der Schule insbesondere auf diejenigen Familienbilder zurückgegriffen wird, die mit einem geringen Bildungsniveau der Eltern einhergehen. Zugleich kommt der Verteilung von Bildungsverantwortung eine besondere Rolle zu.
Im Beitrag werden schulische Übergänge von Kindern und Jugendlichen, die in Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe leben, fokussiert. Dazu werden bestehende Erkenntnisse zu Übergängen in das/im/aus dem Bildungssystem gemeinsam mit Befunden zu Übergängen der Heimerziehung präsentiert. Empirische Grundlage sind zwei ethnographische Forschungsprojekte zu Heimerziehung und Schule. In den Ergebnissen zeigt sich, dass neben standardisierten schulischen Übergängen insbesondere entstandardisierte schulische Übergänge, wie Schulwechsel, den Alltag der Wohngruppen bestimmen. Vor diesem Hintergrund wird die Begleitung schulischer Übergänge durch die Fachkräfte und das unmittelbare Erleben der Übergänge durch die Kinder und Jugendlichen untersucht. In der abschließenden Diskussion wird den Übergangsstrukturen von Heimerziehung und Schule nachgegangen und die Notwendigkeit eines Übergangswissens (zukünftiger) Fachkräfte hervorgehoben.
The contribution introduces the concept of organised disintegration'. Based on an interview study conducted in Germany, the concept describes the life situation of asylum seekers and tolerated' refugees. At first, the theoretical references to the total institution' and conduct of everyday life' approaches are explained. Work' appears in the results as an arrangement of the refugees' conduct of everyday life that is characterised by joblessness and futile search for employment. The refugees experience work as prohibited and their persistent situation as lost lifetime and as human death'. At the same time, the arrangement of work is maintained as a meaningful part of real life' which begins immediately after overcoming the current legal status. The validity of the concepts that were made relevant as well as the implications for the current state of research in refugee studies are discussed in the conclusion.
The so-called "refugee crisis" put forced migration to the core of Europe in a way not seen for years. Since then, a plethora of unsolved global issues which have effects on more privileged nation-states in the global North has once again came to the fore. This is especially true for the EU member states who may hardly be conceived as unitary in confronting the challenges forced migration implies for nation-states. The so-called "receiving countries" have often set aside the humanitarian aspect of granting asylum. From their point of view, there is an increased economic interest in refugees with higher formal qualifications and work experience, who could be integrated comparatively easily into the national work forces without further investments. At the same time, such refugees would also serve national economic interests by strengthening qualified labor. Compared to earlier years of reception, several parts of Europe have thus encountered another period of numerous arriving and at least temporarily resident refugees.
Mit dem Begriff des „unfreiwilligen Lebensorts“ wird auf das Alltagsleben von Menschen rekurriert, die an Orten leben, die sie nicht selbst bzw. aufgrund äußerst begrenzter Möglichkeiten oder Mangel an (besseren) Alternativen gewählt haben. Der Begriff eröffnet die Perspektive auf Widerständigkeiten und Begrenzungen, spezifische Formen der Sozialität und zu bewältigende Diskontinuitäten, die das Leben an diesen Orten beeinflussen und prägen.
Die Lebensorte von Flüchtlingen werden im deutschen Aufnahmekontext durch das Asyl- und Aufenthaltsrecht bestimmt. Die Zuweisung von Lebensorten ist eine der Stellschrauben im rechtlichen Strukturgeflecht. Das Leben an diesen zugewiesenen Lebensorten wird gefasst als bürgerlicher Tod, Anpassung und Unterleben.
Der Beitrag fokussiert die Methode der Ethnographie als Möglichkeit, sich mit dem Zusammenhang von Hilfen zur Erziehung und Bildungsungleichheit auseinanderzusetzen. Vorliegende theoretische Ansätze zur Erklärung von Bildungsungleichheit werden für die Konstellation Familie, Schule und Hilfen zur Erziehung weiterentwickelt. Dabei wird das Verhältnis von lebensweltlicher und institutionalisierter Bildung für die familienergänzenden oder -ersetzenden Settings neu gefasst. Ethnographische Entdeckungen werden exemplarisch an schulischen Übergängen, Peerkultur in Schule und der Rücknahme einer Einwilligungserklärung nachvollzogen. Forschungsethische Fragen runden die Diskussion von produktiven Irritationen für das Erkenntnisinteresse und von Herausforderungen ethnographischer Forschung ab.
The article gives an overview of current publications dealing with qualitative research on social inequality with a focus on vertical dimensions.General trends in the German speaking fields of inequality research are outlined and specific interests of quantitative and qualitative studies are described.With a focus on selected journal articles (2012 to 2017) we provide a review about main research topics and methodological developments.Thereby the overview demonstrates the potentials of qualitative research designs to discover topics like boundary making, precariousness or processes of intergenerational transmission.The conclusion (differentiating between three analytical perspectives on inequality) points out the different advantages of qualitative methods.
Erziehungswissenschaftliche Revue (EWR) 16 (2017) 4 Padagogische Teildisziplin: Allgemeine Erziehungswissenschaft; Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft;
Hitzler, Ronald [Hrsg.]; Kreher, Simone [Hrsg.]; Poferl, Angelika [Hrsg.]; Schroer, Norbert [Hrsg.]: Old School - New School? Zur Frage der Optimierung ethnographischer Datengenerierung. Essen : Oldib Verlag 2016, S. 357-366 Padagogische Teildisziplin: Sozialpadagogik;
Unter dem Stichwort lokale Bildungslandschaften werden werden Planungsprozesse im Ganztagsschul-Zeitalter, die weit uber die Einzelschule hinausgehen, thematisiert. Der Begriff lokale Bildungslandschaften wird erklart, um vor dem Hintergrund eines Forschungsprojektes des Deutschen Jugendinstituts eine (mogliche) Position der Kinder- und Jugendhilfe in lokalen Bildungslandschaften zu diskutieren. (Autorin)